Solarer 90-Jahreszyklus in Klimaentwicklung Zentralchinas entdeckt

Die Sonnenaktivität ist durch periodische Schwankungen charakterisiert. Die wichtigsten Zyklen besitzen Periodendauern von 11, 22, 90 und 210, 1000 und 2100 Jahren und werden als Schwabe, Hale, Gleissberg, Suesss/de Vries, Eddy und Hallstatt Zyklen bezeichnet. Die Existenz dieser solaren Grundzyklen ist in der Wissenschaft unbestritten und wurden an vielen historischen Datenserien zur Sonnenaktivität nachgewiesen. Die Rekonstruktion der früheren Sonnenaktivität geschieht hierbei über Isotope von Beryllium und Kohlenstoff-14, die über die kosmische Strahlung erzeugt werden und deren Schwankungen in den Ablagerungen am Erdboden gemessen werden können.

Im Oktober 2012 erschien im Fachmagazin Climate of the Past eine neue Arbeit von Cui et al., die einen 22 cm langen Tropfstein aus der Heilong Höhle in Zentral-China analysierten. Der Tropfstein ist fein laminiert und spiegelt Veränderungen im Monsun-Klima der Region wieder. Anhand von chemischen Analysen wurden die chemischen Veränderungen im Tropfstein detailliert protokolliert und ihre klimatische Bedeutung interpretiert, wie zum Beispiel der Wechsel von feuchten und trockenen Phasen. Eine Alterdatierung durch die radiometrische Uran-Blei-Methode erlaubte eine genaue zeitliche Einordnung der Geschehnisse. Es zeigte sich, dass der untersuchte Tropfstein ein Klimaarchiv für die Zeit von 790 bis 1780 n. Chr. umfasst.

Interessanterweise entdeckten die Forscher in den neuen Daten einen deutlichen 90-Jahreszyklus, in dessen Rhythmus sich feuchte und trockene Zeiten abwechselten, wie eine Spektralanalyse ergab. Dieser Zyklus fand sich bei einer Überprüfung dann auch in historischen Dokumenten wieder, die bis 1470 n. Chr. zurückreichten, sowie in Daten von Instrumentenmessungen aus der Region.

Die nachgewiesene Periodenlänge von 90 Jahren ist dabei bemerkenswert. Es handelt sich dabei nämlich um einen der eingangs erwähnten Grundzyklen der Sonnenaktivität, nämlich den Gleissbergzyklus. Seltsam, dass die chinesischen Autoren diese endeutige Zuordnung in ihrem Paper nicht erwähnen. Offensichtlich sind die Aktivitätsschwankungen der Sonne so bedeutsam, dass sie das vorindustrielle Klima in Zentralchina im 90-Jahrestakt maßgeblich mitgeprägt haben. In den modernen Klimamodellen ist eine solch starke Klimawirkung nicht vorgesehen. Klimamodelle, die jedoch den empirisch-historisch nachgewiesenen Einfluss in der Vergangenheit nicht reproduzieren können, sollten tunlichst nicht für Zukunftsprojektionen Verwendung finden.