Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Antarktisches Inlandeis wird im Zuge der Erderwärmung anwachsen

Im Dezember 2012 überraschte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) mit einer schrägen Logik. In einer Pressemitteilung titelte das PIK: Mehr Eisverlust durch Schneefall in der Antarktis Das machte nun wirklich überhaupt keinen Sinn. Der Presse wars egal, sie übernahm die Geschichte trotzdem unreflektiert und verbreitete die bizarre Nachricht im ganzen Land. Wir hingegen machten uns hier im Blog große Sorgen: Denkt hier denn überhaupt niemand mehr mit? Siehe unseren damaligen Beitrag „Neue PIK-Logik aus Potsdam: Viel Schnee lässt Gletscher schmelzen (und wenn man viel isst, wird man dünn)„. Irgendwer muss den Potdamern dann schließlich doch erklärt haben, dass dies ganz … weiter lesen

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Pressemitteilung des Verbands Deutscher Seilbahnen: „Von einem ‚AUS‘ des Wintersports aufgrund des Klimawandels, wie es häufig prognostiziert wird, kann demnach keine Rede sein“

Aktuelle Pressemitteilung des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS) (Fettsetzung z.T. ergänzt):

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Deutsche Pisten mit Beschneiung langfristig schneesicher

Aktuelle Studie zeigt: Auswirkungen des Klimawandels auf Schnee und Schneeproduktion in deutschen Skigebieten sind gering. Effiziente Beschneiungstechnologie gleicht Wetterschwankungen aus

Der Fragestellung, ob und in welcher Form sich die Schneeproduktion durch klimatische Einflüsse verändert, widmet sich die „Studie zur Beschneiungs-klimatologie in Skigebieten“ des Instituts für Interdisziplinäre Gebirgsforschung (IGF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
In dieser aktuellen Studie wurden die an den Stationen des Deutschen Wetterdienstes gemessenen Werte von Lufttemperatur und -feuchtigkeit analysiert und die Veränderung der meteorologischen Rahmenbedingung für die Beschneiung in den letzten Jahrzehnten untersucht. Anschließend wurden die exakten Messwerte der Vergangenheit mit der Bandbreite der Klimamodelle der nächsten Jahrzehnte ins Verhältnis gesetzt.

Die Wissenschaftlerin am IGF und zuständige Projektleiterin PD. Dr. Andrea Fischer kommt zu folgenden Erkenntnissen:

  • Die Auswertung der meteorologischen Aufzeichnungen der letzten Jahrzehnte ergibt nur geringe Auswirkungen des bisherigen Klimawandels auf Schnee und Schneeproduktion deutscher Skigebiete.
    Dies gilt auch für niedrig gelegene Skigebiete.
  • Bei Berücksichtigung der bisherigen Variabilität von Wetter (definiert als Momentaufnahme) und Klima (definiert als langfristige Entwicklung), ist auch in den nächsten 30 Jahren von einer sehr hohen Schneesicherheit mit Hilfe von Beschneiung auszugehen.

 

Von einem „AUS“ des Wintersports aufgrund des Klimawandels, wie es häufig prognostiziert wird, kann demnach keine Rede sein.

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Ertappt: Geomar verschweigt in Pressemitteilung bedeutende Schmelzphase des arktischen Meereises in den 1960er Jahren

Die wohl bekannteste historische Schmelzphase des arktischen Meereises fand vor 1000 Jahren statt, als die Wikinger munter durch das eisarme Nordmeer schipperten und in diesem Zuge Island und Grönland kolonisierten. Das mag man heute nicht mehr so gerne hören, da es nicht in die Storyline der Klimakatastrophe passt. Im Jahr 1887 jedoch war das Thema noch unverfänglich. Damals kam die Welt gerade aus der Kleinen Eiszeit heraus. Man freute sich über die Wiedererwärmung. Warm war gut. Noch gab es keinen IPCC. So konnte man in der neuseeländischen Zeitung „The Press“ am 8. November 1887 auf Seite 6 doch tatsächlich über die Wikingerfahrten und das stark geschrumpfte Meereis lesen, heute unvorstellbar (mit Dank an Spürfuchs Steve Goddard):

 

Aber man muss gar nicht so weit zurückgehen. Auch zwischen 1920 und 1940 ereignete sich eine starke Schmelzphase im Nordpolarmeer. Der ehemalige Hamburger Max-Planck-Direktor Lennart Bengtsson fasste 2004 im Journal of Climate das Wissen über die Warmphase zusammen. Schon damals stellte er den Zusammenhang mit Ozeanzyklen her, die im 60-Jahres-Takt das Klimageschehen beeinflussen. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

The Early Twentieth-Century Warming in the Arctic—A Possible Mechanism
The huge warming of the Arctic that started in the early 1920s and lasted for almost two decades is one of the most spectacular climate events of the twentieth century. During the peak period 1930–40, the annually averaged temperature anomaly for the area 60°–90°N amounted to some 1.7°C. Whether this event is an example of an internal climate mode or is externally forced, such as by enhanced solar effects, is presently under debate. This study suggests that natural variability is a likely cause, with reduced sea ice cover being crucial for the warming. A robust sea ice–air temperature relationship was demonstrated by a set of four simulations with the atmospheric ECHAM model forced with observed SST and sea ice concentrations. An analysis of the spatial characteristics of the observed early twentieth-century surface air temperature anomaly revealed that it was associated with similar sea ice variations. Further investigation of the variability of Arctic surface temperature and sea ice cover was performed by analyzing data from a coupled ocean–atmosphere model. By analyzing climate anomalies in the model that are similar to those that occurred in the early twentieth century, it was found that the simulated temperature increase in the Arctic was related to enhanced wind-driven oceanic inflow into the Barents Sea with an associated sea ice retreat. The magnitude of the inflow is linked to the strength of westerlies into the Barents Sea. This study proposes a mechanism sustaining the enhanced westerly winds by a cyclonic atmospheric circulation in the Barents Sea region created by a strong surface heat flux over the ice-free areas. Observational data suggest a similar series of events during the early twentieth-century Arctic warming, including increasing westerly winds between Spitsbergen and Norway, reduced sea ice, and enhanced cyclonic circulation over the Barents Sea. At the same time, the North Atlantic Oscillation was weakening.

In der Presse liest man über diese Schmelzphase heute recht wenig. IPCC-nahe Wissenschaftler wollen uns glauben lassen, dass es in den letzten 150 Jahren angeblich nur einen einzigen Trend gibt, nämlich den stetig-schleichenden Tod des arktischen Meereises. So erschien im Dezember 2013 im Fachmagazin PNAS eine Rekonstruktion der arktischen Meereisbedeckung für die vergangenen 650 Jahre mithilfe von arktischen Algen. Die Studie wurde angeführt von Jochen Halfar von der University of Toronto. Auch das Kieler Geomar war in Person von Steffen Hetzinger an der Arbeit mit beteiligt. Bereits am 19. November 2013 gab daher das Geomar im Rahmen einer Pressemitteilung bekannt:

Seit dem Ende der Eiszeit um 1850 herum zeigt das Archiv der Rotalge einen kontinuierlichen Rückgang der Eisschicht, der bis heute andauert. Dieser Rückgang ist stärker, als wir jemals zuvor in der 650 Jahre langen Rotalgen-Zeit beobachten konnten.“

Der österreichische Standard fing den Klimaalarm-Ball sogleich auf und informierte seine Leser:

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Vergessen und verdrängt: Vor einigen tausend Jahren war das Nordpolarmeer in den Sommern eisfrei

Erinnern Sie sich noch? Als eine Reihe von Wintern in den letzten Jahren kälter als normal ausfielen, erklärten uns pfiffige IPCC-nahe Wissenschaftler, dies wäre eine zu erwartende Folge des schrumpfenden Meereises in der Arktis. Allerdings hielt dieses schnell aus der Hüfte geschossene Modell nicht lange, denn andere Forscher konnten den Effekt in ihren Studien nicht nachvollziehen (siehe unsere Blogartikel hier, hier und hier). Als der März 2013 kälter als normal auffiel, kramte das Potsdamer PIK-Institut die Meereis-Kamelle wieder aus dem Keller heraus. Diesmal konnte sich jedoch nicht einmal mehr der Deutsche Wetterdienst mit Kritik zurückhalten und verwies die wilde PIK-Theorie in das Land der Fabeln. Die taz hielt diesen denkwürdigen Moment am 27. März 2013 fest:

Skeptisch zeigte sich der Deutsche Wetterdienst (DWD). „Der kalte März [2013] ist eine Laune im System Atmosphäre“, sagt DWD-Sprecher Andreas Friedrich. „Das muss man abgekoppelt von globalen Klimatrends betrachten, die sich über lange Zeiträume ergeben.“ Derzeit gebe es eine Wetterlage mit einem stabilen Hoch über Island, die kalte Luft aus Nordosten bringe. „Warum das so ist, weiß keiner.“ Wenn es einen direkten Zusammenhang mit der Meereisbedeckung geben würde, hätte ja der gesamte Winter in Deutschland zu kalt sein müssen. Dies sei aber nicht der Fall gewesen. Irgendwann werde es einen Impuls geben, der die Großwetterlage ändere. „Vielleicht bekommen wir eine Südwestlage mit über 25 Grad“, sagt Friedrich. „Sollen wir dann wieder über den Klimawandel als Ursache spekulieren?“

Stefan Rahmstorf war außer sich. In der Vergangenheit hatte er sich stets mit den Klimagruselstories des DWD solidarisiert. In seinem Blog sprach Rahmstorf kurzerhand seinen DWD-Kollegen die Qualifikation zur Teilnahme an der Klimadiskussion ab:

Leider hat es eine gewisse Tradition, dass Meteorologen, die sich mit Wettervorhersage befassen, wenig vertraut mit der Klimaforschung sind.

Das arktische Meereis schmilzt – und Schuld hat natürlich der Mensch. Allerdings gab es auch in vorindustrieller Zeit bereits Schmelzphasen. Hatte der Mensch damals auch Schuld? Würde das Eis heute auch schmelzen, wenn der CO2-Gehalt der Atmosphäre nach 1850 konstant geblieben wäre? Judith Curry hat nun eine Schätzung zum anthropogenen Anteil der arktischen Meereisschmelze abgegeben. Sie sieht die Schmelze nur zu 50% oder weniger vom Menschen verursacht, wie sie in einem Blogartikel vom 15. Oktober 2014 darlegte:

In my post at Climate Dialogue, I stated:

“So . . . what is the bottom line on the attribution of the recent sea ice melt? My assessment is that it is likely (>66% likelihood) that there is 50-50 split between natural variability and anthropogenic forcing, with +/-20% range. Why such a ‘wishy washy’ statement with large error bars? Well, observations are ambiguous, models are inadequate, and our understanding of the complex interactions of the climate system is incomplete.”

At this point, I think anthropogenic is 50% or less.

 

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Dirk Notz vom Hamburger Max-Planck-Institut: Arktisches Meereis könnte im kommenden Jahrzehnt wieder zunehmen

Das arktische Meereis ist in den letzten 30 Jahren spürbar geschrumpft. In den Jahren 2007 und 2012 wurden Negativrekorde erreicht, von denen sich das Eis jedoch in den jeweiligen Folgejahren wieder erholt hat. Offenbar stand der ehemalige US-amerikanische Vizepräsident und Klimaaktivist Al Gore noch ganz unter dem Eindruck des 2007er Schmelzrekordes als er 2008 erklärte, das Nordpolarmeer könnte bis 2013 komplett eisfrei sein. Das Jahr 2013 verstrich und das Eis blieb. In das gleiche Horn blies der US- Senator John Kerry als er 2009 ebenfalls das unmittelbar bevorstehende Ableben des arktischen Meereises verkündete:

“The truth is that the threat we face is not an abstract concern for the future. It is already upon us and its effects are being felt worldwide, right now. Scientists project that the Arctic will be ice-free in the summer of 2013. Not in 2050, but four years from now.“

Die Idee vom eisfreien Nordpolarmeer wurde den beiden Politikern offenbar von IPCC-nahen Forschern wie Wieslaw Maslowski eingeflüstert. Die BBC berichtete am 12. Dezember 2007:

Scientists in the US have presented one of the most dramatic forecasts yet for the disappearance of Arctic sea ice.
Their latest modelling studies indicate northern polar waters could be ice-free in summers within just 5-6 years. Professor Wieslaw Maslowski told an American Geophysical Union meeting that previous projections had underestimated the processes now driving ice loss.

Angesichts der schlimmen Fehlprognose sollte man denken, dass nun langsam Einsicht einkehrt. Aber nein, andere klimaalarmistische Wissenschaftler beharren darauf, dass das arktische Meereis nur noch wenige Jahre zu leben hätte. Eine totsichere Sache. Das ist wie mit dem Weltuntergang. Wenn ein vorhergesagter Weltuntergang nicht eintritt, konzentriert man sich einfach auf den nächsten.

Zu den Anhängern der eisigen Arktis-Todesspirale gehört auch Peter Wadhams von der englischen University of Cambridge. Er setzte 2012 eine Prognose in die Welt, dass es innerhalb von vier Jahren mit dem arktischen Meereis vorbei wäre. Zwei Jahre später geht der Trend jedoch in die ganz falsche Richtung. Es sieht nicht gut für ihn und seine Vorhersage aus. Das finden mittlerweile sogar hartgesottene Klimaalarm-Mitstreiter. Ihnen gehen die apokalyptischen Eis-Visionen kräftig auf den Senkel. Im Rahmen einer Meereis-Konferenz im September 2014 in London ätzte Gavin Schmidt gegen Wadhams per Twitter:

„Some anticipation for Peter Wadhams. Audience members already crying,“ „Wadhams still using graphs with ridiculous projections with no basis in physics,“ „Wadhams now onto methane pulse of 50 GT. But no better justified than his previous statements,“ and „Wadhams clearly states that there is no physics behind his extrapolations.”

Die neueste Prognose stammt von James Overland und Muyin Wang, die sie im Mai 2013 in den Geophysical Research Letters veröffentlichten. Dabei gehen sie von drei Prognosemethoden aus, die das Ende des Eises wahlweise 2020, 2030 oder 2040 sehen. Man kann dankbar sein, dass sie nicht mit 10 Methoden arbeiten, da ansonsten wohl noch die Jahre 2050, 2060,…., 2110 für den Exitus des arktischen Meereis angeführt worden wären. Hier die Kurzfassung im englischen Original:

When will the summer Arctic be nearly sea ice free?
The observed rapid loss of thick multiyear sea ice over the last 7 years and the September 2012 Arctic sea ice extent reduction of 49% relative to the 1979–2000 climatology are inconsistent with projections of a nearly sea ice-free summer Arctic from model estimates of 2070 and beyond made just a few years ago. Three recent approaches to predictions in the scientific literature are as follows: (1) extrapolation of sea ice volume data, (2) assuming several more rapid loss events such as 2007 and 2012, and (3) climate model projections. Time horizons for a nearly sea ice-free summer for these three approaches are roughly 2020 or earlier, 2030 ± 10 years, and 2040 or later. Loss estimates from models are based on a subset of the most rapid ensemble members. It is not possible to clearly choose one approach over another as this depends on the relative weights given to data versus models. Observations and citations support the conclusion that most global climate model results in the CMIP5 archive are too conservative in their sea ice projections. Recent data and expert opinion should be considered in addition to model results to advance the very likely timing for future sea ice loss to the first half of the 21st century, with a possibility of major loss within a decade or two.

Andere Forscher sind hier vorsichtiger geworden. Zu oft hatten sie sich in der Vergangenheit die Finger verbrannt. Der Meereisforscher Dirk Notz vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie erklärte im September 2014 auf Anfrage von Pierre Gosselin von notrickszone.com, dass die natürliche Variabilität im kommenden Jahrzehnt das Eis sowohl schrumpfen wie auch anwachsen lassen könnte. Interessanterweise ist in den von Notz beigefügten Modellierungsgraphiken für die kommenden Jahrzehnte kein eisfreies Nordpolarmeer zu erkennen. Im Folgenden der exakte Wortlaut der bemerkenswerten Email von Notz an Gosselin:

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Alfred-Wegener-Institut trickst bei Pressemitteilung zum arktischen Meereis: Eis erreichte 2014 größte Sommerausdehnung der letzten 5 Jahre

Das arktische Meereis hat den Freunden der Klimakatastrophe in den letzten beiden Sommer (2013 und 2014) nicht viel Freude eingebracht. Es wollte einfach nicht so schön schmelzen wie 2012, als ein neuer Negativrekord für das Satellitenzeitalter erreicht wurde (Abbildung 1). Interessanterweise erreichte das arktische Meereis 2014 sogar die größte Sommerausdehnung der letzten 5 Jahre (Abbildung 2).

 

Abbildung 1: Arktische Meereisausdehnung für die Jahre 2012 (dunkelgrün gestrichelt), 2007 (hellblau), 2013 (braun) und 2014 (hellgrün). Die schwarze Linie stellt einen langjährigen Mittelwert für 1981-2010 dar. Quelle: NSIDC. Eine weitere schöne interaktive Meereisgraphik gibt es bei der University of Illinois (The Cryosphere Today).

 

Abbildung 2: Arktische Meereisausdehnung für die Jahre 2010-2014. Die schwarze Linie stellt das Jahr 2014 dar. Der langjährigen Mittelwert ist durch eine graue Linie und Flächen veranschaulicht. Quelle: DMI.

 

Nun hatten die IPCC-nahen Forschungsinstitute ein echtes Problem. Wie kann der Öffentlichkeit diese Zunahme des Eises am schonendsten beigebracht werden? Das Alfred-Wegener-Institut (AWI) zeigte in seiner alljährlichen Pressemitteilung zum Meereis vom 16. September 2014, wie man es auf keinen Fall machen sollte. Das AWI titelte:

Aktuelle Meereis-Situation: Anhaltender Rückgang in der Arktis, neues Maximum in der Antarktis

Neues Maximum in der Antarktis, ok, das entspricht der Wahrheit und ließ sich wohl nicht mehr vertuschen. Aber „anhaltender Rückgang in der Arktis“ ist schlichtweg gelogen. Das kann ja wohl nicht wahr sein. Lesen wir einige weitere Auszüge aus dem AWI-Text:

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Wer hätte das gedacht: Chilenisches Gletschergebiet in Nordpatagonien war im 19. Jahrhundert wärmer als heute

Unser Gletscher-Faktencheck führt uns heute zunächst in die nördlichen Anden in Venezuela. Eine Forschergruppe um Nathan Stansell von der Northern Illinois University untersuchte die Gletschergeschichte der Region für die vergangenen 12.000 Jahre. Interessanterweise war die Entwicklung alles andere als monton. Während des sogenannten mittelholozänen Klimaoptimums waren weite Teil der venezuelanischen Anden gletscherfrei. Immer wieder gab es natürliche Schwankungen, die die Gletscher mal anschwellen und mal schrumpfen ließen. Während der Kleinen Eiszeit wuchsen die Gletscher signifikant an, gefolgt von der aktuellen Schmelzphase. Die Arbeit erschien im April 2014 in den Quaternary Science Reviews. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit (relevante Passagen fett markiert):

Lake sediment records from the Cordillera de Mérida in the northern Venezuelan Andes document the history of local glacial variability and climate changes during the Holocene (∼12 ka to the present). The valleys that contain these lakes have similar bedrock compositions and hypsometries, but have different headwall elevations and aspects, which makes them useful for investigating the magnitude of past glaciations. There was widespread glacial retreat in the Venezuelan Andes during the early Holocene, after which most watersheds remained ice free, and thus far only valleys with headwalls higher than ∼4400 m asl contain evidence of glaciation during the last ∼10 ka. There was a pronounced shift in sediment composition for the Montos (headwall: ∼4750 m asl) and Los Anteojos (headwall: ∼4400 m asl) records during the middle Holocene from ∼8.0 to 7.7 ka when conditions appear to have become ice free and drier. There is tentative evidence that the glacier in the Mucubají valley (headwall: ∼4609 m asl) advanced from ∼8.1 to 6.6 ka and then retreated during the latter stages of the middle Holocene. Clastic sediment accumulation in other nearby lake basins was either low or decreased throughout most of the middle Holocene as watersheds stabilized under warmer and/or drier conditions. In the Montos record, there was another major shift in sediment composition that occurred from ∼6.5 to 5.7 ka, similar to other regional records that suggest conditions were drier during this period. Overall, the late Holocene was a period of warmer and wetter conditions with ice extent at a minimum in the northern tropical Andes. There were also punctuated decadal to multi-centennial periods of higher clastic sediment accumulation during the last ∼4 ka, likely in response to periods of cooling and/or local precipitation changes. In watersheds with headwalls above 4600 m asl, there is evidence of glacial advances during the Little Ice Age (∼0.6–0.1 ka). The pattern of glacial variability is generally similar in both the northern and southern tropics during the Little Ice Age, suggesting that ice margins in both regions were responding to colder and wetter conditions during the latest Holocene. The observed pattern of Holocene climate variability in the Venezuelan Andes cannot be explained by insolation forcing alone, and tropical ocean influences were likely associated with the observed glacial and lake level changes.

Auch in den Anden Patagoniens gestaltete sich die vorindustrielle Gletscherentwicklung äußerst wechselhaft, wie ein Forscherteam um Jorge Strelin vom Instituto Antártico Argentino der Universidad Nacional de Córdoba im Oktober 2014 in den Quaternary Science Reviews dokumentieren konnte. Gletscherwachstumsphasen ereigneten sich während der Kleinen Eiszeit, der Kälteperiode der Völkerwanderungszeit sowie der Kaltphase vor der Römischen Wärmeperiode. In den dazwischenliegenden Wärmeperioden gab es entsprechende Schmelzphasen. Im Folgenden ein Auszug aus der Kurzfassung:

We present new geomorphic, stratigraphic, and chronologic data for Holocene glacier fluctuations in the Lago Argentino basin on the eastern side of the southern Patagonian Andes. Chronologic control is based on 14C and surface-exposure 10Be dating. After the Lateglacial maximum at 13,000 cal yrs BP, the large ice lobes that filled the eastern reaches of Lago Argentino retreated and separated into individual outlet glaciers; this recession was interrupted only by a stillstand or minor readvance at 12,200 cal yrs BP. The eight largest of these individual outlet glaciers are, from north to south: Upsala, Agassiz, Onelli, Spegazzini, Mayo, Ameghino, Perito Moreno, and Grande (formerly Frías). Holocene recession of Upsala Glacier exposed Brazo Cristina more than 10,115 ± 100 cal yrs BP, and reached inboard of the Holocene moraines in Agassiz Este Valley by 9205 ± 85 cal yrs BP; ice remained in an inboard position until 7730 ± 50 cal yrs BP. Several subsequent glacier readvances are well documented for the Upsala and Frías glaciers. The Upsala Glacier readvanced at least seven times, the first being a relatively minor expansion – documented only in stratigraphic sections – between 7730 ± 50 and 7210 ± 45 cal yrs BP. The most extensive Holocene advances of Upsala Glacier resulted in the deposition of the Pearson 1 moraines and related landforms, which are divided into three systems. The Pearson 1a advance occurred about 6000–5000 cal yrs BP and was followed by the slightly less-extensive Pearson 1b and 1c advances dated to 2500–2000 and 1500–1100 cal yrs BP, respectively. Subsequent advances of Upsala Glacier resulted in deposition of the Pearson 2 moraines and corresponding landforms, also separated into three systems, Pearson 2a, 2b, and 2c, constructed respectively at ∼700, >400, and <300 cal yrs BP to the early 20th century. Similar advances are also recorded by moraine systems in front of Grande Glacier and herein separated into the Frías 1 and Frías 2a, 2b, and 2c.

Eine weitere Studie über die Region stammt von einem Forscherteam um Julie Elbert vom Oeschger-Zentrum für Klimaforschung der Universität Bern. Die Wissenschaftler rekonstruierten mithilfe von saisonal geschichteten Seensedimenten die Klimageschichte der letzten 1500 Jahre im chilenischen Nord-Patagonien. Dabei fanden sie die Kälteperiode der Völkerwanderungszeit sowie die Kleine Eiszeit, Interessanterweise ereignete sich die wärmste Phase des Untersuchungszeitraums nicht etwa in der Heutezeit, sondern während des 19. Jahrhunderts (Abbildung 1). Hier die entsprechende Passage aus der Kurzfassung der Arbeit, die im April 2013 als Diskussionsformat in Climate of the Past erschien:

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Überraschende Wendung: Alaskas Gletscher waren zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode so kurz wie heute

Schmelzende Gletscher gelten als Ikone des Klimawandels. Aber die Sachlage ist leider nicht so einfach, wie sie von einigen Akteuren dargestellt wird. Wir haben uns auf Spurensuche begeben. Was sagt die seriöse Fachliteratur? Zu Beginn unserer Gletscher-Rundreise hatten wir uns die Alpen und den Rest Europas angeschaut. Heute nun soll es nach Alaska gehen.

Auch hier schmelzen die Gletscher. Allerdings scheint dies kein ganz neues Phänomen zu sein, das unbedingt durch den Menschen verschuldet ist, sondern hat eher mit dem Ende der Kleinen Eiszeit und dem natürlichen Übergang in die Moderne Wärmephase zu tun. Eine Forschergruppe um Christopher Larsen konnte in einem Beitrag im Fachmagazin Tectonophysics zeigen, dass die Gletscher in Südost-Alaska bereits seit 1770 schrumpfen, 100 bis 150 Jahre bevor der Mensch den CO2-Gehalt der Atmosphäre begann zu beeinflussen.

Schaut man noch ein wenig tiefer in die Vergangenheit in die Zeit vor der Kleinen Eiszeit, stößt man auf weitere erstaunliche Fakten. Während der Mittelalterlichen Wärmephase besaßen viele Gletscher in Alaska eine ähnliche Ausdehnung wie heute, wie eine Arbeit eines Teams um David Barclay zeigt, die im Dezember 2013 in den Quaternary Reviews erschien (Abbildung 1). Auch damals, vor 1000 Jahren, gerieten die Eiszungen offenbar kräftig schwitzen und schrumpften in ähnlicher Weise wie heute. Im Unterschied zu heute gab es jedoch noch keine Satelliten, die diese Bewegungen millimetergenau protokolieren konnten. Und auch die Ureinwohner haben keine wissenschaftlichen Aufzeichnungen hierzu hinterlassen. Die natürliche 1000 Jahres-Zyklik wird deutlich, wenn man sich die Gletscherexpansionsphasen anschaut: Zu Zeiten der Kälteperiode der Völkerwanderungszeit (500 n. Chr.) sowie der Kleinen Eiszeit (1500 n. Chr.) wuchsen die Gletscher stark an (Abbildung 1).

 

Abbildung 1: Entwicklung der Ausdehnung von zwei Gletschern (a) im südlichen Zentralalaska während der vergangenen 2000 Jahre. Ausschlag nach oben markiert Abschmelzen, Ausschlag nach unten Eiszuwachs. Kurven in (b) zeigen Alpengletscher zum Vergleich. Die Gletscher hatten vor 1000 Jahren eine ähnliche Ausdehnung wie heute. Zu Zeiten der Kälteperiode der Völkerwanderungszeit (500 n. Chr.) sowie der Kleinen Eiszeit (1500 n. Chr.) wuchsen die Gletscher stark an. Quelle: Barclay et al. 2013.

 

Was könnte der Hauptauslöser dieser Gletscherzyklik sein? Das fünfköpfige Autorenteam um David Barclay äußern sich hier erstaunlich deutlich und sehen klaren Bezug zu Sonnenaktivitätsschwankungen. Im Folgenden die Kurzfassung der Arbeit:

Fluctuations of four valley glaciers in coastal south-central Alaska are reconstructed for the past two millennia. Tree-ring crossdates on 216 glacially killed stumps and logs provide the primary age control, and are integrated with glacial stratigraphy, ages of living trees on extant landforms, and historic forefield photographs to constrain former ice margin positions. Sheridan Glacier shows four distinct phases of advance: in the 530s to c.640s in the First Millennium A.D., and the 1240s to 1280s, 1510s to 1700s, andc.1810s to 1860s during the Little Ice Age (LIA). The latter two LIA advances are also recorded on the forefields of nearby Scott, Sherman and Saddlebag glaciers. Comparison of the Sheridan record with other two-millennia long tree-ring constrained valley glacier histories from south-central Alaska and Switzerland shows the same four intervals of advance. These expansions were coeval with decreases in insolation, supporting solar irradiance as the primary pacemaker for centennial-scale fluctuations of mid-latitude valley glaciers prior to the 20th century. Volcanic aerosols, coupled atmospheric-oceanic systems, and local glacier-specific effects may be important to glacier fluctuations as supplemental forcing factors, for causing decadal-scale differences between regions, and as a climatic filter affecting the magnitude of advances.

Angesichts dieser deutlichen natürlichen Zyklik wundert man sich schon sehr über die klimaalarmistische Instrumentalisierung der Gletscher Alaskas. Als Beispiel mag das Klimakatastrophen-Filmchen „Gletscher auf dem Rückzug – Das Ende des ewigen Eises?“ angeführt sein, das u.a. am 1. März 2011 auf Phoenix gelaufen ist. Im Begleittext zum Film heißt es:

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Neue Studien bestätigen: Alpengletscher hatten bereits zur Zeit der Römischen und Mittelalterlichen Wärmeperioden „Fieber“

„Hilfe, die Gletscher schmelzen! Seht her, was der böse Klimawandel mit unseren geliebten Eisströmen macht. Noch nie war es so schlimm wie heute.“ Diese und ähnliche tränentreibenden Geschichten können wir in schöner Regelmäßigkeit in der Presse lesen. Nehmen wir zum Beispiel einen Text von der aktuellen Greenpeace-Webseite (Fettsetzung ergänzt):

Gletscher gelten als das Gedächtnis der Klimageschichte, die Gebirgsgletscher als das Fieberthermometer der Erde. Kaum irgendwo lässt sich so deutlich ablesen wie hier, was mit unserem Klima geschieht. Die Gletscher schmelzen mit einer Geschwindigkeit, die selbst Klimaforscher überrascht. […] In den Alpen ist die Veränderung besonders gut dokumentiert. Seit Beginn der Industrialisierung um 1850 haben die Gletscher dort etwa ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihrer Masse verloren. Vor allem seit den 90er Jahren hat sich das Tempo erhöht und wird sich in den nächsten Jahren voraussichtlich weiter steigern: Die heutige Schmelze wurde durch Treibhausgasemissionen vor dreißig Jahren verursacht.

Aber ist die Gletscherschmelze wirklich so neu und unerwartet wie stets behauptet? Greenpeace führt die Alpen als angebliches Paradebeispiel an. Und genau dort wollen wir auch unseren heutigen Faktencheck beginnen. Zunächst einmal wundert man sich, dass der Alpengletscherschwund bereits gegen Ende der Kleinen Eiszeit um 1850 begann, als das anthropogene CO2 noch keine klimaprägende Rolle gespielt haben kann. Dies hatte bereits der Quartärgeologe Albert Schreiner 1997 in seinem Lehrbuch „Einführung in die Quartärgeologie“ (S. 188, Abb. 91).

Noch größere Kopfschmerzen bereitet jedoch der Blick zurück in die Klimageschichte der letzten Jahrtausende. Bereits in früheren Beiträgen hatten wir darauf hingewiesen, dass die Alpengletscher auch in den früheren Wärmeperioden signifikant abschmolzen. Die Schmelzphasen während der Mittelalterlichen Wärmeperiode vor 1000 Jahren sowie der Römischen Wärmeperiode vor 2000 Jahren sind mittlerweile gut dokumentiert (siehe unsere Blogartikel „Berner Geologe Christian Schlüchter: Alpengletscher endeten zu Zeiten Hannibals 300 Höhenmeter über dem heutigen Niveau„ und „Eine unbequeme Wahrheit: Alpengletscher waren in der Vergangenheit kürzer als heute“). Im April 2014 wurden nun zwei weitere Arbeiten publiziert, die diese bislang unterschätzte natürliche Gletscherdynamik eindrucksvoll bestätigen. In den Quaternary Science Reviews erschien die Studie eines Forscherteams um Anaëlle Simonneau von der französischen Univ. Orléans, in der die Gletscherbewegungen der letzten Jahrtausende in den Französischen Alpen rekonstruiert wurden. Die Wissenschaftler dokumentierten dabei mehrere Gletscherschmelzphasen, die – wie nicht anders zu erwarten – auch die Römische und Mittelalterliche Wärmephase umfassten (Abbildung 1). Hier ein Auszug aus der Kurzfassung:

Holocene palaeoenvironmental evolution and glacial fluctuations at high-altitude in the western French Alps are reconstructed based on a multiproxy approach within Lake Blanc Huez (2550 m a.s.l.) drainage basin.  […] periods of reduced glacial activities dated from the Early Bronze Age (ca 3870–3770 cal BP), the Iron Age (ca 2220–2150 cal BP), the Roman period (ca AD115–330) and the Medieval Warm Period (ca AD760–1160). 

 

 

Abbildung 1: Rekonstruktion der Gletscheraktivität in den Französischen Alpen. In der untersten Zeile sind die Gletschervorstöße in blau und Schmelzphasen in rot gekennzeichnet. Jahresskala in 1000 Jahren vor heute. Die Mittelalterliche Wärmperiode liegt bei 1 (=1000 Jahre vor heute), die Römische Wärmeperiode bei 2 (=2000 Jahre vor heute). Außerdem: In der Zeit von 9000-6000 Jahre vor herrschte in den Alpen eine massive Gletscherschmelze. Quelle: Simonneau et al. 2014.

 

Die zweite Arbeit stammt von Martin Lüthi von der Universität Zürich und erschien im Fachmagazin The Cryosphere. Sie enthält eine Rekonstruktion der Alpengletschergeschichte für die vergangenen 1600 Jahre. Interessanterweise wiesen die untersuchten sieben Gletscher während der Mittelalterlichen Wärmeperiode eine ähnliche Länge wie heute auf (Abbildung 2).

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Unumkehrbare Eisschmelze in der Westantarktis? Geologen widersprechen: Schon immer hat das Eis die Wende hinbekommen

Die Antarktis ist das Sorgenkind der Klimaalarmismus-Bewegung. Das ostantarktische Eis ist stabil und die Ausdehnung des antarktischen Meereises bewegt sich auf Rekordniveau. Da könnte man fast schon auf dumme Gedanken kommen, dass die Klimakatastrophe vielleicht doch etwas überzeichnet dargestellt wurde. Wer könnte neuen antarktischen Klimaalarm produzieren? Die NASA konnte. Mitte Mai 2014 veröffentlichte eine NASA-Truppe in den Geophysical Research Letters eine Studie zur Westantarktis und kündigte Schlimmes an. Der Standard berichtete am 13. Mai 2014 über die Studie:

Studie: Eisschmelze in der Westantarktis womöglich bereits unumkehrbar
Die Westantarktis, also das Gebiet südlich von Südamerika, gilt schon seit einiger Zeit als Risikogebiet. Doch die Ergebnisse der zwei neuesten Untersuchungen übertreffen alle bisherigen Befürchtungen: Die westantarktische Eisschmelze könnte zu unumkehrbaren Kettenreaktionen führen, die das Meeresniveau langfristig um bis zu 1,2 Meter ansteigen lassen. Ein NASA-Forscherteam um Eric Rignot (University of California in Irvine) rekonstruierte in einer der beiden Studien den Rückgang aller sechs großen westantarktischen Gletscher an der Amundsen-See. Die Glaziologen verwendeten für ihre Untersuchungen Daten und Aufnahmen, die in den vergangenen Jahrzehnten von Satelliten, aus Flugzeugen und von Schiffen aus gesammelt wurden. Dabei zeigte sich unter anderem, dass sich der Pine-Island-Gletscher zwischen 1992 und 2011 um nicht weniger als 32 Kilometer zurückzog.

Aber können Daten aus den letzten 25 Jahren überhaupt die ganze Geschichte erzählen? Bereits im Januar 2014 hatten wir an dieser Stelle eine ähnliche Studie zum Pine-Island-Gletscher diskutiert. In der Tat war der längerfristige Kontext nicht ganz unwichtig. Das aktuelle Schmelzen der westantarktischen Gletscher ist nichts Neues (siehe unseren Blogbeitrag „Hilfe, der westantarktische Pine-Island-Gletscher schmilzt unaufhaltsam! British Antarctic Survey gibt Entwarnung: In den letzten 300 Jahren hat es in der Gletscherregion sogar noch intensivere Erwärmungsepisoden gegeben als heute“). Geht man noch weiter in der Geschichte dieses Gletschers zurück, fällt vor allem eine Phase vor 8000 Jahren ins Auge, als der Pine-Island-Gletscher jahrzehnte- bis jahrhundertelang schrumpfte. Dies berichteten Johnson et al. im Februar 2014 im Fachmagazin Science. Auszug aus der Kurzfassung:

We demonstrate, using glacial-geological and geochronological data, that Pine Island Glacier (PIG) also experienced rapid thinning during the early Holocene, around 8000 years ago. Cosmogenic 10Be concentrations in glacially transported rocks show that this thinning was sustained for decades to centuries at an average rate of more than 100 centimeters per year, which is comparable with contemporary thinning rates.

Die Presse interessiert sich in der Regel nicht für solche Feinheiten. Nur ungern möchte man auf die attraktive Katastrophengeschichte verzichten. Eigene Recherchen der Redaktion gibt es heute nicht mehr, die solche Fehlinterpretationen verhindern könnten.

Interessanterweise ist die westantarktische Panik-Prognose gar nicht so drängend wie aus dem ersten Teil der Nachricht vermutet werden könnte. Der Standard räumt ein:

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Der antarktische Geist aus der Flasche: PIK-Artikel zur Eisschmelze in der Ostantarktis enttäuscht mit schwacher Meeresspiegelanstiegsrate

„Man müsste mal wieder etwas Bedrohliches zur Antarktis machen“ hatte man sich wohl im IPCC-nahen Umfeld gedacht. Der große Südkontinent hatte den Anhängern der Klimakatastrophe in letzter Zeit nun wirklich nicht besonders viel Freude bereitet. Noch nie in der gesamten Satellitenära war das antarktische Meereis im April weiter ausgedehnt als heute (Abbildung 1). Niemand hatte es kommen sehen – wie peinlich. Abbildung 1: April-Ausdehnung des antarktischen Meereises für die letzten 35 Jahre. Quelle: NSIDC.   Die letzten 10 Jahre waren im Durchschnitt die eisreichsten Jahre des gesamten Messdatensatzes. Der langfristige Eistrend zeigt trotz Schwankungen von Jahr zu Jahr klar nach … weiter lesen

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Neue Studie der Universitäten Göteborg und Stockholm: Arktisches Meereis war vor 10.000-6.000 Jahren stärker geschrumpft als heute

Hilfe, das arktische Meereis schmilzt! So schlimm wie in den letzten Jahren war es noch nie, erklären uns die Klimadramatiker. Aber stimmt dies? Gab es vor 1.000 Jahren zur Zeit der Mittelalterlichen Wärmeperiode nicht schon einmal genauso wenig Eis wie heute? War da nicht etwas mit Wikingern, die das freie Arktiswasser zur Kolonisierung von Grönland und Island nutzten? Eine neue Studie in den Quaternary Science Reviews aus dem Dezember 2013 fördert weitere Fakten zutage. Christian Stranne, Martin Jakobsson und Göran Björk von den Universitäten Göteborg und Stockholm fanden heraus, dass das arktische Meereis in der Zeit von 10.000 bis 6.000 … weiter lesen

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Es stand in der kalten Sonne…Nature Geoscience veröffentlicht Kritik an fragwürdigem Antarktisartikel

Ende Dezember 2012 berichteten wir an dieser Stelle über eine Studie von Bromwich et al. in Nature Geoscience zur Erwärmung der Westantarktis, die angeblich dreimal schneller als der globale Durchschnitt abläuft. In der Kurzfassung lesen wir: Here, we present a complete temperature record for Byrd Station, in which observations have been corrected, and gaps have been filled using global reanalysis data and spatial interpolation. The record reveals a linear increase in annual temperature between 1958 and 2010 by 2.4±1.2 °C, establishing central West Antarctica as one of the fastest-warming regions globally. Die Süddeutsche Zeitung war entzückt und berichtete prompt. Schaut man … weiter lesen

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Studie der Colorado State University findet keinen Zusammenhang zwischen Kälte- oder Hitzewellen und schrumpfendem Meereis

In der Vergangenheit hatten mehrere Studien postuliert, das schwindende Meereis der Arktis würde zu einer Häufung von sogenannten „blockierten Wetterlagen“ führen. Hierzu gehören z.B. die Arbeiten von Liu et al. (2012) sowie Francis & Vavrus (2012). Dadurch würden vermehrt langanhaltende Kälte- und Hitzewellen entstehen. Grund wäre eine Verlangsamung der Schlängelbewegung des Jetstreams in der Höhe. Eine US-amerikanisch-britische Forschergruppe um Elizabeth Barnes von der Colorado State University in Fort Collins hat nun anhand von harten Messdaten auf verschiedenen Wegen die Häufigkeit blockierter Wetterlagen für die Nordhabkugel rekonstruiert. Die Arbeit erschien Ende Januar 2014 in den Geophysical Research Letters. Interessanterweise konnten die … weiter lesen

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Neue Studie der ETH Zürich lehnt schwindendes arktisches Meereis als Hauptauslöser für kalte europäische Winter ab

Die Winter in Europa sind in den letzten Jahren ungewöhnlich kalt ausgefallen. In Potsdam machte man sich daraufhin große Sorgen. Das passt doch gar nicht in das Hitzeszenario, das man jahrelang öffentlich vertreten hatte. Was sollen denn die Leute nun denken? Ein Bug-Fix musste dringend her. Und die Rahmstorf-Truppe enttäuschte nicht: Schnell war der Schuldige für die kalten Winter nachträglich schnell gefunden: Es war das schwindende Meereis! Schnell ein Paper dazu geschrieben, von ein paar gleichgesinnten Gutachtern durchgewinkt und eine Pressemitteilung dazu. Die Zeitungen stiegen sofort darauf ein. Die geliebte Klimakatastrophe war vorerst gerettet. Aber es war nur eine Hypothese, eine Vermutung. Harte Daten hatte … weiter lesen

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