Pleiten, Pech und Pannen: Ferien mit dem Elektroauto

Nur kurz hintereinander gab es zwei Meldungen in Sachen Klima, die eng zusammengehören. Zunächst wurde der Rückgang des Ausstoßes von Treibhausgasen in Deutschland bis Ende 2019 bekanntgegeben. Dieser hat im Vergleich zu 1990 um 36,5% abgenommen. Die Abnahme von 2018 auf 2019 betrug 6,3%. Das deutsche Ziel bis Ende 2020 40% zu erreichen, dürfte im Anbetracht des Rückgangs der wirtschaftlichen Leistung durch Corona sehr wahrscheinlich erreicht werden.

Gleichzeitig lud Kanzlerin Merkel führende Aktivisten von Fridays For Future (FFF) ins Kanzleramt, u.a. Greta Thunberg und Luisa Neubauer. Im Vorwege wurden der Kanzlerin durch Luisa Neubauer von FFF schwere Vorwürfe gemacht, Deutschland hätte in den letzten 15 Jahren ihrer Kanzlerschaft nichts gegen die Klimakrise unternommen. Von einer Klimakrise spricht wohlgemerkt in erster Linie FFF. Die These von Luisa Neubauer ist vor dem Hintergrund des gerade bekanntgegebenen Rückgangs der Emissionen nicht wirklich plausibel.  Wie konnte eine Minderung passieren, wenn nichts unternommen wurde?

Die Summen, die Deutschland, oder soll man besser sagen deutsche Stromkunden, in den letzten Jahren in den Ausbau der Erneuerbaren Energien gesteckt haben sind gewaltig. Sie werden seit dem Jahr 2000 auf 500 Mrd. Euro geschätzt. Deutschland hat Kapazitäten zur Erzeugung von 110 GW Strom durch Solar und Wind geschaffen. Das Problem ist, dass diese Nennleistungen nicht erreicht werden. Wenn dann tatsächlich viel Wind und viel Sonne zusammenkommen, entsteht ein Überangebot. Letztlich ist es nur durch das Abregeln und/oder dem Verschenken des Stroms ins Ausland zu lösen. Das passiert auch regelmäßig und es kostet sehr viel Geld.

Mit viel Geld wurde also eine unzuverlässige höchst volatile Stromerzeugung gebaut, die nicht ohne Subventionen existieren kann und die letztlich auf die Launen der Natur angewiesen ist. Der windarme Sommer 2020 in Deutschland ist ein aktuelles Beispiel dafür. Man mag sich nicht ausdenken, was passiert wäre, wenn Deutschland nur einen Bruchteil des ausgegebenen Geldes in Forschung für Speicher oder CO2-Abscheidung investiert hätte. Möglicherweise hätte das Land dann ähnliche niedrige Emissionswerte bei der Erzeugung von Strom wie Frankreich oder Schweden. Diese beiden Länder haben sich im Gegensatz zu Deutschland nicht aus der Atomkraft verabschiedet.

Wie könnten daher die Forderungen von FFF an Merkel lauten? Bizarr ist die Situation ohnehin, weil Thunberg und Neubauer dem „System“ (vermutlich ist Demokratie und Marktwirtschaft gemeint) völliges Versagen vorwerfen. Sie möchten das „System“ ändern, in welche Richtung sagen die Aktivistinnen leider nicht. Nun treffen sich die FFF Köpfe also mit der Frau, die über die Richtlinien der Politik in Deutschland entscheidet – in einem „System“, das beide eigentlich ablehnen und durch etwas anderes ersetzen möchten. Vielleicht wird die Kanzlerin ja sogar erfahren haben, was FFF konkret vorschwebt außer auf die Wissenschaft zu hören. Als wenn es die eine Wissenschaft gibt so wie die Unfehlbarkeit einer Religion. So wie Merkel einzuschätzen ist, wird nicht viel an die Öffentlichkeit dringen. Übrigens, in der Zeit der Kanzlerschaft Merkels sind die Treibhausgasemissionen um 19% gesunken.

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Windräder als Wettermacher? Ein Kommentar in der FAZ reißt das Thema an. Dabei stützt er sich u.a. auf einen Artikel aus Physicstoday. Windräder stehen immer wieder im Verdacht, das Wetter zu beeinflussen. Lee-Effekte oder auch das Durchmischen von Luftschichten könnten verschieden Auswirkungen haben. In 2018 veröffentlichen Forscher der Harvard Universität eine Studie darüber, die aber als umstritten gilt. Dort wird von einer Beeinflussung von Mikroklima ausgegangen bis hin zu Erhöhung der Temperatur.

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Teure Hoffnung für die Produktion von Akkus für Elektrofahrzeuge in Deutschland. Nach einem Bericht der WELT könnte ein (!) Arbeitsplatz mit bis zu 1 Million (!!) Euro gefördert werden.

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Wenn einer eine Reise tut, dann… Wie Alltagstauglich ist ein Urlaub in einem Elektroauto? Ein Luxemburger hat eine Reise nach Frankreich in den Urlaub gemacht. Herausgekommen ist ein lesenswerter Artikel im Focus. Immerhin plant der Autor den Urlaub zu wiederholen, weil er die meiste Zeit zwangsweise in einer ganz anderen Unterkunft verbrachte und dort telefonierte, um das leergefahrene Auto wieder geladen zu bekommen. Und bei Nutzung des TGV ist das ja sogar beim nächsten Mal sehr umweltbewusst.

„Wir haben uns fest vorgenommen, diese Reise nochmals zu unternehmen, um all die Sehenswürdigkeiten und das Meer doch noch genießen zu können. Wir werden dann jedoch von uns aus bis zum nächstgelegenen TGV-Bahnhof fahren und dort den Direktzug nehmen. Elektrisch ist das Medoc noch nicht bereit für uns.“

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Immer wieder wird Deutschland aus Kreisen der Erneuerbaren Energien vorgeworfen, seine Solarindustrie im Stich gelassen zu haben. Ein sehr langer Artikel bei der Deutschen Welle entkräftet es, wenn auch nur im Nebensatz.

„Nach der Insolvenz von Solarworld endete hier 2018 die einst bedeutende deutsche Produktion von Solarzellen und Solarmodulen. China hatte es mit strategischer staatlicher Unterstützung innerhalb von wenigen Jahren geschafft globaler Vorreiter bei Solarzellen- und Modulproduktion zu werden. Seit 2012 werden deshalb Zellen und Module für die Welt vor allem in China produziert. Die deutschen Solarpioniere überlebten diesen Preiskampf nicht.“

China hat viel Geld in die Subventionierung von Photovoltaikproduktion gesteckt. Ähnliches passierte in der Vergangenheit auch mit der Stahlproduktion oder den Werften. Wer die Spirale nicht mitgehen kann oder möchte, der ist raus. Der Mythos vom gewollten Scheitern lebt aber munter weiter. In dem Artikel geht es um den Neustart der Produktion in Deutschland. Vornehmlich um den Schweizer Maschinenbauer Meyer Burger, der neben Produktion von Modulen auch den Betrieb von Solarparks vorantreiben möchte. Das Unternehmen gibt an, deutlich verbesserte Module produzieren zu können. Diese sollen nun in den ehemaligen Solarworld-Fabriken in der Nähe von Bitterfeld aber Teile auch in Sachsen produziert werden.

Interessant sind die Szenarien im Artikel für die Erzeugung von Strom im Jahre 2050. Dort wird Solar im Jahr 2050 der größte Anteil prognostiziert. Ein Grund dürften die sinkenden Herstellungskosten von Solar-Strom sein, das jedenfalls behaupten Zahlen vom Fraunhofer Institut ISE, IRENA und ETIP PV.

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Umlasten ist eine beliebte Strategie. Der Spiegel berichtet über das sehr ernste Problem von Bleivergiftungen insbesondere bei Kindern. Den Artikel nimmt sich Klimaaktivist Professor Volker Quaschning auf Twitter zum Anlass ein ganz anderes Problem, nämlich Lithium oder besser die Gewinnung von Lithium und die dramatischen Nebenfolgen für die Natur, zu bagatellisieren. Haltet den Dieb, rief der Dieb und lief in die andere Richtung davon.

Was hat das eine gravierende Problem (Blei und Bleivergiftungen) mit dem anderen gravierenden Problem (Naturzerstörung durch Lithium-Abbau) zu tun? Es dürfte den Betroffenen in Südamerika herzlich wenig nützen, wenn das Bleiproblem in Afrika und Asien gelöst wird. Es ist Whataboutism vom Feinsten, was der Aktivist Quaschning betreibt.