Sieht so eine Bewerbung für den Expertenrat der Bundesregierung zum Klimaschutzgesetz aus?

Von Gastautor

Eine Lebensweisheit vieler Männer lautet: Widersprich niemals einer Frau, warte bis sie es selber macht. So ähnlich ist es mit dem Interview, welches die Energiewendeaktivistin Professor Claudia Kemfert dem Magazin Chrismon gegeben hat. Es sind mehrere Dinge in dem Interview, die einen erstaunen lassen. Zunächst einmal die Fragestellungen durch Nils Husmann in dem Interview. Sieht so kritischer Journalismus aus? Oder ist das eher ein Fanboy-Interview? Daneben sind die Widersprüche, die Kunst des Weglassens und des Schwurbelns beachtlich in den Aussagen der Interviewten.

Wie auch immer, Frau Professor Kemfert simplifiziert und auch sie nutzt die Corona-Pandemie, um sie mit den Erneuerbaren Energien zu vermischen und sie widerspricht sich danach im Laufe des Interviews mehrmals selbst.

„Die Virologen und Epidemiologen sind sich einig, dass und wie gefährlich Covid-19 ist. Daran richtet die Politik ihre Maßnahmen aus.“

Das ist schlicht falsch. Es gibt durchaus unterschiedliche Meinungen darüber und damit sind keine Außenseiter gemeint, Beispiele hier sind die Professoren Kekulé oder Streeck, die anderen Virologen wie z. B. Professor Drosten widersprechen, Ergänzungen haben oder zu anderen Schlüssen kommen. Im Gegensatz zur Klimaforschung sagen die Virologen auch sehr deutlich, dass sie nicht alles wissen und es Unsicherheiten gibt. Von Ergebnissen wie die SED bei Volkskammerwahlen mit 99% Zustimmung ist die Virologie weit entfernt. Abgesehen davon ist Wissenschaft auch keine Abstimmung, es gibt nur wahr – bisher nicht widerlegbar und unwahr – widerlegbar.

Wir verweisen an dieser Stelle auf ein Zitat des Virologen Professor Drosten, welches extrem im Gegensatz zu aktivistischen Wissenschaftlerinnen wie Frau Professor Kemfert steht:

„Es seien nicht Wissenschaftler, sondern die Politik, die Entscheidungen in der Krise treffen. Seine und die Aufgabe seiner Kollegen sei es, Daten zur Verfügung zu stellen und diese zu erklären. „Das ist ja das, was im Moment Wissenschaftler auch vielfach tun – und dafür dann leider auch überzeichnet werden“, setzt Drosten dann an. Seriöse Wissenschaftler würden weder bereits getroffene Entscheidungen bewerten noch konkrete Entscheidungen von der Politik einfordern.“

Den Vogel schießt Claudia Kemfert aber ab, als sie gleich zu Beginn folgendes sagt:

„Außerdem zeigt die Corona-Krise, wie wichtig eine starke Demokratie ist.“

Um sich dann vehement gegen den Begriff Ökodiktatur zu wenden. Dazu gleich mehr. Wie das Ping-Pong Spiel des wohlgesonnenen Fragestellers zur Interviewten funktioniert, das zeigt sich an dieser Passage:

HUSMANN: „Denkbar ist auch, dass die Politik sagt: Jetzt drücken wir Stromautobahnen durch, um Windenergie von Nord nach Süd zu leiten! Jetzt beschleunigen wir endlich die Genehmigungsverfahren und beschränken den Klageweg!

KEMFERT: Viel wichtiger wäre es, die digitale Energiewende und Speichertechnologien zu fördern. Wir brauchen dezentrale Netze, keine Riesenmasten für Stromautobahnen. Und diese Netze können wir digital verknüpfen zu virtuellen Kraftwerken. Es ist technisch kein Problem, dass Häuser mehr Energie erzeugen, als sie selbst verbrauchen. Das sind Kleinkraftwerke, die wir zusammenschalten können.“

Themenwechsel aber kein lauter Widerspruch. Frau Professor Kemfert scheint also die Beschränkung von Klagewegen, dem Kern eines Rechtsstaats bzw. einer Demokratie, stillschweigend hinzunehmen. Das ist aber genau das, was man unter einer Ökodiktatur verstehen kann, wenn sich sogar Bürgerrechte dem Klimawandel unterordnen müssen und das nicht nur für eine überschaubare Zeit sondern für einen langen Zeitraum.

Danach fängt das große Schwurbeln an. Indirekt gibt sie nämlich zu, dass es an Speichertechnologie mangelt. Das wäre aber bei volatilen Stromquellen wie Wind der erste Schritt und nicht der zweite. So aber wird an Tagen mit viel Sonne und Wind Strom produziert, der gar nicht benötigt wird und es muss entweder durch Schattenkapazitäten ein Ausgleich geschaffen werden für Zeiten ohne Sonne und Wind oder man importiert den Strom aus dem Ausland. Ironischerweise passiert das u. a. durch Strom aus Kohle aus Polen oder aus Atomkraft aus Frankreich. Der Teufel wird mit dem Beelzebub ausgetrieben. Beides kostet die Stromabnehmer viel Geld, wieviel, das sagte Professor Weimann gerade in einem Youtube Video. Dort rechnete er Frau Professor Kemfert auch vor, dass diese sich mal eben um einige Hundert Milliarden Euro vertan hat, weil sie entscheidende Posten „vergessen“ hatte. Wie volatil der Wind ist, zeigt die Rückbetrachtung der letzten 4 Wochen.

Auch mit mehr Windkraftanlagen (WKA) sähen die Täler mit keiner oder nur geringer Windstromerzeugung genauso aus wie mit dem jetzigen Bestand. Wenn kein Wind weht, dann wird auch nicht durch mehr WKA mehr Strom produziert. Viel hilft in diesem Fall nicht viel. Ob 30.000 oder 100.000 x Null – es ist immer jeweils Null. Da nützen schwurbelige Begriffe wie „virtuelle Kraftwerke“ nichts.

Ebenfalls alles andere als schlüssig sind ihre Aussagen zu Stromtrassen. Bekanntermaßen stehen sehr viele WKA in Norddeutschland an den Küsten und auch Offshore, weil es dort mehr Wind gibt als im Landesinneren. Diese produzieren mehr Strom als die Bundesländer benötigen, in denen die Anlagen stehen. Was bitte soll dann das Gerede von dezentralen Netzen? Die zahlreichen WKA sind doch im Hinblick auf den Bedarf im Süden Deutschlands gebaut worden. Dass die Leitungskapazitäten gar nicht ausreichen, um den produzierten Strom zu transportieren ist ein Beleg für eine gescheiterte, da falsch gedachte Energiewende. Denn auch da wurde der zweite Schritt vor dem ersten gemacht.

Frau Professor Kemfert lässt das Thema Primärenergie fast vollständig aus. Sie schneidet es kurz an einer Stelle, aber leider komplett unverbindlich.

„Und die Energiewende gilt ja nicht nur für die Stromversorgung. Wir brauchen den Einsatz der Erneuerbaren auch im Wärmesektor.“

An dieser Stelle wäre es doch einmal hilfreich zu erfahren, wie sich die Expertin das Heizen von Häusern durch Erneuerbare Energie denn konkret vorstellt. Wie muss man sich z. B. das Heizen von ca. 50% aller Häuser in Deutschland, die mit Gasheizungen arbeiten, durch Erneuerbare Energien vorstellen? Mit Strom aus höchst volatilen Quellen wie Windkraft ohne, dass wir Speicherkapazitäten haben? An denen soll ja erst geforscht werden, laut ihren eigenen Worten.

Wenn man dann noch die früheren Aussagen von Frau Professor Kemfert zum Thema der Gaspipeline Nordstream 2 hört, kommt man aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Sie sagt, wir brauchen die Pipeline nicht, dabei liefert die nicht nur das Gas für Gaskraftwerke, die momentan der wichtige, flexible Puffer für Wind und Solar sind, sondern auch die Wärme für Millionen von Haushalten und Gebäuden. Es bleiben nach diesem Interview Widersprüche, dünne Argumente, neue Buzzwords aber leider nichts Konkretes. Und das soll nun eine Bewerbung für den Expertenrat der Bundesregierung in Sachen Klimaschutzgesetz sein?