Welche Klimapolitik brauchen wir?

(Abbildung: Screenshot ARD Mediathek)

Was soll man vom aktuellen Presseclub, einer Sendung auf WDR und Phoenix, halten? Die Sendung vom 18.07.2021 hatte das Thema “Flutkatastrophe und Saharahitze, welche Klimapolitik brauchen wir?”

Das hätte vielleicht sogar eine spannende Sendung werden können, eingeladen waren drei Journalisten und der Meteorologe Sven Plöger. Zwei Wirtschaftsjournalisten der FAZ (Patrick Bernau) und der Wirtschaftswoche (Silke Wettach) stand Sara Schurmann gegenüber, die sich sehr mit dem Thema Klima beschäftigt. Sie hat das Netzwerk Klimajournalismus initiiert. Eigentlich fing es recht gut an, als Ellen Eni, die die Sendung moderierte, zu Beginn über den auch vom Menschen verursachten Klimawandel sprach. Glücklicherweise sprang Sara Schurmann da noch nicht heftig dementierend vom Stuhl auf. Sara Schurmann hatte ihren großen Moment aber später als sie behauptete, dass mit einer 1,5 Grad Erwärmung in Deutschland sämtliche Dachgeschoss-Wohnungen nicht mehr bewohnbar sind. Diese Erkenntnis ist neu, mal sehen, wer diese Prognose in nächster Zeit noch so aufgreifen wird.

Sven Plöger spulte seine Jetstream-Theorie ab, als es um die aktuellen Starkregenereignisse ging, obwohl besagter Stream im Sommer ohnehin immer schwächer ist und er zum Zeitpunkt des Tiefdruckgebiets nachweislich keine Rolle gespielt hat. Er war nämlich keinesfalls mäandert und verlief viel weiter nördlich von uns. Egal, als schnelle Erklärung reicht es, auch wenn die Attribution nicht so eindeutig ist, wie Sven Plöger es darstellte. Warum den Zuschauer also mit Fakten verwirren? Der Meteorologe hat ohnehin ein interessantes Verständnis von Wissenschaft. Immer wieder sprach er von der Wissenschaft, die es aber als homogene Masse nicht gibt. Was würde Sven Plöger bloß zum IPCC Bericht aus 2019 sagen, der einen Rückgang von Hochwasser am Rhein bei einer höheren Globaltemperatur prognostiziert? Vielleicht ist das ja nicht die Wissenschaft, die er meinte?

Die beiden Wirtschaftsjournalisten spielten sehr unterschiedliche Rollen. Silke Wettach betonte die Schwierigkeiten, Beschlüsse in Brüssel zu fassen und letztlich die Zurückhaltung der Politik bei der Vermittlung der Kosten des Green Deals. Schnell war man sich in der Runde aber einige, dass Nichtstun noch teurer wird. Sara Schurmann wusste sogar Zahlen (2-7 Euros in Zukunft pro nicht- ausgegebenem Euro jetzt), auch wenn das allenfalls Schätzungen sein können – nur auf welcher Basis? Patrick Bernau bemängelte die Investitionen in dem Bereich Klimaschutz, die nur wenig Messbares erreicht hätten. Leider präzisierte er es nicht weiter, er könnte die Grünen Stromquellen gemeint haben.  Außerdem meinte er, dass ein Kohle-Kraftwerk wie Moorburg schon wegen der steigenden CO2 Preise unrentabel wird. Warum also große Entschädigungen zahlen an die Betreiber? Dass die Leistung von Moorburg ersetzt werden muss, war leider nicht Gegenstand seiner Betrachtungen.

Immerhin rechnete Bernau vor, dass wenn Deutschland morgen auf Null Emissionen wäre, dieses lediglich den Anstieg von 2018 auf 2019 auf der Welt kompensieren würde. Er wies zudem auf Indien hin, über das fast nie gesprochen wird, lediglich China wird oft genannt. Plöger bemühte die Mathematik, aber nicht im Sinne des Anteils Deutschland bei CO2 an der Welt sondern bei den pro Kopf Emissionen und im Übrigen wäre Deutschland ja der sechstgrößte Emittent auf der Welt. Das lässt den 2% Anteil dann aus seiner Sicht riesig erscheinen. Mit der Logik können sich Parteien, die den Einzug ins Parlament nicht geschafft haben, zukünftig trösten. Wir waren immerhin 6 oder 7 größte Partei bei der Wahl.

Der pro Kopf Ausstoß wird gern benutzt, damit die chinesische totale Zahl nicht alles erdrückt, der Atmosphäre ist es aber egal, ob die Menge von 100 Millionen oder 1,5 Milliarden Menschen erzeugt wurde. Wie diese Grafik der Tagesschau zeigt, hat China Europa beim Pro Kopf Ausstoß bereits 2020 erreicht, die Lücke zu Deutschland wird sich ebenfalls schließen. Sven Plöger ging sogar noch weiter und führte Burundi als Beleg für die immens hohen Emissionen der Deutschen an. Na dann…

(Abbildung: Screenshot Tagesschau.de)

So blieb am Ende eigentlich keine wirkliche Erkenntnis, außer, dass Sven Plöger keine Partei wählen würde, die Bitcoins unterstützt. Ob damit auch Parteien gemeint sind, die von Bitcoin Spekulanten gefördert werden wie die Grünen? Das Highlight war allerdings am Ende ein Anrufer, der darauf aufmerksam machte, dass momentan zur Katastrophenhilfe Fahrzeuge und Aggregate mit Dieselmotoren eingesetzt werden. Wie das denn in Zukunft gehen soll, so ganz ohne Dieselmotoren? Die, meinte Sara Schurmann, wären ja gar nicht betroffen. Aha, also doch kein Ausstieg? Oder vorhandene Dieselmotoren schön lange pflegen und warten? Ein Jeder kennt ja die Geschichte vom alten Mercedes Benz, der irgendwo in Afrika kurz vor der ersten Million auf dem Tacho steht.

Die Frage ist allerdings, ob eine Industrie, die aus der Technik der Verbrennungsmotoren aussteigt, überhaupt noch Weiterentwicklungen in diesem Bereich betreibt, denn es hat auch bei Nutzfahrzeugen immer Innovationen im Motorenbereich gegeben.  Vielleicht drücken Journalisten wie Schurmann ja auch einfach nur die Daumen, dass schweres Gerät dann auch mit Batterie und genügend Strom bei einer Katastrophe ab 2035 verfügbar ist.

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Bei den Ruhrbaronen gibt es bezüglich der ganzen CO2-Rechnerei einen sehr interessanten Artikel von Daniel Bleich. Deutschland tut nichts beim Klimaschutz. Vielleicht sollten den auch Leute wie Sven Plöger mal lesen. Er könnte was über den Unterschied zwischen einem Industrieland und einem Agrar- oder Dienstleistungsland lernen.

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Die Rolle der Politik aber auch des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks kommentiert Axel Bojanowski von der Welt. Der Artikel steht hinter einer Bezahlschranke. Beide kommen nicht gut weg in seiner Analyse.

“Ob aus Starkniederschlag eine Katastrophe wird, hängt neben funktionierendem Katastrophenschutz vor allem ab von Bebauung, Bodenversiegelung, Begradigung von Flüssen, dem Landschaftstyp und Drainagesystemen. Wasser, das nicht versickern oder abseits von Siedlungen ablaufen kann, schwillt zur oberirdischen Flut, von engbebauten Straßen oder Bergtälern kanalisiert.”

Weitere lesenswerte Berichte zur Hochwasserkatastrophe. Klicken Sie auf den jeweiligen Link, um den ganzen Artikel zu lesen:

Wirtschaftswoche am 17.7.2021:

Acht Jahre altes Krisenszenario: Der Staat kannte das Risiko einer Hochwasserkatastrophe

Ein Krisenszenario mit extremen Überschwemmungen im Bundesgebiet hat die Bundesregierung bereits von Experten durchspielen lassen. Doch aus dem Strategiepapier haben Zuständige zu wenig gelernt.

NZZ am 16.7.2021:

Deutschland sollte auch über Dämme und Frühwarnsysteme und nicht nur über Windräder und Elektroautos reden

Die politische Aufarbeitung der Unwetterkatastrophe in Deutschland konzentriert sich auf den Streit über die Energiewende. Fragen zum besseren Schutz der Bevölkerung vor Unwetterkatastrophen wären mindestens so wichtig.

Martin Bauch, Hans-Rudolf Bork und Adam Izdebski am 20.7.2021 mit einem ganz ausgezeichneten Artikel in der FAZ (kostenpflichtig, investieren Sie):

Uns fehlt eine Erinnerungskultur für Naturkatastrophen

Die Flutkatastrophe hat so niemand kommen sehen: So hoch habe das Wasser noch nie gestanden, so plötzlich sei es noch nie gekommen. Ein Plädoyer für umweltgeschichtliche Warnhinweise.

Die Äußerungen von Betroffenen und politisch Verantwortlichen in den Hochwassergebieten Deutschlands stehen in einer langen historischen Tradition: Niemand habe sich so etwas vorstellen können, so hoch habe das Wasser noch nie gestanden, so plötzlich sei es noch nie gekommen. Bis in den Wortlaut gleichen diese Aussagen dem, was im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Chronisten nach entsprechenden Ereignissen niederschrieben; heute fehlt freilich der Hinweis auf Gottes Zorn in der Berichterstattung. Randständige Kommentatoren verweisen mit der Absicht, den anthropogenen Klimawandel in Abrede zu stellen, auf die Hochwasser der Ahr 1804 und 1910, die vielleicht ähnliche Dimensionen hatten. Es aber dabei bewenden zu lassen, verkennt vorsätzlich den Zusammenhang der Genese und zunehmenden Häufigkeit von extremen Wetterereignissen mit dem Klimawandel, den bald die Attributionsforschung ausleuchten wird; auch die infrastrukturelle Anpassung wird noch viel später – wenn überhaupt jemals in angemessener und machbarer Weise – realisiert werden können.

Nochmal Axel Bojanowski am 19.7.2021 in der Welt:

Klimawandel und Flut – Mythen auf dem Prüfstand

Es ist unbestritten: Heute regnet es mehr als vor der Industrialisierung. Hochwasser kommen trotzdem nicht häufiger vor – und sind auch nicht gefährlicher. Für die immensen Schäden gibt es eine ganz andere Erklärung. 539

Regnet es mehr wegen des Klimawandels?

Ja. Menschengemachte Treibhausgase wie CO2 halten Wärme in der Luft zurück. Global hat sich die bodennahe Temperatur seit Beginn der Industrialisierung um gut ein Grad erwärmt. Warme Luft enthält mehr Feuchtigkeit, es regnet also mehr. In Deutschland haben Niederschläge seit Beginn der systematischen Messungen vor 121 Jahren zu allen Jahreszeiten zugenommen, außer im Sommer. Im Sommer zeigen Niederschläge hierzulande keinen Trend.

Riffreporter am 19.7.2021:

Ahrtal: „Alles auf den Prüfstand stellen, um weiteren Katastrophen vorzubeugen“

Trichterlage, Flurbereinigung, Versiegelung – der Biologe Wolfgang Büchs erklärt, wie es zur Flutkatastrophe kommen konnte und um was es jetzt beim Wiederaufbau geh

[…]

Frage: Hat man nie überlegt, das Ahrtal auch mit technischen Mitteln besser zu schützen?

Wolfgang Büchs: Doch, schon im 19. Jahrhundert hat man Sohlschwellen eingebaut und kleinere Wehre geschaffen, um die Geschiebefracht der Ahr zu reduzieren. Und in den 1920er Jahren hat man als Reaktion auf die Flut von 1910 in großem Umfang Regenrückhaltebecken geplant, im Oberlauf der Ahr, im Trierbach, im Wirftbachtal und im Adenauer Bach.

Frage: Was leisten solche Sperren?

Wolfgang Büchs: Das sind technische Sperren, die nur bei Starkregen aktiviert und geschlossen würden, ansonsten kann das Wasser frei fließen. Man hat damals Sperren mit einem Fassungsvermögen von 11,5 Millionen Kubikmetern geplant. Damit könnte man eine Hochwasserwelle locker kappen. Es ist aber bei den Planungen geblieben.

Eine sehr beeindruckende Fotosammlung von historischen Hochwassermarken mitteleuropäischer Flüsse hat Heinz Thieme auf seiner Webseite zusammengestellt. Erstaunlicherweise fallen sehr viele Rekordmarken in das 18. Jahrhundert, lange bevor der CO2-Gehalt der Atmosphäre angestiegen ist.

Ein ähnliches Foto auch in diesem Facebook-Beitrag.

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Windstrom ist möglicherweise doch kein gutes Geschäft. Der Anbieter Jurastrom verspricht seinen Kunden 100% Strom aus Windenergie. Wie das bei Flauten funktionieren soll, ist rätselhaft. Bei den Verbraucherzentralen mehren sich die Beschwerden über Jurastrom, weil Kunden auf die Rückzahlung von zu viel bezahlten Abschlägen warten. Musste der Strom während der windstillen Zeit zu teuer dazugekauft werden? Bei Trustpilot schafft es das Unternehmen 97% der Wertungen mit ungenügend zu bekommen. Wie passt das zu einer üppig subventionierten Branche?

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Das Wirtschaftsministerium geht von steigendem Strombedarf aus. Was für eine Überraschung! 2030 könnten es 748 Terrawattstunden sein als Verbrauch für Deutschland. Da kann man ja nur die Daumen drücken, dass 2030 die Nächte abgeschafft werden und der Wind immer genügend weht. Weiterlesen bei Golem.

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Leserpost zum kürzlichen Wärmepumpen-Video, das wir hier verlinkt haben:

Die Wärmepumpen haben einen schweren Stand

1)  Antrieb mit Elektromotor:

a) steigende Strompreise

b) früher war der Nachtstrom relativ billig

b) vor allem im Winter wenn geheizt werden muss wird auch der Strom rar und teurer

2) Antrieb mit Gasmotor: Habe verschiedene verkauft: 

a) teuer im Unterhalt

b Gas ist nicht mehr aktuell (mit Klärgas allerdings super, wie ich das an meinem früheren Wohnort verkauft habe)

2) Wärmequelle: 

a) Aussenluft: wenn es kälter wird kann man aus der Aussenluft nicht mehr viel herausholen

b) Viele Einfamilienhäuser haben im Garten Rohre im Boden (flach oder Tiefenbohrung)

c) Geothermie: Habe seinerzeit für Basel angeboten – alles ist wegen Erdbeben gestorben.

d) Seen: nur für Städte die viel Geld haben (oft auch wegen Algen problematisch).

e) Abfall- Wasserreinigungs- und andere Anlagen, die mit der moderaten Wärme sonst nichts anfangen können.

Was zu beachten ist: Jede Anlage mit beweglichen Teilen (Motor und Kompressor) ist im Unterhalt teuer.

Praktisch alle Wärmepumpenheizungen in der Schweiz arbeiten mit teuren Bodenheizungen. 

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Leserpost:

Die unbeantwortete Frage aller Klimafragen
Eine lesenswerte Betrachtung von Ulli Kulke auf Achgut. Der gesamte gemessene CO2-Gehalt in der Atmosphäre wird der Jahresmittelwert auf der Zugspitze lt. UBA für das Jahr 2020 mit 413,6 ppm angegeben. Der vermutete anthropogene Anteil daran wird mit ca. 10 % angenommen. Ist das tatsächlich die alleinige Ursache für die starken Regenfälle und die katastrophalen Fluten? Der Beitrag endet mit den Worten: Viele scheuen sich nicht, ein solches tragisches Ereignis auszunutzen, um es zum Beispiel für den eigenen Wahlkampf in den Dienst zu stellen.