Spiegel-Redakteur Olaf Stampf: „Panikmache im Simone-Peter-Stil“

Windstärken

Momentan findet man eine Kampagne bei Twitter, die sich „Windstärken“ nennt. Das ist für sich genommen ein nettes Wortspiel.

Ziel der Kampagne ist es den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, dafür werden Unterstützer eingesammelt. Die können sich mit Namen eintragen und einen kecken Spruch hinterlassen. So ist offenbar der Plan, um die Akzeptanz für Windkraft zu erhöhen. Visualisiert wird das Ganze durch eine „Windbox“. Es ist eine große Glasbox. Dort sollen über 4 Drucker die Etiketten der Unterstützer ausgedruckt und durch eine Windmaschine in der Box durcheinandergewirbelt werden.

Ob die Aktion ein Erfolg ist, kann schlecht beurteilt werden. Die Zahl der Unterstützer auf der Webseite steigt nur sehr langsam, wenn überhaupt und auch die Liveübertragung der Windbox auf Youtube hat nicht wirklich viele Zuschauer. 26 Abonnenten zählt der Kanal Windstärken seit dem 21.11.2019.

Laut eigener Aussage war geplant, dass bis zum 31.01.2020 mindestens 100.000 Stimmen zu „sammeln“. Per 14.02.2020 waren es laut Webseiten lediglich 5.424 Stimmen. Diese Zahl hat sich zum Vortag nicht geändert, obwohl es auf Twitter die o.g. Werbung gibt. Ob es daran liegt, dass die Seite zwar sehr umfangreiche Datenschutzhinweise hat aber nicht über eine gesicherte Internetverbindung (https) verfügt?

Organisator der Aktion ist Greenpeace Energy, eine Energie-Genossenschaft. Mehrere Fragen stellen sich hier:  Wieso wird für so eine Aktion Energie vergeudet? Ist das im Zeichen von CO2 Einsparung nicht geradezu grotesk? Warum nimmt ein Wirtschaftsunternehmen unter dem Deckmantel eines NGO Einfluss auf politischen Entscheidungen, denn Greenpeace Energy ist nicht Greenpeace?

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„Was heißt hier bitte Vogelschredder“

Nabu Chef Andreas Krüger und der Grüne Oliver Krischer werden vom Spiegel zum Thema Windenergie bzw. Ausbau interviewt. Der Nabu Chef:

„Es werden heute immerhin keine Windparks mehr in EU-Vogelschutzgebieten gebaut. Das ist schon ein großer Fortschritt, auch wenn das aus heutiger Sicht fast schon sarkastisch klingt. Aber es gibt noch immer mindestens ein halbes Dutzend Arten, die durch den Ausbau der Windenergie an Land enorm gefährdet sind.“

Der Grüne:

„Mich ärgert, wie heuchlerisch man mancherorts die eigenen Interessen vertritt. Es gibt Anwohner, die ihre Liebe zum Rotmilan zufällig genau dann entdecken, wenn Windräder vor ihrer Haustür geplant sind. Vorher hätte man ihnen wahrscheinlich erzählen können, Rotmilane seien serbische Freiheitskämpfer, und sie hätten das geglaubt.“

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Die Lobbyistin und Grüne Simone Peter wird auf Twitter nicht müde, dass zu tun, wofür sie bezahlt wird. Und dabei nimmt sie wirklich jedes Ereignis zum Anlass, greift aber manchmal daneben. Beim Tief Sabine warnte Sie auf Twitter vor Hochwasser von 1,50 bis 2,00 Meter über dem mittleren Hochwasser.

Laut Bundesamt für Hydrographie gibt es für die Wasserstände an der Nordsee folgende Klassifikationen:

Sturmfluten an der deutschen Nordseeküste, in Emden, Bremen und Hamburg werden in drei Klassen eingeteilt:

  1. Sturmflut: 1,5 bis 2,5 m über mittlerem Hochwasser (MHW)
  2. schwere Sturmflut: 2,5 bis 3,5 m über MHW
  3. sehr schwere Sturmflut: mehr als 3,5 m über MHW

Frau Peter beschreibt eine normale Sturmflut und setzt diese in Bezug auf fossile Brennstoffe. Als nächstes reißt sie ein Zitat des Bürgermeisters von Wangerooge aus dem Kontext. Die Sturmflut riss nämlich den Hauptstrand der Insel weg, was den Bürgermeister Marcel Fangohr zu der zugegebenen sehr dramatisch klingenden Verwendung des Wortes Super GAU brachte. Nun ist ein GAU (größter anzunehmender Unfall – eigentlich eine Beschreibung aus dem Bereich Kernenergie) und ein Super GAU (unbeherrschbare Reaktorkatastrophe) nichts, was mit Sandabtrag durch eine Sturmflut zu tun hat, auch wenn das für den Tourismus der Insel schädlich ist. Zumal die Kosten einer Aufschüttung bei 300.000 – 400.000 Euro liegen. Es ist aber beherrschbar und es bedroht anders als ein Super GAU nicht das Leben der Inselbewohner.

Wie schön, dass es auf solche Tweets angemessene Antworten gibt. Fabian Ruhnau von Kachelmannwetter klärte Frau Peter dann mal mit etwas Statistik auf.

Peters Panik-Tweet brauchte dann sogar den Ressortleiter Wissenschaft beim Spiegel, Olaf Stampf, auf die Twitterpalme.

Es ist eigentlich egal, welches Wetter herrscht, alles wird zum Anlass genommen, es dem Klimawandel in die Schuhe zu schieben. Frau Peter erklärt auch auf Twitter den Jetstream.

Aber auch hier sei die Frage gestattet, was in den ganzen Jahren zuvor erklärt wurde. Durch die geringere Temperaturdifferenz zwischen Äquator und den Polen (aka Klimawandel) wird der Jetstream schwächer oder kommt gar ganz zum Erliegen. Bei den großen Hitzewellen in den Jahren 2018 und 2019 wurde genau das als Beleg genommen, weil es sogenannte OMEGA Wetterlagen begünstigt. Ortsfeste Hochdruckgebiete über Mitteleuropa, eingekeilt zwischen Tiefs als Folge des Klimawandels. Jetzt haben wir einen starken Jetstream und viele Tiefs und auch der ist Folge des Klimawandels?!