Umgerüstetes Kohlekraftwerk soll jetzt Wald verbrennen

Am 02.05.2020 haben wir in diesem Blog über den Film Burned berichtet. In den USA wird auf Biomasse gesetzt. Allerdings werden dort nicht wie in Europa schnellwachsende Pflanzen zu Gas vergoren, man fällt dort Bäume, um diese dann in Kraftwerken zu verbrennen – gern zusammen mit anderen Dingen wie Autoreifen oder getränkte Eisenbahnschwellen. Das Thema ist deshalb heikel, weil es hier um pure Ideologie geht. Klimaorganisationen wie 350.org, die Fridays For Future (FFF) in den USA entsprechen, haben dieser Art der Stromgewinnung ihren Segen erteilt. Das prangert auch der Film Planet of the Humans von Michael Moore an.

Und so verlieren die USA wertvolle Kohlenstoffsenken sowie Biotope, zerstören ihre Umwelt und lügen sich bezüglich der Nachhaltigkeit und des Klimas selber etwas in die Tasche. Ein Baum, der 50 – 100 Jahre braucht, um groß und stattlich zu werden, dann aber in wenigen Minuten verfeuert wird, kann niemals eine günstige Klima-Bilanz haben, egal wie man rechnet. Bäume sind die neue Kohle, so scheint es.

Wer aber glaubt, dass das nur in den USA so gemacht wird, wo man riesige Wälder und somit Kohlenstoffsenken vernichtet, der irrt sich. Der Weserkurier berichtet über ein Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven, das auf Holz umgerüstet werden soll. Das treibt Deutschlands berühmtesten Förster, Peter Wohlleben (Buch „Das geheime Leben der Bäume“) auf Twitter die Zornesröte ins Gesicht.

Über den Lapsus des Produktionsleiters des Kraftwerks in dem Artikel sehen wir besser großzügig hinweg. Ein Kraftwerk mit „hohen Grenzwerten“…

„Natürlich wolle man in einer sauberen Umwelt leben, sagt Voßhoff. Das Kraftwerk aber gehöre zu den modernsten und effizientesten weltweit und habe sich bei den Emissionen hohe Grenzwerte verordnet. „Da sind wir schon sehr sauber.““

Was Wohlleben mit Wahnsinn meint, das könnten die Äußerungen der SPD-Bundestags-Abgeordneten Siemtje Möller sein. Ihr Slogan auf der eigene Webseite: „Auch ans Klima denken!“

„Siemtje Möller denkt bereits weiter. Denn am Ende könnte der Standort auch Wasserstoff mit der grünen Kohle produzieren. Der gerade beschlossene Anschub für die Technologie in Milliardenhöhe soll auch in Wilhelmshaven ankommen. „Ich hätte gerne einen ordentlichen Anteil hier“, sagt die Abgeordnete über das Budget. Überhaupt sieht sie in der Wasserstoffinitiative, im Kohleausstiegsgesetz und dem Strukturstärkungsgesetz für den Nordwesten „eine Riesenchance, in die Zukunft zu gehen“.“

Sie nennt Bäume allen Ernstes grüne Kohle und will dann mit der Energie aus verbrannten Bäumen Wasserstoff gewinnen. Ob die Wasserstoffinitiative des Bundes so etwas meint? Wohl eher nicht. Das Vernichten von Kohlenstoffsenken kann unmöglich eine Riesenchance für die Zukunft sein. Warum nimmt Frau Möller ihren eigenen Slogan so wenig ernst?

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Der Rückbau von Windenergie in Deutschland steht bevor. Nach einem Bericht von energiezukunft.eu drohen Tausenden von Windkraftanlagen aus der EEG-Förderung zu fallen. 5.000 Anlagen mit 3,7 GW Leistung könnten abgestellt werden, weil die Subventionen wegfallen. Grund sollen die durch die Corona-Pandemie gefallen Energiepreise sein. Verbraucher merken dank EEG leider nichts davon. Für sie steigen die Strompreise munter weiter. Eine Lösung hat die Windenergiebranche aber schon parat: Es sollen einfach weiter Subventionen fließen, allerdings etwas anders verteilt. Ein eigenständiges Bestehen am Markt ist offenbar nicht möglich. Eine ganze Branche existiert, weil es Subventionen gibt und fordert noch mehr Förderungen. Das EEG ist der Versuch, innerhalb einer Marktwirtschaft mit einer Planwirtschaft zu arbeiten. Das kann nicht gutgehen, wie die Preisentwicklung beim Strom in Deutschland zeigt. Märkte lassen sich offensichtlich nicht aushebeln.

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Am 7. Mai 2020 wandten sich die Bundestags-Abgeordneten Karsten Hilse, Dr. Heiko Wildberg, Dr. Rainer Kraft, Andreas Bleck, Marc Bernhard der Fraktion der AfD mit einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung, inwieweit diese die Hockeystick-Kurve von Michael Mann weiter als Planungsgrundlage verwendet. Die vollständige Kleine Anfrage gibt es als pdf hier. Auszug:

Wir fragen die Bundesregierung:

1. Wird in Veröffentlichungen (Regierungsdokumente, Informationsmaterial, Filme etc.) der Bundesregierung und der ihr unterstellten Behörden und Ämter direkt oder indirekt die Temperatur-Rekonstruktion (,hockey stickʻ-Kurve) oder deren zugrunde liegenden Daten von Michael E. Mann dargestellt bzw. genutzt, und wenn ja, in welchen?

2. Auf welche wissenschaftlichen Arbeiten, falls die Bundesregierung die Temperatur-Rekonstruktion oder die Daten von Michael E. Mann in ihren Veröffentlichungen nicht nutzt, bezieht sich die Bundesregierung bei der Darstellung der Klimaentwicklung der Vergangenheit in ihren Veröffentlichungen?

Eine interessante Frage, denn die Hockeyschlägerkurve war zwar ein wichtiger Aufhänger im IPCC-Bericht von 2001, stellte sich später aber von der statistische Methodik und Datenbasis als falsch heraus. Etliche Jahre später korrigierte Michael Mann seine Kurve sogar selber und erhielt plötzlich wieder vorindustrielle Temperaturschwankungen. Ein wissenschaftshistorischer Irrtum, von einem übereifrigen aktivistischen Jungforscher kurz nach seiner Promotion als Karriereanschub missbraucht. Äußerst spannend übrigens alles nachzulesen in diesem empfehlenswerten Buch:

The Hockey Stick Illusion

Was hat die Bundesregierung geantwortet? Am 28. Mai 2020 teilte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit zu Frage 1 knapp mit (vollständiges pdf hier):

Die genannte Veröffentlichung von Michael E. Mann et al. aus dem Jahr 1999 ist in den Dritten Sachstandsbericht des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (IPCC) eingegangen und hat dadurch breite Bekanntheit erlangt. In den vergangenen 20 Jahren wurde ihre Grundaussage, dass die Zunahme der mittleren Oberflächentemperaturen auf der Nordhalbkugel im 20. Jahrhundert und besonders während der letzten Jahrzehnte größer war als die der vergangenen Jahrhunderte, vielfach mit weiteren Daten und weiter entwickelten Methoden bestätigt. Es ist wahrscheinlich, dass darauf auch in älteren Äußerungen oder Veröffentlichungen der Bundesregierung Bezug genommen wurde. Wegen der Vielzahl der Veröffentlichungen der Bundesregierung während der vergangenen 20 Jahre wird auf Einzelnachweise verzichtet

Das ist natürlich Quatsch. Die Grundaussage des Hockeyschlägers war, dass es in vorindustrieller Zeit nahezu keine Temperaturschwankungen gegeben habe. Diese Ansicht wurde durch Folgearbeiten NICHT bestätigt. Die Mittelalterliche Wärmeperiode wurde mittlerweile auf allen Kontinenten nachgewiesen. Die neuesten Arbeiten kennt das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nuk­leare Sicherheit offenbar gar nicht:

Lüning, S., M. Gałka, F. García-Rodríguez, F. Vahrenholt (2020): The Medieval Climate Anomaly in Oceania. Environmental Reviews, 28 (1): 45-54, doi: 10.1139/er-2019-0012

Lüning, S., L. Schulte, S. Garcés-Pastor, I. B. Danladi, M. Gałka (2019): The Medieval Climate Anomaly in the Mediterranean region. Paleoceanography and Paleoclimatology, 34 (10): 1625-1649, doi: 10.1029/2019PA003734

Lüning, S., M. Gałka, F. Vahrenholt (2019): The Medieval Climate Anomaly in Antarctica. Palaeogeogr., Palaeoclimatol., Palaeoecol., 532,  doi: 10.1016/j.palaeo.2019.109251 

Lüning, S., M. Gałka, F. P. Bamonte, F. García-Rodríguez, F. Vahrenholt (2019): The Medieval Climate Anomaly in South America. Quaternary International, 508: 70-87. doi: 10.1016/j.quaint.2018.10.041.

Lüning, S., M. Gałka, F. Vahrenholt (2017): Warming and cooling: The Medieval Climate Anomaly in Africa and Arabia. Paleoceanography 32 (11): 1219-1235, doi: 10.1002/2017PA003237.

Die neueste Arbeit von PAGES2k ist nun wieder ein Rückfall in die Hockeyschläger-Ideologie. Allerdings ist die Datenbasis fehlerhaft und unvollständig, wie in den oben genannten Arbeiten detailliert nachgewiesen wird. Zudem kommen immer noch fragwürdige Baumringe zum Einsatz. Eine nicht sehr nachhaltige Arbeit.

Und das antwortet die Bundesregierung auf die Frage 2 der Bundestagsabgeordneten:

Die Bundesregierung bezieht ihre wissenschaftlichen Informationen über den Klimawandel im Allgemeinen aus den jeweils aktuellen Berichten des IPCC. Darüber hinaus werden kontextspezifisch auch andere hochrangige wissenschaftliche Veröffentlichungen hinzugezogen, insbesondere aktuelle Untersuchungen, die seit dem jeweils letzten IPCC-Bericht publiziert worden sind. Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen die vier Teile des Sechsten IPCC-Sachstandsbericht (AR6) veröffentlicht werden. Der Band über die naturwissenschaftlichen Grundlagen wird auch alle neueren wissenschaftlichen Informationen über den Temperaturanstieg berücksichtigen. Neben den IPCC-Berichten verwendet die Bundesregierung auch wissenschaftlich geprüfte klimatologische Zeitreihen der lokalen, regionalen, kontinentalen und global gemittelten Oberflächentemperaturen, welche die WMO (World Meteorological Organization), die NASA (National Aeronautics and Space Administration), die ESA (European Space Agency), der DWD (Deutscher Wetterdienst), das ECMWF (European Centre for Medium-Range Weather Forecasts) sowie das britische Met Office Hadley Centre for Climate Change zur Verfügung stellen

Der letzte Teil bezieht sich nur auf Messdaten der letzten 150 Jahre, verfehlt also das Thema. Im ersten Teil der Antwort gibt man vor, die aktuelle Literatur zu verwenden. Auch die oben genannten Arbeiten zur Mittelalterlichen Wärmeperiode? Vermutlich sind die Ergebnisse im Ministerium nicht bekannt, sonst wäre die Antwort nicht so kurz und pauschal ausgefallen.

Der Bunderegierung und allen Interessierten sei der folgende 5-minütige Info-Clip empfohlen, der alles Wissenswerte über die Temperaturentwicklung in Deutschland kurz und knapp zusammenfasst: