Scheidender DFG-Präsident fordert Klimawissenschaftler auf, abweichende Meinungen nicht zu unterdrücken

Prof. Dr. Peter Strohschneider war sieben Jahr lang Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Nun verlässt er den Posten. Der FAZ gab er am 16. Dezember 2019 ein bemerkenswertes Interview, das Sie auf keinen Fall versäumen sollten. Er kritisiert offen Klimawissenschaftler, die sich als Politiker aufführen und sich einem konstruktiven Dialog mit Andersdenkenden verschließen. Es ist symptomatisch für das vergiftete wissenschaftliche Klima in Deutschland, dass Strohschneider dieses Interview erst in den allerletzten Tagen im Amt geben konnte. Lesen Sie in der FAZ (leider kostenpflichtig, es lohnt sich aber):

DFG-Präsident : Wer sagt dem König, dass die Füchse auch nicht alles wissen?

FAZ: Herr Strohschneider, nach so langer Zeit in der Wissenschaftspolitik, erst als Vorsitzender des Wissenschaftsrats, dann als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), haben Sie jetzt wieder wissenschaftliche Pläne?

STROHSCHNEIDER: Ja, als Erstes habe ich mir einen Essay vorgenommen, der vielleicht „Vorbehaltlichkeit“ heißen könnte. Darin soll es um Motive gehen, die mich in den letzten Jahren immer wieder beschäftigt haben – Populismus, Exekutivtechnokratie und Szientokratie.

FAZ: Sie sehen einen Zusammenhang zwischen Populismus, Technokratie und der Wissenschaft?

STROHSCHNEIDER: Jedenfalls eine Strukturähnlichkeit, würde ich sagen. In der pluralistischen Gesellschaft muss man zu einer gewissen Vorbehaltlichkeit in der Lage sein. Man muss Positionen vertreten und zugleich anerkennen, dass andere andere Positionen haben, die ebenso legitim sein können. Im demokratischen Verfassungsstaat steht politische Macht unter einer vergleichbaren Vorbehaltlichkeit: Gesetzesvorbehalte, Gerichtsvorbehalte, Mehrheiten können zu Minderheiten
werden und umgekehrt, Gesetze entstehen in mehreren Lesungen, welche Reflexion und Kompromisse ermöglichen – vielfältige Formen von Vorbehaltlichkeit, wenn Sie so wollen. Auch die methodische Skepsis der Wissenschaft wäre schließlich ein solcher Modus von Vorbehaltlichkeit. Die aber gerät vielfältig unter Druck, in der Gesellschaft etwa durch Hypermoralisierung oder in der Politik durch den populistischen Anspruch, es gebe ein homogenes Volk und der populistische Führer kenne immer schon dessen Willen, so dass es auf Interessenausgleich und politische Aushandlung gar
nicht mehr ankomme. Und auch in dem, was ich Szientokratie nenne, also in der Annahme, Forschung könne nicht nur sagen, was der Fall ist, sondern auch, was der Fall sein solle, ist jene methodische Skepsis de facto kassiert, die man wissenschaftstheoretisch unterstellen muss.

FAZ: Wo sehen Sie denn eine solche Szientokratie?

STROHSCHNEIDER: Greta Thunberg ist unter dem Motto „Unite behind the Science“ nach New York gesegelt. Die Wissenschaften gibt es da nur noch im Singular. Und sie sind etwas, hinter dem man sich wie die Jünger hinter Jesus versammeln soll. Aber man muss doch religiöse Gewissheiten vom methodisch verlässlichen, auf Revidierbarkeit hin angelegten Wissen der Wissenschaften unterscheiden. Die europäischen Bürgerkriege des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts haben gelehrt, dass man das Leben in der Wahrheit vom Leben in Frieden entkoppeln muss. Wenn jetzt wieder die Anknüpfung politischer Legitimität an Wahrheitsbesitz erfolgreich betrieben würde, dann entschieden nicht mehr politische Mehrheiten, und wer abwiche, gehörte dann nicht zu jener Minderheit, die beim nächsten Mal wieder Mehrheit sein kann, sondern er wäre dann ein Wahrheitsleugner, der aus dem Leben in der Wahrheit exkludiert werden müsste.

Unbedingt weiterlesen in der FAZ

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Vor einigen Tagen berichteten wir an dieser Stelle über ein kritisches Klima-Buch von Rex Fleming, das der Springer-Verlag offenbar aus dem Verkehr gezogen hat. Ein Blogleser schrieb uns, dass das Buch offenbar bei VitalSource zum Preis von €29,74 noch erhältlich sei. Das Buch ist auch in der Online-Bibliothek Scribd verfügbar.

Auch das wissenschaftliche Paper von Rex Fleming aus dem Jahr 2018, auf dem sein Buch basiert, ist online verfügbar, z.B. hier bei Researchgate.

Wer nicht gleich 29 Euro in das Buch von Rex Fleming investieren möchte, der kann zunächst ein ausführliches Interview mit ihm anhören, das James Delingpole im Juli 2019 mit Fleming geführt hat. Es findet sich in seinem Delingpod Podcast sowie auf Youtube:

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Ein Blogleser macht sich Gedanken zur den kürzlichen EU-Beschlüssen zur Klimaneutralität 2050, die wir hier gerne abdrucken:

EU Beschlüsse sind naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbar.

1) Fehlende Zuordnung der CO2 Senken
Wo wäre in der EU die zugeordnete CO2 Senke, in der die angestrebte restliche CO2 Emission eingebunden werden müsste, damit am Ende in der Bilanz eine CO2 Neutralität entsteht? Aus der Politik hört man diesbezüglich nichts. Was ist, wenn diese Senke(n) (Wiederaufforstungen) mehrfach für CO2 Neutralität durch andere Wirtschaftsgemeinschaften benutzt werden? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Eine nachhaltige Lösung wären Aufforstungen ohnehin nicht, sondern nur ein Aufschub für ca. 100 Jahre.

2) Fehlende Bezugsgröße für die CO2 Neutralität
Von jeder emittierten Tonne Kohlenstoff tragen nur ca. 50% zum Anstieg des CO2 Gehaltes in der Atmosphäre bei. Die andere Hälfte verschwindet. Der Verbleib ist bis heute nicht vollständig geklärt (sog. „Airborne fraction CO2“). Worauf beziehen die Politiker ihre Zielemission im Jahr 2050? Auf den Anstieg in der Atmosphäre, der für die Erwärmung verantwortlich sein soll, oder auf die tatsächliche anthropogene Emission der EU? Die Wirksamkeit aller Maßnahmen erhält damit eine Schwankungsbreite von 100% ! Bei Kosten von 1 Billion Euro, …..

3) Keinen Einfluss auf den atmosphärischen CO2 Gehalt
Eine Abnahme des CO2 Gehaltes ist nicht möglich, da eine Senkung des Partialdruckes sofort zu einer CO2 Ausgasung aus dem gesättigten Oberflächenwasser der Weltmeere führen würde. Der CO2 Gehalt würde also im günstigsten Fall auf heutigem Niveau verharren.
Wenn dies das angestrebte Ziel der EU Politiker und Klimawissenschaftler ist, dann haben wir aber den „point of no return“ bereits überschritten, denn hinzu kämen noch die natürlichen Emissionen und Folgeeffekte der bisherigen Erwärmung. Die Klima Lobby behauptet: „es sei noch nicht zu spät“. Dieser Prozess lässt sich nicht mehr stoppen, egal welche Maßnahmen man ergreift und wie viel Geld dafür bereitgestellt wird.

4) Widersprüche der Klima Lobby
Wenn der heutige CO2 Gehalt in der Atmosphäre die wirkliche und alleinige Ursache für den Temperaturanstieg wäre, dann könnte selbst eine globale, weltweite  Klimaneutralität diese fortschreitende Entwicklung nicht mehr aufhalten, da der erreichte CO2 Gehalt nicht mehr gesenkt werden kann. Die Lobby widerspricht sich damit: Entweder es ist noch nicht zu spät, dann kann aber die Annahme über die Ursache des Temperaturanstiegs nicht richtig sein, oder letztere ist richtig, dann ist es aber bereits zu spät, viel zu spät!!!

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Deutsche Wirtschaftsnachrichten am 15.12.2019 (kostenpflichtig):

Hunderte neue Kraftwerke im Bau: Die Welt setzt auf die Kohlekraft

Die Erzeugung von Energie aus Kohle erlebt weltweit einen Boom.

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China lässt die Förderung der Elektromobilität auslaufen. Damit ist der Verbrennungsmotor zurück im Spiel. Wasserstoff, Methanol und synthetische Kraftstoffe sind die Zukunft, sagt Linde-Aufsichtsrats Wolfgang Reitzle im Podcast bei Gabor Steingart.

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Ökonomin Claudia Kemfert kritisiert im MDR die Nordstream 2 Gaspipeline. Leider vergisst sie, dass Gas eng an die Erneuerbaren Energien gekoppelt ist. Gaskraftwerke sind flexibel und können die Lücken bei volatilen Energiequellen wie Wind oder Sonne sehr effektiv ausgleichen. Der Anteil von Gas wird als Schattenkapazität zu Erneuerbaren Energien vermutlich sogar noch steigen.