Washington Post: Wir laufen in eine globale Energiekrise hinein

In einem Meinungsartikel von Faared Zakaria werden sehr interessante Fragen und Thesen behandelt. In 2019 deckten Öl, Gas und Kohle 80% des weltweiten Energiebedarfs. Der Anteil von Wind betrug 2%, Solar machte 1% aus. Das Wachstum innerhalb dieser beiden müsste nach Ansicht von Zakaria 2.500% betragen, was seiner Meinung nach in den nächsten Jahren nicht möglich sein wird. Auch die Situation in Deutschland (immerhin ein Land, das seit 20 Jahren an seiner Energiewende arbeitet und dabei Hunderte von Milliarden Euro bezahlt hat) fällt ihm auf. 56% des Stroms kamen im ersten Halbjahr 2021 in Deutschland aus fossilen Brennstoffen.

Welche merkwürdigen Blüten durch die Politik entstehen, kann man an Präsident Biden sehen. Der forderte die OPEC auf mehr Öl und Gas zu fördern (Drill Baby Drill!) hielt sich diesbezüglich im eigenen Land eher zurück. Zu groß scheint die Angst zu sein sich irgendwelchen Protesten auszusetzen. Zakaria empfiehlt den Umstieg von Kohle auf Gas, was den CO2-Ausstoß bei der Stromproduktion schon einem um 50% reduzieren würde. Außerdem weist er auf eine Studie hin, dass die dreckigsten 5% aller Kraftwerke weltweit (etwa 1.400 Stück) als Erstes zu ersetzen wären, weil sie für 70% der Emissionen verantwortlich sind.

Eine ebenfalls tiefhängende Frucht wäre das Beseitigen von Methanlecks, dafür gäbe es heute schon Technologie. Auf eine Idee kommt Zakaria allerdings nicht, das Wort Kernenergie fällt in seinem Meinungsartikel nicht einmal. Immerhin, der Autor fordert so etwas wie einen Plan. Den scheint es seiner Meinung nach nicht zu geben. Dazu passt eine Meldung der Deutschen Energie Agentur dena in der WirtschaftsWoche und jetzt, liebe Frau Professor Kemfert, bitte tapfer sein:

“Die dena fasst zusammen: „Deutschland wird auch längerfristig einen ausgewogenen Technologiemix zwischen erneuerbaren Energien und konventionellen Kraftwerken benötigen.“ Untersucht wurde die Entwicklung des Stromsystems bis 2050 bei einem Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien auf über 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs gemäß Leitszenario 2009 des Bundesumweltministeriums unter Fortführung der heutigen Rahmenbedingungen.”

Auch 2050 werden konventionelle Kraftwerke gebraucht und das ist auch logisch, weil auch 2050 die Sonne nicht 24 Stunden scheint und auch der Wind nicht permanent mit mindestens 12 Meter pro Sekunde weht. Ob bis dahin Speicher verfügbar im Sinne von genügend Rohstoffen und auch bezahlbar sind, das steht in den Sternen. Ob andere Energieerzeuger zur Stelle sind, ist ebenfalls unklar. Und selbst solche vielleicht vorhandenen Speicher müssen gefüllt werden, das ist ganz besonders im Lichte eines weiterwachsenden Strombedarfs zu sehen. In die Speicher kann man nämlich nur Überschüsse packen, die ansonsten nicht benötigt werden. Die dena scheint fest mit Speichern zu rechnen. Sie sollen 9% der gesicherten Leistung betragen. Deutschland wird bis 2050 zu einem Stromimportland.

“Um eine sichere Versorgung zu gewährleisten, so die dena, kann die installierte Leistung der konventionellen Kraftwerke bis 2030 nur um rund 14 Prozent auf 83 Gigawatt und bis 2050 nur um 37 Prozent auf 61 Gigawatt im Vergleich zu 2010 zurückgehen. Die erneuerbaren Energien werden zwar 2050 über 80 Prozent des Stroms liefern, aber nur knapp 24 Prozent der gesicherten Leistung stellen, Speichertechnologien stellen rund 9 Prozent der gesicherten Leistung. 7 Prozent des Bedarfs an gesicherter Leistung müssten nach dem berechneten Szenario durch weitere Kraftwerke, die Modernisierung älterer Anlagen oder auf Basis von verbindlichen Verträgen aus dem Ausland bereitgestellt werden.”

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Strom kommt aus der Steckdose, Milch aus dem Supermarkt und Kobalt vom Importeur. So lässt sich die Naivität in Sachen Lieferketten beschreiben. Die Welt nimmt das Thema auf. Wenn es der guten Sache gilt, werden schon mal beide Augen zugedrückt. Man stelle sich vor, Kobalt würde in erster Linie im Bereich der fossilen Energien benötigt. Wie groß wäre der Aufschrei über die Bedingungen der Menschen in den Abbaugebieten?

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Mit diesem Kommentar dürfte der eher linke Freitag (Jakob Augstein) vermutlich Abonnenten verloren haben. Amardeo Sarma vom Verein Ökomoderne spricht sich für Kernenergie aus.

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Wenn man anthropogener Klimawandel hört, dann denkt man zwangsläufig nur an Verbrennung. Die Wälder und die Art und Weise wie Wälder bewirtschaftet werden, ist aber ein nicht zu unterschätzender Beitrag zur Umwelt und zum Klima. Das ZDF hat einen sehr interessanten Artikel zu dem Thema, ganz besonders was Kahlschläge angeht.

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Wolfgang Weimer kommentiert im Focus, was auf Deutschland in Sachen Energie zukommt. Der Mann ist mit Sicherheit kein Hellseher, er schaut sich einfach nur die Zahlen an. Deutschland erlebt eine ”schmutzige Überraschung”.

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Welt in Angst. So hieß nicht nur ein Buch von Michael Chrichton, das wir hier schon einmal besprochen haben. Es lässt sich auch der Zustand der Welt damit beschreiben. Der Autor, so er denn noch leben würde, hätte bestimmt das eine oder andere Déjà-vu-Erlebnis dieser Tage. Vieles, was Chrichton in seinem 2004 erschienen Buch beschrieben hat, ist heute Realität. Der Unterschied zu seinen Ökokatastrophen war, dass diese real waren wie z. B. herbeigeführte Erdrutsche, die ein Tsunami auslösen.  So viel Technik braucht es heute nicht. Es reichen Modelle. Die Frankfurter Rundschau berichtet über eine Umfrage aus Großbritannien unter jungen Menschen.

“Mehr als 60 Prozent der Befragten gaben an, „sehr besorgt“ oder „extrem besorgt“ über den Klimawandel zu sein. Über 45 Prozent gaben zudem an, dass ihre Gefühle bezüglich des Klimawandels ihr tägliches Leben und ihr Funktionieren im Alltag negativ beeinflussen würden.

Über 50 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich im Zusammenhang mit der Klimakrise bereits traurig, ängstlich, wütend, machtlos, hilflos und/oder schuldig gefühlt hätten. Die am wenigsten häufig berichteten Gefühle waren Optimismus und Gleichgültigkeit. 77 Prozent gaben an, Angst vor der Zukunft zu haben. „Dies sind chronische Stressfaktoren, die erhebliche, lang anhaltende und zunehmende negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern und jungen Menschen haben“, schreiben die Forscher:innen.”

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Alex Reichmuth am 12.10.2021 im Nebelspalter:

Todesfalle Windrad

Der Betrieb von Windturbinen führt immer wieder zu spektakulären Unglücken. Doch wie viele Vorfälle und Unfälle sich ereignen, ist unbekannt: Die Windindustrie zeigt sich zugeknöpft. Sicher ist aber, dass bei Windrad-Unfällen schon Hunderte von Menschen gestorben sind.

Weiterlesen im Nebelspalter

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Alfred Brandenberger hat Informationen zu Wasserstoff-Bahnen gesammelt. Hier gehts zu seiner Webseite.