Stefan Rahmstorf und die Loschmidt-Zahl

Jörg Kachelmann und Stefan Rahmstorf, eine unendliche Geschichte. Der Spiegel gab dem Wissenschaftler Rahmstorf mal wieder die Gelegenheit, sein Wissen der Welt mitzuteilen. Dieses Mal ist der Titel „Woher die gewaltige Energie des Klimawandels stammt“:

In jedem Liter eingeatmeter Luft stecken 3.432.000.000.000.000.000 CO2-Moleküle fossiler Brennstoffe. Gesundheitsschädlich ist das zwar nicht – aber man muss es wissen, um den Klimawandel zu verstehen.

Große Zahlen sind immer beeindruckend, Rahmstorf rechnet jetzt mit Molekülen pro Atemzug. Der Trick funktioniert bei denen, die Freitags den Chemieunterricht verpennen. Man beeindruckt die Menschen einfach mit der unglaublich hohen Loschmidt-Zahl. Die Loschmidt-Zahl, die die in einem Kubikzentimeter enthaltenen Moleküle bei Normaldruck wiedergibt, beträgt 2,686×10 hoch 19, in einem Liter 2,686 x10 hoch 22. Er multipliziert die Zahl mit 0,0128/100 (anthropogenes CO2). Man könnte also zum Vergleich die Zahl aller anderen Gase aufführen und das sind dann 2,868 x10 22x  99,9872/100mal so viele Moleküle. 26 825 619 2000 000 000 000 000 , also 7812 mal so viele. Auf 7812 Moleküle O2 , N2, He etc kommt ein Molekül anthropogenes CO2.

Im selben Artikel behauptet Rahmstorf:

Es gibt genau drei Möglichkeiten, diese Strahlungsbilanz zu verändern und unseren Heimatplaneten aufzuheizen:

–Die Sonneneinstrahlung nimmt aufgrund der Sonnenaktivität oder der Erdbahnparameter zu.

–Der reflektierte Anteil der Sonnenstrahlung nimmt ab, weil die Helligkeit der Erdoberfläche oder der Wolkendecke abnimmt.

–Die Abstrahlung von Wärme ins All nimmt ab.

Die ankommende und abgehende Strahlung wird ständig gemessen: von Satelliten oberhalb der Atmosphäre und von einem globalen Strahlungsmessnetz am Erdboden. Diese Messungen zeigen:

–Option 1 scheidet aus, denn die ankommende Sonnenstrahlung hat seit Mitte des letzten Jahrhunderts sogar etwas abgenommen.

Der Link des letzten Punktes führt zu einem Rahmstorf-Artikel, in dem er einen Grundschultrick angewandt hat: Er hat für die Sonnenaktivitätskurve einfach die y-Achse so verkleinert, dass der Anstieg der Sonnenaktivität im 20. Jahrhundert nicht mehr sichtbar ist. Wissenschafts-Comedy. Schauen Sie sich einmal den Verlauf der Sonnenaktivität gemäß dem in der Vergangenheit viel verwendeten Datensatz NRLTSI2 an (weiße Kurve):

Abbildung: Entwicklung der Sonnenaktivität während der vergangenen 400 Jahre. Weiße Kurve zeigt solare Gesamtstrahlung (Total Solar Irradiance, TSI), gelbe Ausschläge markieren Sonnenflecken. Quelle: PAGES2K-Webseite, heruntergeladen im März 2016.

Rahmstorf schreibt in seiner KlimaLounge, er habe die Skalierung gemäß Klimawirksamkeit gewählt. Und die ist laut IPCC nahe Null. Er versucht die Sonne also zu diskreditieren, indem er von vorneherein „Null“ ansetzt und wundert sich dann, dass hinten Null rauskommt. Dabei verwendet er bzw. der IPCC nur den pauschalen Effekt der solaren Gesamtstrahlung, ignoriert aber Verstärkermechanismen über UV und kosmische Strahlung bzw. das Sonnenmagnetfeld. Nur über diese Verstärkereffekte lassen sich die vielen gut belegten Fallbeispiele aus der Literatur erklären, die eine signifikante solare Klimabeeinflussung belegen.

Was Rahmstorf und IPCC hier machen ist, die Klimageschichte zu ignorieren. Die von ihnen verwendeten Modelle können die solaren Einflüsse in den Fallbeispielen nicht reproduzieren. Das heißt, die dokumentierte Natur liegt ihrer Meinung nach falsch, und die theoretischen Modelle haben Recht. Eine kreative aber wissenschaftlich nicht sehr nachhaltige Lösung. Vorschlag zur Güte: Lassen sich die hier im Kalte-Sonne-Blog vorgestellten Studienergebnisse durch Klimamodelle reproduzieren? Viel Spass beim Ausprobieren!

Und dann noch eine Nebelkerze von Rahmstorf. Er behauptet, die Klimamodelle seien jetzt perfekt:

Auch die natürlichen Klimaveränderungen in der Erdgeschichte folgen den obengenannten Möglichkeiten, die Strahlungsbilanz zu verändern. Sie beruhen auf Veränderung der Erdbahnparameter, der Sonnenleuchtkraft oder natürlichen CO2-Veränderungen über Jahrmillionen, die sich heute in Klimamodellen immer besser nachvollziehen lassen.

Fakt ist: Die Modelle können die jüngere Klimavergangenheit NICHT abbilden. Das verlinkte Paper handelt vom Pleistozän, also dem Wechsel von Eiszeiten und Interglazialen. Da geht es um die Milankovic-Zyklik, die relativ klar ist. Wo die Modelle scheitern, sind die letzten 10.000 Jahre, das Holozän. Sie schaffen es nicht, den Warm-Kalt-Wechsel im 1000er Jahremaßstab hinzubekommen, weil sie keine natürlichen Klimafaktoren in dem Zeitmaßstab eingebaut haben. Ein Schönreden des Problems bringt nicht weiter.

Jörg Kachelmann treibt mit Stefan Rahmstorf ja einige Running Gags. Einer davon ist die Aussage von Stefan Rahmstorf, dass Waldbrände durch Glasscherben verursacht werden (was Quatsch ist) und überhaupt, nur der Klimawandel und dort höhere Temperaturen würden die Wälder brennen lassen. Auch das ist natürlich falsch, weil die Trockenheit sprich Dürre ausschlaggebend ist. Trockenheit muss aber nicht einhergehen mit hohen Temperaturen. Offenbar versteht Stefan Rahmstorf das aber nicht oder will es nicht verstehen. Über Zündung von Wäldern und speziell die Waldbrandsituation in Deutschland gab es ja schon kürzlich Beiträge bei Kaltesonne.

Nun hat Jörg Kachelmann den „Gross-Desinformator“ Stefan Rahmstorf wieder am Wickel. Der bekennende Kaminofen-Besitzer Stefan Rahmstorf bekommt noch einmal eine Twitter-Breitseite in Sachen Umweltschutz und Holzverbrennung. Holzverbrennung ist die umweltschädlichste Art des Heizens. Hört auf die Wissenschaft, möchte man dem PIK-Mann zurufen, denn die katastrophalen Werte bei der Verbrennung sind hinlänglich bekannt.

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Die Leute haben Greta Thunberg satt. Das sagt jedenfalls der Komiker Jürgen von der Lippe in der Welt. Der Artikel geht auch mit einem Video auf die neue Prophezeiung von Fridays For Future (FFF) Aktivistin Luisa Neubauer ein, dass wir lediglich noch dieses Jahr Zeit haben, um das 1,5 Grad Ziel zu erreichen. Das ging offenbar sogar Greta Thunberg zu weit, die neben Neubauer saß und die nur den Kopf schütteln konnte und sogleich die Aussage revidierte. Man kann schon mal durcheinanderkommen bei den ganzen Ultimaten.

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Ein Runder Tisch soll es jetzt richten und die aufmüpfige Landbevölkerung endlich vom Sinn überzeugen, Windkraftanlagen ganz dicht an Siedlungen bauen zu dürfen. Ob es einfach daran liegt:

„Mit seiner installierten Windkraftleistung von 53,31 Gigawatt (Stand 2018) hat Deutschland im Verhältnis zur Landesfläche die meisten und am dichtesten platzierten Windparks weltweit. Seit 2008 (23,90 GW) hat sich dieser Wert mehr als verdoppelt.“

So jedenfalls kann man es im Blog Danisch.de lesen. In dem Artikel geht es auch um mögliche Ursachen für Dürren durch Windkraft.