“Uns geht es nicht ums Geld”

Diese Aussage kommt von Hans-Detlef Feddersen, Geschäftsführer der Cimbergy GmBH, die einen Bürgerwindpark im Kreis Nordfriesland betreibt. Er meint damit die Lockerungen im Bereich Windkraft, die die zuständige Behörde in Schleswig-Holstein erlassen hat. Danach können Anlagenbetreiber ihre Windräder länger laufen lassen, müssen auf Nachtzeiten oder Schattenwurf keine Rücksicht mehr nehmen. Sie machen das aus Vaterlandsliebe und um die Stromversorgung in Deutschland zu sichern. NDR Info berichtet:

“Die Ausnahme betrifft zum Beispiel den nächtlichen Lärmschutz. Windräder dürfen nun zwischen 22 Uhr und 6 Uhr bis zu vier Dezibel lauter sein als bisher. Für den Schattenwurf der Anlagen wurden die Abschaltauflagen – ebenfalls bis Mitte April nächsten Jahres – komplett gekippt. Laut LLUR gibt es in Schleswig-Holstein knapp 3.000 Windkraftanlagen. Ein Großteil davon – schätzt der Landesverband WindEnergie – wurde unter Lärm- oder Schattenwurfauflagen genehmigt. Mehr als 160 Anträge auf Ausnahmeregelungen für mehr als 300 Windkraftanlagen in Schleswig-Holstein sind beim LLUR bereits eingegangen.”

Der Bericht lässt auch die Kritiker zu Wort kommen:

“Die Ausnahmeregelung ruft auch die Windkraftgegner auf den Plan. „Die Bundesregierung geht sehr fahrlässig mit dem Schutz der Anwohner von Windparks um“, kritisiert zum Beispiel Susanne Kirchhof von der Initiative Vernunftkraft Schleswig-Holstein. „Das Bundesumweltamt hat in einer neuen Veröffentlichung festgestellt, dass die Anwohner von Windparks, besonders die, die im Außenbereich wohnen, nachts durch die bereits geltenden Lärm-Richtwerte massiv belästigt werden. Und nun soll das durch das neue Gesetz für die Menschen durchgängig noch lauter werden?“, fragt sie.

Zusätzliche Belastungen für viele Anwohner von Windkraftanlagen

Nach Kirchhofs Angaben sind viele Menschen davon betroffen. Vor allem Windkraftanlagen, die in den vergangenen Jahren gebaut wurden, seien in der Regel mit einer Nachtregelung genehmigt worden. Diese gilt nun erstmal nicht mehr. „Da fallen jetzt für viele Menschen zusätzliche Belastungen an“, sagt Kirchhof. Hans-Detlef Feddersen entgegnet, dass es nicht die Windkraftanlagenbetreiber gewesen seien, die die Ausnahmeregeln eingeführt haben. „Es war ein Hilferuf der Politik“, so Feddersen.”

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Die Umwidmung von Agrarflächen für Solaranlagen haben wir in diesem Blog schon einige Male behandelt. Zur Erinnerung: Deutschland hat bereits jetzt nicht genügend Ackerflächen, um sich rechnerisch selbst zu ernähren. Natürlich wird es hier keinen Anbau von Südfrüchten o. ä. geben. Dieser rechnerische Mangel an Flächen liegt auch daran, dass beträchtliche Größen für Energiepflanzen benötigt werden. Das Video der beiden Wissenschaftler ist nach wie vor eine Empfehlung.

Es gibt momentan einen echten Run auf Flächen, dabei sind noch längst nicht alle Möglichkeiten, die ebenfalls gut geeignet wären, bisher ausgeschöpft. Heise.de berichtet über solche Potentiale und meint damit die Supermärkte in Deutschland. Sie haben Dachflächen und auch Parkplätze, die gut geeignet wären, um darauf Solarmodule zu installieren unter denen man parken könnte. Kunden dürften sich zudem über trockene und im Sommer beschattete Parkplätze sicherlich freuen.

“Zwar gibt es einen leichten Trend – von 2016 bis 2021 sank der jährliche Verbrauch [der Supermärkte] pro Quadratmeter stetig von 330 auf 314 Kilowattstunden pro Quadratmeter Verkaufsfläche – die absoluten Zahlen sind aber immer noch hoch, vergleicht man sie etwa mit einem beispielhaften Einfamilienhaus, das bei rund 200 Quadratmetern Wohnfläche 3000 Kilowattstunden im Jahr konsumiert; 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter.”

Da Supermärkte Strom über den Tag für Wärme und Kühlung benötigen, könnten sie den Solarstrom sehr gut selbst verbrauchen:

“Dem steht großes Potenzial für Photovoltaik gegenüber: Pro Kilowatt Peak kann man von einem Flächenbedarf von rund 5 Quadratmetern ausgehen, also 200 Watt Peak pro Quadratmeter. Doch ein Supermarktdach ist nicht komplett nutzbar: Lüftungsanlagen und andere Hindernisse verhindern die vollständige Belegung. Etwas pessimistisch gerechnet kann man von 800 Quadratmetern Verkaufsfläche auch 600 für Photovoltaik nutzen. Das entspräche einer Anlage mit 120 Kilowatt Peak, von der man zwischen 110.000 und 120.000 Kilowattstunden im Jahr erwarten kann”.

ALDI und Lidl haben bereits erste Projekte gestartet.

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Am 09.11.2022 wird die Petition “Stuttgarter Erklärung” im Petitionsausschuss behandelt. Dem Initiator André Thess wird Anna Veronika Wendland zur Seite stehen. Die fast 60.000 Unterstützer sind ein Erfolg, allerdings wird bereits kurz danach die Gesetzesänderung des Atomgesetzes erfolgen. Die Anhörung wird live übertragen.

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Vulkanausbruch in Tonga hat die höchste jemals auf der Erde gemessene Aschewolke erzeugt. Das berichtet der Spiegel.

“Ein Vulkanausbruch in Tonga Anfang des Jahres hat die höchste jemals auf der Erde gemessene Aschewolke erzeugt. Die Eruptionssäule drang mit 57 Kilometern sogar in die dritte Schicht der Erdatmosphäre vor, die Mesosphäre. Die Vermutung dazu bestand schon – nun haben Forscherinnen und Forscher der Universität Oxford sie bestätigt. Der Untersee-Vulkan Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai war Mitte Januar 2022 ausgebrochen und hatte eine gigantische Wolke aus Asche und Gas kilometerweit in die Höhe geschleudert.”

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Der Wald als Industriegebiet. Ein Kommentar in der taz setzt sich mit dem wachsenden Wald in Deutschland auseinander.

“Nur: Statistiken sind reine Zahlen. Wer draußen in Niedersachsens Wäldern unterwegs ist, sieht auf den ersten Blick: Die Sache hat einen Haken. Kahlschlag reiht sich an Kahlschlag, wegen der Dürre, wegen des Borkenkäfers. Kaum noch Biomasse steht hier, und das Nachgepflanzte braucht Jahrzehnte, um Ersatz zu schaffen. Breite Schneisen ziehen sich durchs Gehölz, dicht an dicht, für riesige Holzerntemaschinen, deren Reifen und Ketten den Boden zerwühlen und verdichten. Forststraßen, ausgebaut für Sattelzüge, machen den Wald zum Industriegebiet. Ja, rein rechnerisch mag der Wald an Fläche wachsen. Aber die Frage ist: Welche Qualität hat er? Und: Welche Qualität hat er für wen?”

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Die Presse und die Medien sind schuld. So kann man die Aussagen der “letzten Generation” verstehen. Auch nach dem schrecklichen Tod einer verunglückten Radfahrerin, für die die Hilfe durch den Stau, den die Aktivisten verursachten, zu spät kam, erkennt man wenig Einsicht bei ihnen. Eher wird die Schuld nun umgelastet auf die Autofahrer oder die Polizei. Im Spiegel heißt dazu:

“Wir wussten, dass uns einiges entgegenschlagen wird. Wir wussten, dass wir uns viele Feinde machen würden«, heißt es in dem Statement. »Dass ein ganzes Mediensystem sich gegen uns wenden würde, damit haben wir nicht gerechnet.”

Wer allerdings gedacht hat, die Gruppe würde über ihre Aktionen nachdenken, der sieht sich getäuscht. Es werden weitere Aktionen angekündigt und sogar schon durchgeführt. So wurde in Berlin die Torstraße blockiert, eine Hauptverkehrsstraße, die zudem eine wichtige Verbindung zur zentralen Notaufnahme in Berlin ist.

Mittlerweile erkennen sogar Grüne Politiker wie Konstantin von Notz, dass die Aktionen kritisch zu sehen sind. Er weist zudem auf die Demokratie hin. Politik wird in Parlamenten durch gewählte Abgeordnete gemacht, nicht durch Forderungen und Festkleben auf der Straße. Wenn es so funktionieren würde, brauchen wir keine Parlamente mehr.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Die Geschichte geht aber weiter. Die Aktivisten fordern Richtigstellung, weil es auch aus Regierungskreisen Kritik an ihnen bzw. der Klebeaktion gegeben hat. Ob die drei Politiker den Termin wahrnehmen werden?

(Abbildung. Screenshot Twitter)

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phys.org:

Ozone hole grows this year, but still shrinking in general

The Antarctic ozone hole last week peaked at a moderately large size for the third straight year—bigger than the size of North America—but experts say it’s still generally shrinking despite recent blips because of high altitude cold weather.

The ozone hole hit its peak size of more than 10 million square miles (26.4 million square kilometers) on October 5, the largest it has been since 2015, according to NASA. Scientists say because of cooler than normal temperatures over the southern polar regions at 7 to 12 miles high (12 to 20 kilometers) where the ozone hole is, conditions are ripe for ozone-munching chlorine chemicals.

„The overall trend is improvement. It’s a little worse this year because it was a little colder this year,“ said NASA Goddard Space Flight Center Chief Earth Scientist Paul Newman, who tracks ozone depletion. „All the data says that ozone is on the mend.“

Weiterlesen bei phys.org

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Margaret Cook auf The Conversation (hier auch Abbildungen):

Floods in Victoria are uncommon. Here’s why they’re happening now – and how they compare to the past

Think Victoria and disasters and you’ll think bushfires. But floods can hit – just not as often.

Today is one of those days, with much of the state under a flood watch. Premier Dan Andrews says the floods are likely to be the most significant in years. Evacuations are likely.

Floodwaters are pushing down the Goulburn to the Murray. Major flooding in the Maribyrnong, which runs through towns and Melbourne’s west. Emergency services say evacuations may be necessary. Towns are sandbagging flood-prone areas. Some have been cut off by rising waters.

The state’s largest dam, Dartmouth, is spilling over. So is Lake Eildon’s dam. And the Thomson dam may well spill this weekend, for the first time in decades. This isn’t the last of it – Victoria’s emergency management commissioner Andrew Crisp has warned intense rains and floods could last up to six to eight weeks.

Even as the rest of the eastern seaboard has faced the brunt of three consecutive La Niña years, Victoria has had little flooding until now. Tasmania, too, is facing rare flooding, while flood-weary New South Wales is bracing for more.

These heavy rains are unusual. Dense cloud bands have crossed the desert, carrying moisture evaporating from seas off north-west Australia. Rain has fallen across almost the entire continent in the last two weeks. Our rain events are usually regional – not national.

Why doesn’t Victoria have as many floods?

Victoria’s claim to fame in disasters is that it’s the most bushfire-prone region in the world (followed by California and Greece).

Fire risk also comes from climate. Victoria’s temperate climate means dry summers and less rain than its northern counterparts – around 520 millimetres of rain a year falls on average in Melbourne, compared to 1175mm a year in Sydney and 1149mm in Brisbane. Up north, rain tends to fall intensely, whereas Victoria’s rain tends to fall more as drizzle.

What’s different this time? September was wetter and colder than usual in Victoria, which meant the ground was already saturated in many areas. Colder weather means less water evaporates. Together, that made the state primed for floods.

For a flood to happen, you need a high rate of run-off, where rain hits saturated soils and flows overland rather than sinking in, as well as intense rains in a short period.

Victoria is more familiar with flash floods. That’s because the stormwater drains in cities and towns can be overwhelmed by sudden dumps of rain, flooding streets. The good news is this flooding is usually over quickly, in contrast to the flooded rivers we see up north.

This situation may be different. With the state’s major dams beyond capacity or very close to it, water is already spilling over. Dams in Australia are often dual-purpose, storing drinking water and allowing us some control over floods. While Brisbane’s dams are designed with gates to permit floodwater release, Victoria’s dams tend to just have dam walls.

When dams overflow, they can add to floods in low-lying areas downstream. There’s also usually a lag time in riverine floods, as it takes hours or sometimes days for rain falling in the headwaters to end up as floodwater downstream.

What floods has Victoria seen before?

The largest was in 1934. More than 140mm of rain fell over two days in Melbourne, and more than double that in Gippsland. The enormous flood that followed was most devastating in Melbourne, where the Yarra broke its banks and formed a lake from the city out to the outer suburbs. Thirty-six people died, and thousands of people were left homeless.

Floods in the capital and in the regions are rare but not unknown. In 1891, floods forced more than 3,000 people from their homes in Richmond, Collingwood and Prahran. In 1909, western Victorian rivers broke their banks, flooding many towns and causing four deaths.

The most recent big floods took place during the previous La Niña cycle from 2010-2012, with western Victoria taking the brunt of the damage.

Flooding in Victoria has also reduced because people have shifted the course of rivers – particularly the Yarra.

In 1879, 2,000 workers began a monster task: removing an entire loop of the Yarra west of the Docklands. One reason? Straight rivers flow faster, meaning floodwaters can discharge more quickly.

Engineer John Coode was responsible for designing the new course for the Yarra, which also had the benefit of a wide new channel to improve access for ships. In the process, his workers created what’s now known as Coode Island.

In 1896, Victoria’s Parliament passed the Yarra Improvement Act in a bid to reduce the damage caused by floods. Workers widened and deepened the river, and removed billabongs near the Botanic Gardens in the process.

In the 1930s, engineers built another channel through an old quarry leading to the creation of Herring Island. These changes were mainly about improving navigation for ships – but they had the double benefit of reducing flooding in the lower reaches. In part, it was about British ideals of what rivers should look like, using highly modified rivers like London’s Thames as a guide.

What’s next?

Changing the course of rivers, raising dams and building levees can make us feel like we’re in control. Unfortunately, it’s not that simple, as Lismore’s residents found.

Flood control measures can actually make the impact of large floods worse by giving us a false sense of security about living on floodplains.

This is unlikely to be the last flood before La Niña finally relents. It’s worth knowing your state’s history of disasters – so you can be better prepared. After all, we can’t control nature.