Was nicht passt, wird passend gemacht!

Ob sich die Redaktion der WDR-Sendung Quarks den Film “Was nicht passt, wird passend gemacht” aus dem Jahr 2002 als Vorbild genommen hat? Es scheint fast so. Das WDR-Wissenschaftsmagazin untersucht “ganz wissenschaftlich” die Parteiprogramme in Sachen Klima, und macht dann ein Raking – dem Anschein nach. Der Überraschungssieger ist nämlich die FDP! Die Idee der FDP besteht in erster Linie aus dem CO2-Zertifikatehandel und zwar mit einer immer geringer werdenden Anzahl von Zertifikaten.

Dadurch würde sich der Preis als Indikator der Knappheit erhöhen und CO2-reiche Energieverwendung wird immer teuer. Indirekt wird so ein Anreiz ausgeübt weniger CO2 zu erzeugen, weil es einfach immer teurer wird. Auswege könnten sparen oder auch Innovationen sein. Irgendwie passte dieses Ergebnis aber nicht und weil die Wissenschaftsredaktion Emissionshandel nicht wirklich verstanden hat und diesen als unrealistisch einstufte, wurde die FDP von Platz 1 auf Platz 5 strafversetzt.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

Offenbar war das Kriterium die Frage, ob die FDP im Falle einer Regierungsbeteiligung das so umsetzt. Das konnten sich die Quarks-Leute aber nicht vorstellen, denn es kann mehrere Konsequenzen haben: Energie wird sich extrem verteuern und wenn zu teurer Energiequellen wie Kohle wegfallen, weil es sich wirtschaftlich nicht lohnt, läuft Deutschland auf eine Stromfalle zu. Immerhin das hat die Redaktion verstanden.

Was hier gemacht wurde, das ist alles andere als wissenschaftlich, denn mit der gleichen Argumentation hätte man jedes Programm auseinandernehmen können. Man behauptet einfach, eine Partei könne das gar nicht so umsetzen. Wie wäre es, wenn Quarks sich einfach mal die Ausbeute an Windstrom ansehen hätte, einem der Schlüssel bei vielen anderen Parteien.

(Abbildung: Screenshot Electricitymap.org)

5,52 GW steuerte Wind zum Ergebnis des Stichzeitpunkts dazu. Das waren 8% des Strombedarfs. Theoretisch wären 68 GW möglich gewesen, 63 GW Potential lagen also brach. Der Wind war wie so oft dieses Jahr einfach nicht da. Als Wissenschaftsredaktion sollten die Quarks-Leute wissen, dass jede Zahl mit Null multipliziert Null ergibt. Multipliziert man eine Zahl mit einer kleinen Zahl (in diesem Fall der Windstärke) kommt eine kleine Zahl heraus.

Alle blauen Flächen bei Windy.com bedeuten Windgeschwindigkeiten von bis 3m/sec. Bei diesen Bedingungen produzieren Windkraftanlagen nur 1/64 ihrer Nennleistung. Nennenswerter Wind war zum Stichzeitpunkt nur nordwestlich von Dänemark und in der östlichen Ostsee vorhanden, aber nicht in Westeuropa, die blauen Flächen belegen es.

(Abbildung Screenshot Windy.com)

Man kann es auch so machen wie der Kanzlerkandidat der SPD, Olaf Scholz. Der muss nämlich so etwas wie magische Schalter haben, mit dem er die Sonne 24 Stunden am Tag scheinen lassen kann. So nämlich kann man ein Tweet des SPD-Abgeordneten Gremmels verstehen. Zum Geburtstag eines Solar-Unternehmens gratulierte Scholz brav und kündigte die magischen Schalter an. Allerdings erst nächstes Jahr, vielleicht geht man bei der SPD von langen Koalitionsverhandungen aus? Oder braucht man so lange, die Bevölkerung auf die ewige Sonne einzustimmen.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Aber zurück zu Quarks und deren Quark. Zur Wissenschaft bei Quarks gehört offensichtlich nicht der Dreisatz und das Nachdenken. Wenn in einer Statistik eine Zahl pro 1 Million Einwohner aufgeführt wird, dann lässt sich das prima vergleichen, ganz gleich wie viele Einwohner die Länder haben, die man vergleicht. Nicht so bei Quarks.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Es wäre in etwa so, als wenn man als Hundebesitzer gefragt wird, ob das jetzt ein Männchen oder ein Rüde sei.

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Die deutschen Netzbetreiber scheinen den Ernst der Lage durchaus erkannt zu haben. Laut dem Branchenmagazin Energate planen sie Kapazitätsreserven.

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Gaskraftwerke sollen Kalifornien vor dem Blackout (in Deutschland: angebotsorientierte Stromwirtschaft) retten. Weiterlesen hier.

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Polens Weg zur Kernenergie haben wir hier schon mehrmals erwähnt. Laut Bloomberg (Paywall!) steigen mit Michal Solowow und Zygmunt Solorz zwei polnische Milliardäre in das Geschäft in Polen ein. Das wäre im Anbetracht der angeblich so teuren Produktion von Strom aus Kernenergie eine Überraschung. Vielleicht rechnen die Investoren aber auch einfach anders, denn mit den sich stetig verteuernden CO2-Zertifikaten werden die Karten wieder neu gemischt. Zudem dürfte Polen an einer sicheren Versorgung liegen, idealerweise eine, die Deutschland gleich noch mitversorgt. Auch Politico betrachtet das Thema Kernenergie und rechnet mit einem Umdenken. Bei NEI wird über den Small Modular Reactor (SMR) BMRX-300 berichtet, der von GE Hitachi Nuclear Energy gebaut wird.

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Welche Technologien werden die Energiewende begleiten? Enformer, der Energieblog von RWE, wagt einen Ausblick. Kohlenstoffspeicherung gehört auch dazu.

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Glen Peters in Nature über die Klimasensitivität verschiedener Gase. Er schätzt Methan als bedeutendes Problem ein, das recht schnell in den Griff zu kriegen wäre.

(Abbildung: Screenshot Twitter: CC Peters_Glen)

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Geht es nach der EU, dann soll die Bundesnetzagentur zu einer Superbehörde werden, allerdings einer, die dann weitestgehend ein Eigenleben führen soll, sich also nicht nach der Politik richten soll. Die Welt kommentiert das hinter einer Bezahlschranke.

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Das Handelsblatt geht von deutlich steigenden Spritpreisen aus. Von 70 Eurocent pro Liter zusätzlich ist die Rede. Weiterlesen hier (ebenfalls Bezahlschranke).

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Toyota zieht autonome E-Busse bei den Paralympics nach einem Unfall zurück. Golem berichtete.

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Nochmal Golem mit den Sorgen der deutschen Autobauer über die Ladeinfrastruktur und den Ökostrom ein Deutschland.

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Kanal „Invest Science“ auf Youtube:

Klimawandel | CO2 reduzieren | Grüne Technologien | mit Prof. Dr. Rieck

In diesem Teil des Interviews mit @Prof. Dr. Christian Rieck ging es um vielfältige Themen wie z.B.: Klimwandel | CO2 reduzieren | Grüne Technologien und vieles mehr. Dieser Teil des Interviews ist auch sehr für Zuschauer zu empfehlen, die sich NICHT mit dem Thema Finanzen & Investieren auseinandersetzen, sondern kann vielmehr als ein allgemeinbildendes Interview betrachtet werden. Professor Rieck ist Professor für Finance & Spieltheorie an der Frankfurt University of Applied Sciences, Buchautor und macht selbst äußerst spannende Videos zu verschiedenen Finanzthemen und hat allein auf YouTube über 170.000 Abonnenten. Viel Spaß mit dem Interview und InvestScience abonnieren nicht vergessen 😉

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Dreiteilige Serie im Nebelspalter zur Stromknappheit:

Teil 1:

Deutschlands Beinahe-Blackout

Am 14. August ist es zu einer kritischen Situation bei der Versorgunggekommen. Mehrere deutsche Industriebetriebe bekamen zeitweise keinenStrom mehr. Wegen dem baldigen Atomausstieg steigt das Risiko vonAusfällen weiter. Das könnte auch die Schweiz betreffen. (Stromknappheit Teil 1)

Mehrere deutsche Medien, darunter die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» (FAZ), berichteten über eine heikle Situation bei der deutschen Stromversorgung. Am Abend des 14. August fiel die Produktion von erneuerbarer Energie zusammen. Die Stromerzeugung konnte nicht mehr mit dem Stromverbrauch Schritt halten.

Wie rapportiert wurde, betrug die Stromnachfrage in Deutschland am frühen Abend des 14. August rund 50 Gigawatt. Die Produktion von Solarstrom, die am Nachmittag noch bei über 30 Gigawatt gelegen war, brach aber auf gerade noch 3 Gigawatt ein

Weiterlesen im Nebelspalter

Teil 2:

Kalifornien kämpft mit Dieselgeneratoren gegenden Blackout

Wie kein zweiter US-Bundesstaat setzt Kalifornien auf Sonnen- undWindenergie. Weil die Versorgung deswegen unzuverlässig geworden ist,muss der Staat nun das Stromangebot einschränken und auf fossileBrennstoffe zurückgreifen. (Stromknappheit Teil 2)

Kalifornien gilt als Vorzeigestaat. Kein anderer US-Bundesstaat hat die Umstellung auf erneuerbare Energie so weit vorangetrieben und so viele Windräder und Solarpanels installiert. Bis 2030 soll sich die Stromversorgung zu 60 Prozent auf Ökoenergie abstützen, und bis 2045 will der Bundesstaat ganz wegkommen von fossilen Brennstoffen. Seit letztem Jahr gibt es in Kalifornien eine Pflicht, auf den Dächern von Neubauten Solarmodule zu installieren.

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Teil 3:

Ladebeschränkungen für Schweizer E-Mobil-Besitzer

Auf den Schweizer Strassen sind immer mehr Elektrofahrzeuge unterwegs, die beim Laden viel Energie benötigen. Deshalb drohen lokale Blackouts im Stromnetz. Nun wollen die Netzbetreiber den Strombezug durch E-Mobil-Fahrer beschränken. (Stromknappheit Teil 3)

Der Strombedarf wird in Zukunft wohl deutlich steigen. Sowohl in der Schweiz wie auch in anderen Ländern benötigen Elektrofahrzeuge, aber auch Wärmepumpen und digitale Geräte zusätzliche Energie. Gleichzeitig wird das Stromangebot immer wie flatterhafter: Wind- und Solarkraftwerke produzieren nur dann, wenn es das Wetter zulässt, was zunehmend zu Schwankungen im Stromnetz führt.

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