Wettlauf gegen die Zeit – Was bringt der Klimagipfel?

Wettlauf gegen die Zeit – Was bringt der Klimagipfel? Phönix lud eine Runde ein, zu diesem Thema zu diskutieren. Die Aktivistin Pauline Brünger wurde ein Opfer der Deutschen Bahn und erreichte das Studio nicht rechtzeitig. Ihr Platz blieb leer. So saßen neben dem Moderator Alexander Kähler der ZDF-Meteorologe Özden Terlin, Daniel Gräber vom Cicero und Prof. Lamia Messari-Becker. Terli war anfangs noch ganz ruhig, im weiteren Verlauf der Sendung und nach den Redebeiträgen der beiden anderen Gäste rutschte er immer nervöser auf seinem Stuhl hin und her. Er verbat sich auch, dass ihm die beiden ins Wort fallen, um dann aber genau das ebenfalls zu machen.

Die Positionen waren jedenfalls klar. Messari-Becker verwies immer wieder auf Anpassung und das sich das keineswegs mit der Dekarbonisierung beißt. Man muss es immer zusammen sehen. Dem widersprach Terli. Die Anpassung wäre viel zu teuer und wir hätten auch gar nicht die Ressourcen das zu machen. Gräber verwies darauf, dass die Energiewende nach deutschem Vorbild gescheitert wäre und nicht als Blaupause für andere Länder gelten kann. Er plädierte für Forschung und Weiterentwicklung, auch von Kernenergie. Messari-Becker nannte immer wieder das Thema Speicher und merkte süffisant an, dass wir die keineswegs noch und nöcher hätten. Wem das galt, war klar. Interessant sicherlich auch das Statement von Gräber, dass wir eigenes Gas in Deutschland hätten, aber lieber Fracking-Gas unter enormen Energieaufwand aus anderen Ländern importieren.

Terli ging auf das Thema Kernenergie nicht ein, aber er wiederholte brav die Narrative von dem bewusst herbeigeführten Schrumpfen der Solar- und Windkraftindustrie. Dabei verwechselte er jedoch tragischerweise Produktion solcher Anlagen mit dem Errichten und Betreiben. Hier wäre eine Flanke offen gewesen, sie wurde aber von den beiden anderen Studiogästen nicht genutzt. Ganz besonders die Solar-Industrie ist deshalb nach China abgewandert, weil das Land diese Wirtschaft als Schlüsselindustrie ausgewählt hat. Mit allen Konsequenzen: Niedrige Umweltstandards, Zwangsarbeit, günstiger Kohlestrom und Subventionen machen Module aus China sehr günstig.

Vielleicht sollte sich Terli mal fragen, warum die deutschen Schiffswerften fast ausschließlich Spezialaufträge anfertigen, “normale Schiffe” aber in erster Linie aus Asien kommen. Es ist ein Race-To-The-Bottom, und das kann nicht gewonnen werden. Das mussten schon ganz andere Industrien lernen. Terli verkauft es hier als bewusste Entscheidung einer Regierung, dabei sind es Managementfehler, wie bei der Windkraft, die auch nach 20 Jahren kein tragfähiges Geschäftskonzept entwickelt hat.

Immer wieder beschwor Terli die Klimakatastrophe – darunter macht er es nicht mehr. Messari-Becker zitierte das Max-Plank-Institut und dessen Prognosen und sie meinte, dass sich immer lohnt etwas für den Klimaschutz zu machen und Prozesse auch umkehrbar seien. Und dann folge etwas, was man Zitierkartell nennt. Terli brachte eine Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zur Westarktis ins Gespräch. Nun war keiner der anderen Teilnehmer der Runde darauf vorbereitet. Sie hätten Terli ansonsten den Stand der Forschung in diesem Bereich erläutern können, der natürlich nicht nur aus der PIK-Studie besteht. Wir berichteten über den Stand schon einmal in diesem Blog.

Was bleibt von der Runde? Terli deutlich moderater als er für gewöhnlich bei Twitter auftritt, wo er permanent von der Verschwörung der Klimaschmutzlobby schreibt. Sein Twitter-Lieblingswort “Bullshit” kam ihm in dieser Sendung nicht über die Lippen. Gräber und Messari-Becker schlugen sich gut. Terli hatte Mühe, wirklich Punkte zu machen. Die beiden Gegenparts hätten es aber durchaus noch besser machen können. 45 Minuten sind allerdings auch eine kurze Zeit, um so ein umfassendes Thema zu erörtern.

+++

Am deutschen Wesen… So könnte man die Ratschläge von Claudia Kemfert sehen, die sich kritisch zu Überlegungen für eine künftige Stromversorgung in der Ukraine äußert. Die Ukraine und auch Europa sollen bitte mal dem deutschen Weg folgen. Der bedeutet aktuell die höchsten Strompreise der Welt und zudem einen sehr hohen CO2-Ausstoß, weil alte Kohlekraftwerke brav vor sich hin orgeln. Die USA werden sicherlich keinen Pfifferling auf die Ratschläge der deutschen Professorin geben und eigene Pläne verfolgen. Der US-Sonderbeauftrage Kerry äußerte sich sehr eindeutig auf Twitter in welche Richtung der Zug fährt. SMRs sind small modular reactors…

(Abbildung: Screenshot Twitter)

+++

Werden El-Niños zukünftig stärker ausfallen? Eine Studie, die der Spiegel vorstellt, sieht das so.

“Das Team untersuchte Wassertemperaturen im Pazifik ab 1950 und verwendete Klimamodelle, um abzuschätzen, wann eine erhöhte Enso-Variabilität aufgrund der menschengemachten Erderwärmung im östlichen oder zentralen Pazifik nachweisbar sein wird. Das Ergebnis: Die durch den Klimawandel hervorgerufenen Temperaturveränderungen im östlichen Pazifik würden wahrscheinlich um 2030 nachweisbar sein, vier Jahrzehnte früher als bisher erwartet. Außerdem werden die Anzeichen im östlichen Pazifik voraussichtlich früher auftreten als im zentralen Pazifik. Das sei auf die schnellere Erwärmung dieser Region und auf einen stärkeren Einfluss der zunehmenden Niederschläge zurückzuführen.”

Vorhersagen für diesen Bereich sind nicht ohne Tücken. Aktuell gehen wir in die Dritte La-Niña Saison, wie die US-Wetterbehörde NOAA berichtet.

“Except for a short break in the summer of 2021, the ONI has been cooler than the La Niña threshold since summer 2020. Heading into our third La Niña winter in a row, we find ourselves in a situation we’ve only recorded twice before, 1973–76 and 1998–2001. Both of those previous triple-deckers followed strong El Niño years, while this one follows the warmish-neutral winter of 2019–2020. The physics behind why we ended up with three La Niña winters in a row this time is going to be an active research topic for climate scientists!”

Dabei hätte es nach einer Prognose des PIK 2020 bereits einen El-Niño geben müssen. Das Gegenteil trat ein. Seit 2013 meldet das PIK immer wieder Durchbrüche bei der Vorhersage. Auch im Jahr 2019 lag das PIK trotz neuester Modelle und reichlich Rechenleistung falsch, wie hier berichtet wurde. Wir zitieren Mark Twain gern wieder:

„Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen“

+++

Wir haben kein Stromproblem. Vielleicht ja doch? Das ZDF berichtet:

“Wegen der angespannten Lage bei der Energieversorgung wird es nach Einschätzung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in den kommenden Monaten zu Stromausfällen in Deutschland kommen, die über das bisherige Maß hinausgehen. „Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter Blackouts geben wird“, sagte BBK-Chef Ralph Tiesler der „Welt am Sonntag„. „Damit meine ich eine regional und zeitlich begrenzte Unterbrechung der Stromversorgung.””

“Einen Blackout – im Sinne eines flächendeckenden Zusammenbruchs des europäischen Übertragungsnetzes – hat es seit dem Zweiten Weltkrieg ebenfalls noch nicht gegeben. Im Januar 2021 sei es aber zu einer kritischen Situation gekommen, erklärt Schwarz. Weil zu viel Strom über den Balkan nach Nordwest-Europa transportiert werden sollte, kam das System in massive Schwierigkeiten – die Netzfrequenz sackte laut Netzbetreiber Amprion auf 49,74 Hertz ab.

In diesem Winter könnte es laut Schwarz wieder kritisch werden: Bei einer längeren „Dunkel-Flaute“, wenn also wenig Strom durch Wind- oder Solarkraft produziert wird, müsse viel Strom im Ausland zugekauft werden. Möglicherweise gäbe es erneut eine regionale Überlastung der Netze, die eine fatale Kettenreaktion in Gang setzen könnte. „Und wenn das passiert, werden wir sehen, ob der Frequenzeinbruch so heftig wird, dass wir die 49 Hertz unterschreiten“, so Schwarz.

Dass es so weit kommt, hält auch Energie-Fachmann Niko Paech von der Universität Siegen für möglich, schränkt jedoch ein: Das sei „unwahrscheinlich – außer ein besonders strenger Winter träte ein“. Deutlicher fällt nun die Warnung des BBK aus – mit Tieslers Hinweis, dass man von einer regional und zeitlich begrenzten Unterbrechung der Stromversorgung ausgehen müsse.”