Vertical Farming als möglicher Weg zur Ernährungssicherung

Schlagabtausch der kleineren Parteien

Neben dem Triell, bei dem die drei Kanzlerkandidaten der CDU, SPD und der Grünen sich den Fragen von Moderatoren stellen konnten, gab es auch das Format Schlagabtausch. Dort waren Vertreter von Linkspartei, FDP, CSU und AfD geladen, also den Parteien, die gute Chancen haben im nächsten Bundestag zu sitzen. Das Thema Klima und Energie war natürlich auch ein Bestandteil der Sendung in der ARD, die noch bis 13.09.2022 in der Mediathek zu sehen ist. Allerdings wurde das Thema nur gestreift.

Es ging etwas drunter und drüber. Janine Wissler von den Linken verwies immer wieder auf die Kosten einer Energie- und Verkehrswende, die sie am liebsten über eine Vermögenssteuer einnehmen möchte. Das war ein gefundenes Fressen für Alexander Dobrindt von der CSU, der die niedrigen Grenzen, ab der so eine Steuer anfangen würde, aufgriff. Christian Lindner (FDP) scheint voll auf Wasserstoff zu setzen, einem Element, das Alexander Dobrindt als “gottgegeben” bezeichnete. Hier kamen Einwände von Janine Wissler, dass diese Technik zu ineffizient sei. Lindner parierte, in dem er darauf hinwies, dass Deutschland seinen Wasserstoffbedarf niemals allein decken wird und immer auf Importe angewiesen sein wird.

Genauso wie Deutschland heute schon einen Großteil der benötigten Energie importiere. Importe aus Ländern, in denen sich Strom günstiger produzieren lässt als in Deutschland. Von der AfD Vertreterin Alice Weidel kam indes sehr wenig, außer, dass Ihre Partei eigentlich alles ablehne. Sie wies allerdings darauf hin, dass Klimaschutz eine globale Aufgabe sei, das hatte Christian Lindner vorher auch schon gesagt.

Natürlich sind 75 Minuten eine kurze Zeit, zu kurz, um auf alle Themen einzugehen. Aber es wäre sicherlich sehr interessant gewesen zu erfragen, wer nach dem Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohleverstromung verlässlich Strom liefern soll. Diese Frage wurde aber nicht gestellt an diesem Abend.

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Es steht 100 zu 17 zu 3. Gemeint ist der Endbericht des Plagiatsforscher Weber. Er hatte zudem Bücher von Armin Laschet und Olaf Scholz begutachtet, also von den drei Kandidatinnen um das Kanzleramt. Annalena Baerbock führt die Liste der Plagiate im eigenen Buch deutlich an. Wobei Endbericht nicht ganz richtig ist, Weber hatte nach 100 Fundstellen schlicht einfach keine Lust weiterzusuchen. Es könnte daher sehr gut sein, dass sich weit mehr als die jetzt belegten 100 Stellen abgeschrieben wurden. Baerbock oder soll man besser sagen, die Ghostwriter waren nicht sonderlich wählerisch bei der Auswahl der Quellen. Egal ob CDU-, SPD- oder FDP-nahe Autoren, es wurde munter alles verwurstet, was irgendwie geeignet war Seiten zu füllen.

“Das Ergebnis ist schockierend: Es ist zu vermuten, dass sich im Buch „Jetzt“ von Annalena Baerbock kein originärer Gedanke befindet (jene Stellen ausgeklammert, die der „Biograf“ verfasst hat). Der Text ist ein Flickenteppich von irgendwo anders her. Selbst in der Ich-Form formulierte Sätze wurden unzitiert übernommen. Neu sind illegitime Aneignungen aus zumindest drei Sachbüchern, darunter aus einem Sammelband der CDU/CSU, aus dem Buch eines SPD-nahen Wissenschaftlers und aus dem Buch einer FDP-nahen Unternehmerin.

Ein Quellenverzeichnis, das es nie geben wird, hätte hier auch nicht geholfen: Denn die Simulation eines Buchs dieses Strickmusters setzt gerade die Nicht-Nennung der Quellen voraus. Und wie viele Quellen wollte Frau Baerbock denn angeben? Immer genau jene, die ich gefunden habe?”

Zum Blog von Weber geht es hier lang.

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From hero to zero. Es hat nicht lange gedauert, bis der Spiegel, der noch im Frühjahr grenzenlos über die Grünen jubelte, auf harte Kritik umstellte. Neuestes Beispiel ist ein Kommentar von Valerie Höhne zur Einstellung der Grünen im Wahlkampf. Sie sähen sich demnach als Opfer und andere sind Schuld an den sinkenden Zustimmungswerten.

“Es ist nicht das erste Mal, dass die Grünen sich von einer Trump-ähnlichen Kampagne bedroht sehen oder sich mit deren Opfern vergleichen.

Als Baerbock vergaß, ihre Nebeneinkünfte zu melden, verbreitete die CSU in Sozialen Medien ein Bild, das Baerbock mit einem Häufchen-Emoji über dem Kopf zeigte. Die grüne Abgeordnete Katharina Dröge warf der CSU im »Handelsblatt« vor, in »Trump-Manier« zu handeln. Trump-Manier? Bitte. Als im Februar eine Debatte über die Zukunft des Eigenheims eskalierte, sahen die Grünen sich einer »Fake-News-Kampagne« ausgesetzt.”

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Es ist deutlich stiller geworden um Greta Thunberg. Kürzlich äußerte sie sich aber dann doch, in diesem Fall zur Umweltpolitik von Brasiliens Präsident Bolsonaro. Die Welt berichtete.

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Die EU ebnet laut Eurativ den Weg eines Comebacks von Kernenergie. Weiterlesen hier.

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Winter is coming, spätestens seit der Serie Game Of Thrones hat dieser Spruch eine eigene Bedeutung. Laut einem Artikel bei Reuters kommt mit dem bevorstehenden Winter auch ein weiterer Preissprung bei der Energie. Zum Artikel geht es hier lang.

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Man kann ja gar nicht früh genug anfangen… In Bielefeld gibt es jetzt ein Puppentheaterstück, das die kleinsten Erdenbürger über den Klimawandel aufklären soll. Besonders interessant die Stelle, an der ein kleiner Inuit-Junge einer Robbe einen neuen Schlafplatz herrichten muss, der alte war aufgeweicht. Nicht auszudenken welchen Schock die Kinder später bekommen werden, wenn sie feststellen müssen, dass die Inuit Robben in der Regel jagen, erlegen und dann verspeisen? Die NW berichtete.

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Zwei Tage vor der Bundestagswahl soll es noch einem einen großen Klimastreik geben. Ein Artikel im Handelsblatt (Bezahlschranke) behandelt das Thema.

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Der Weg zur Klimaneutralität wird einer Studie zufolge Deutschland 6 Billionen Euro kosten. Darüber berichteten Heise.de aber auch das Handelsblatt.

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Dänemark erprobt neue Möglichkeiten für Energiespeicher. Basaltgestein soll Wärme speichern, die sich auch wieder in Strom verwandeln lässt. Bei den Kosten stockt einem aber der Atem. 10 Euro pro Kilowattstunde soll die Technik kosten.

“Von der Wirtschaftlichkeit des Produkts sind die Hersteller dennoch überzeugt, weil die niedrigen Bau-, Material- und Wartungskosten, die modulare Bauweise sowie die stabile Speicherkapazität über die Jahre ein äußerst günstiges Kostenprofil ergäben.

Nach Unternehmens-Schätzungen würden im Falle einer Serienproduktion die Kosten einer Kilowattstunde rückgewonnenen Stroms bei etwa zehn Euro liegen. Bei großen Batteriespeichern liegen sie laut GridScale derzeit beim 20-Fachen.”

Weiterlesen bei En-Former.com

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Geopolitik des Stroms – Netz, Raum und Macht, so lautet der Titel einer neuen Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik.

“Die geopolitische Bedeutung von Strom wird unterschätzt, obwohl Stromnetze Räume konstituieren. Sie etablieren neue Einflusskanäle und Macht­sphären in politischen Gemeinwesen und über sie hinaus.”

Zur Studie geht es hier lang.

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Oldies but Goldies. Hier eine Pressemitteilung der Uni Mainz von 2012:

Internationales Forscherteam bestätigt Einfluss des 11-Jahres-Rhythmus der Sonne auf das Klima bestimmter Regionen

Rhein-Beobachtung liefert Erkenntnisse zur Verbindung zwischen Perioden geringer Sonnenaktivität und extremen Kälteereignissen in Mitteleuropa

27.08.2012

Wissenschaftler haben lange vermutet, dass der 11-Jahres-Rhythmus der Sonne Einfluss auf das Klima bestimmter Regionen der Welt haben könnte. Allerdings reichen die Temperaturaufzeichnung häufig nicht weit genug zurück, um eindeutige Muster aufzeigen zu können. Jetzt hat ein internationales Team von Forschern einen neuen Ansatz gefunden, der genau diese Vermutung bestätigt. Sie zeigten nicht nur, dass ungewöhnlich kalte Winter in Mitteleuropa während Phasen geringer Sonnenaktivität vorkamen, sondern auch dass die Anzahl der Sonnenflecken zu dieser Zeit auf ein Minimum reduziert war. Der Schlüssel zu dieser Forschung ist Deutschlands größter Fluss: Der Rhein.

Obwohl die Erdoberfläche in ihrer Gesamtheit derzeit eine Erwärmung aufweist, zeigen die neuen Daten eine Verbindung zwischen Perioden geringer Aktivität der Sonne und extremen Kälteereignissen in Mitteleuropa, insbesondere konzentriert auf die Regionen des Rheins. „Der Rhein ist als Forschungsobjekt ideal für unsere Arbeit“, schwärmt Prof. Dr. Frank Sirocko, Erstautor der Studie und Professor für Sedimentologie und Paläoklimatologie am Forschungszentrum Geocycles der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). „Wir nutzen die Eisbedeckung in der Vergangenheit als Proxy, also einen indirekten Hinweis auf die klimatischen Verhältnisse der jeweiligen Zeit. Es ist ein sehr simpler, aber zuverlässiger Hinweis: Entweder es gab Eis, oder es gab keins.“

Doch wie bekommt man diese Information? Die Antwort ist einfach: Seit dem 18. Jahrhundert nutzen Flussschiffer den Rhein als Transportweg. Die Verlade- und Anlegestellen entlang des Flusses führten jährlich Buch darüber, wann Eisbedeckung die Rheinschifffahrt behinderte oder sogar unmöglich machte. Die Wissenschaftler bestimmten anhand dieser und weiterer historischer Unterlagen die Anzahl der Jahre, in denen der Rhein vollständig zugefroren war und fanden heraus, dass zwischen 1780 und 1963 der Rhein 14 Mal an verschiedenen Stellen zufror. „Allein die schiere Größe des Rheins bedeutet, dass es für ein solches Ereignis extreme Kälte braucht, was die Eisbedeckung zu einem sehr guten Proxy macht“, so Sirocko.

Das Team trug nun den Zeitpunkt dieser Kälteereignisse gegen den regelmäßigen 11-Jahres-Zyklus der Sonnenfleckenaktivität auf. Sie fanden heraus, dass 10 der 14 Kälteereignisse gleichzeitig mit einem geringen Vorkommen der Sonnenflecken auftraten. „Damit zeigen wir erstmals anhand robuster Daten, dass auffallend kalte Winter in Mitteleuropa während der letzten 230 Jahre auf eine gemeinsame Ursache zurückgeführt werden können“, so Sirocko.

Prof. Thomas Crowley, einer der internationalen bekanntesten US-Forscher zur Klimageschichte der letzten 1000 Jahre und Direktor der Scottish Alliance for Geoscience, Environment & Society, pflichtet seinem deutschen Kollegen bei: „Der Einfluss von Sonnenflecken auf die verschiedenen Ebenen des Klimasystems ist bei Weitem noch nicht verstanden und gibt immer wieder Anlass zu erhitzten Debatten. Die Studie wird helfen, diese Debatten nun statistisch fundierter zu führen.“

Wenn die Anzahl an Sonnenflecken gering ist, gibt die Sonne weniger Strahlung im Ultraviolett-Bereich ab. Weniger UV-Strahlung bedeutet eine geringere Aufwärmung der Erdatmosphäre und führt damit zu Veränderungen in den Zirkulationsmustern der untersten atmosphärischen Schichten, der Troposphäre und der Stratosphäre. Diese Veränderungen beeinflussen wiederum die sog. Nordatlantische Oszillation (NAO), ein Luftdruck-Phänomen über dem Nord-Atlantik, das das Wettergeschehen in Europa stark bestimmt. So kann eine Veränderung dieser atmosphärischen Strömungen gleichzeitig zu einer Abkühlung in Mitteleuropa, aber einer Erwärmung in anderen Teilen des Kontinents wie z.B. in Island führen. „Dieses Beispiel zeigt“, so Stephan Pfahl von der ETH Zürich und einer der Co-Autoren der Studie, „dass die Aktivität von Sonnenflecken nicht zwingend den gesamten Globus gleich betrifft, sondern Auswirkungen wie extreme Kälte vielmehr sehr regional beschränkt sein können.“

In der Tat erklärten vorherige Studien die sehr kalten Winter 2010 und 2011 mit Veränderungen der NAO, die durch die jetzt vorgelegte Studie mit der geringen Aktivität der Sonnenflecken in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Temperaturen in diesen Jahren waren derart gering, das in manchen Ländern neue Kälterekorde für den Monat November aufgestellt wurden. Skeptiker führen Beispiele wie dieses gern an, um gegen die Theorie des vom Menschen verursachten Klimawandels und eine Erwärmung des Planeten zu argumentieren. Das Klimasystem ist allerdings sehr komplex, die Zusammenhänge vielschichtig. Ein kurzzeitiges, regionales Abfallen der Temperaturen maskiert nur den Effekt einer Erwärmung. „Das Klima-System wird nicht nur durch einen einzigen Faktor gesteuert“, erläutert Sirocko. „In der Tat sind es mindestens fünf oder sechs verschiedene Faktoren. Der durch Kohlendioxid verursachte Treibhauseffekt ist sicherlich einer davon, mit Sicherheit die Sonnenaktivität aber ein weiterer.“

Die Autoren der Studie betonen weiterhin, dass trotz der Aussicht auf extreme Winter in einem 11-Jahres-Rhythmus die Durchschnittstemperaturen in den Wintern der letzten drei Jahrzehnte kontinuierlich angestiegen sind. Dass der Rhein im Winter 1962/1963 das letzte Mal zufror, sei zumindest in Teilen dem Klimawandel geschuldet. Es war allerdings nicht der Rhein, der Prof. Dr. Frank Sirocko auf die Idee brachte, den Zusammenhang zwischen Kälteextremen und Sonnenflecken zu suchen. Es war vielmehr ein Schlittschuhrennen über 125 Kilometer gefrorener Flussläufe in den Niederlanden, an dem er vor 20 Jahren teilnahm. „Die Eisläufer konnten nur alle 10-11 Jahre zu diesem Rennen antreten, da nur dann die Flüsse ausreichend zugefroren waren“, erinnert er sich. „Ich dachte, hierfür müsste es doch einen Grund geben und gab das Thema als Semesterarbeit an meinen Diplomanden Heiko Brunck. Und tatsächlich: Es gibt diesen Grund.“ Daraufhin wurde der verantwortliche Zusammenhang gemeinsam von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie dem Institut für Atmosphären- und Klimaforschung an der ETH Zürich weiter untersucht.

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Und nochmal eine Meldung auf dem CORDIS-Server der EU-Kommission von 2012:

Wissenschaftler rekonstruieren Jahrtausende altes Klima

Dendrochronologie (Jahrringdichtemessung) bietet Forschern wichtige Informationen über bestimmte Aspekte vergangener Ökologien wie das Klima. Ein internationales Forscherteam hat anhand von Baumringjahren das Klima der vergangenen 2000 Jahre in Nordeuropa rekonstruiert. Die Ergebnisse, die in der Zeitschrift Nature Climate Change vorgestellt wurden, zeigen einen langfristigen Abkühlungstrend über die letzten Jahrtausende. Die Forscher aus Finnland, Deutschland, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich führten unter der Leitung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) Jahrringdichtemessungen fossiler Kiefernbäume aus dem finnischen Lappland zu einer Zeitreihe durch, die bis in das Jahr 138 v.Chr. zurückreicht. „Wir haben festgestellt, dass die historischen Temperaturen zur Römerzeit und im Mittelalter bis dato als zu kühl eingeschätzt wurden“, sagte Erstautor Professor Jan Esper vom Institut für Geographie an der JGU. „Diese Befunde sind auch insofern von klimapolitischer Bedeutung, da sie die Beurteilung des aktuellen Klimawandels im Vergleich zu den historischen Warmphasen beeinflussen.“

Ist unser Planet nun heute wärmer als während der Römerzeit und im Mittelalter? Die Forscher versuchten diese Frage mithilfe der Paläoklimatologie zu lösen. Mithilfe der Untersuchung von Eisbohrkernen und Seesedimenten lässt sich in der Regel ein Bild der Vergangenheit rekonstruieren. Doch die Jahresringe von Bäumen sind wichtige Zeugen, da sie Informationen über kalte und warme Bedingungen speichern und den Wissenschaftlern einen Einblick in das Klima der vergangenen 2000 Jahre geben. Für diese Studie verwendeten die Forscher Messungen der Holzdichte von fossilen Kiefern aus dem finnischen Teil Lapplands. Nach ihren Aussagen korrelieren die Messungen der Holzdichte sehr gut mit den Sommertemperaturen in diesem Raum nahe der nordischen Waldgrenze, weshalb es ihnen gelang, die Temperatur in bisher unerreichter Qualität zu rekonstruieren.

Diese Rekonstruktion zeigt nun in hoher Auflösung die Wärmebedingungen zur Römerzeit und im Hochmittelalter, aber auch die Kältephasen zur Zeit der Völkerwanderung oder der späteren kleinen Eiszeit. Auf Grundlage der Rekonstruktion lässt sich ein Trend zeigen, der durch langsame Veränderungen des Sonnenstands aber auch der Distanz der Erde zur Sonne verursacht wurde, und eine Abkühlung von -0.3°C pro Jahrtausend ausmacht. „Eigentlich erscheint diese Zahl nicht sonderlich imposant“, so Professor Esper. „Allerdings ist sie im Vergleich zur globalen Erwärmung, die bis heute auch weniger als 1°C beträgt, nicht zu vernachlässigen. Wir konnten nun zeigen, dass die großräumigen Klimarekonstruktionen, die auch vom internationalen Klimarat IPCC verwendet werden, den langfristigen Abkühlungstrend über die letzten Jahrtausende unterschätzen. „Weitere Informationen sind abrufbar unter: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU): http://www.uni-mainz.de/eng/ Nature Climate Change: http://www.nature.com/nclimate/index.html

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Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ am 27.7.2021:

Der Puls des Toten Meeres

Forscher*innen aus einem interdisziplinären Team mehrerer Sektionen des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben zusammen mit Kollegen aus Hannover, Kiel und Padua zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen der Abnahme des Wasserspiegels des Toten Meeres, der Verdunstung und der Landabsenkung in der Region nachgewiesen. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Das Tote Meer schrumpft. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Klimawandel trägt ebenso dazu bei wie menschliche Übernutzung der Ressource Wasser. Der sinkende Wasserspiegel hat eine ganze Reihe gefährlicher Folgen. So führt nachfließendes süßes Grundwasser dazu, dass Salze im Boden gelöst werden und dadurch Erdfälle („sink holes“) entstehen. Es kommt aber auch zu großflächigeren Absenkungen der Landoberfläche. Forscher*innen aus einem interdisziplinären Team mehrerer Sektionen des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ haben jetzt zusammen mit Kollegen aus Hannover, Kiel und Padua zum ersten Mal einen direkten Zusammenhang zwischen der Abnahme des Wasserspiegels, der Verdunstung und der Landabsenkung nachgewiesen. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Das Team nutzte dabei ein breites Instrumentarium – von Messverfahren die auf dem globalen Navigationssatellitensystemen (GNSS) beruhen über Radarsatelliten bis hin zu Pegel- und Klimastationen vor Ort. Die Forschenden zeigten, dass sich die feste Erde mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa acht Wochen synchron zu Schwankungen der Wasseroberfläche und des Grundwasserspiegels auf und ab bewegt. Der Trend geht dabei jedoch klar in eine Richtung: abwärts.

Rund ein Meter pro Jahr sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres, und rund 15 Zentimeter pro Jahr senkt sich das Land. Zuflüsse durch Regenfälle in den umliegenden Bergen und über den Jordan verursachen kurzfristige Erhöhungen des Seespiegels. Wasserentnahme aus den Zuflüssen für die Landwirtschaft, Abpumpen des Salzwassers zur Gewinnung von Kalium und die Verdunstung in der großen Hitze kehren die Bilanz jedoch ins dauerhaft Negative.

Die Kopplung der Landabsenkung an das schwindende Wasser ist seit langem klar. Dass aber die Bewegung der Landoberfläche mit den hydro-meteorologischen Schwankungen so direkt zusammenhängt, ist neu. Diesen Zusammenhang ermittelten die Forscher*innen innerhalb von drei Jahren. Für die Landwirtschaft, den Tourismus und die Infrastruktur in der Region sind die Landabsenkungen und der Wasserverlust sehr bedrohlich. Die Messungen zeigen zum ersten Mal, wie eng Land, Wasser und Atmosphäre hier miteinander verbunden sind.

Originalpublikation: Sibylle Vey, D. Al-Halbouni, M. Haghshenas Haghighi, F. Alshawaf, J. Vüllers, A. Güntner, G. Dick, M. Ramatschi, P. Teatini, J. Wickert & M. Weber: Delayed subsidence of the Dead Sea shore due to hydro-meteorological changes; in: Scientific Reports
Link: https://www.nature.com/articles/s41598-021-91949-y

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Universität Bayreuth am 20.8.2021:

Klimakrise und Urbanisierung: Vertical Farming als möglicher Weg zur Ernährungssicherung

In Kulmbach arbeiten Forscher*innen an der Ernährung der Zukunft. Prof. Dr. Susanne Baldermann beschäftigt sich mit dem Stoffwechsel von Pflanzen und zieht daraus Schlüsse für eine künftige Landwirtschaft, die gar nicht mehr nur „auf dem Land“ stattfinden muss: „Vertical Farming“ in urbanen Räumen als Reaktion auf Klimawandel und Bodenknappheit ist ein Forschungsfeld der Professorin für Food Metabolom an der neuen Fakultät VII für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit der Universität Bayreuth in Kulmbach.

Die Versorgung der Menschen mit ausreichend gesunden Lebensmitteln kann nicht mehr nur auf traditionelle Landwirtschaft setzen: Zum einen stellt der Klimawandel Lebensmittelproduzenten vor große Probleme, was Hitzebeständigkeit, Wasserhaushalt oder Schädlingsresistenz von Pflanzen angeht. Zum anderen leben immer mehr Menschen in Städten und haben keinen Zugang zu regional produzierten, frischen Lebensmitteln. Außerdem sind Böden vielerorts ausgelaugt oder verschmutzt und auf Jahre unbrauchbar, Trinkwasser wird knapp, darüber hinaus nehmen politische Instabilitäten weltweit zu. Welche Alternativen es zu herrschenden Agrarsystemen gibt, um die Weltbevölkerung gesund zu ernähren, erforscht Prof. Dr. Susanne Baldermann, Professur für Food Metabolom und seit Anfang 2021 an der neuen Fakultät VII für Lebenswissenschaften: Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit der Universität Bayreuth in Kulmbach. Sie beschäftigt sich unter anderem seit Jahren mit „Vertical Farming“ – der Indoor-Aufzucht von Lebensmittelpflanzen in Pflanzenanzuchtschränken, Regalen oder Fabrikhallen – und leitet das Forschungsfeld Organismen im Verbund „food4future“ am Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) e.V. in Großbeeren.

Wer in Pflanzenfabriken auf mehreren Etagen rund um die Uhr Gemüse anbaut, hat dort bezogen auf den Quadratmeter ein Vielfaches an Ertrag. Eine wachsende Weltbevölkerung vor allem in urbanen und periurbanen Räumen macht solche Entwicklungen nötig. Weil dieser Anbau bei gleichbleibenden Temperaturen und gleichmäßigem Licht gänzlich ohne Witterungseinflüsse und Jahreszeiten auskommt, wird ganzjährig in gleicher Qualität produziert und geerntet. Die Pflanzen wachsen nicht in Erde, sondern auf speziellen Untergründen, deren Wachstumsgefäße z.B. aus recyceltem Kunststoff bestehen können. Dazu braucht es auch spezielle Pflanzen: „Wenn wir in U-Bahn-Schächten oder an Häuserwänden Gemüse anbauen wollen, dann müssen wir genau die richtigen Pflanzen dafür haben, es geht also um gezielte Sortenauswahl. Deshalb versuchen wir, Pflanzen so exakt wie möglich zu analysieren, beurteilen ihre Inhaltsstoffe und treffen Aussagen über deren ernährungsphysiologische Eigenschaften,“ sagt Prof. Baldermann.

Sobald die Labore in Kulmbach ausgestattet sind, wird Prof. Baldermann die Analyse von Inhaltsstoffen von „Indoor-Gemüse und -Kräutern“ in ihre Forschungsarbeiten integrieren. Die Infrastruktur der Universität Bayreuth, u.a. das Nordbayerische NMR-Zentrum mit seiner weltweit führenden Kompetenz auf dem Feld der magnetischen Kernresonanzspektroskopie (engl. nuclear magnetic resonance; NMR) oder das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung BayCEER (Bayreuth Center of Ecology and Environmental Research), aber auch die Forschungsarbeiten innerhalb der Profilfelder der Universität bieten interessante Möglichkeiten für gemeinsame Forschungsarbeiten mit Kolleg*innen der Uni-Bayreuth. Bis dahin steht die forschungsorientierte Ausbildung über die Inhaltsstoffe von Lebensmitteln und deren Veränderungen entlang der Lebensmittelversorgungskette vom Anbau bis zum Verzehr im Mittelpunkt.