Wenn Wissenschaftler den politischen oder wirtschaftlichen Interessen ihrer Epoche zu dienen

Seit Bonaparte in Ägypten 1798 die Dienste von Wissenschaftlern in Anspruch genommen hat, um seine Proklamation an die Ägypter zu schreiben und sich als ihr Befreier feiern zu lassen, gerieten Wissenschaftler, Künstler und ihre Arbeiten wohl oder übel immer wieder in die Lage, den politischen oder wirtschaftlichen Interessen ihrer Epoche zu dienen. Mathias Énard in seinem Roman „Kompass„

Georg Forster über Winterschnee und Sommerhitze: Natur im ständigen Wechsel

„Wer über diesen Kreislauf der Begebenheiten unmuthig werden kann, der klage über Winterschnee und Sommerhitze, oder über den Wechsel der Nacht mit dem Tage; er klage über alles in der ganzen Natur, was dem Wechsel unterworfen ist, und – vergesse, daß nur durch diesen unaufhörlichen Wechsel alles besteht. Die relative Moralität gewinnt freylich nicht immer durch die Entwicklung der Fähigkeiten; dieselbe Sonne, die das Wachs erweicht und schmelzt, härtet hingegen den Thon. Wenn aber jemand darum lieber die Sonne ganz entbehren möchte, so dürften wir aus mehr als einem Grunde vermuthen, daß er vielleicht für jede andre Welt, nur nicht … weiter lesen

Richard Feynman: „Real science is all about trying to prove your theory wrong“

“Real science is all about trying to prove your theory wrong. You do everything you can to prove it wrong, then have other people do what they can to prove it wrong. When all of you fail at doing that, when the theory has been refined such that it fits all the evidence and you can’t figure out how else to test it, then it is most likely the truth. That is what scientific rigor is about. It isn’t about coming up with a theory, ignoring data you don’t like, showing it to a few people who agree with you, … weiter lesen

Altbundeskanzler Helmut Schmidt: Klimatischen Wechsel hat es auf dieser Erde gegeben, seit es sie gibt

„Klimatischen Wechsel hat es auf dieser Erde gegeben, seit es sie gibt. […] Die Gründe für diesen vielfältigen Klimawechsel sind einstweilen nicht ausreichend erforscht. Und es gibt überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass es nicht so weitergeht. Aber sich darüber aufzuregen und zu meinen, diesen Wechsel könnte der Mensch durch gemeinsamen Beschluss in Heiligendamm aufhalten, das ist reine Hysterie, das ist dummes Zeug.“ Helmut Schmidt, im Interview in der Bildzeitung am 3. Juni 2007

Bertrand Russell: Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle unrecht haben

Die Klimadiskussion ist in zwei Lager gespalten. Gerne werden Geschichten verbreitet, die von Wechslern erzählen, vom Alarmisten zum Skeptiker oder vom Skeptiker zum Alarmisten. Auf der Webseite der kanadischen Wissenschaftsjournalisten outete sich jetzt der Mikrobiologe und Immunologe Kasra Hassani als neugeborener Alarmist:

I, a scientist with a PhD in Microbiology and Immunology, was a climate change denialist. Wait, let me add, I was an effective climate change denialist: I would throw on a cloak of anecdotal evidence and biased one-sided skepticism and declare myself a skeptic. Good scientists are skeptics, right?I sallied forth and denied every piece of evidence that was presented to me, for a relatively long time. It feels strange when I look back — I inadvertently fell into almost every pitfall of pseudo-science, shutting my eyes and repeating a series of mantras, such as “I don’t believe it!”“Why does it even matter?” and “I don’t care!”. Thankfully, those days are over, but the memories linger. Although the evolution of my thought, from ignorance, to denial, to skepticism and finally to acceptance was a continuum, in retrospect I can distinguish certain phases that are worth listing and discussing. I hope my experience encourages others to loosen up some strongly held beliefs and listen to the din of evidence.. Here are the prominent phases of my climate change denialism:

Einfach herrlich wie Hassani das hier schreibt. Er war jung und dumm und Skeptiker, und jetzt ist er vom Dämon geläutert und Alarmist. Das klingt so ein bisschen wie die Geschichte eines ehemaligen Drogenealers, der jetzt vernünftig und clean geworden ist. Aber was hat Hassani nun eigentlich konkret dazu gebracht die Seiten zu wechseln und sich der Klimakatastrophen-Religion anzuschließen? Mit Detailfragen hält er sich nicht lange auf und argumentiert eher philosophisch. Erst im vorletzten Absatz seines Essays nennt er einige Themen, die ihm durch den Kopf gingen:

I created a list of every question and doubt I had about the physics, chemistry, biology, economics, and politics of climate change, and I started reading. I took online courses. I listened to podcasts. Every myth in my head popped and floated away. I learned that cosmic rays cannot account for the current patterns of climate change; that low and middle-income countries and their fragile economies are actually more vulnerable to climate change than high-income countries and should care more about it; that climate change could be accelerating desert formation; and finally that pushing for renewable energies and sustainable development is in harmony with combating climate change. It all made sense without the need for an Evil Monster Corporation hiding a big truth or pushing a secret agenda. I was conspiracy-free!

Hassani überprüfte angeblich alle Skeptikerargumente und alle lösten sie sich sämtlich in Luft auf. Dabei wischte er u.a. schnell die kosmischen Strahlen hinweg, die Experten jedoch immer noch intensiv untersuchen, wobei sie hochinteressante Ansatzpunkte für eine komplexe Klimawirkung fanden (siehe z.B. hier, hier, hier). Vielleicht zu komplex für den Mikrobiologen.

Der Klimawandel fördert die Wüstenbildung? Offenbar hat Hassani seine Recherchen nur sehr oberflächlich betrieben (siehe unseren Blogbeitrag „Klimamodelle des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie geben Grund zur Hoffnung: Große Teile des Sahels werden bis zum Ende des 21. Jahrhunderts ergrünen„).

Weitere konkrete Klimaaspekte nennt Hassani nicht. Das macht seinen Essay zu einem hochreligiösen Stück ohne wissenschaftliche Begründung. Wir wünschen ihm aber trotzdem einen guten Neustart in der von ihm gewählten Alarmsekte.

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Am 28. September 2014 konnte man in Nature Geoscience gute Nachrichten lesen. Der Anteil an Stickoxiden ist in den Emissionen Ostasiens zurückgegangen:

Decreasing emissions of NOx relative to CO2 in East Asia inferred from satellite observations
M. Reuter, M. Buchwitz, A. Hilboll, A. Richter, O. Schneising, M. Hilker, J. Heymann, H. Bovensmann & J. P. Burrows

Here we analyse simultaneous and co-located satellite retrievals from SCIAMACHY (SCanning Imaging Absorption SpectroMeter for Atmospheric CHartographY) of the column-average dry-air mole fraction of CO2 and NO2 for the years 2003–2011 to provide a top-down estimate of trends in emissions and in the ratio between CO2 and NOx emissions. […] Our findings suggest that the recently installed and renewed technology in East Asia, such as power plants, transportation and so on, is cleaner in terms of NOx emissions than the old infrastructure, and roughly matches relative emission levels in North America and Europe.

In einer Pressemitteilung zur Studie teilte die Universität Bremen mit:

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