Welche Energiepolitik verdient Deutschland?

Simon Haas kommentiert in der NZZ die deutsche Energiepolitik.

“Die deutsche Politik fördert Windräder an Standorten, wo kaum Wind weht, und will mitten in der Energiekrise Kraftwerke abschalten. Dabei braucht das Land mehr und nicht weniger Kernenergie, sonst riskiert es die Abwanderung ganzer Industriezweige.”

Der Artikel geht auf die Auslastung von Windkraftanlagen in verschiedenen Teilen Deutschlands ein und hat dazu eine interessante Karte mit eigenen Berechnungen erstellt.

(Abbildung: Screenshot NZZ)

Es gibt die Auslastung der Windkraftanlagen auch visualisiert bei der NZZ. Haas plädiert für die Nutzung von Kernenergie, weil er nicht davon ausgeht, dass die Erneuerbaren Energien ausreichen, um ein Industriestandort wie Deutschland zuverlässig mit Energie zu versorgen.

“Zwar bietet Kernkraft allein auch keine Versorgungssicherheit; das mussten die Franzosen im Sommer schmerzlich erfahren, als ihr Land unverhofft in eine veritable Stromkrise rutschte. Daher diversifizieren die meisten europäischen Länder jetzt ihren Strommix: Polen steigt in die Kernenergie ein, Belgien verschiebt den Atomausstieg auf das Jahr 2035, und Frankreich verstärkt sowohl den Kernkraft- als auch den Windkraft-Ausbau an den Küsten. Alle Länder verfolgen dabei das gleiche Ziel: Klimaschutz sowie Unabhängigkeit und Sicherheit bei der Energieversorgung. Nur Deutschland schaltet stur seine letzten Kernkraftwerke ab und forciert den Ausbau volatiler Stromerzeugung aus Windkraft, obwohl es anders als Frankreich gar nicht die Flächen dazu hat.”

Dazu passt ein Artikel bei mastersource.org. Offshore Windkraftprojekte haben demnach in den USA ein Problem rentabel zu werden. Der Grund sind gestiegene Preise bei der Herstellung der Anlagen. Die Lösung ist einfach: Noch mehr Subventionen!

“Electricity rates are going up because of wind, solar, and batteries being forced upon, and duplicating, the grid. Reliability is going down because of wind and solar intermittency. And higher interest rates are (further) ruining the economics of the infrastructure-heavy, up-front capital necessary to turn “free” wind and solar into electricity.

It’s a perfect storm that might just overcome the taxpayer largesse of the federal subsidies (DOE and IRS) and rate averaging for captive ratepayers. With offshore wind experimental and extra-uneconomic, the worst can be assumed.”

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Zwei junge Forscherinnen aus Schleswig-Holstein wollen eine neuartige chemische Batterie entwickeln. Neu bei ihrem Ansatz einer Redox-Flow-Batterie ist die Verwendung von CO2. Der NDR berichtet in einem Video. Erste Investoren stehen demnach bereit.

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Über das sehr unplausible Klimamodel RCP 8.5 haben wir schon einige Male berichtet. Jetzt hat sich Axel Bojanowski von der Welt des Themas angenommen. Der Artikel hat eine Bezahlschranke.

“RCP8.5, „Repräsentativer Konzentrationspfad 8.5“, beschreibt eine Entwicklung, bei der die CO2-Konzentration in der Luft so stark ansteigt, dass das Treibhausgas die globale Erwärmung um 8,5 Watt pro Quadratmeter verstärkt. Für RCP8.5 müsste die CO2-Konzentration von heute 420 Luftteilchen pro eine Million Luftteilchen (ppm) auf 1400 Teilchen steigen. Derzeit fügt die Menschheit der Luft etwa drei ppm CO2 pro Jahr zu.

Ginge der CO2-Ausstoß bis Ende des Jahrhunderts konstant weiter, was Experten angesichts der eingeleiteten Energiewende als pessimistisches Szenario erscheint, würden weitere 3200 Milliarden Tonnen CO2 in die Luft gelangen – nicht mal die Hälfte des RCP 8.5-Szenarios wäre erreicht. Allerdings rechnen Energieforscher im Laufe des Jahrhunderts sogar mit einem Rückgang des globalen CO2-Ausstoßes.”

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Golem mit einem Bericht über den Bau von CO2-Pipelines.

“In Deutschland sollen zwei Pipelinesysteme für den Transport des Klimagases Kohlenstoffdioxid (CO2) gebaut werden. Es soll bei Verursachern eingesammelt werden, die kaum die Möglichkeit haben, auf CO2-freie Produktion umzustellen, etwa die Eisen- und Stahlindustrie, Kalkbrenner sowie die Glas- und Zementhersteller.

Das Klimagas soll zu potenziellen Nutzern wie der Chemieindustrie transportiert werden, die es als Rohstoff nutzt und langfristig in Produkten bindet, oder per Schiff exportiert und beispielsweise in geologischen Formationen unter der Nordsee endgelagert und so dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt werden.”

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Die UNO zeigt Verständnis für die Protestaktionen der “Letzten Generation” in Deutschland. MSN berichtet.

“Die UNO wiederum hält das Ziel der Klimaproteste für unterstützenswert, appelliert jedoch an das Verantwortungsbewusstsein der Klimaaktivisten. „Menschen müssen engagiert sein, aber natürlich müssen sie in jeder Situation verantwortungsbewusst sein, um anderen keinen körperlichen Schaden zuzufügen“, sagte UN-Sprecher Stephane Dujarric am Freitag in New York. „Aber ich bezweifle, dass es die Absicht jeglicher Proteste gewesen ist, die medizinische Versorgung zu verzögern.“”

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Der Presseclub diskutierte am 06.10.2022:

“Comeback von Kohle, Gas und Öl: Ist das Klima noch zu retten?”

Es war direkt wohltuend, dass der taz-Journalistin Ulrike Herrmann einige namhafte Experten gegenübersaßen. So sang Herrman ihr bekanntes Lied von Schrumpfen und, dass der Kapitalismus abgeschafft werden müsse, damit die Menschen das Klima noch retten können. Das verfing bei Petra Pinzler (Zeit) Jakob Schland (Tagesspiegel) und Horst von Butler (Capital) allerdings nicht. Herrmann verwechselte Energie und Strom eins ums andere Mal. Vielleicht ist das ja Absicht? Die anderen Teilnehmer waren durchaus positiver als Herrmann gestimmt, es auch in einem kapitalistischen System mit Veränderungen zu schaffen.

(Abbildung: Screenshot ARD-Mediathek)

Immerhin herrschte bei Herrmann die Einsicht vor, dass Gaskraftwerke auch in Zukunft gebraucht werden. Sie diskutierte Flauten und die Nacht nicht weg. Im Gegenteil, sie führte aus, dass die Sonne im Winter nur auf 1/8 der Leistung des Sommers kommt und Wind das nicht immer ausgleichen kann. Sie setzt auf Grünen Wasserstoff. Allerdings sagt sie kein Wort über Wirkungsgradverluste oder Preise. Pinzler bemerkte, dass es Länder gibt, die deutlich bessere Voraussetzungen haben, Grünen Wasserstoff zu erzeugen. Sie nannte unter anderem Namibia.

Insgesamt war das aber eine interessante Runde, auch weil der Degrowth-Ansatz von Herrmann irgendwie komplett ins Leere lief. Wer sollte in einer Demokratie auch die Abschaffung des Kapitalismus einführen? Die Sendung ist noch bis zum 06.11.2023 in der ARD-Mediathek zu sehen.