Wenn uns PIK-Jungaktivisten die Klimawelt erklären…

TRAVELBOOK meldet am 06. März 2019:

Das „Tor zur Unterwelt“ wächst immer weiter: Kündigt dieser Riesenkrater eine Katastrophe an?
Mitten in der sibirischen Taiga klafft seit den 60er-Jahren ein riesiger Krater in der Erde, der immer weiter wächst. Einheimische nennen ihn deshalb ehrfürchtig das „Tor zur Unterwelt“ – und Wissenschaftler fürchten, dass seine Ausbreitung katastrophale Folgen haben könnte.

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Man beruft sich dort auf einen uns bereits bekannten WELT-Artikel vom 03.03.2017. Denn das hatten wir ja schon mal aufgegriffen. Siehe Uli Webers Artikel „Batagaika-Krater als Klimawandelschaden? 2:0 für Murton et al. gegen WELT-N24 und das Alfred-Wegener-Institut„.

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Michael Lindner und Antonia Schuster am 3. Dezember 2018 auf Zeit Online:

10 Fakten zum Klimawandel, die man sich merken kann
Mythen aufdecken? Je öfter Klimaforscher das versuchen, desto eher merken sich Leute Falschinformationen. Deshalb lesen Sie hier nur, was Sie sich merken sollten.

Das hört sich gut an. Denn auch wir mögen keine Falschinformationen. Was empfehlen uns die beiden Autoren konkret? Beide Jungforscher waren mit dem Potsdamer PIK-Institut assoziiert, so dass man hier etwas genauer hinschauen sollte.

1) 97 % der Fachleute sind sicher: Der Klimawandel ist auch menschengemacht.

Der Verweis auf diese lupenreine Aktivistenstudie ist kein guter Einstieg für die beiden Ex-PIKler. Die Untersuchung wurde von Cook et al. 2013 durchgeführt. In die Tabelle 2 der Arbeit von Cook et al 2013, sieht man schnell, dass zu den 97% auch die meisten Klimaskeptiker zählen, die einen anthropogenen Anteil von bis zur Hälfte der Erwärmung für möglich halten. Unser Buch “Die kalte Sonne” wäre Teil des 97-Prozent-Konsens. Die “Reject AGW-Kategorie” umfasst nur jene extremen Meinungen, die eine Klimawirkung des CO2 komplett ausschließen bzw. eine äußerst geringe CO2-Klimasensitivität annehmen. Spiegel Online hatte dies bereits erkannt. Im Übrigen wurde die Studie von Richard Tol genau analysiert und für methodisch unzureichend befunden. Tol ist ein immerhin ehemaliger IPCC-Autor. Insofern kann diese Studie nicht als Argumentationsgrundlage verwendet werden, sie ist nicht robust und kommt eindeutig aus der Aktivistenecke. Den dazugehörigen “Game Plan” findet man hier.

2) Die globalen jährlichen CO2-Emissionen steigen nach wie vor.

3) Mehr CO2 in der Atmosphäre führt zu höheren Temperaturen – und umgekehrt.

Stimmt. Aber der wirklich relevante Punkt ist hier die enorme Unsicherheit in der CO2-Klimasensitivität, die von 1,5 – 4,5°C pro CO2-Verdopplung reicht. Das ist ein Unsicherheitsbereich mit Faktor 3! Dazu kein Wort von den beiden Autoren.

4) Die Erde darf sich nicht mehr als 1,5 Grad Celsius erwärmen.

Wirklich? Vor 6000 Jahren war es an vielen Stellen der Erde schon einige Grad wärmer als heute. Der Planet hat es überlebt. Stichwort „mittelholozänes Klimamaximum“.

5) Die realen Auswirkungen sind oft gravierender als die Vorhersagen.

Falsch: Die abgebremste Erwärmung seit 2000 hat die Klimaforscher kalt erwischt. Erst der El Nino 2015/16 ließ die Temperaturen wieder nach oben schnellen. Seit 2015 kühlt sich die Erde jedoch wieder ab. Auch in vielen anderen Bereichen sind die Klimatrends weniger dramatisch als lange befürchtet.

6) Das Klima verändert sich so schnell, dass dies das sechste Massenaussterben mit auslösen könnte.

Großer Unsinn. Siehe z.B. „Europas Torfmoore mit erstaunlicher Fähigkeit zur Anpassung an Klimaschwankungen“ und „Klimawandel weniger destruktiv als gedacht: Zukünftige Diversität der Arten offenbar unterschätzt “ und „Artenvielfalt vor allem durch schlechte Staatsführung, Korruption und Krieg gefährdet„.

7) Der Hitzesommer 2018 ist auch durch den Klimawandel entstanden.

Ein heißer Sommer als Beweis für die Klimakatastrophe? Arm. Genauso arm wie der Versuch, einen kalten Winter als Gegenbeweis für die Klimaerwärmung anzuführen.

8) In Deutschland arbeiten fast 340.000 Menschen im Sektor erneuerbare Energien

Stimmt. Und fast alle sind von Subventionen abhängig. Das ist nicht nachhaltig. Die Folge: Viele Firmen im Sektor sind schon wieder pleite. Ein Rückfall in die Planwirtschaft der DDR.

9) Auch Elektroautos können eine schlechte CO2-Bilanz haben.

Aufgrund der Herstellung müssen einige E-Auto erst 200.000 Kilometer fahren, bis sie ökologische Vorteile bringen.

10) Jeder einzelne kann etwas ändern bis zu 49 % könnte die Welt an durch Ernährung verursachten CO2-Emissionen einsparen, wenn alle vegan essen würden.

Wollen wir den Menschen wirklich das Essen vorschreiben? Wieder kommt die heimliche Sehnsucht nach einem ökodiktatorisch durchgeplanten Leben durch. Können die jungen Menschen mit der Freiheit und ihren Privilegien nicht umgehen? Irgendetwas scheint hier schon in der Schule schiefzulaufen, wo offenbar Gruppendecken und Ökoscham gelehrt werden, anstatt die Schüler zum Gebrauch des eigenen Gehirns anzuregen.

Unterm Strich handelt es sich bei dem Artikel der beiden Jungaktivisten um eine versteckte Bewerbung für Jobs am PIK-Klimaalarm-Institut. Das Nachsehen haben die Zeit-Leser, die dafür jede Menge Unsinn lesen müssen, der fachlich einfach nicht robust, dafür aber aktivistisch eingefärbt ist.