Strommüllkippengebühr: Am 5. Juli bekam man 65 Euro pro vernichteter Megawattstunde

Michael Shellenbergers Buch „Apocalypse Never“ ist in der ersten Auflage in den USA ausverkauft. Das Buch stand bereits unter den Top 10 Büchern bei Amazon in den USA. Auch in Deutschland ist das Buch in englischer Sprache bei Amazon verfügbar und es gibt erste Bewertungen. Bei den Rezensionen scheint eine Art Kleinkrieg zu herrschen. Die bisher einzige 1 Sterne Bewertung spricht für sich selbst:

„Zum Buch selbst: Man muss es nicht komplett gelesen haben um zu bemerken, dass es von pseudowissenschafltlichem Unsinn strotzt der vielfach widerlegt wurde.“

Ob der Rezensent es überhaupt gelesen hat oder nur den Klappentext? Es passt aber gut ins Bild, denn auch beim Buch von Luisa Neubauer „Vom Ende der Klimakrise“ gab es solche Entwicklungen. Dort waren es allerdings 5 Sterne, die vergeben wurden ohne, dass das Buch gelesen wurde, obwohl der Rezensent wenigstens so ehrlich war, das frank und frei zuzugeben. Postfaktische Buchbesprechungen sozusagen.

Auf Sky Australia gibt es ein 10 Minuten Interview mit Michael Shellenberger. Zum Ansehen hier klicken. In dem Interview beklagt sich Shellenberger über ein ähnliches Geschehen in Australien. Dort ist es der Australische Guardian, der sich mehr mit der Person Shellenberger auseinandersetzt und weniger mit seinem Buch, den Thesen und seinen Fakten.

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Was meint eigentlich Systemwandel? Die Antwort auf diese Frage könnte sehr unterschiedlich sein. Für die Aktivisten von Ende Gelände scheint es die Abschaffung des Kapitalismus zu bedeuten.

Momentan promotet der Murmann Verlag das neue Buch von Claudia Kemfert ebenfalls unter dem Label Systemwechsel.

Wir gehen mal stark davon aus, dass hier hoffentlich etwas anderes gemeint ist. Die offensichtlich sehr unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten sind aber nicht ganz ohne, zeigen sie doch, dass Teile der Klimabewegung eigentlich etwas ganz Anderes als Umwelt- oder Klimaschutz im Sinn haben.

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Wenn die eigene Stärke gleichzeitig die eigene Schwäche ist. So in etwas könnte man die Ergebnisse der Erneuerbaren Energien bezeichnen. Nach einem windschwachen Juni 2020 sieht es im Juli schon deutlich anders aus und mit Sicherheit werden die Zahlen vom 05.07.2020 in Kürze überall gefeiert. Auf 81% Anteil kommen die Erneuerbaren Energien gegen 18:15. Über den Tag waren es sogar 85%. Der Grund dafür ist die Umstellung der Großwetterlage. Tiefdruckgebiete bringen starke Westwinde und die treiben die Windkraftwerke an. Hinzu kommt die Sommersonne. Man sieht bei Energymap.org sehr gut, dass Deutschland sogar Strom exportierte oder soll man besser sagen exportieren musste?

Und damit wird dann auch die Schwäche deutlich. Weil die Erneuerbaren Energien nicht bedarfsgerecht produzieren sondern nach den Launen der Natur, ist zu viel Strom vorhanden. Und dieser überschüssige Strom wird ins Ausland verschenkt, besser gesagt, die Abnehmer bekommen noch Geld dazu, wenn Sie solchen Strom abnehmen.  Auch das zeigt Energymap. In der Spitze des 5. Juli gab es 65 Euro pro MWh dazu.

Wie üblich hat ein deutscher Stromabnehmer davon nichts, im Gegenteil, das Verschleudern des Stroms kostet ihn Geld. Negative Preise sind in einer Marktwirtschaft sehr unüblich. Bei Überproduktion sinkt der Preis, wenn die Nachfrage nicht vorhanden ist. Durchaus üblich ist es, dass überschüssige Waren sogar vernichtet werden, wenn sich keine Abnehmer finden oder sie werden verschenkt, wovon zum Beispiel die Tafeln in Deutschland profitieren. Bei Strom funktioniert das aber nicht, denn er ist ein höchst kurzlebiges Gut. Es muss im Augenblick der Produktion verbraucht werden.

Am Ende bedingt dann eine garantierte Abnahme von Erneuerbaren Energie wie in Deutschland solche Marktverwerfungen. Ständen die Erneuerbaren Energien im nicht-subventionierten Wettbewerb, läge das Risiko sinkender Preise beim Erzeuger, dann würde der Markt alles regeln. Dieses Marktgesetz wird ausgehebelt und so entstehen negative Preise. Das wissen auch Entscheider im Wirtschaftsministerium, die sich lange Zeit schwergetan haben, die Deckel für Wind und Solar anzuheben. Ganz einfach weil ihnen völlig klar ist, dass das Problem bei solchen Phasen wie Anfang Juli 2020 größer und nicht kleiner wird. Übersetzt heißt es dann der Strom wird noch teurer für alle Abnehmer, egal ob privat oder gewerblich. Das aber bedeutet Verlust von Kaufkraft und erhöhte Kosten bei den Produkten, die am Ende alle zahlen müssen.