Warum regt Greta Sie so sehr auf, Monsieur Onfray?

Vor einigen Tagen berichteten wir an dieser Stelle über ein in Nature Communications veröffentlichte Schwarze Liste mit Namen von Wissenschaftlern, Politikern und Journalisten die sich gegen den Klimaalarmismus ausgesprochen haben. Ein Rückfall ins Mittelalter, als Abweichler auf Marktplätzen öffentlich verbrannt und enthauptet wurden. Nachdem es massenweise Kritik hagelte, wird das besagte Paper von den Herausgebern noch einmal geprüft. Aufgrund der offensichtlichen Mängel darf man davon ausgehen, dass das Machwerk wohl bald aus dem Verkehr gezogen werden wird. Jede andere Entscheidung der Herausgeber wäre schwer in der Öffentlichkeit vermittelbar. Die am Paper beteiligten „Wissenschaftler“ haben sich mit dem Aktivistenstück sicher keinen guten Dienst erwiesen.

Selbst die Schlussfolgerung der Studie ist falsch: Nein, Klimarealisten haben keinen bedeutenden Einfluss in den Medien. Im Gegenteil: Die Mainstream-Medien verweigern sich noch immer hartnäckig wissenschaftlichen Ergebnissen, die natürliche Klimaschwankungen als bedeutendes Element zum Thema haben. Die Nature-Autoren gelangten zu Ihrer Schlussfolgerung alleinig über einen Trick: Sie ließen auch Beiträge in Blogs gelten. Dabei ist bestens bekannt, dass klimarealistische Blogs fast ausschließlich von Klimarealisten gelesen werden. Eine mediale Verbreitung von Argumenten in der weiteren Öffentlichkeit kann damit nicht erreicht werden. Aber es kommt noch besser: Die Nature-Autoren zählten sogar Namensnennungen in Schmähartikeln gegen Klimarealisten. Wenn zum Beispiel Stefan Rahmstorf gegen Vahrenholt/Lüning in seinem Blog wettert, würde das als Medienpräsenz von Vahrenholt/Lüning gezählt werden. Absurdes Theater. Desweiteren ist völlig rätselhaft, dass Gutachter eine „Feindesauflistung“ der Aktivistenplattform Desmogblog als Grundlage einer wissenschaftlichen Studie akzeptierte. Hier ist so einiges im Peer Review schiefgelaufen. Die Namen der Reviewer sollten in diesem speziellen Fall offengelegt werden, um besser nachvollziehen zu können, wie es zu diesem Desaster kommen konnte.

Lesen Sie auch die Diskussion zum Vorfall auf JoNova „Skeptics get 49% more media, and other fairy fantasy stories from Nature Gossip Mag

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Fritz Vahrenholt und Roland Tichy am 16. August 2019 auf Tichys Einblick:

7.600 Milliarden fürs Klima

Angela Merkel hat eine weitere Verschärfung des Klimaziels ausgerufen – Deutschland soll CO2-neutral werden. Die Kosten dafür betragen bis 2035 das Doppelte der Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres. Welcher Haushalt kann 1.000 Euro im Monat extra aufbringen?

Für Angela Merkel sind es nur wenige Worte: „Wir wollen bis 2050 klimaneutral sein.“ In der andächtigen Stimmung auf dem Evangelischen Kirchentag in Dortmund, wo die Bundeskanzlerin sie sagte, folgte darauf Beifall der Gläubigen. Kein Wunder: Schließlich hatte der frühere investigative Journalist Hans Leyendecker als Präsident des Kirchentages ex cathedra verkündet: „Wer nicht anerkennen will, dass der Klimawandel menschengemacht ist, hat beim Kirchentag nichts zu suchen.“

Es geht also nicht mehr um wissenschaftliche Prüfung, sondern um ein neues Glaubensdogma – wer will da noch Zweifel wagen, wenn er nicht Galileo Galilei heißt? Die Kanzlerin konnte sich in der Einigkeit wärmen, die Religion dem Herz bietet. Wer will da schon nachrechnen, was es für die deutschen Haushalte finanziell bedeutet, wenn den Worten Taten folgen. Die Kanzlerin will nun in der Klimapolitik „kein Pillepalle“ mehr, wie sie schon einige Tage zuvor den Bundestagsabgeordneten der Union verkündet hatte. Die Fridays-for-Future-Demonstrationen fordern die Reduktion auf null schon bis 2035, das Kommunikationsdesaster durch Youtuber Rezos „Die Zerstörung der CDU“-Video und die Wahl- und Umfrageerfolge der Grünen haben ganz offensichtlich bei der Kanzlerin Wirkung gezeigt.
Man erinnert sich an 2011 und die Hauruck-Entscheidung zum vorzeitigen Atomausstieg. Wenn Merkel den Eindruck gewinnt, dass die Deutschen gerne die Welt retten wollen, dann entscheidet sie manchmal eben ganz schnell, koste es, was es wolle. Nur Stimmen und Stimmung zählen. Ökonomische oder sonstige Rationalitäten spielen dann keine Rolle mehr – wie später dann auch bei der Grenzöffnung. Und jetzt die Klimawende wegen demonstrierender Schüler und singender Protestanten.

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Die Welt am 15. August 2019:

Warum regt Greta Sie so sehr auf, Monsieur Onfray?

Der französische Philosoph Michel Onfray hat die Umweltaktivistin Greta Thunberg als „Silikonpuppe“ und „Cyborg“ bezeichnet – und wurde als Frauenfeind beschimpft. Bislang schwieg er dazu. Hier legt er zum ersten Mal Rechenschaft ab.

Der französische Philosoph Michel Onfray hat einen Essay über Greta Thunberg geschrieben, in dem er die schwedische Umweltaktivistin als Maschinenwesen, als einen geschlechts- und gefühllosen Cyborg bezeichnet, ein Wesen künstlicher Intelligenz, vor dem die Welt der Politiker zu Füßen liegt. Er nimmt sie als Prophetin einer nihilistischen Offenbarung wahr und geht mit dem ins Gericht, was er den „grünen Kapitalismus“ nennt. Onfray, der im Januar 60 Jahre alt geworden ist, hat mehr als 100 Bücher veröffentlicht. Die berühmten „Cahiers de l’Herne“ haben ihm einen Sammelband gewidmet.

WELT: Monsieur Onfray, warum regt Greta Thunberg Sie so sehr auf?

Michel Onfray: Sie regt mich überhaupt nicht auf. Die Dummheiten von Kindern sind immer die Fehler der Eltern oder der Erwachsenen, die sie umgeben. Mit 16 Jahren besitzt man noch kein eigenes Denken. In diesem Alter käut man wieder, womit die Erwachsenen einen gemästet haben. Niemand entkommt diesem Gesetz. Es ist folglich ein Zeichen des Nihilismus, wenn man angesichts der bauchrednerischen Diskurse eines jungen Mädchens, die ihm andere geschrieben haben, in Verzückung gerät. Ich nehme dies weniger diesem jungen Mädchen übel als denjenigen, die es instrumentalisieren. Die Erwachsenen hören gern zu, wenn sie wiedergibt, was man ihr beigebracht hat, seit der Kapitalismus die Ökologie als Verkaufsargument entdeckt hat, um beträchtliche Gewinne zu erzielen. Wer würde heute nicht am liebsten sauber, umweltverträglich, ökologisch, mit Rückverfolgbarkeit und natürlich CO2-frei konsumieren?

WELT: Greta Thunberg wird vermutlich für den Friedensnobelpreis nominiert. Wäre sie eine gute Kandidatin?

Onfray: Sie ist auf dem Gymnasium, hat noch nicht ihr Abitur, macht Schulstreik und wird demnächst die Ehrendoktorwürde einer belgischen Universität erhalten … Ich schlage vor, dass wir sie sofort zur Präsidentin der Weltregierung ernennen, wie es sich Jacques Attali gewünscht hat, und im Eifer des Gefechts können wir ihr dann gleich den Nobelpreis für Medizin, die Fields-Medaille, den ersten Preis des Chopin-Wettbewerbs und die Goldene Palme von Cannes verleihen. Ein bisschen Ernsthaftigkeit bitte!

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