US-Atomaufsichtsbehörde genehmigt ersten modularen Mini-Reaktor

Nach einem Bericht im Stern hat das Unternehmen NuScale einen weiteren Schritt getan in Sachen neuartiger Kernkraftwerke.

“Die US-Atomaufsichtsbehörde beginnt einen neuen Reaktortyp zu zertifizieren. Seit der Gründung 1974 ist der Reaktor von NuScale erst das siebte Modell, das diesen Prozess durchläuft. Doch in den nächsten Jahren wird eine ganze Flut von Genehmigungen erteilt werden. In den USA ist – anders als in Deutschland – die Renaissance der Kernkraft in vollem Gange.

NuScale ist ein konventioneller Reaktor der vierten Generation. Das ist vielleicht nicht ganz so aufregend, wie die Versuche die Kernfusion zu erreichen, dafür aber sehr viel praktikabler. NuScale zeigt den Weg, den der Kraftwerksbau in Zukunft gehen wird. Der Hauptunterschied ist die Größe. Die alten Atomkraftwerke, wie sie überall noch in Betrieb sind, sind so groß wie Kathedralen. Ihre Dome erhebt sich jeweils über einem Großreaktor, der aus Einzelteilen an Ort und Stelle errichtet wird.”

Ein Video bei YouTube erklärt die Anlagen von NuScale.

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Norwegen will offenbar weniger Strom aus Wasserkraft exportieren. Bei Montelnews können wir erfahren, was der Grund dafür ist, dass das Land, das über 90% seines Stroms aus Wasserkraft gewinnt, diesen Weg geht. Es liegt an zu geringen Niederschlägen, weshalb einige Reservoire nicht ausreichend gefüllt sind.

““One solution we are working on is that when the levels, particularly in multi-year reservoirs, fall below the seasonal norm, exports will be limited accordingly or in relationship to this,” said Aasland. Norway had around 1,800 hydropower reservoirs, all of which have different characteristics and so technical specifications required an extreme level of detail, the minister said. This would include “technical calculations” on how much export capacity would be cut.”

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Jetzt fällt auch noch die Bundesnetzagentur Claudia Kemfert in den Rücken. Die Tagesschau zitiert die Behörde indirekt in einem Artikel, bei dem es um das Speicherproblem geht. Gerade erst hatte Kemfert in der ZDF-Dokumentation Blackout davon gesprochen, dass wir Speicher “noch und nöcher” haben. Wir berichteten.

“Die Bundesnetzagentur schreibt solchen Speichern zwar eine große Bedeutung zu, warnt aber davor, ihr Potenzial zu überschätzen. Denn die möglichen Speicherkapazitäten reichen bislang nicht aus. In weniger als einer halben Stunde wären sämtliche deutschen Pump- und Batteriespeicher leer, wenn sie die Stromversorgung übernehmen müssten.”

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Energiewende: Keine Windkraft ohne Gas. Ein Video der Deutschen Welle klärt über die Zusammenhänge zwischen der Produktion von Stahlringen, die man für Windkraftanlagen braucht, und dem Verbrauch von Gas auf. Manch einer mag sich über die Preise für Gas freuen, die Entwicklung hat aber Rückschlagpotential auf ganz andere Bereiche. Einer davon ist die Windkraft.

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War sogar der tiefe Bückling von Robert Habeck vor den Scheichs vergeblich? Die Reise von Wirtschaftsminister Robert Habeck nach Katar war wohl doch nicht erfolgreich. Die Kataris wollen Deutschland kein Flüssiggas liefern. Der berichtet der Münchener Merkur. Vielleicht war der Besuch auch eher symbolischer Natur?

Italien scheint es anders zu machen, aber der Zeitraum, für den die Italiener nun Verträge geschlossen haben, geht bis zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland nach den Vorstellungen der Grünen gar kein Gas mehr verbrauchen soll. Vielleicht haben die Scheichs keine Lust nur Lückenbüßer zu sein?

“Die „Energiepartnerschaft“, die Habeck mit Katar abgeschlossen hatte, war also eher symbolischer Art: Weder Liefertermine noch konkrete Gasmengen wurden festgelegt. Im Gegensatz dazu hat Italien erst kürzlich einen milliardenschweren Deal mit Katar abgeschlossen. Der teilstaatliche Energieversorger Eni gab vor einem Monat einen Vertrag mit QatarEnergy bei einem großen Flüssiggas-Projekt bekannt. 27 Jahre wollen die beiden Staaten miteinander kooperieren.”

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Derweil geht die Geschichte um die Gaslieferungen aus Russland weiter. Ganz so einfach dürfte es nicht sein, die Mengen, die nach Deutschland geliefert werden, zu drosseln. Nach Angaben von rnd wird das Gas momentan in Russland abgefackelt.

“Seit mehr als einem Monat werden an der finnischen Ostgrenze in der Ferne gigantische Flammen beobachtet, deren Schein sich mit bloßem Auge wahrnehmen lässt. Was nichts anderes bedeuten könne, als dass Russland im großen Stil Gas abfackle, wie auf der Website von Yleisradio nachzulesen ist, der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Finnlands. Zahlreiche Augenzeugen kommen da zu Wort, die an verschiedenen Stellen der Grenze, zum Beispiel in der Küstengemeinde Virolahti oder auf der Insel Lanskeri im äußeren Archipel von Hamina, den hell erleuchteten Horizont wahrnehmen konnten.”

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Stefan Rahmstorf veröffentlichte kürzlich ein Dokument, in dem er eine mögliche Erwärmung bis zum Jahr 2100 von bis zu 7 Grad Celsius prognostiziert. Das Dokument lässt sich beim Potsdam Institut für Klimafolgenforschung herunterladen. Es wirft einige Fragen auf, denn es scheint sich um einen privaten Aufsatz von Rahmstorf zu handeln, der ohne PIK-Hinweis und ohne Datum auf dem Dokument veröffentlicht wurde, was schon etwas ungewöhnlich ist, weil es wie eine private Angelegenheit des Wissenschaftlers aussieht. Zu allem Überfluss ist die Seite mit dem Download nicht einmal sicher, ein Sicherheitszertifikat fehlt. Daher bitte nicht wundern, wenn der Browser eine Sicherheitswarnung beim Aufrufen des Links gibt.

Selbst bei einem sofortigen Rückgang der CO2-Emissionen geht Rahmstorf von einer Erhöhung der Temperatur von 3 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 aus. Er nimmt dafür aber keine Daten des IPCC sondern Daten des “Berkeley Earth Surface Temperature Project”. Stabilisieren sich die Emissionen, wären es demnach 4,6 Grad Celsius Anstieg. Bei einer Zunahme wären es sogar fast 7 Grad Celsius Erhöhung. Das Papier schlägt einen erwartbaren Bogen mit zahlreiche Buzzwords: Extreme Hitze, Extremniederschläge und Dürren, Tropische Wirbelstürme, Meeresspiegel und Eisschilde und natürlich die Kipppunkte des Klimasystems. Beim Thema Kipppunkte gibt es einen eher bizarren Vergleich. Der Fall der Mauer als Kipppunkt.

“Solche Kipppunkte gibt es nicht nur in der Physik, sondern ebenso für Ökosysteme, die sich selbst stabilisieren, aber auch »umkippen« können, wenn eine Belastungsgrenze überschritten wird. Auch der menschliche Körper reguliert selbst seine Temperatur – bis zu einer kritischen Belastungsgrenze, oberhalb derer die Selbstkühlung überlastet ist, zunehmend Organe versagen und der Mensch schließlich stirbt. Auch wir haben also unseren persönlichen Kipppunkt. Das gilt auch für Gesellschaften – der Fall der Mauer war ein Kipppunkt des DDR-Staates. Dabei beschreibt der Begriff Kipppunkt keine Wertung, sondern lediglich eine bestimmte Art von Dynamik; die angestoßene Veränderung kann natürlich auch wünschenswert sein, das liegt im Auge des Betrachters.”

Am Ende kommt Rahmstorf zu diesem Resümee:

“Das klingt finster und dystopisch und es fällt mir schwer, das zu schreiben, während ich an meine Kinder denke. Aber es ist wahrscheinlich. Das meiste wurde schon lange vorhergesagt und ist in für die Betroffenen durchaus nicht harmlosen Anfängen längst zu beobachten. Man muss nur nüchtern der Tatsache ins Auge blicken, dass die geschilderten Verhältnisse in einer 3-Grad-Welt höchstwahrscheinlich nicht »nur« drei Mal schlimmer als in einer 1-Grad-Welt sein werden, wofür die nicht linearen Effekte und die Kipppunkte sorgen werden. Ich bin nicht sicher, ob das halbwegs zivilisierte Zusammenleben der Menschen, wie wir es kennen, unter diesen Bedingungen noch Bestand haben wird. Ich persönlich halte eine 3-Grad-Welt für eine existenzielle Gefahr für die menschliche Zivilisation.”

Ganz ähnlich liest sich ein Artikel beim ZDF. Hier wirkten Wissenschaftler und ehemalige Wissenschaftler des PIK mit.

““Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der Klimawandel katastrophale Ausmaße annehmen könnte“, schreiben die Wissenschaftler, darunter der frühere und ein aktueller Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber und Johan Rockström.

Trotz 30-jähriger Bemühungen seien die durch den Menschen verursachten Treibhausgas-Emissionen weiter gestiegen. „Selbst wenn man den schlimmsten Fall von Klimaänderungen außer Acht lässt, ist die Welt auf dem besten Weg, bis zum Jahr 2100 einen Temperaturanstieg zwischen 2,1 und 3,9 Grad zu erleben.“ Dennoch seien die Folgen einer Erwärmung um drei Grad bisher nicht ausreichend untersucht.”

In dem Artikel wird ein Anstieg der Temperaturen um 2,1 – 3,9 Grad Celsius bis zum Jahr 2100 vorhergesagt. Ob der zeitliche Zusammenhang der Veröffentlichung ein Zufall ist, kann nicht gesagt werden. Der Ton und die Aussagen sind in beiden Fällen sehr ähnlich. Beide versuchen hier das Kunststück einerseits dystopisch zu sein, aber gleichzeitig noch Hoffnung zu vermitteln. Ob das gut gehen kann?

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Ob man nach Dunkelflaute ein weiteres Wort braucht: Hellflaute. Der Wind macht sich rar am 08.08.2022 in Deutschland. Weniger als 1 GW betrug der Windstromanteil zum Stichzeitpunkt. Das waren 1,4% der benötigten Last von 64,4 GW.
Die Aussichten für große Teile auf mehr Wind für die nächsten 7 Tage sind laut der Webseite Windy.com nicht wirklich besser.

(Abbildung: Screenshot Electricitymap.org)