Robert Habeck erneut auf Gas-Shopping-Tour

Woher kommt der Strom für all die E-Autos? Der Artikel aus der Wirtschaftswoche ist zwar schon ein Jahr alt, dürfte aber immer noch Gültigkeit haben.

“Aber wie viel CO2 verursacht nun wirklich, wer nicht auf 100 Prozent Grünstrom ab 2045 oder später warten will und heute schon ein E-Auto kauft? Und um wie viel Strom für die E-Autos geht es? McKinsey hat berechnet, dass die durch die neuen EU-Ziele bis 2030 benötigten rund 65 Millionen E-Autos den jährlichen Strombedarf der EU gegenüber heute um vier Prozent steigen lassen werden. In Deutschlandbräuchte eine komplett elektrische Pkw Flotte von 47 Millionen Autos rund 120 Terawattstunden (TWh) pro Jahr, also etwa 15 Prozent der heutigen Bruttostromerzeugung. Insgesamt würde der Energiebedarf des Verkehrs durch seine Elektrifizierung zwar sinken, weil E-Autos effizienter als Diesel und Benziner sind, aber der Stromverbrauch nähme zu. 

Und wie viel CO2 sparte das ein? Das kommt dann vor allem auf den Strommix an, mit dem man diese E-Autos lädt. Geht man davon aus, dass Elektroautos übers Jahr gesehen ungefähr den Durchschnittsstrom laden, ist ihr indirekter Klimafußabdruck leicht zu errechnen: Man benötigt ihren Verbrauch (in kWh pro Kilometer), und die Menge an CO2, die im Jahresmittel mit dem deutschen Kraftwerkspark pro kWh anfällt.”

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Wegen des Ukraine-Kriegs will die Union den Atomausstieg verschieben. Das berichtet die Bild.

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Der Klimawandel sorgt dafür, dass die Alpen grüner werden. Das ist offenbar schlecht. Forscher warnen laut Tagesschau vor einem Verlust der Biodiversität.

Der Klimawandel bedroht damit die große Artenvielfalt, die es im Gebirge gibt. „Das Ausmaß der Veränderung hat sich in den Alpen als absolut massiv herausgestellt“, sagt Sabine Rumpf von der Universität Basel. Pflanzen besiedelten neue Gebiete und die Vegetation werde generell dichter und höher. Dieser Effekt könnte die spezielle Alpen-Flora bedrohen. „Alpenpflanzen sind an raue Bedingungen angepasst, aber nicht sehr konkurrenzfähig“, sagt Rumpf. Wenn sich die Umweltbedingungen änderten, würden diese spezialisierten Arten ihren Vorteil verlieren und von anderen Arten verdrängt. „Die einzigartige Biodiversität der Alpen steht daher unter erheblichem Druck“, so die Forscherin weiter.

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Videotipp: 6 Probleme der globalen Energiewende. So lautet der Titel eines etwa einstündigen Vortrags von Professor Hans-Werner Sinn. Entstanden ist es beim 4pi-Klima-Symposium in Konstanz im Mai 2022.

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Die Energiewende ist ein Sanierungsfall. Das meint das Handelsblatt in einem Artikel (Bezahlschranke) und spielt auf die enormen Preissteigerungen an sowie die Versorgungssicherheit.

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Windkraftanlagen sollen demnächst das Landschaftsbild am Bodensee prägen. Das kann man einem Artikel in der Zeit entnehmen.

“Der Bürgermeister der Gemeinde Öhningen, Andreas Schmid, sagte, er könne bisher «nicht abschätzen, wie sich das auf die Besucher und den Tourismus auswirkt». Klar sei der Eingriff ins Landschaftsbild das Hauptargument gegen die Anlagen. «Wichtiger ist aber die Meinung der Bürgerinnen und Bürger, die 365 Tage im Jahr mit den Anlagen leben müssen», sagte Schmid. «Hier gilt es abzuwägen, was mehr Gewicht hat – das Landschaftsbild oder die Erzeugung von regenerativer Energie.”

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Hans Ambos, ehemals Leiter der Radiochemie im Kernkraftwerk Biblis, hat Fragen an Robert Habeck. Dabei streift er von Wind- und Solar bis zur Energiemangelwirtschaft zahlreiche Themenfelder. Ob er eine Antwort auf seinen offenen Brief bekommt?

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In einem Meinungsartikel bei der Ludwig-Erhard-Stiftung schreibt Dr. Rupert Pritzl vom Bayerischen Wirtschaftsministerium zur Klima- und Energiedebatte.

“Die tatsächliche Wahrheit und damit die Wirklichkeit ist aber leider eine andere. Schon die am 11.1.2022 von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck vorgelegte „Eröffnungsbilanz Klimaschutz“ war ein Offenbarungseid der gescheiterten deutschen Klimapolitik. Die euphemistische Formulierung darin lautet: „Die Ausgangslage könnte kaum herausfordernder sein“ – Aber bedeutet das nicht im Umkehrschluss ein völliges Scheitern der mit Hunderten von Milliarden Euro finanzierten Klimapolitik in Deutschland? Hat nicht der Sachverständigenrat schon im Jahr 2019 die deutsche Energie- und Klimapolitik als „ineffizient, kleinteilig, teuer und (weitgehend) wirkungslos“5) bezeichnet? Und leiden wir in Deutschland nicht unter den höchsten Strompreisen in Europa und scheitern dennoch jedes Jahr an den selbstgesteckten Zielen der Emissionsminderung?

Und stellen wir nicht umfangreiche Deindustrialisierungsprozesse von ca. 25 bis 45 Prozent in der Metallerzeugung, Papierindustrie und Baustoffindustrie in den vergangenen 25 Jahren in Deutschland fest? – Im Hinblick auf die „Eröffnungsbilanz Klimaschutz“ sollte man bedenken, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Regierungszeit weitgehend die energie- und klimapolitischen Forderungen der Grünen umgesetzt hatte, was Robert Habeck ja nicht ohne Selbstbestätigung freimütig einräumt.

Mit der „Eröffnungsbilanz Klimaschutz“ setzt daher die Ampel-Regierung die bisherige Energie- und Klimapolitik noch ambitionierter und forcierter fort und strebt eine Verdoppelung und Verdreifachung der Ausbaugeschwindigkeit für erneuerbare Energien bis 2030 an. – Es ist frappierend, wie weit gefühlte Wahrheit und tatsächliche Wahrheit in der Klimapolitik auseinanderliegen!”

Hier weiterlesen.

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Linda Teuteberg von der FDP kritisiert laut Welt die Pläne der Bundesregierung NGOs zu finanzieren. Viele solcher Organisationen sind längst zu Near Goverment Organisationen geworden, allerdings ohne selbst demokratische Grundsätze zu beherzigen. Ein Beispiel dafür ist die Deutsche Umwelthilfe DUH, die als Closed Shop gilt. Man kann dort nicht wie in ordentlichen Vereinen Mitglied werden (nur Fördermitglied, also zahlen ohne Mitbestimmung). Das ist das Gegenteil von Demokratie, sondern das Bilden von Wagenburgen. Warum sollte ein Staat solche Institutionen fördern?

Es geht aber noch besser, wie Fridays For Future FFF zeigt. Wie kann man in einer solchen losen Bewegung eigentlich Sprecherin werden? In einem Verein würde es Wahlen mit Kandidaten geben. Zwar bekommt FFF offenbar keine Gelder des Staates, es ist aber ein gutes Beispiel für intransparente Aktionen. Das ist prädestiniert für Lobbyismus, der dann allerdings schön getarnt ist und von dem Lobbyierten auch noch bezahlt wird.

“Die FDP-Innenpolitikerin Linda Teuteberg hat Zweifel an den Plänen der Bundesregierung geäußert, mit dem Demokratiefördergesetz zivilgesellschaftliches Engagement gegen Extremismus finanziell abzusichern. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) werde „oftmals eine Bedeutung beigemessen, die ihnen nicht zukommt“, sagte Teuteberg der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Sie sind ihrerseits nicht demokratisch legitimiert, sondern betreiben eine Art Lobbyismus.“

Es sei ein Widerspruch in sich, „sich ostentativ als Zivilgesellschaft zu bezeichnen und dann den Anspruch zu erheben, vom Staat finanziert zu werden“, kritisierte Teuteberg. Die FDP-Politikerin ist Berichterstatterin ihrer Fraktion für das Gesetz.”

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Wirtschaftsminister Habeck ist wieder auf Einkaufstour für Gas. Ziel ist der Nahe Osten, unter anderem auch Israel. Das Land verfügt über große Gasvorkommen im Mittelmeer, für deren Exploration aber zunächst Infrastruktur gebaut werden müsste. Ein Dilemma für ihn bzw. die Politik seiner Partei. Wer wird schon investieren, wenn der Absatz in Deutschland endlich ist?

Die Tagesschau berichtet:

“Auch über die Erschließung eines neuen Gasfeldes soll gesprochen werden. „Es fehlt noch immer Gas, wenn wir uns von Russland unabhängig machen wollen“, kündigte Habeck an.

Vor Ort fehlt die Infrastruktur, so dass es keinen kurzfristigen Gasexport nach Europa von dort geben wird. Eine Infrastruktur aufzubauen, die etwa 2027 fertiggestellt wäre „und dann nach fünf Jahren schon wieder rückgebaut werden muss, das macht dann auch keinen Sinn“, gab Habeck zu bedenken. Falls allerdings kurzfristig eine Kooperation mit Anrainerstaaten, die LNG-Terminals haben, zustande käme, „dann könnte das sicherlich helfen“. Schwerpunkt seiner Reise sei jedoch der Ausbau der erneuerbaren Energien.

Vor der israelischen Küste liegen große Erdgasfelder. Angesichts des russischen Angriffskrieges in der Ukraine will die Regierung gemeinsam mit Griechenland und Zypern ein zwischenzeitlich schon aufgegebenes Projekt für eine Gaspipeline durch das Mittelmeer nach Europa neu prüfen.”

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn:

Betreff: Fledermäuse und Windkraft

Sehr geehrte Damen und Herren,

eine kleine Anmerkung zum Blog vom 06.06.22. Es geht um einen Bericht „Fledermäuse gehören zu den Verlierern in Sachen Windkraft“. Es sind nicht die ersten Nachrichten, welche über Tierschlag durch die Windräder berichten. Diesmal sind es die Fledermäuse, welche anscheinend in großer Zahl durch die Windkraft getötet werden.

Und wieder einmal wird das Thema von den Grünen und Naturschutzorganisationen ignoriert. Wie wäre es denn, wenn sich die Deutsche Umwelthilfe einmal diesen Problemen widmen würde? Doch ich glaube da können wir lange warten.

Grüne und NGO´s, welche sich angeblich dem Umweltschutz verschrieben haben und nichts gegen diesen „Massenmord“ unternehmen, sollten sich den ganzen Tag nur schämen.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn

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Leserpost zu den eingeschränkten Vorhersagefähigkeiten des heutigen deutschen Bundespräsidenten:

In der Veröffentlichung von David C. Rode „Apocalypse now?“ wird unter anderem auf ein Interview mit dem damaligen Außenminister, heutigem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vom 03. Juni 2007 im Deutschlandfunk hingewiesen, dass die Politik nur noch 15 Jahre hat, um sicherzustellen, dass der Klimawandel sich nicht zu einer Katastrophe entwickelt. Die 15 Jahre sind nun verstrichen; hat es die angekündigten gravierenden klimatische Änderungen gegeben? Nein! Eigentlich sollte der Hinweis an unseren Bundespräsidenten gerichtet werden, aber seine Antwort kann man sich denken.

Hier die dazugehörige Pressemitteilung der Carnegie Mellon University aus dem Februar 2021:

The risks of communicating extreme climate forecasts

Apocalypse now? The all-too-common practice of making climate doomsday forecasts is not just bad science, it’s also a terrible way to communicate important information.

For decades, climate change researchers and activists have used dramatic forecasts to attempt to influence public perception of the problem and as a call to action on climate change. These forecasts have frequently been for events that might be called „apocalyptic,“ because they predict cataclysmic events resulting from climate change.

In a new paper published in the International Journal of Global Warming, Carnegie Mellon University’s David Rode and Paul Fischbeck argue that making such forecasts can be counterproductive. „Truly apocalyptic forecasts can only ever be observed in their failure — that is the world did not end as predicted,“ says Rode, adjunct research faculty with the Carnegie Mellon Electricity Industry Center, „and observing a string of repeated apocalyptic forecast failures can undermine the public’s trust in the underlying science.“

Rode and Fischbeck, professor of Social & Decision Sciences and Engineering & Public Policy, collected 79 predictions of climate-caused apocalypse going back to the first Earth Day in 1970. With the passage of time, many of these forecasts have since expired; the dates have come and gone uneventfully. In fact, 48 (61%) of the predictions have already expired as of the end of 2020.

Fischbeck noted, „from a forecasting perspective, the ‚problem‘ is not only that all of the expired forecasts were wrong, but also that so many of them never admitted to any uncertainty about the date. About 43% of the forecasts in our dataset made no mention of uncertainty.“

In some cases, the forecasters were both explicit and certain. For example, Stanford University biologist Paul Ehrlich and British environmental activist Prince Charles are serial failed forecasters, repeatedly expressing high degrees of certainty about apocalyptic climate events.

Rode commented „Ehrlich has made predictions of environmental collapse going back to 1970 that he has described as having ’near certainty‘. Prince Charles has similarly warned repeatedly of ‚irretrievable ecosystem collapse‘ if actions were not taken, and when expired, repeated the prediction with a new definitive end date. Their predictions have repeatedly been apocalyptic and highly certain…and so far, they’ve also been wrong.“

The researchers noted that the average time horizon before a climate apocalypse for the 11 predictions made prior to 2000 was 22 years, while for the 68 predictions made after 2000, the average time horizon was 21 years. Despite the passage of time, little has changed — across a half a century of forecasts; the apocalypse is always about 20 years out.

Fischbeck continued, „It’s like the boy who repeatedly cried wolf. If I observe many successive forecast failures, I may be unwilling to take future forecasts seriously.

That’s a problem for climate science, say Rode and Fischbeck.

„The underlying science of climate change has many solid results,“ says Fischbeck, „the problem is often the leap in connecting the prediction of climate events to the prediction of the consequences of those events.“ Human efforts at adaptation and mitigation, together with the complexity of socio-physical systems, means that the prediction of sea level rise, for example, may not necessarily lead to apocalyptic flooding.

„By linking the climate event and the potential consequence for dramatic effect,“ noted Rode, „a failure to observe the consequence may unfairly call into question the legitimacy of the science behind the climate event.“

With the new Biden administration making climate change policy a top priority, trust in scientific predictions about climate change is more crucial than ever, however scientists will have to be wary in qualifying their predictions. In measuring the proliferation the forecasts through search results, the authors found that forecasts that did not mention uncertainty in their apocalyptic date tended to be more visible (i.e., have more search results available). Making sensational predictions of the doom of humanity, while scientifically dubious, has still proven tempting for those wishing to grab headlines.

The trouble with this is that scientists, due to their training, tend to make more cautious statements and more often include references to uncertainty. Rode and Fischbeck found that while 81% of the forecasts made by scientists referenced uncertainty, less than half of the forecasts made by non-scientists did.

„This is not surprising,“ said Rode, „but it is troubling when you consider that forecasts that reference uncertainty are less visible on the web. This results in the most visible voices often being the least qualified.“

Rode and Fischbeck argue that scientists must take extraordinary caution in communicating events of great consequence. When it comes to climate change, the authors advise „thinking small.“ That is, focusing on making predictions that are less grandiose and shorter in term. „If you want people to believe big predictions, you first need to convince them that you can make little predictions,“ says Rode.

Fischbeck added, „We need forecasts of a greater variety of climate variables, we need them made on a regular basis, and we need expert assessments of their uncertainties so people can better calibrate themselves to the accuracy of the forecaster.“