Roger Pielke Jr: Wie man mich zum Klimaleugner machte

Greta segelt nach Nordamerika. Aber ist sie dort eigentlich willkommen? New York Times am 2. August 2019:

The Problem With Greta Thunberg’s Climate Activism: Her radical approach is at odds with democracy.

Climate activists in Western Europe had already been radicalizing for some time when record heat engulfed the Continent last month. The high reached 109 degrees in Paris two Thursdays ago. Yet many environmentalists have come to believe that extreme weather alone will never spur Europeans to give up fossil fuels. Nor will talking about it. Provocations and disruption are needed.

The problem is not that Europeans think like Americans, 13 percent of whom say human activity is “not responsible at all” for global warming. Europeans are less cynical about official accounts of climate change that come from the United Nations and various universities. The problem, rather, is that Europeans act like Americans, holding tight to their driving and consuming habits.

Climate activists have therefore changed their emphasis. No more eliciting pieties by explaining what happens when carbon dioxide rises past 400 parts per million. Better to use the specter of imminent self-extinction to rally the public behind actions like banning cars from city centers and halting new oil exploration.

This new focus may have the virtue of conveying urgency. But it is going to bring the climate protesters into conflict with democracy, whether they realize it or not.

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Roger Pielke Jr im Juli 2019 in der Weltwoche:

Wie man mich zum Klimaleugner machte

Es gibt aufgrund der Klimaerwärmung nicht mehr Naturkatastrophen: Wegen dieser Erkenntnis, die der Weltklimarat (IPCC) teilt, geriet ich als Wissenschaftler unter Beschuss.

Ich zweifle nicht daran, dass es den Klimawandel gibt und dass wir etwas gegen die Risiken der Treibhausgase machen müssen. Aber meine Forschung führte mich zu Ergebnissen, die den Klima-Alarmisten missfallen: Es gibt kaum Belege dafür, dass Hurrikans oder Tornados, Fluten oder Dürren häufiger oder stärker werden. Tatsächlich leben wir in einer glücklichen Zeit, was die Wetterextreme angeht.

Das ist eine Frage, die ich studiert und zu der ich publiziert habe, und zwar so viel wie kaum jemand sonst in den letzten zwei Jahrzehnten. Meine Schlüsse mögen falsch sein; aber ich meine, ich habe mir das Recht verdient, meine Forschungsergebnisse zu verbreiten, ohne dass ich dadurch meine akademische Karriere gefährde.

Meine Arbeit stand aber jahrelang unter Dauerbeschuss von Aktivisten, Journalisten und Politikern. So schrieb 2011 das Magazin Foreign Policy, ich gälte als Klimaleugner, weil ich «gewisse Grafiken in IPCC-Reporten anzweifeln würde». Das heisst: Ein Akademiker geriet in Verruf, weil er in seinem Fachgebiet Fragen zur Arbeit des IPCC stellte – ein Beleg für das Gruppendenken, das in der Klimadebatte herrscht.

Ja, ich stellte den IPCC-Report von 2007 in Frage, und zwar weil eine Grafik darin zeigte, dass die Kosten von Naturkatastrophen wegen der globalen Erwärmung stiegen. Später stellte sich heraus, dass sich die Grafik auf ungenaue oder gar frei erfundene Informationen stützte. Der Forscher Robert Muir-Wood, der für Versicherungen arbeitet, hatte die Grafik in den IPCC-Report geschmuggelt. 2010 führte ich in London eine öffentliche Debatte mit ihm; dabei räumte er ein, er habe gehofft, mit seiner Forschung den Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und zunehmenden Katastrophenkosten belegen zu können.

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Am 9. August 2019 erinnerten wir hier im Blog an den Fall Ghoramara. ScienceFiles griff den Vorfall auf und berichtete ausführlich:

Wenn Fundamentalisten Nachrichten gestalten. Eine Posse aus der ARD

Zugleich ein Nachruf auf Kai Gniffke, der fortan beim SWR Berichterstattung intendieren wird.

Anfand Dezember 2018 hat die ARD passend zum Treffen des Klima-Alarmisten-Wanderzirkusses in Kattowitz von der Insel Ghoramara berichtet. Die Insel Ghoramara ist eine indische Insel. Sie liegt in der Mündung des Ganges und somit außerhalb der Reichweite der Nachrichtenkonsumenten der ARD. Die Gefahr, dass einer, dem von der ARD eine Geschichte über Ghoramara erzählt wurde, nach Ghoramara fährt, um zu prüfen, ob auch stimmt, was ihm erzählt wurde, ist demnach gering.

Wenn in der ARD über Inseln, die Indien vorgelagert sind, berichtet wird, dann kann man fest davon ausgehen, dass es entweder um Umweltverschmutzung oder um die von der ARD so heftig beworbene Klimakatastrophe geht, jene, als deren Folge die „Insel im Meer versinkt“. Sie kennen die Erzählung. Erde wird wärmer. Eis schmilzt. Meeresspiegel steigen. Inseln versinken im Meer. Redakteure freuen sich. Vernehmlich weibliche Klimaaktivisten weinen.

Das narrative Versenken der Insel Ghoramara ist einer der Katastrophenberichte, die die ARD so regelmäßig unter das Volk bringt, damit der Konsument der öffentlich-rechtlichen Kost auch die Geschichte vom menschengemachten Klimawandel frisst.

Der Bericht über die Insel Ghoramara, die wie wir gerade in Google Earth geprüft haben, immer noch nicht untergegangen ist, wohl sehr zum Leidwesen derjenigen, die die Klimakatastrophe so sehnlich herbeiwünschen, hat den Ärger von Dr. habil. Sebastian Lüning, der manchen Lesern vielleicht durch das mit Fritz Vahrenholt publizierte Buch „Die Kalte Sonne“ bekannt ist, erregt.

Lüning ärgert sich nach unserer Beobachtung über Dinge, über die wir uns auch ärgern, zum Beispiel darüber, dass Klimaalarmisten grundsätzlich außer Stande zu sein scheinen oder unwillig zu sein scheinen, mehr als eine Variable zu berücksichtigen, wenn es darum geht, ein Phänomen zu erklären. Gestern hatten wir das Beispiel einer Reihe von Mitgliedern der Charité, die ihren Lesern partout einreden wollen, Wundinfektionen würden WEGEN des Klimawandels zunehmen, ganz so, als hätten die Art der Operation, die Fähigkeit des Operateurs, die Hygiene in Krankenhäusern, das Alter und die Krankheitsgeschichte des Patienten und viele andere Variablen keinerlei Einfluss auf die Frage, ob eine Wundinfektion auftritt oder nicht.

Diese Unfähigkeit oder Unwilligkeit, Ersteres aus Dummheit, Letzteres aus Boshaftigkeit oder Opportunismus ist auch in der ARD-Redaktion vorhanden, in der – wie in vielen Redaktionen – Fundamentalisten sitzen, Fundamentalisten deshalb, weil sie nicht bereit sind in Rechnung zu stellen, dass ein Phänomen eine andere Ursache haben könnte als die, die sie ihren Konsumenten aus ideologischen Gründen vermitteln wollen. Das macht sie zwangsläufig zu Fundamentalisten, denn wären sie bereit, die Existenz alternativer Erklärungen zur Kenntnis zu nehmen, ihr Glaube an die Richtigkeit der eigenen Überzeugung würde in sich zusammenfallen.

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