Solar und Wasserkraft – ein Dreamteam?

Martin Schlumpf kritisiert auf seinem Blog eine Studie, die von einer sicheren Versorgung der Schweiz durch die Kombination aus Solar und Wasserkraft spricht. In Deutschland ist Wasserkraft aus topografischen Gründen limitiert, daher ist die Kombination bei uns auch weniger interessant.

“Die Annahme der Studie, dass mit dem mageren, flatterhaften Solarstrom-Ertrag im Winter die Füllstände unserer Speicherseen direkt beeinflusst werden können, ist wirklichkeitsfremd. Solarenergie bleibt wegen ihrer Winterschwäche die denkbar schlechteste Ergänzung zur Wasserkraft.”

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Welche Bodenschätze hat Deutschland? Der Deutschlandfunk geht dieser Frage in einem Artikel nach. Zum Thema Erdgas heißt es dort:

“Zum Jahresende 2021 gab es nach Schätzungen des Bundesverbandes Erdgas, Erdöl und Geoenergie noch eine Reserve von 14 bis 32 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland, das nach konventionellen Methoden gefördert werden kann – und das auch gefördert wird.

Das Gas lagert in Sandstein tief in der Erde unterhalb der Grundwasservorkommen und kann durch konventionelles Fracking gewonnen werden. Dabei wird mit Chemikalien versetztes Wasser in die Gesteinsschichten gepumpt. Das Verfahren wird – anders als das umstrittene unkonventionelle Fracking – seit vielen Jahrzehnten in Deutschland angewendet.

In den vergangenen Jahren wurden jährlich etwa fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert, die Bestände würden dafür also noch drei bis sechs Jahre reichen. Die deutsche Förderung deckt allerdings ohnehin gerade einmal gut fünf Prozent des deutschen Verbrauchs ab. Rund 90 Milliarden Kubikmeter Erdgas hat Deutschland in den vergangenen Jahren pro Jahr verbraucht.

Dass die Förderung so gering ausfällt, liegt daran, dass die Lager inzwischen erschöpft sind. Zwischen 1975 und 2004 wurden jährlich ungefähr 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland gefördert. Seitdem ist die Fördermenge allerdings Jahr für Jahr stetig zurückgegangen.”

(Abbildung: Screenshot Deutschlandfunk.de)

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Gesteigerte Produktion bei geringerem Gas-Verbrauch. Laut Business-Insider soll der deutschen Industrie das im September gelungen sein.

“Die deutsche Industrie hat der Energiekrise bis in den Spätsommer weitgehend erfolgreich getrotzt. Im September steigerten die Unternehmen ihre Produktion überraschend stark. Aus neuen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes lassen sich zudem Erfolge bei der Entkopplung der Produktion vom Gasverbrauch ablesen. Obwohl die Industrie mehr produzierte, verbrauchte sie deutlich weniger Gas. Besonders energieintensive Branchen drosselten ihre Produktion allerdings erheblich. Auch hier legen die Zahlen aber nahe, dass ihr Gasverbrauch noch stärker zurückging.

Insgesamt produzierte die deutsche Industrie im September 0,6 Prozent mehr als im August. Analysten hatten nur ein Plus von 0,1 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Produktion um 2,6 Prozent. Hier hatten die Analysten mit 2,0 Prozent gerechnet. Alle Werte zeigen die reale Produktion, Preiseffekte sind also herausgerechnet.”

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Der Autozulieferer ZF plant den Umbau seiner größten Getriebe-Fabrik. Zukünftig sollen dort Teile für Elektroautos produziert werden. An Aufträgen scheint es dem Unternehmen nicht zu mangeln, wie msn.com berichtet.

“ZF hat 23 Milliarden Euro Elektroaufträge

Das gilt nicht nur für den Standort in Saarbrücken. Der ZF-Konzern hat laut von Schuckmann Aufträge im Wert von deutlich über 23 Milliarden Euro für den elektrischen Antrieb. „Und da werden demnächst weitere hinzukommen. Wir bauen deshalb neben Saarbrücken unsere Werke in den USA, Mexiko und China dafür aus.“

Das Paket soll mehr als 100 Millionen Euro Investitionen des Konzerns, Beiträge der Belegschaft in einen Zukunftsfonds und eine Förderung der saarländischen Landesregierung in nicht genannter Höhe beinhalten.

Der Zukunftsfonds der Beschäftigten finanziert sich in zwei Stufen. Der Einigung zufolge werden die Entgelte am Standort für alle Hierarchien gesenkt und zweckgebunden für die Investition in die Ansiedlung neuer Technologien genutzt.”

Nicht alle Autozulieferer bekommen das so hin. Das Unternehmen Schaeffler will nach einem Bericht im Focus die Zahl seiner Arbeitnehmer in Deutschland verringern. Interessant dabei ist, dass Schaeffler davon spricht, dass die Umstellung auf Elektroantrieb schneller erfolgt als erwartet.

“Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler baut bis 2026 insgesamt 1300 weitere seiner knapp 83.000 Stellen ab, davon 1000 in Deutschland. Das Unternehmen begründete die Maßnahme am Dienstag mit einer schneller als erwartet voranschreitenden Transformation weg von Verbrenner-Antrieben hin zur E-Mobilität. Es ist das zweite Transformationsprogramm innerhalb kurzer Zeit bei dem fränkischen Konzern. 2020 hatte er den Abbau von 4400 Stellen bekanntgegeben. Werksschließungen seien diesmal nicht beabsichtigt.

Von den Stellenstreichungen, die bis 2026 sozialverträglich umgesetzt werden sollen, sind nach Angaben des Unternehmens vor allem die drei Standorte Herzogenaurach, Bühl in Baden und Homburg im Saarland betroffen. Drei Viertel der wegfallenden Stellen kämen aus den Bereichen Forschung und Entwicklung von Teilen für Verbrennerantriebe oder aus Zentralfunktionen. Das Programm wird nach Angaben von Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld 130 Millionen Euro kosten und soll ab 2026 im Jahr 100 Millionen Euro einsparen.”

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Eine heikle Mission für Kanzler Scholz. Er setzt auf die Erneuerbaren Energien, weist anderen Nationen auf dem Klimagipfel den Weg, gleichzeitig bringt Deutschland mehr und mehr Kohlekraftwerke ans Netz und verabschiedet sich 2023 aus der Kernenergie. Wie glaubwürdig mag das auf der Klimakonferenz COP 27 rüberkommen? Eher weniger, daher öffnet Scholz einfach die Taschen und überzeugt so. Ein neues Thema auf der COP 27 scheinen Wälder zu sein. Das berichtet die Zeit.

“Bei der Weltklimakonferenz in Glasgow hatte Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt eine Milliarde Euro für den globalen Waldschutz im Zeitraum von 2021 bis 2025 zugesagt. Dieser Betrag wird nun auf zwei Milliarden Euro verdoppelt.

Nach Angaben des Entwicklungsministeriums gingen seit 1990 schätzungsweise 420 Millionen Hektar Wald verloren, das entspricht ungefähr der Größe der Europäischen Union. 88 Prozent der Waldzerstörung gehe auf die Landwirtschaft zurück. Indirekt trägt auch der Konsum in Europa zur Zerstörung von Wäldern bei. Neben der Holzgewinnung hat auch der Anbau von Kaffee, Kakao, Soja, die Gewinnung von Palmöl oder die Viehzucht zur Zerstörung von Waldflächen geführt.”

Dazu passt eine Meldung bei Euractiv, über das dramatische Schrumpfen der Wälder in Europa.

“Aber die Kapazität der europäischen Wälder, CO2 zu absorbieren, ist im Laufe der Jahre geschrumpft und muss eigentlich wiederhergestellt werden. Das räumte die Europäische Kommission schon vor zwei Jahren ein, als sie ihren Klimazielplan für 2030 vorstellte.

Auf der Grundlage offizieller Regierungsdaten, die der EU und den Vereinten Nationen vorgelegt wurden, stellte das PFPI fest, dass die EU zwischen 2002 und 2020 etwa ein Viertel ihrer jährlichen Kohlenstoffversenkung verloren habe, was größtenteils auf die Nutzung der Wälder zur Energiegewinnung zurückzuführen sei.

„In einigen Mitgliedstaaten besteht ein klarer Zusammenhang zwischen der Nutzung von Biomasse und dem Verlust von Bodensenken“, heißt es in dem Bericht.

„Regierungsforscher in Finnland legten detaillierte Statistiken über die energetische Nutzung von Holz vor und identifizierten insbesondere die Verbrennung von Rundholz als eine Ursache für den Senkenverlust, während in Estland mehr als die Hälfte der Menge an geschlagenem Holz für die Brennstoff- oder Pelletproduktion verwendet wird“, heißt es weiter.”

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Was kommt nach dem Ende der Fahnenstange? Die Hölle. Auf dem Weg in die Hölle sieht der UN-Generalsekretär Guterres die Menschheit. Sie nutzt dazu laut n-tv sogar die Autobahn und fährt Vollgas. Guterres sagte das anlässlich der Klimakonferenz COP 27.

“Auf der Weltklimakonferenz in Ägypten hat UN-Generalsekretär António Guterres in düsteren Worten vor den Folgen der Erderhitzung gewarnt. „Wir sind auf dem Highway zur Klimahölle – mit dem Fuß auf dem Gaspedal“, sagte der Portugiese in einer Rede vor Dutzenden Staats- und Regierungschefs in Scharm el-Scheich. Mit Blick auf von der Klimakrise ausgelöste Dürren, Überschwemmungen, Unwetter und steigende Meeresspiegel warnte er: „Wir kämpfen den Kampf unseres Lebens – und sind dabei zu verlieren.“ Guterres pochte auf verstärkte Zusammenarbeit im Klimaschutz: „Die Menschheit hat eine Wahl: kooperieren oder umkommen.“”

Das Problem solcher Superlative ist die Tatsache, dass sie sich nur schwer steigern lassen, es sei denn, es gibt verschiedene Arten der Hölle.

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Der Journalist und Filmemacher Jörg Rehmann hat im Cicero einen Artikel über Claudia Kemfert geschrieben. Die medienpräsente Professorin war immer wieder Thema in diesem Blog, vor allem die Rechenkünste. Der Artikel im Cicero ist ein Bezahlartikel.

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Verständnis für Proteste der letzten Generation

Sehr geehrte Damen und Herren,

einige Anmerkungen zu einem Artikel in der Kalten Sonne vom 08. 11. 22.

Es geht um Verständnis der UNO für die Protestaktionen der „letzten Generation“. Darin wird berichtet, die UNO hält die Protestaktionen für unterstützenswert. Es wird bezweifelt, dass es die Absicht der Proteste ist, medizinische Versorgung zu verzögern.

Zum einen kann ich nicht verstehen, dass eine Institution wie die UNO für solche radikalen Aktionen Verständnis aufbringt. Sicherlich ist die Absicht der Aktivisten nicht, medizinische Versorgung zu verzögern, doch solche Störungen werden billigend in Kauf genommen. Es kann ja wohl nicht sein, dass sich die Teilnehmer an der Straße festkleben und dann Einsatzfahrzeuge einfach durchlassen. Darüber hinaus haben auch die Menschen, welche durch die Aktionen in einem Stau festgehalten werden, zumindest teilweise wichtige Aufgaben zu erfüllen. Zum Beispiel sind Pflegekräfte unterwegs, die zu hilfebedürftigen Menschen unterwegs sind und dann aufgehalten werden. Solche Aktionen sind meines Erachtens nicht zu akzeptieren.

Auch die Beschädigung von Kunstwerken sind Aktionen, welche nicht gutzuheißen sind. Zerstörung oder Beschädigung von Kulturgut kann nicht als ein akzeptabler Protest angesehen werden.

Ich kann eine solche Haltung der UNO nicht verstehen. Allerdings hat UN-Generalsekretär António Guterres sich in Ägypten bei der Weltklimakonferenz so geäußert, die Menschheit hätte die Wahl: „kooperieren oder umkommen“. Ich glaube, dass mit einer solchen Aussage, die „letzte Generation“ sich angestachelt sehen kann, mit ihren Aktionen weiterzumachen.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn