Tagesschau vermeldet Sensation: Stromtransport per Schiff!

Wer hätte das gedacht? Die Tagesschau berichtet über die Produktion von Grünem Wasserstoff in Australien. Ein Leverkusener Chemieunternehmen will zukünftig im sonnenbegünstigten Australien grünen Wasserstoff produzieren, der in den Werken in Asien, Nordamerika und Europa eingesetzt werden soll. Relativ unscheinbar wird vermerkt:

“Der Wasserstoff soll danach mit Elektrolyse aus Wasser gewonnen werden. Der dafür benötigte Strom soll aus erneuerbaren Energiequellen gewonnen und mit Spezialschiffen transportiert werden.”

Liest bei der Tagesschau eigentlich irgendjemand noch einmal inhaltlich Korrektur? Ihm hätte auffallen müssen, dass dieser Absatz keinen Sinn ergibt. Der Strom für die Elektrolyse dürfte vor Ort hergestellt werden und hergestellter Wasserstoff (oder Folgeprodukte) werden vermutlich per Schiff transportiert.

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Ein Windpark, so groß wie Berlin. So lautet die Überschrift eines Artikels ebenfalls bei der Tagesschau. Es geht um zwei Windparks, die die Energiekonzerne EnBW und RWE offshore errichten wollen.

“Ob das tatsächlich geschafft werden kann, ist offen. Doch die Zahl der Projekte nimmt stetig zu. So will RWE, weltweit die Nummer zwei bei Offshore-Windanlagen, bis 2030 seine Kapazität in diesem Bereich von derzeit 2,4 Gigawatt auf acht Gigawatt verdreifachen. Anfang Januar verkündete der Konzern, gemeinsam mit seinem kanadischen Partner Northland Power, die Entwicklung eines 1,3 Gigawatt (GW) großen Offshore-Windclusters in der deutschen Nordsee voranzutreiben. Die beiden Konzerne wollen drei Windparks entwickeln und errichten, die voraussichtlich ab 2026 den kommerziellen Betrieb aufnehmen sollen.”

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Nochmal zum Nachlesen die Rede von Wirtschaftsminister Habeck zum Thema Energiewende. Bereits im letzten Jahr hat der Anwalt Dr. Rico Faller sich bei Cicero zum Umstand geäußert, was Windkraft mit öffentlicher Sicherheit zu tun hat.

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Alessandro Blasi, Berater der Internationalen Energie Agentur IEA, räumt mit einigen Mythen in Sachen Energie auf. Hier eine kurze deutsche Übersetzung.

1. Erneuerbare Energien: die Nummer 1 als Stromquelle? Falsch, es ist Kohle – mit großem Vorsprung.

2. Energie gleichbedeutend mit Strom: Falsch, Strom stellt nur ca. 25% der verbrauchten Energie dar.

3. Die Nachfrage nach Kohle sinkt: Falsch, sie ist auf einem Höchststand und die Nachfrage wird in 2022 weiter steigen.

4. Öl betrifft nur PKW. Falsch, Petrochemie, LKW und Flugverkehr sind die großen Nachfrager.

5. Covid19 war der Peak für Öl. Falsch, 2022 wird höher liegen als vor Corona.

6. Stromerzeugung ist die Nummer 1 bei Emissionen: Falsch, 60% kommen von der Industrie, Transport und anderen Quellen.

7. Großkonzerne beherrschen die Öl- und Gasindustrie: Falsch, solche Unternehmen repräsentieren 12% der weltweiten Reserven und 15% der Produktion.

8. Das Ende des fossilen Zeitalters ist da: Dramatisch falsch, sie stellen immer noch 80% des Gesamtenergieverbrauchs, so wie vor 30 Jahren.

9. Wind und Sonne dominieren den CO2-arme Stromproduktion: Noch falsch, Wasserkraft führt.

10. Die Emissionen haben bereits ihren Peak erreicht: Unglücklicherweise sieht es so aus, als wenn 2022 ein neuer Höchststand erreicht wird.

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Das könnte noch spannend werden. In Rheinland-Pfalz versucht ein Untersuchungsausschuss zu klären, wie es zur Flutkatastrophe im Sommer 2022 kommen konnte. Einer der geladenen Experten war laut SWR Jörg Kachelmann. Er berichtet, dass genügend Zeit gewesen wäre, das Richtige zu tun. Sein Wetterdienst warnte bereits früh über das sich ankündigende Starkregengebiet mit Überflutungen.

Ganz im Gegensatz zum ebenfalls geladenen Meteorologen Sven Plöger. Er schreibt zwar fleißig Bücher (Zieht euch warm an, es wird heiß) gab aber vor der Katastrophe ein eher schlechtes Bild ab, weil die entscheidenden Warnungen fehlten. Er führte aus, dass er mit Starkregen rechnete, aber nicht mit einem Pegelstand von 9 Metern bei der Ahr. Um sich irgendwie zu retten, führte er einen eigentümlichen Vergleich mit dem Schwarzwald an, der aber laut Kachelmann überhaupt nicht relevant ist/war. Auf Twitter schrieb Kachelmann dazu:

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Es sieht nicht so aus, als wenn er und Plöger noch einmal Freunde werden. Das könnte auch zusammenhängen mit Vorkommnissen vor 10 Jahren als Kachelmann Opfer der Justiz und von falschen Beschuldigungen wurde. Im Zuge der Ereignisse kam es zu Verwerfungen beim Kachelmann Unternehmen Meteomedia, bei der auch Plöger angestellt war.

Das Ministerium in Rheinland-Pfalz, welches für die Alarmierung und ggf. Evakuierung zuständig gewesen wäre, ist übrigens Grün geführt. Adaption an ein sich änderndes Klima ist aber nicht sehr beliebt bei den Grünen, weil es das Narratives ”Alles für das Klima” gefährden könnte. Gelder für einen durchdachten Katastrophenschutz könnten an anderer Stelle fehlen. Nur CO2 Vermeidung ist das Allheilmittel der Grünen. Die Folgen zeigt die Ahrtal-Katastrophe. Zur Adaption gehören funktionierende Meldeketten. Die scheinen in Rheinland-Pfalz versagt zu haben.

“Die britische Wissenschaftlerin Hannah Cloke, die live in den Untersuchungsausschuss zugeschaltet wurde, sagte, das europäische Hochwasser-Warnsystem EFAS habe am 9. /10. Juli für das Rhein-Einzugsgebiet mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit ein Hochwasser ab dem 13. Juli vorhergesagt. „Es stand eine schwerwiegende Überschwemmung bevor“, so die Professorin von der britischen University of Reading und freie EFAS-Beraterin. Es habe eine Warnung von beträchtlichem Schweregrad gegeben, und sie sei sehr überrascht gewesen, dass dennoch so viele Menschen bei der Flutkatastrophe ums Leben gekommen seien. „Die Zahl der Todesopfer zeigt, dass das System versagt hat“, so Cloke. Die Kritik beziehe sich aber nicht auf bestimmte Teile in Rheinland-Pfalz. Sie wisse nicht, wie die EFAS-Meldungen in nationale und regionale Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen würden.”

Möglicherweise sind die Prioritäten einfach anders gesetzt. In diesem Fall mussten das viele Menschen mit dem Leben bezahlen.

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Jede Art der Stromgewinnung hat Nebenfolgen. Das gilt auch für Wasserkraft. Die Welt berichtet über das Problem, dass mit einem Staudamm auch wichtige Refugien für Lebewesen verschwinden.

“Das Forscherduo prüfte, wie sich Stauanlagen auf zwei Tierarten auswirken: Jaguare (Panthera onca) in Mittel- und Südamerika und Tiger (Panthera tigris) in Asien. Beide Arten stehen an der Spitze der jeweiligen Nahrungskette, brauchen enorm viel Fläche und reagieren daher besonders empfindlich auf eine Beschneidung ihrer Lebensräume. „Unser übergeordnetes Ziel ist es, Schlüsselareale für beide Spezies zu identifizieren und das Verhältnis zwischen Energieerschließung und Schutz der Artenvielfalt abzuwägen“, schreibt das Team.

Der Analyse zufolge haben sich die Lebensräume von Jaguaren in Mittel- und Südamerika in der Vergangenheit generell etwa halbiert. Bei einem Gesamtbestand von 173.000 Tieren gilt die Art als „potenziell gefährdet“. Tiger dagegen sind im letzten Jahrhundert aus 93 Prozent ihrer natürlichen Lebensräume verschwunden. Von der Art leben noch 3200 bis 3500 Tiere, sie gilt als „stark gefährdet“.”

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Die Regeln der EU-Taxonomie in Sachen Erdgas sind für Kraftwerksbetreiber kaum zu erfüllen.
Die Welt (Bezahlschranke) berichtet über Regelungen, dass bereits ab 2026 30% Wasserstoff oder Biogas verbrannt werden müssen. Ab 2030 sollen es mindestens 55% sein. Der Deutsche Industrie und Handelskammertag (DIHK) hält es für ausgeschlossen, dass bis dahin an nur ansatzweise genügend Wasserstoff oder Biogas zur Verfügung steht. Wird das Ziel der Back-Up Kraftwerke allerdings verfehlt, dann steht und fällt der wichtigste Pfeiler bei der Energiewende. Oder anders: Wenn sich kein Kraftwerksbetreiber auf dieses Wagnis einlässt, hat Kohle gute Chancen noch sehr lange eine wichtige Rolle zu spielen.

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Handelsblatt am 17.1.2022:

Energieintensive Industrie fordert radikalen Schnitt beim Strompreis

Große Energieverbraucher kämpfen dafür, dass die Strompreise auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden. Sie wissen den Bundeskanzler auf ihrer Seite.

Weiterlesen im Handelsblatt

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phys.org am 17.1.2022:

Travel woes as winter storm blankets eastern US and Canada

A major winter storm blanketed a swathe of North America in snow Monday as it sliced up the US east coast into Canada, disrupting travel and cutting power to thousands of homes.

Many Americans who had been without electricity—about 120,000 of them Monday afternoon—seemed to be back online by the evening, according to the website PowerOutage.us. The biggest concentration of outages came in the mid-Atlantic state of West Virginia and the southeastern states of North and South Carolina and Georgia.

Weiterlesen bei phys.org

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TechExplore am 15.1.2022:

Chile court freezes multi-million dollar lithium deal

A Chilean appeals court on Friday suspended a million-dollar state lithium tender issued two days earlier that had generated controversy for coming just two months before the end of conservative President Sebastian Pinera’s term.

Weiterlesen bei TechExplore

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Youtube:

Hunga Tonga volcano eruption in 4K UHD with Shock Wave propagation

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Achtung, Satire!

Vulkanausbruch in Folge des Klimawandels

von Jakob Ihrig, Raubach 

Am 16.1.2022 kam es zum spontanen Ausbruch des Vulkans Hunga Tonga-Hunga Haʻapai im Archipel der Tonga Inseln in der Südsee. Der Ausbruch des Unterseevulkans wird von einigen Experten mit dem gewaltigen Ausbruch des Krakatau im 19. Jahrhundert verglichen. 

Über die Ursache des Ausbruchs herrscht derzeit noch kein eindeutiges Bild unter Vulkanologen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Roherze geht davon aus, dass der Ausbruch generell eine Folge der klimainduzierten Plattentektonik der Erde ist. Bereits vor über hundert Jahren hatte Alfred Wegener erkannt, dass nicht der Mond – wie von ihm ursprünglich vermutet – Ursache der Kontinentaldrift ist, sondern Spannungstensionen die sich in der Erdkruste aufgrund des Klimawandels aufbauen. Es kommt daher immer wieder zu abrupten Spannungsentlastungen an den Plattengrenzen und in Folge zu Vulkanausbrüchen, so ein Sprecher der Bundesanstalt. Wegener hatte diese These in einer bisher unveröffentlichten Schrift zusammengefasst. Mittlerweile gilt sie unter allen Wissenschaftlern als akzeptiert.    

Eine andere Hypothese wird allerdings vom renommierten Potsdamer Institut für Klimaforschungsfolgen vertreten.  Danach stünde die Eruption sogar in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Klimawandel. Durch den Klimawandel wird seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert eine Erhöhung der Klimatemperatur inzidiert. Seit der Jahrtausendwende hat dieser Trend noch einmal Fahrt aufgenommen, so das Institut. Die Temperatur in der Magmakammer von Vulkanen folgt mit einiger Zeitverzögerung der Meeres- und Atmosphärentemperatur (sogenannte magmatische Temperatur Additivität). Am Hunga Tonga-Hunga sei es jetzt in Folge dieser Temperaturerhöhung in der Magmakammer zu einem kritischen Überdruck gekommen, der sich in einer explosiven Eruption entlud.

Beide Expertengruppen betonen das weitere Forschung notwendig ist, um die genauen Ursachen zu erforschen und ein Frühwarnsystem zu entwickeln. Einig ist man sich jedoch darin, das in Folge des Klimawandels Vulkanausbrüche zunehmen werden. Man kann hier von einem „self-supporting system“ sprechen, dass gerade einen Kipppunkt im Schellnhuberschen Sinne überschreitet. Durch die gehäuften Vulkanausbrüche würde mehr CO2 in die Atmosphäre geschleudert, dies würde wiederum zur Beschleunigung der Klimatemperatur führen, die dann wieder eine Kette von Vulkaneruptionen nach sich zieht.