Robert Habeck zieht Bilanz und entdeckt die Realität – etwas

Das war schon clever gemacht. Zu Beginn seiner Amtszeit als Superminister macht Robert Habeck Kassensturz. In einer Pressekonferenz erklärt er, was seiner Meinung nach schiefläuft bzw. gelaufen ist. Das ist ein übliches Verfahren, denn der Amtsvorgänger kann sich in der Regel schlecht verteidigen. Zwar vermied Habeck die direkte Schuldzuweisung, aber jeder, der die Konferenz gesehen hat, wusste, dass er erst einmal die Schuld bei der vorherigen Regierung sucht.

(Abbildung: Screenshot BMWI.de)

Die Aussagen von Habeck waren schon interessant und für einen Grünen vermutlich sogar sensationell. Wurde von den Grünen bisher die Physik weitestgehend geleugnet mit Slogans wie Grundlast ist überholt und man bräuchte lediglich eine angebotsorientiere Stromversorgung, taucht nun das erste Mal das Wort Dunkelflaute aus einem Grünen Mund auf.
Habeck erklärt, dass Deutschland zukünftig Gaskraftwerke braucht, um die Zeiten mit zu wenig Wind und/oder keiner Sonne abzupuffern. Das klingt schon ganz anders als es viele Energieexperten wie Hans-Josef Fell oder Claudia Kemfert immer wieder erklärt haben.

Auch Wunderspeicher, so wie Fell sie immer wieder ins Spiel bringt, tauchen in seiner Präsentation nicht auf. Gas ist insofern spannend, weil die Grünen hier einerseits eingestehen, dass es ohne Backups nicht geht, gleichzeitig aber die Gaspipeline Nordstream 2 massiv kritisieren. Was denn nun? Zukünftig soll es dann auch Wasserstoff richten. Mehrfach beschwor Habeck den “Hochlauf” der Produktion. Da aber schlägt die Physik dann doch wieder zu. Die Wirkungsradverluste wird auch er als Minister nicht wegregulieren können. Wer für 1 Euro Wasserstoff haben möchte, muss vorher 4 Euro investieren. Man könnte auch sagen, es wird teuer, sehr teuer, weil man sehr viel Strom für dieses Vorhaben braucht.

Deutschlands Strombedarf wird also steigen, vor allem wenn Habecks Plan Wirklichkeit werden soll, noch viel mehr Wärmepumpen als Ersatz von Gas- und Ölheizungen einzusetzen. Dazu kommt die Elektrifizierung des Verkehrs usw. All das ist/wäre auf eine gesicherte Versorgung angewiesen. Habeck wird daher wissen, warum er auf Gas setzt, auch wenn er sich bemüht zu erklären, dass diese Kraftwerke zukünftig etwas anderes als fossile Brennstoffe verbrennen sollen z. B. den teuren hierzulande produzierten Wasserstoff.

Warum Habeck, so wie viele andere auch, auf ein autarkes Deutschland setzt, erschließt sich nicht.
Deutschland war immer auf den Import von Energie angewiesen, das wird zukünftig nicht anders sein. Blöderweise hat Deutschland aber nicht die besten Voraussetzungen, um hier Selbstversorger in Sachen Wind- und Solarstrom zu werden. Dennoch scheint Habeck aber immer noch von einer solchen Illusion zu träumen. Vor diesen Hintergründen erscheint die Aufregung der Grünen in Sachen Taxonomie der EU (Gas und Kernenergie) reichlich aufgesetzt. Eigentlich sollten die Grünen der EU dankbar sein, denn welcher Betreiber errichtet schon ein Gaskraftwerk, von dem er weiß, dass er es nach Fertigstellung gleich wieder abschalten darf.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

Im Heute-Journal am Tag der Pressekonferenz durfte Habeck dann noch etwas weiter ausführen. Als Schriftsteller fiel es ihm nicht schwer mit der Grünen-DNA elegant zu brechen. Umwelt- und Naturschutz, so erklärte Habeck verklausuliert, fallen halt bei der Güterabwägung hinten runter. Pech gehabt für die einstmals so wichtigen Themen der Grünen. Wer sich auf so etwas wie Umweltschutz oder gar Rechtstaatlichkeit beruft, der ist schlicht ein Verhinderer in den Augen Habecks. Dass der Grüne Habeck sogar weitestgehend von “das kann auch Spaß machen”, im Zuge von möglichen Umwelt- und Naturzerstörung spricht, das kann schon nachdenklich machen. Philosophisch seine Antwort auf die Frage, warum die finnischen Grünen denn hinter der Kernenergie stehen. Jedes Land könne das machen, wie es das möchte, meinte Habeck. Das ist insofern interessant, weil die EU es offenbar nicht machen darf, wie sie es für richtig hält.

Was bleibt am Ende? Habeck will jetzt schnell Gesetzesvorhaben umsetzen. Das wird bei aller Eile auch noch mindestens bis zum Sommer 2022 dauern. Selbst wenn dann neue Gesetze gelten sollten, wird bis zur Umsetzung und den möglichen Resultaten noch einmal Zeit vergehen. Vorsichtshalber hat der Minister schon mal angekündigt, dass Deutschland seine Klimaziele für 2022 und 2023 verfehlen wird. Wenn Habeck Pech hat, dann werden die Jahre 2024 und 2025 auch nicht der große Wurf, weil einige Pflichten wie z. B. Solardach bei Neubauten erst dann gelten. Ob das etwas bringt, ist ohnehin fraglich, weil er die Nächte und die Bewölkung schwer wegreguliert bekommt. Aber dann ist auch schon wieder die nächste Wahl. Hatten die Grünen nicht vor dem September 2021 immer wieder erklärt, die nächste Regierung ist die letzte, die Deutschland noch retten kann? Wahrscheinlich war das wieder “alles genau durchgerechnet” © Annalena Baerbock.

Spätestens nach der Habeck-Präsentation dürfte aber auch klar sein, dass die Grünen, die die letzten Jahre so gern Seite an Seite mit Fridays-For-Future (FFF) Demonstranten gelaufen sind, nun der erklärte Feind der Bewegung sind. Es ist halt ein Unterschied aus der Opposition etwas zu fordern oder als Regierung die harten Realitäten anzuerkennen. Clara Reemtsma von FFF sprach schon kurz nach der Pressekonferenz von einen Bruch der Versprechen mit Ansage. Es könnte spannend werden zu sehen wie die Grünen mit dieser Art von Friendly Fire umgehen werden.

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Leserpost von Reinhard Storz:

Maßnahmen gegen den Klimawandel in Deutschland wirken sich offensichtlich zunehmend auf die Verbraucherpreise und die Wirtschaft als Ganzes aus.

Als Zeitungsleser wird man in diesen Tagen im Kölner Bereich beispielsweise mit folgenden Nachrichtenüberschriften konfrontiert:

Internet belastet das Klima. CO2- Emissionen wie im Flugverkehr.

Wirtschaft warnt vor Abwanderung wegen Klimakosten.

Deutliche Lohnsteigerungen erwartet.

(Alles im Kölner Stadt Anzeiger vom 3.1.2022 auf Seite 7)

Strompreis steigt drastisch. Rheinenergie erhöht Strompreis für Neukunden von 29 auf 72 Cent.

Forderungen nach Preiserhöhungen. Der Handelskonzern REWE sieht sich zurzeit mit einer Welle von Preisforderungen aus der Lebensmittelindustrie konfrontiert.

(Beides im Kölner Stadt Anzeiger vom 3.1.2022 auf Seite 9)

Länger warten und mehr bezahlen. Die Preise für viele Materialien sind deutlich gestiegen, mit Folgen für Handwerk und Kunden.

(Kölner Stadt Anzeiger vom 29.1.22021 auf Seite 10)

Fazit:

Aus diesen und anderen Überschriften erkennen wir, dass sich die Erhöhung der Energiepreise zwecks Klimaschutz nicht nur beim Heizen mit Erdgas oder Heizöl, beim Stromverbrauch oder an der Tankstelle bemerkbar machen.

Praktisch bei allen Gütern des täglichen Lebens ist im Preis ein Anteil Energiekosten enthalten. Das gilt nicht nur für Stahl, Aluminium oder Kunststoffe, die beispielsweise in der Automobilherstellung verwendet werden, sondern auch für den Holzbedarf und dessen Verarbeitung in der Möbelindustrie. Der Anteil am Verkaufspreis kann bei weniger als 10%, aber auch bei um die 90% liegen.

Ebenso ist es bei den Lebensmitteln. Nehmen wir als Beispiel das tägliche Brot. Der Acker muss mit dem Traktor gepflügt werden, es muss die Saat eingebracht werden, gedüngt und das Getreide geerntet werden. Dafür wird Treibstoff benötigt, dessen Preis steigt. Das Getreide muss mit Energie zu Mehl verarbeitet werden und anschließend aus dem mit Energie zum Bäcker transportiertem Mehl mit Energie für den Backofen das Brot hergestellt werden. Kosten für Beheizung und Beleuchtung der Bäckerei kommen auch noch hinzu. So ist verständlich, wieso bei steigenden Energiepreisen das Brot teurer wird. Und das gilt nicht nur für das Brot. Wie man in der oben genannten Überschrift erkennt, sieht sich der Handelskonzern REWE zurzeit mit einer Welle von Preisforderungen aus der Lebensmittelindustrie konfrontiert. Und das wird bei anderen Lebensmittelhändlern nicht anders sein. So müssen wir Verbraucher die in den Lebensmittelpreisen enthaltenen Energiepreiserhöhungen begleichen.

Ebenso sieht es beim Handwerk aus, welches die gestiegenen Beschaffungskosten natürlich an die Kunden weitergibt.

Die Herstellung von Zement ist sehr energieintensiv.  Ebenso die Herstellung von Stahl. Daher werden die Preise für die Errichtung von Wohnungen, Einfamilienhäuser, aber auch von Autobahnbrücken und öffentlichen Gebäuden sich merklich erhöhen.

Alle diese zusätzlich erforderlichen Gelder werden wir als Kunden oder als Steuerzahler schultern müssen. Unsere Geldbörsen werden also dadurch merklich dünner. Da ist es nicht verwunderlich wenn nach deutlichen Lohnsteigerungen gerufen wird.

Preiswerte Energie wurde früher als Schmiermittel für die Wirtschaft bezeichnet.

Mit der Erhöhung der Energiepreise wird gewissermaßen Sand in das Getriebe der Wirtschaft gestreut.

Meine Erkenntnis aus diesen Zusammenhängen ist:

Die Folge ist steigende Inflation. Wir werden uns in Zukunft für unser Geld durch die Verteuerung von Energie weniger von Allem kaufen können.

Wenn unser Land weiterhin vorpreschen will in Richtung Klimaschutz und die Wirtschaft dadurch in einer Weise belastet, wie sie andere Industrieländer nicht zu tragen haben, werden wir im Export unserer Produkte zurückfallen, weil andere zu niedrigeren Preisen gleichwertige Waren anbieten können. Steigende Arbeitslosigkeit in unserem Land wäre die Folge.

Mich tröstet, dass ich offensichtlich mit meinen Befürchtungen nicht allein bin. Im Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks fand ich beispielsweise einen Hinweis auf eine Sendung am 20. Januar mit dem Titel: “Eigenheim nur noch etwas für Reiche?“

Mal sehen zu welchen Erkenntnissen die Reporter in diesem Beitrag kommen.

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t-online am 10.1.2022:

Politische Alleingänge: Nun rächen sich die größten Fehler der Angela M.

Überhastet steigt Deutschland aus der Atomenergie aus. Nun leidet die Ampelkoalition unter der Fehlentscheidung von Angela Merkel. Denn die Bundesrepublik ist in Europa isoliert.

Weiterlesen bei t-online

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Interessantes Interview mit Stefan Aust über Habecks Klima-Pläne:

„Eine Illusion, die für dieses Land gefährlich werden kann“

Hier geht es zum Video.

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Bild kritisiert WDR-Beitrag:

„Entspannt in den Blackout“: WDR verharmlost Stromausfälle

Der WDR stimmt die Deutschen schon einmal auf Strom-Ausfälle ein, falls es mit der Energiewende doch nicht so toll klappt…

„Entspannt in den Blackout“ heißt eine „fröhliche“ Bilderfolge auf dem WDR-Instagram-Kanal „klima.neutral“, mit der Tipps für mögliche Stromausfälle gegeben werden.

Weiterlesen bei Bild

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Welt am 10.1.2022:

Niederlande beschweren sich bei Habeck über hohen deutschen Gasbedarf

Weiterlesen in der Welt

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phys.org am 11.1.2022:

Brrr! Some schools close as extreme cold grips US Northeast

A mass of arctic air swept into the Northeast on Tuesday, bringing bone-chilling sub-zero temperatures and closing schools across the region for the second time in less than a week.

Weiterlesen bei phys.org