Renommierter Cambridge-Klimawissenschaftler warnt vor Klimapanikmache: Schluss mit destruktivem Deadline-ism and Too-lateness

Gunnar Heinsohn am 20. August 2019 auf Tichys Einblick:

Bevölkerungswachstum von 18 auf 105 Millionen

Klimaflüchtlinge? Gibt es nicht. Dafür Flucht vor Überbevölkerung

Überweidung und Denaturierung der Böden gefährdet die Lebensgrundlage für alle in der Sahara-Zone. Es führt zur Verdrängung der Schwächeren durch die Stärkeren und zur Massenflucht. Wenn durch Erwärmungs-Dürre ohnehin empfindliche Flächen für Ackerbau und Herdenvieh verloren gehen, können die betroffenen Menschen noch eine Weile versuchen, durch Landteilungen und die Nutzung bisher brachliegender Böden ernsthaften Konflikten auszuweichen. Geht die Verödung aufgrund anhaltender Erwärmung weiter, kommt es zu Reibungen, Vertreibungen und dabei auch zu Tötungen. […] Nun erweisen klimahistorische Forschungen, dass die Sahelzone seit Jahrtausenden von Dürreperioden heimgesucht wird. Sie sind mithin unstrittig, aber sie kommen und gehen. Der jüngste Höhepunkt wird um 1985 erreicht – fast dreißig Jahre vor dem MINUSMA-Einsatz. Überdies zeigen geographische und geologische Recherchen, dass sich die Sahara „keineswegs nach Süden ausgedehnt hat. Stattdessen hat übermäßige Nutzung die Böden ausgelaugt.“

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Kommentar des Klimawissenschaftlers Mike Hulme (Universität Cambridge) am 23. Oktober 2019 in WIREs Climate Change:

Is it too late (to stop dangerous climate change)? An editorial

This editorial introduces a WIREs Climate Change Special Collection of nine Opinion Articles, each answering the question, “Is it too late (to stop dangerous climate change)?” Given the rising sense of urgency—and for some despair—to arrest climate change, the nine invited authors were asked to develop their own answer to this question, or indeed to challenge its framing. What might “too late” mean? Too late for what exactly, or for whom? What effect might the language of “too late” have on the public imagination, on political discourse, and on academic research? This collection of essays reveals a diversity of ways of thinking about the relationship between climate and humanity, different modes of analysis, and different prognoses for the future, ranging from qualified pessimism through pragmatic realism to qualified hope.

Hulme erläutert, dass von wissenschaftlicher Seite wohl zwei kürzliche Arbeiten die Dringlichkeit der Klimafrage verstärkt hätten: Ein PNAS-Artikel mit prominenter PIK-Beteiligung und der IPCC-Spezialbericht zum 1,5-Gradziel. PIK und IPCC – das sind altbekannte Treiber des Klimaalarms. Der IPCC-Spezialbericht hatte als Kernaussage: Wir haben nur noch 12 Jahre um uns vor einer Klimakatastrophe zu schützen. Hulme schreibt:

This IPCC Report would appear to have been the origin of the slogan “we have only 12 years left.”

Und nun wird das Editorial erst richtig interessant. Hulme hat ganz offensichtlich genug von der unseriösen Panikmache. Genüsslich listet er die Warnungen früherer gescheiterter Weltuntergangspropheten auf:

There is a long history of climate deadlines being set publicly by commentators, politicians and campaigners…and then of those deadlines passing with the threat unrealized. For example, back in October 2006, the UK Prime Minister Tony Blair declared that “…we have a window of only 10‐15 years to take the steps we need to avoid crossing catastrophic tipping points.” And Andrew Simms of the New Economics Foundation think‐tank set his climate clock ticking on August 1, 2008, claiming that there were only 100 months left to prevent global climatic disaster. In his own words, Simms shouted “fire” in claiming that by December 1, 2016 “we could reach a tipping point for the beginnings of runaway climate change,”6 pre‐empting Thunberg’s “house on fire” by more than a decade. This metaphor of the countdown clock has been reinvigorated over the past 2 or 3 years with new on‐line climate clocks being established at the Mercator Institute in Berlin7 and at the Human Impact Lab in Montreal,8 counting down by the second to “the end” (Asayama, Bellamy, Geden, Pearce, & Hulme, 2019).

There is an equally long history of portraying the climatic future in fearful and apocalyptic terms (Boia, 2005; Buell, 2003; Killingsworth & Palmer, 1996). This trope did not start with Wallace‐Wells‘ recent book, “The Uninhabitable Earth: a Story of the Future” (Wallace‐Wells, 2019)—although he certainly aligned himself with the new climate zeitgeist expressed by Ocasio‐Cortez and Thunberg. In the years following 9/11 climate change was frequently compared with the threats of weapons of mass destruction and global terrorism and claimed to be much greater (Hulme, 2008), while Risbey (2008) more than a decade ago suggested that the language of urgency, crisis, and catastrophe was indeed appropriate to use for climate change. But what seems different now is the seeming precision of the new deadline being announced and the wider fears and anxieties about the future which this language has unleashed. As with a student paralyzed by writer’s block as the deadline for submitting her dissertation approaches, panic may set in.

Appetit bekommen? Dann lesen Sie den Rest des ausgezeichneten Editorials auf WIREs Climate Change. Der Artikel ist frei zugänglich.

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Robert von Loewenstern am 22. April 2019 auf Achgut:

Ich bin für Klimawandel. Leben Sie wohl. 

Wie Sie vielleicht wissen, habe ich ein inniges Verhältnis zu meinem Neffen. Ich habe ihn bereits als Kleinkind gewickelt, und derlei gemeinsam durchlebte existenzielle Erfahrung schweißt zusammen, ähnlich wie Krieg. Mittlerweile ist das laut Selbsteinschätzung „geile Stück DNA“ sechzehn Jahre alt und entdeckte vor einigen Wochen das political animal in sich. Er werde demonstrieren, verkündete der erwachende Staatsbürger entschlossen. Ich bestärkte ihn in seinem Vorhaben.

Was meinen Neffen alarmiert hatte, war nicht die schwedische Tochter Gottes, sondern die Aussicht auf ein sinnloses Leben ohne Youtube. Dieser primären Bildungsquelle Heranwachsender hatte er entnommen, „Artikel 13“ werde das Internet abschaffen. „Genau“, erklärte der Onkel in zielgruppengerechter Ansprache. Da die Aufmerksamkeitsspanne eines heutigen Teenagers der eines flüchtenden Zwergkaninchens entspricht, sind längere Ausführungen auf Notfälle zu beschränken. Ein solcher lag hier nicht vor, denn der junge Krieger kämpfte für die richtige Seite. Wozu ihn also mit Mehrwortsätzen verwirren.

Kurz nach der politischen Ersterweckung entdeckte mein einziger und Lieblingsneffe, dass es ein Klima gibt. Quell der Information war ausnahmsweise nicht Youtube, sondern seine Lehranstalt. Deren verantwortungsvolle Pädagogen hatten ihren Schutzbefohlenen erklärt, dass wir alle bald sterben, wenn Kinder nicht fürs Klima Schule schwänzen. Wie der Zufall es will, ist ein langes Wochenende für Lehrer nicht unbedingt von Nachteil, und so ermunterte man die Schüler zum freitäglichen Gretinieren.

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Florian Aigner am 19. April 2019 in Der Standard:

Klimawandel: Wie viel Panik brauchen wir?

Die Klimastreikbewegung argumentiert plakativ und radikal – aber genau dafür sind Protestbewegungen da. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Klimaangst berechtigt.

In der Ökobewegung gibt es wie in jeder politischen Bewegung merkwürdige, irrationale oder kontraproduktive Strömungen, sagt Florian Aigner. Aber wissenschaftliche Fakten könne man nicht als „romantische Ökospinnerei“ abtun, erklärt der Physiker im Gastkommentar.

Es ist Zeit, in Panik zu verfallen. Das ist die Botschaft der Fridays-for-Future-Bewegung. Aber das ist anstrengend. Wer hat schon Zeit für eine anständige Panik? Und so wird weiterhin verharmlost und beschwichtigt. Dass sich das Klima ändert, kann mittlerweile niemand mehr leugnen. Und so ziehen sich Klimawandelrelativierer auf die These zurück, dass schon irgendwie alles nicht so schlimm wird. Der dänische Publizist Bjørn Lomborg, der schon seit Jahren für seinen problematischen Umgang mit Klimafakten bekannt ist, sieht keinen Grund zur Sorge. Auch der Philosophiestudent Nico Hoppe durfte kürzlich über Klimapanik herziehen: Der Klimabewegung gehe es bloß um die Befriedigung des eigenen ökologischen Gewissens, meint er. Wir sollten uns nicht dem romantisierten Bild einer unveränderlichen „Mutter Natur“ unterwerfen, sondern stolz den technischen Fortschritt vorantreiben.

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