Volker Quaschning: Kernenergie ist schlecht, weil sie konstant liefert!

Wer sich das Interview mit Professor Quaschning bei der Deutschen Welle zum Thema EU-Taxonomie von Kernenergie ansieht, der kann schon ins Staunen kommen.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

Zunächst verortet Quaschning Norwegen in die EU, was schon einmal verblüffend ist. Als er nämlich gefragt wird, ob Deutschland in Sachen Nein zur Kernenergie in der EU! nicht sehr isoliert dasteht, führt er neben EU-Schwergewichten wie Österreich, Dänemark auch Norwegen an, die keine Kernenergie einsetzen. Das Land gehört aber eindeutig nicht zur EU. Sei es drum. Dass 13 von 27 Mitgliedstaaten Kernenergie nutzen, erwähnt er besser nicht. Auch nicht, dass einige Länder den Einstieg planen, wie z. B. Polen oder bestehende Anlagen erweitern wollen wie Ungarn oder Tschechien.

Aber dann wird es komplett verrückt. Ein Nachteil der Kernenergie sei seiner Meinung nach nämlich, dass sie anders als die Erneuerbaren konstant Strom liefern und nicht fluktuiert. Man könnte auch sagen, Versorgungssicherheit ist schlechter als Versorgungsunsicherheit. Ein Nachteil wird hier also in einen Vorteil umgedeutet und umgekehrt. Oder wollte Quaschning hier die Mär von den verstopften Stromleitungen ins Spiel bringen? Wir wissen es nicht. Unter dem Video kommentieren einige Zuschauer, viele aus Nachbarländern. Auch sie wundern sich in der Mehrheit über Quaschning und seine Argumentation. Deutsche Kritiker von Quaschning bemängeln in den Kommentaren sein Englisch, wo er gern schon mal deutsche Worte wie ”also” einstreut.

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Wenn eine Behörde rechnen kann, dann der Bundesrechnungshof. Er prüft die Rechnung sowie die Wirtschaftlichkeit und Ordnungsmäßigkeit der Haushalts- und Wirtschaftsführung des Bundes (Art. 114 GG). Da es bei der Energiewende um sehr viel Geld aus dem Bundeshaushalt geht, ist es angebracht, dass hier genau nachgerechnet wird. In einem Gastartikel bei Cicero rechnet der Präsident des Rechnungshofes Kai Schiller mit der Deutschen Energiewende ab. Schiller bezeichnet die Energiewende als zu teuer und unsicher.

“Zukünftig wird es dem Bund nicht mehr gelingen, seine Energiepolitik gleichzeitig an den Zielen Umweltverträglichkeit, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit auszurichten. Die Zielkonflikte werden zulasten der Bezahlbarkeit gelöst. Wir sind jedoch der Auffassung, dass es nicht vorrangig Ziel sein kann, die Energiewende „um jeden Preis“ umzusetzen.”

“Zur Bewertung der Versorgungssicherheit am Strommarkt hat das Ministerium ein externes Gutachten herangezogen. Die Annahmen der Gutachter waren jedoch zum Teil unrealistisch oder waren durch aktuelle politische Entwicklungen überholt. Zum Beispiel wurden die Berechnungen des Gutachtens vor dem Beschluss zum Kohleausstieg durchgeführt. Der Kohleausstiegspfad wurde daher nicht in vollem Umfang berücksichtigt. Was aber vor allem fehlte: Die Gutachter haben kein „Worst-Case“-Szenario untersucht, in dem mehrere absehbare Risiken zusammentreffen.”

Claudia Kemfert vom DIW bekommt von Schiller eine Sondererwähnung. Vielleicht auch, weil es ihr gelingt, einen Beweis durch Behauptung zu liefern. Der Beweis für eine Behauptung ist eine Studie aus ihrem eigenen Haus. Nur kurz nach der Veröffentlichung der Studie (alles ganz easy bis 2030 zu schaffen mit 100% Erneuerbaren Energien) sagte Kemfert, dass man vielleicht doch in längeren Zeiträumen planen müsste. Was ist dann aber eine Studie und vor allem die Selbstzitation überhaupt wert?

“Lassen Sie mich damit zur dritten und letzten Frage kommen: Ist eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien möglich und sicher? „Vollversorgung mit erneuerbaren Energien ist möglich und sicher“, so lautet die These von Frau Professor Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), geäußert in einem Interview vom Juli dieses Jahres. Frau Kemfert führte darin weiter aus, dass es technisch möglich, ökonomisch effizient und in kürzester Zeit machbar sei, den gesamten Energiebedarf Deutschlands zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. Dabei beruft sie sich auf eine Studie ihres Hauses.

Wirklich? Durch den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien sollen Windkraft und Photovoltaik zum Rückgrat der Energieversorgung werden. Diese liefern jedoch nur Strom, wenn der Wind weht und die Sonne scheint. Aber wer liefert in einem Energiesystem mit 100 Prozent Erneuerbaren zuverlässig Strom, wenn in windstillen Nächten Millionen Elektrofahrzeuge an den Ladesäulen hängen und Unternehmen Elektrizität benötigen?”

Wer sich für die Langfassung interessiert, der wird beim Bundesrechnungshof fündig. Dort gibt es ein pdf, welches die Probleme noch einmal auflistet.

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Wir bleiben beim Rechnen. Bei Achgut rechnet Manfred Haferburg die Pläne des neuen Wirtschaftsministers Habeck einfach einmal nach.

“Hier die Ergebnisse des von heute an nötigen Zubaus an Ökostromerzeugern:

Wind Onshore: 35.268 durch 120 Monate gleich 294 Windenergie-Anlagen pro Monat .

Das heißt, es müssen 10 neue Onshore-Windenergie-Anlagen pro Tag gebaut werden.
(zum Vergleich: In 2020 wurden pro Monat 35 Onshore-Anlagen zugebaut).

Wind Offshore: 1.784 durch 120 Monate gleich 15 Anlagen pro Monat.

Das heißt, es muss alle 2 Tage eine neue Windenergie-Offshore-Anlage in Betrieb gehen. (Zum Vergleich: im ersten Halbjahr 2021 erfolgte kein Zubau von Offshore-Anlagen)

Solaranlagen (PV): 2 Millionen durch 120 gleich 16.670 Anlagen pro Monat. Das heißt, es müssen 556 neue PV-Anlagen pro Tag installiert werden.”

Ist hier die Enttäuschung nicht gleich vorprogrammiert? Zu ähnlichen Resultaten kommt Tech-For-Future.

“80% Erneuerbare: Unerreichbares Ausbauziel des Ampel-Koalitionsvertrages

Der geplante Ausbau reicht aber immer noch nicht für die Klimaziele der neuen Bundesregierung. Ein 80% Anteil an Erneuerbaren im Strommix soll laut Koalitionsvertrag von SPD, FDP und Grünen bis 2030 erreicht werden. 7

Für dieses neue 80%-Ziel müsste der Ausbau von Wind und Solar noch einmal gut verdreifacht werden auf im Schnitt 94 Gigawatt Nennleistung Zubau pro Jahr, z.B. so:8

38,8 GW Netto-Ausbau Photovoltaik pro Jahr

50,7 GW Netto-Ausbau Wind an Land pro Jahr

4,6 GW Netto-Ausbau Wind Offshore pro Jahr

Das entspräche einer Verzwölffachung des Zubaus gegenüber dem EEG-2021. Wir müssten pro Jahr ungefähr so viel Wind und Solar zubauen, wie in 20 Jahren Energiewende bisher.

Für so ein Mammutprojekt gäbe es überhaupt nicht genug Flächen in Deutschland, geschweige denn Material oder Fachkräfte. Das 80%-Ziel ist ganz klar bis 2030 unerreichbar. Der dafür nötige Ausbau scheint auch gar nicht geplant.”’

Wie hoch ist die Gefahr eines Blackouts in Deutschland? Das fragt sich in einem Video Outdoor Chiemgau. Für 2023 sieht der Autor des YouTube-Videos Stefan Spiegelsperger im wahrsten Sinne des Wortes schwarz. Er rechnet es vor.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Hinweis: Die neue Staffel der Klimaschau mit 5 Folgen beginnt am Montag, den 24.1.2022 um 13:00 Uhr.