Spannender Schnee von gestern

Das Thema heute lautet Schnee auf der nördlichen Halbkugel. Hier die Entwicklung der letzten 50 Jahre (laufendes 12-Monatsmittel):

Abbildung: Entwicklung der Schneefälle auf der nördlichen Halbkugel mit zusätzlicher Unterscheidung von Eurasien und Nordamerika. Quelle: Rutgers University Global Snow Lab. Daten November 1966 bis Dezember 2019.

Von Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre gab es viel Schnee. Um 1990 herum machte sich der Schnee ziemlich rar. In den folgenden 30 Jahren schneite es auf mittlerem Niveau. Und hier die Schneefälle der nördlichen Hemisphäre im Jahresvergleich:

Abbildung: Schneefälle der nördlichen Hemisphäre im Jahresvergleich. Quelle: Global Cryosphere Watch.

Die Schneemasse des Winters 2019/20 war bisher überdurchschnittlich (Stand 25.2.2020):

Abbildung: Schneemasse des Winters 2019/20 im Vergleich zu Durchschnttswerten. Quelle: Global Cryosphere Watch.

Der Winter 2017/18 war ebenfalls sehr schneereich in der nördlichen Hemisphäre.

Statistiken der Schneebedeckung der nördlichen Hemisphäre auf Monatsbasis gibt es bei der NOAA. Hier die Monate Oktober bis April (Angabe in Abweichungen/Anomalien, keine absoluten Werte):

Von Oktober bis Dezember sind die Schneemassen in den letzten 50 Jahren angestiegen. Zu erahnen ist ein Zusammenhang mit dem 60-jährigen AMO-Ozeanzyklus. Im Januar und Februar nimmt die Schneestatistik einen U-Verlauf, wiederum AMO-verdächtig. Im März und April ist eine langfristige Abnahme der Schneemengen in den letzten 50 Jahren zu erkennen. Hier stecken also interessante Signale in der Schneeentwicklung, die bei Angabe von Jahreswerten unerkannt bleiben.

Schauen wir nun auf die Entwicklung der Schneebedeckung in den Wintermonaten auf der nördlichen Halbkugel. Insgesamt hat hier die Schneebedeckung im letzten halben Jahrhundert zugenommen:

Abbildung: Entwicklung der Schneebedeckung in den Wintermonaten auf der nördlichen Halbkugel. Quelle: Rutgers Snow Lab.

Auch im Herbst hat die Schneebedeckung zugenommen, im Frühling hingegen abgenommen:

Abbildung: Entwicklung der Schneebedeckung im Herbst auf der nördlichen Halbkugel. Quelle: Rutgers Snow Lab.

Abbildung: Entwicklung der Schneebedeckung im Frühling auf der nördlichen Halbkugel. Quelle: Rutgers Snow Lab.

Die großen Trends sind klar. Sie werden im Übrigen auch in Estilow et al. 2015 abgebildet. Nun kommt die spannende Frage, ob die Klimamodelle die gemessene Schneeentwicklung in ihren Simulationen auch reproduzieren können. Tragischerweise lautet die Antwort nein. Laut Modellen sollte der Schnee in allen Jahreszeiten zurückgehen. In Wirklichkeit hat der Schnee im Herbst und Winter zugenommen. Epic fail. Und keinen kümmert’s? Connolly et al. 2019 haben die Diskrepanzen zwischen Messdaten und Klimamodellen herausgearbeitet:

Northern Hemisphere Snow-Cover Trends (1967–2018): A Comparison between Climate Models and Observations

Observed changes in Northern Hemisphere snow cover from satellite records were compared to those predicted by all available Coupled Model Intercomparison Project Phase 5 (“CMIP5”) climate models over the duration of the satellite’s records, i.e., 1967–2018. A total of 196 climate model runs were analyzed (taken from 24 climate models). Separate analyses were conducted for the annual averages and for each of the seasons (winter, spring, summer, and autumn/fall). A longer record (1922–2018) for the spring season which combines ground-based measurements with satellite measurements was also compared to the model outputs. The climate models were found to poorly explain the observed trends. While the models suggest snow cover should have steadily decreased for all four seasons, only spring and summer exhibited a long-term decrease, and the pattern of the observed decreases for these seasons was quite different from the modelled predictions. Moreover, the observed trends for autumn and winter suggest a long-term increase, although these trends were not statistically significant. Possible explanations for the poor performance of the climate models are discussed.