Was treibt eine lernende Gemeinschaft an? Holzschnitzel!

Der US Filmemacher Michael Moore macht es weder Fans noch Freunden einfach. Seine neueste Dokumentation Planet Of The Humans wurde mittlerweile über 7 Millionen mal bei YouTube angeklickt und löst vor allem in den USA sehr heftige Debatten um Grüne Energien aus. Eine Zusammenfassung des Films gibt es hier und hier etwas zur Kontroverse rund um den Film. Mittlerweile schlägt das Werk weitere Wellen und daher ein kleines Update:

In dem Film taucht der Gründer von 350.org Bill McKibben auf, einer Organisation, die etwa Fridays For Future entspricht. Es sind im Wesentlichen ein TV Interview, bei dem er die Namen der Finanzierer von 350.org zunächst nicht nennen konnte und dann später die Hauptquelle der Gelder (eine Stiftung) statt nach Dänemark nach Schweden verfrachtete. Darüber kann man ggf. sogar noch hinwegsehen. Gravierender sind aber Fragen, die der Regisseur des Films Gibbs McKibben bei einer Demo stellte und die dieser nur sehr ausweichend beantwortet.

Dabei waren es keine Fangfragen – allerdings hat der Film einige Klopper und genau in dem Teil, in dem prominente Umweltaktivisten nach deren Meinung zum Thema Biomasse (in den USA = Verbrennen von Bäumen) gefragt werden, kommen definitiv keine korrekten Daten. Gibbs behauptet McKibben gegenüber, dass in Deutschland 60% der Energie (er meint vermutlich Strom?) aus Biomasse kommen. Biomasse in Deutschland meint aber in erster Linie die Produktion von Gas aus Pflanzen, u. a. aus Mais und nicht das Verfeuern von Holz. Der Biomasse Anteil dürfte in Deutschland in 2019 bei 7% der Stromproduktion gelegen haben aber nicht 60%. Gibbs liegt hier also zweimal falsch.

McKibben erklärt auf die Frage, ob es gut ist, Holz zur Energiegewinnung zu nutzen, dass er zugibt, seinen Ofen vor allem im Winter viel mit Holz zu heizen, daher wohl nicht der richtige Ansprechpartner wäre. Eine Antwort bekommt Gibbs in dem Interview aber nicht wirklich.

Nun hat der Rolling Stone McKibben Gelegenheit gegeben, sich ausführlich zu äußern. Ähnlich wie auf der 350.org Webseite nutzt McKibben den Platz, um in erster Linie Vorwürfe auszuräumen, die der Film allerdings gar nicht macht. An keiner Stelle behaupten Gibbs oder Moore, dass er sich persönliche finanzielle Vorteile über 350.org oder andere Organisationen verschafft hat. Dieser Teil nimmt aber einen großen Teil der Replik ein. Warum McKibben Gibbs nicht sagen konnte, dass er das Verbrennen von Holz statt fossiler Brennstoffe nicht für den richtigen Weg hält, bleibt ein Rätsel. Laut Rolling Stone Artikel hat er sich nämlich schon 2016 in diese Richtung geäußert. In der Headline des Rolling Stone Artikel sieht man aber schon die Angst, die bei ihm mitschwingt:

„It hurts to be personally attacked in a movie. It hurts more to see a movement divided”

Persönlich attackiert wurde McKibben nicht. Der Film zeigt Teile aus Interviews und einer Rede McKibbens, in der er Holzschnitzel preist als ein College die dortige Holzschnitzelheizung einweihte. Dort sagte er als Sprecher:

„What powers a learning community? And as of this afternoon the answer to that is: Wood chips.”

Moore bleibt wie gesagt schwer auszurechnen. Am 05.05.2020 lud er zu einer Live Sendung auf YouTube. Daran nahmen er, seine beiden Produzenten und eine Vertreterin von Extinction Rebellion (XR) UK (Clare Farell) teil. Während er also Teile der Umweltbewegung mit seinem Film scharf kritisiert, umarmt er andere Teile und dazu gehört offenbar auch XR. Aber möglicherweise passt XR und deren Philosophie zu Moores Wunsch, den Kapitalismus abzuschaffen? In jedem Fall hat Moore es erreicht für Diskussionsstoff zu sorgen.