Mittelalterliche Wärmeperiode: Von Mäusen, Wikingern, einem spanischen See und türkischen Pollen

Vor tausend Jahren erreichten die globalen Temperaturen ein ähnliches Niveau wie heute. Während der sogenannten Mittelalterlichen Wärmeperiode war das arktische Meereis stark abgeschmolzen, so dass die Wikinger ungestört Expeditions- und Versorgungsfahrten unternehmen konnten. Dabei entdeckten und besiedelten sie auch Island, Grönland und Neufundland.

Ein internationales Forscherteam um Eleanor Jones von der britischen University of York fand nun heraus, dass auf den Wikingerschiffen damals wohl auch jede Menge Mäuse mitgefahren sind. Anhand von DNA-Untersuchungen konnten sie zeigen, dass die heutigen Mäuse in den ehemaligen überseeischen Wikinger-Siedlungsgebieten ihre genetische Wurzeln in Norwegen haben. Während jedoch die Wikinger während der Kleinen Eiszeit ihre Kolonien aufgeben mussten, hielten die Mäuse-Kolonialisten offenbar die Stellung, wie jetzt herauskam.

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Gezeiteneffekte der großen Gasplaneten auf das Sonnenkraftwerk: Ein neues Modell zur schwankenden Sonnenaktivität

Im Journal of Atmospheric and Solar-Terrestrial Physics veröffentlichte jetzt Nicola Scafetta von der amerikanischen Duke University eine Studie zu Gezeiteneffekten der großen Gasplaneten Jupiter und Saturn auf die Sonnenaktivität. Laut Scafettas Modell verändern Gezeiteneffekte den 11-Jahreszyklus der Sonne in regelmäßiger Weise, woraus sich Schwankungen in der Sonnenaktivität im Bereich der Gleissberg- und Suess/de Vries Zyklen ergeben sollen. Besonders interessant ist, dass Scafetta auch die Existenz eines Zyklus mit einer Dauer von 983-Jahre postuliert, welcher dem Eddy-Zyklus entspricht und der in vielen klimatischen Archiven der Erde in Form von „Millenniumzyklen“ gefunden wurde.

Mithilfe seines Modells kann Scafetta die gemessenen Sonnenaktivitätsschwankungen für die vergangenen 1000 Jahre bis hin zu kleinen Details nachvollziehen. Unter anderem gelang es ihm, das Maunder- und Dalton-Minimum um 1600 und 1700 nachbilden. Außerdem unterstützt das neue Modell auch das gerade in der Entstehung befindliche solare Minimum, das 2020-2045 seinen Höhepunkt erreichen soll und deren Prognose mittlerweile von den meisten Solarphysikern geteilt wird. Auf Basis des Sonnenaktivitätsmodells sowie einem Vergleich der daran gekoppelten historischen Temperaturentwicklung, entwickelte Scafetta zudem eine Temperaturprognose bis 2050. Nach einer möglichen Abkühlung bis 2035, steigt gemäß seinem Modell die Temperatur danach wieder an (siehe Abbildung unten). Die Vorhersage hat in den Grundzügen große Ähnlichkeiten mit der Temperaturprognose in Kapitel 7 unseres Buches „Die kalte Sonne.“  Scafetta kommt in seiner Studie auf eine CO2-Klimasensitivität von 0,5-1,5°C pro CO2-Verdopplung, die deutlich unterhalb des vom IPCC angenommenen Wertes liegt und ebenfalls gut mit den Abschätzungen von 1,0-1,5°C pro CO2-Verdopplung in unserem Buch übereinstimmt.

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Prima gemacht: Trendhinweg-Zauberer Georg Hoffmann

Georg Hoffmann von Primaklima schlenderte kürzlich durch das liebliche Utrecht und wurde abrupt aus seinen Frühlingsgefühlen gerissen, als er durch einen blöden Zufall unser Buch „Die kalte Sonne“ in einem Buchladen entdeckte. Hoffmann schreibt in seinem Blog über diesen unerhörten Vorfall:

„In Holland finden sich natürlich sehr viele englischsprachige Bücher. Man macht sich nichtmals die Mühe, die irgendwie extra zu sortieren. Holländische und englische Bücher stehen wild durcheinander gewürfelt in den verschiedenen Sparten. Aber deutsch? Doch, doch, das einzige Buch deutscher Sprache in der gesamten naturwissenschaftlichen Abteilung stand da bei den Klimawissenschaften, und zwar gleich doppelt: „Die kalte Sonne“ von Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning. Das war ein harter Schlag, der meinen Frühlingsgefühlen ein rasches Ende setzte. Das ist also das einzige „naturwissenschaftliche“ Werk, das es über den Rhein geschafft hatte? Erbost lief ich zur Belletristik rauf. Sollte tatsächlich? Goethe, Schiller, Mann, alle sind sie da, aber nur auf Holländisch zu haben. Einzig Vahrenholt/Lüning stehen dort in Deutsch. Das einzige deutsche Buch, das ich in der größten Buchhandlung Utrechts finden konnte!“

Leider berichtet er nicht, ob er das Buch daraufhin auch gekauft hat. Wir wollen es hoffen. Auf jeden Fall fand er daraufhin auch unsere Webseite und erzürnte sich sogleich über die kosmische Strahlung, die sich unerlaubterweise von den 1970er Jahren bis in die späten 1990er Jahre zeitgleich zur klimatischen Erwärmung erniedrigt hatte (siehe Abbildung unten). Und Abnahme der kosmischen Strahlung bedeutet gleichzeitig Zunahme des Sonnenmagnetfeldes, also der Sonnenaktivität.

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Extreme Ansichten auf dem Extremwetterkongress: Anti-Sonnen-Beweisführung à la Latif

Vom 20.-23. März 2012 fand in Hamburg der Extremwetterkongress statt. Als Zugpferd wurde der bekannte Kieler Klimaforscher Mojib Latif verpflichtet. Sein Vortrag wurde in den Medien groß angekündigt, auch weil sich seine unverwechselbar launige Art sehr vom trockenen Stil so manch anderer Fachkollegen absetzt. Sein 26-minütiger Auftritt auf dem Kongress war als Video auf der NDR-Webseite verfügbar, ist jetzt aber leider wohl nicht mehr verfügbar. In seinen Ausführungen machte sich Latif vor allem Gedanken über die möglichen Hauptklimafaktoren, die er dann für Zukunftsprojektionen des Klimas bis 2100 verwendete. Um es gleich vorweg zu sagen, der Vortrag ist ein bunter Eintopf, wobei Latifs Zutaten aus Standard-Basiswissen, interessanten Ideen und etlichen haarsträubenden Fehlinterpretationen bestehen. Das Ganze rührt er kräftig durch und serviert es dem nichtsahnenden Publikum aus einem Guss mit ernstem Gesicht.

Da ihm unser kürzliches Buch „Die kalte Sonne“ so gar nicht gepasst hat (siehe z.B. Hamburger Abendblatt, Financial Times Deutschland, Die Presse, CO2-Fingerabdruck), widmet Latif die ersten Minuten seiner Darbietung dem Versuch, die Klimawirkung der Sonne zu widerlegen, damit Ruhe im Karton einzieht. Das macht er jedoch derart lustlos und wenig überzeugend, dass man schon fast glauben könnte, er traue seiner schwachen Argumentation selber nicht mehr. Latif zeigt dazu auf der Leinwand die Temperaturkurve der letzten 150 Jahre und weist auf den deutlich erkennbaren Erwärmungstrend hin. Und da auch CO2 während des gleichen Zeitraums anstieg, ist die Sache doch eigentlich klar, meint er. Lieschen Müller und Matthias Mustermann im Publikum waren sofort überzeugt. Leider vergisst Latif zu erwähnen, dass sich im gleichen Zeitraum aber auch die Sonnenaktivität stark erhöhte: Das Sonnenmagnetfeld hat sich in den letzten 100 Jahr glatt verdoppelt. Latif ließ dieses kleine Detail aus – passte wohl nicht ganz in seine Story. Stattdessen stellt er eine wilde Behauptung auf: „Wenn ich die gleiche Graphik zeichnen würde – und das habe ich jetzt nicht getan – und das CO2 durch die Sonne austausche, dann würden Sie gerade in dem Bereich wo die Temperaturen besonders stark ansteigen, einen Abfall der Sonnenstrahlung sehen.“

Um es mit seinen eigenen Worten zu kommentieren: Willkommen in Absurdistan! Hätte er die Kurve doch gezeichnet und – noch besser – dann seinem Publikum auch noch gezeigt, dann hätte er seinen Fehler vermutlich schnell selber erkannt. Hier liegt vielleicht sogar das Grundproblem, dass sich Latif die Sonnenaktivitätskurve einfach schon lange nicht mehr zusammen mit der Temperatur angeschaut hat. Wir wollen gerne aushelfen und stellen diese Graphik hier zur Verfügung (siehe Abbildung unten). Man erkennt darauf deutlich, dass die Sonnenaktivität einen ähnlichen Langzeittrend aufweist, wie die Temperatur und CO2. Schade, das hätten wir gerne von Latif selbst gehört. Dies führt unweigerlich zur Frage: Welcher Faktor ist nun wirklich der wahre Hauptantrieb? Das CO2 oder die Sonne, oder beide zu ähnlichen Teilen? Latifs angeblicher „Beweis“ ist also gar keiner. In jeder anderen Wissenschaft hätte er nun böse Zwischenrufe aus dem Publikum geerntet, nicht so jedoch in den Klimawissenschaften. Hier hängt man fast religiös an den Lippen des Vortragenden. Kritisches Mitdenken unerwünscht. Dabei geht es um nicht weniger als den kostspieligen Komplettumbau unserer modernen Welt – und niemand macht sich die Mühe, die klimatologische Grundlage ernsthaft zu hinterfragen. Ein echtes Phänomen. Wie lange noch bis diese Blase platzt? 

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Klimaschnipsel der Woche – 23.3.2012

Mehr CO2 in Atmosphäre und höhere Temperaturen als je zuvor“ meldete das Hamburger Abendblatt am 14.3.2012 aufgeregt. Oh Schreck, denkt man sich da, was ist passiert? Habe ich da etwas verpasst? Unter Hinweis auf eine neue Studie des australischen Wissenschaftsinstituts CSIRO wird ausgeführt:

„Im Jahr 2010 wurden Rekordwerte für das klimaschädigende Gas sowie weltweit höhere Temperaturen gemessen. Der Trend sei eindeutig.“

Und weiter:

„Wieder Hiobsbotschaften zum Thema Klimawandel: […] Auf der Skala der wärmsten Jahre rangiert 2011 auf Platz elf.“

Also weder Gold-, Silber- noch Bronzemedaille für die Temperaturen des letzten Jahres. Ein kläglicher elfter Platz. Die Schlagzeile hätte also auch ganz formuliert werden können – wenn man gewollt hätte. Zum Beispiel: Seit 11 Jahren kein Temperaturanstieg mehr! Also alles zurück, Fehlalarm. Im Grunde ist absolut nichts Neues passiert. Die Temperaturen weigern sich standhaft weiter anzusteigen, und das entgegen den IPCC-Vorgaben von 0,2°C Erwärmung pro Dekade. Vielleicht hätte man das im Artikel kurz erwähnen sollen.

Ok, da scheint sich das Hamburger Abendblatt wohl bei der Temperatur etwas geirrt zu haben. Wenden wir uns daher dem CO2 zu, das ja auch im Titel erwähnt wird. „Höher als je zuvor!“ Eine echte Sensation bahnt sich an, könnte man meinen. Aber halt, steigt das CO2 nicht schon seit 150 Jahren wegen der Nutzung fossiler Brennstoffe stetig an? Nein, so richtig neu ist das auch nicht. Konzentrieren wir uns abschließend auf den Satzteil „…höher als je zuvor“. Mit „je“ muss wohl die gesamte Erdgeschichte gemeint sein. Anders kann es nicht sein. Ein Blick in die geologischen Tabellen zeigt jedoch schnell: Den größten Teil der Vergangenheit waren die Temperaturen wärmer und die CO2-Konzentration höher als heute. Auch das ging also schief. Ach hätte man doch vor Freigabe des Artikels noch kurz einen Plausibilitäts-Check gemacht. Das Hauptziel hat das Abendblatt mit dem Artikel wohl erreicht, nämlich seinen Lesern einen schönen Schrecken einzujagen. Hatte die HA-Redakteurin beim Klimaestablishment möglicherweise noch Schulden wegen unserer kürzlichen Kritik an Mojib Latif in der gleichen Zeitung?

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CO2-Fingerabdruck löst sich in Luft auf: Neue Studie belegt Ozonwirkung auf Temperatur in der mittleren Atmosphäre

In den letzten Wochen meldete sich Mojib Latif mehrfach in der Presse zu Wort und mäkelte an unserem Buch „Die kalte Sonne“ herum (z.B. Financial Times Deutschland, Hamburger Abendblatt, ARD Morgenmagazin, Zeit Online). Dabei erzählte er gebetsmühlenartig jedem der ihm zuhörte, dass es einen Fingerabdruck des CO2 in der Atmosphäre gäbe, eine Art Beweis für die dominante Klimawirkung des CO2. Einige zehner Kilometer über unseren Köpfen hätte sich die mittlere Atmosphäre abgekühlt, und das könnte nur das CO2 verursacht haben, nicht die Sonne. Soweit der Experte.

Der angebliche Beweis hat sich nun leider endgültig in Luft aufgelöst. Die Abkühlung der Stratosphäre ereignete sich nämlich überwiegend in der Phase 1980-1995 während derer sich die Ozonschicht durch FCKW-Emissionen ausdünnte (siehe Abbildung unten). Die Ozonausdünnung führte zu einer stetigen Abnahme der in der Stratosphäre absorbierten Sonnenenergie, was zu der Abkühlung führte. In den 1990er Jahren gingen die FCKW Emissionen aufgrund des Montreal-Protokolls zurück und die Ozonschicht erholte sich seit 1995 langsam wieder. Seit 1995 ereigneten sich abgesehen vom solaren 11-Jahres-Zyklus keine signifikanten Temperaturveränderungen mehr, die Werte oszillieren seitdem auf einem Plateau.

Vor wenigen Monaten erschien nun in den Geophysical Research Letters die eine neue Studie von Dr. Uwe Berger und Prof. Franz-Josef Lübken vom Leibniz-Institut für Atmosphären-Physik in Kühlungsborn, die unsere Einschätzung im Grundsatz bestätigt. Die beiden Forscher untersuchten die Temperaturentwicklung der letzten 50 Jahre in der mittleren Atmosphäre und fanden – wie nicht anders zu erwarten – für den Zeitraum 1979-1997 eine spürbare Abkühlung, was dem von uns angegebenen Intervall etwa entspricht. Anhand eines Computermodells konnten Berger und Lübken nun eindrucksvoll zeigen, dass dieser Abkühlungstrend überwiegend durch die Abnahme des stratosphärischen Ozongehalts verursacht wurde.

Ganz offensichtlich ist es daher wissenschaftlich nicht länger haltbar, einen mittelatmosphärischen Abkühlungstrend als „Fingerabdruck“ und Beweis für die Klimadominanz des CO2 zu zitieren, wie es Mojib Latif in der deutschen Presse jedoch ausgiebig tut. Wird Latif demnächst seinen Irrtum einräumen? Und mindestens genauso wichtig: Werden die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit über dieses wichtige neue Forschungsergebnis berichten? Es bleibt zu hoffen, dass Berger und Lübken jetzt aufgrund ihrer unbequemen Ergebnisse nicht die Forschungsgelder gestrichen werden.

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Das Große Schmelzen: ZDF Info am 22.3.2012 (05:30-06:00)

Am 22.3.2012 wiederholt ZDF Info die Sendung „Das große Schmelzen“ aus der Reihe „hitec“. Ankündigungstext:

Das große Schmelzen
Expeditionen zu den Brennpunkten des Klimawandels

Durch den Klimawandel ändert die Erde ihr Gesicht. An drei Brennpunkten zeigt sich das besonders: In Grönland ist die Durchschnittstemperatur um fünf Grad gestiegen. In den peruanischen Hochanden schmilzt der Quelccaya-Gletscher, und in Bangladesch dringt Salzwasser über die Arme des Ganges ins Landesinnere. „hitec: Das große Schmelzen“ führt zu den Brennpunkten des Klimawandels.
Dokumentation, Deutschland, 2010, 30 min

Den Film gibt es auch in der 3sat Online-Mediathek.

 
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FILMKRITIK VON kaltesonne.de:

Der Film beginnt mit einer dramatisierten Schilderung der grönländischen Eisschmelze. Der Kontext der natürlichen Klimazyklen wird den Zuschauern leider vorenthalten. Nachzulesen ist er z.B. in unserem Buch „Die kalte Sonne“auf S. 184-186. Man darf bei allem nicht vergessen, dass wir mitten in der Modernen Wärmeperiode leben. Interessant: Während die Inuit offenbar die natürlichen Zyklen verinnerlicht haben, bläst Hans Joachim Schellnhuber im Film kräftig ins Alarmismus-Horn. Er ignoriert dabei, dass ein ähnlicher Erwärmungs- und Schmelzverlauf in der Nacheiszeit wohl alle 1000 Jahre aufgetreten ist, zuletzt während der Mittelalterlichen Wärmeperiode. Stattdessen bemüht Schnellnhuber im Film unnötigerweise die Eiszeit-Kaltzeit-Zyklen der vergangenen 2 Millionen Jahre. Auch der Schweizer Eisforscher Konrad Steffen vom amerikanischen CIRES-Institut nutzt die Gelegenheit, die fragwürdigen IPCC-Ansicht unter das Volk zu bringen.

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Die Plattentektonik setzt sich durch: Lehren für die Klimadebatte

Vor kurzem haben wir an dieser Stelle über Alfred Wegener berichtet, der sich mit seinen progressiven Gedanken zur Kontinentalverschiebung vor fast hundert Jahren nicht gegen das festgefahrene wissenschaftliche Establishment hatte durchsetzen können. Die Blockadestrategie war damals ähnlich wie heute. Man verhöhnte und ignorierte einfach die Kollegen die es wagten, bestehende Modelle anzuzweifeln. Erst 40 Jahre später kam langsam Bewegung in die tektonische Debatte und Wegeners Erklärung setzte sich letztendlich durch, wenn auch der genaue Mechanismus etwas abwich. Wir möchten hier kurz die spannende Phase des Umdenkens in diesem wissenschaftlichen Revolutionsbeispiel analysieren. Auch hier kann man wieder eine ganze Reihe von Analogien zur heutigen Klimadebatte erkennen. Was waren letztendlich die Auslöser für das Umdenken? Auf welche Widerstände trafen die Entdecker der Plattentektonik und welche Daten konnten schließlich die Verteidiger des etablierten Modells überzeugen? Im Jahr 2003 nutzte Naomi Oreskes, Professorin für Geschichte an der Universität von Kalifornien in San Diego, die vermutlich letzte Chance, die noch lebenden Beteiligten an der Plattentektonik-Revolution zum Ablauf der Ereignisse zu Wort kommen zu lassen. In dem von ihr herausgegebenen Buch “Plate Tectonics – An Insider’s History of the Modern Theory of the Earth” gab sie 17 prominenten Forschern Raum, ihre Sicht des wissenschaftlichen Umsturzes zu schildern. Die Essaysammlung ist heute ein wertvoller Datenschatz zum Ablauf der Ereignisse. 

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Medienecho – 19.3.2012

Am 19.3.2012, erschien in der HNA ein Interview mit Fritz Vahrenholt mit dem Titel „Allenfalls ein Grad mehr“. Hierin erläutert er die Hauptthesen unseres Buches „Die kalte Sonne“. Auch die Kritiker der „kalten Sonne“ kommen kurz zu Wort. So wird u.a. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer-Institutes für Solare Energiesysteme zitiert: „Der Mensch ist eindeutig der Versursacher des CO2-Anstiegs in der Erdatmosphäre“. Das ist eindeutig richtig. Und das steht auch so in unserem Buch.

 

Allenfalls ein Grad mehr

Interview: RWE-Manager Vahrenholt sagt in seinem Buch die Klimakatastrophe ab

Der RWE-Manager Fritz Vahrenholt hat mit seinem Buch .Die kalte Sonne“ eine heftige Kontroverse ausgelöst. Seine These: Der weltweite Temperaturanstieg wird weniger stark ausfallen, als vom Weltklimarat vorausgesagt. Er kritisiert das Gremium hart. 

VON BARBARA WILL

Herr Professor Vahrenholt, nach Ihrer These sind die Berechnungen des Weltklimarats (IPCC) zur Erderwärmung falsch. Fällt die Klimakatastrophe aus?
Prof. Fritz VAHRENHOLT: Ja. die Katastrophe, das ist nach den Berechnungen des Weltklimarats eine Erwärmung von zwei bis vier Grad, findet nicht statt, weil natürliche Zyklen bei der Klimaveränderung nicht hinreichend berücksichtigt wurden. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass wir in diesem Jahrhundert allenfalls eine Erwärmung von einem Grad zu erwarten haben. 

Sie haben jahrelang selbst die Thesen des Weltklimarats vertreten. Jetzt sagen Sie. er liege falsch?
Vahrenholt: Kohlendioxid ist in der Tat ein Klimagas. aber der Weltklimarat lässt in der Zusammenfassung seines Berichts zwei wichtige Dinge unter den Tisch fallen: Die Strahlkraft der Sonne und ihr Magnetfeld waren bis vor Kurzem noch stark, nehmen jetzt aber ab. Auch die beiden großen ozeanischen Zyklen, die für eine abwechselnde Erwärmung und Abkühlung sorgen, sind im Abschwung. Wir werden in den nächsten zwanzig Jahren nicht mit höheren Temperaturen sondern eher sogar mit einer leichten Abkühlung zu rechnen haben. Damit gewinnen wir Zeit für den Umbau der Energieversorgung. 

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Dürre Beweislage für mehr Dürren

Es soll in Zukunft mehr Dürren geben, sagt man uns. Wenn die Temperaturen um etliche Grad bis 2100 ansteigen sollten, wie der Weltklimarat es glaubt ausgerechnet zu haben, könnte man sich das in der Tat ganz gut vorstellen. Da braucht man gar keine Superrechner um das zu modellieren. Auf die IPCC-Prognose vertrauend, schlagen die sich in Gefahr meinenden Regionen Alarm. Fast überall macht man sich Sorgen um die Zukunft, zum Beispiel in Ostdeutschland (Focus), in Bayern (SZ), in der Schweiz (sf), im Mittelmeerraum (idw, BR, scinexx) und in den USA (terradaily.com). Global soll es aus diesem Grund auch bald viel mehr Waldbrände geben. Auch vermutet man, dass der Mensch bereits vermehrt Dürren ausgelöst hat, etwa in der Sahelzone (op-online, Radio Vatikan, FR) oder im Mittelmeergebiet (NOAA).

Aber sind die Dürre-Katastrophenszenarien eigentlich gerechtfertigt? Zunächst muss festgestellt werden, dass die vom IPCC prognostizierten Erwärmungsbeträge mit großer Wahrscheinlichkeit stark übertrieben sind. Berücksichtigt man den großen Klimaeinfluss natürlicher Faktoren, so kommt man bis zum Ende des Jahrhunderts auf maximal ein Grad Celsius Erwärmung (siehe Kapitel 7 in „Die kalte Sonne“). Interessanterweise hat sich die globale Durchschnittstemperatur während der letzten 200 Jahre um etwa den gleichen Betrag seit Ende der Kleinen Eiszeit erhöht. Da bietet es sich an, einmal nachzuschauen, in welcher Weise sich die Häufigkeit, Intensität und Verbreitung von Dürren während des letzten Jahrhunderts in verschiedenen Gebieten der Erde verändert hat. Und wo wir schonmal dabei sind, schauen wir auch gleich noch ein bisschen tiefer in die Vergangenheit, nämlich die letzten paar tausend Jahre. Da soll es ja so seltsame Temperaturschwankungen im Millenniumstakt gegeben haben…

Das gängigste Maß zur Erfassung von Dürren ist der Palmer Drought Severity Index (PDSI), der Niederschläge und Temperaturen integriert. Die Temperatur geht in den PDSI ein, da bei höheren Temperaturen eine höhere Niederschlagsmenge benötigt wird, um den Boden feucht zu halten. Basierend auf dem PDSI hat sich die Häufigkeit von Dürren in einigen Teilen der Erde innerhalb der letzten 100 Jahre erhöht (z.B. Mittelmeergebiete, Sahel, südliches Afrika, Amazonas Region, Indien, Teile Chinas, Karibik, östliches Australien). In anderen Regionen hingegen ist die Häufigkeit von Dürren zurückgegangen (Skandinavien, westliches Rußland, USA, Südamerika, Ostafrika, Teile Südostasiens).

Interessanterweise hat jedoch laut Thomas Huntington vom US Geological Survey in der gleichen Zeit die Sommer-Bodenfeuchtigkeit von fast allen Meßstationen der „Global Soil Moisture Bank“ zugenommen (siehe auch Robock et al. 2000), was nicht gerade eine Verschärfung des Dürreproblems andeutet. Auch sind in den USA in den vergangenen 100 Jahren Dürren seltener und kürzer geworden, wie zwei Forscher von der University of Washington vor einigen Jahren in den Geophysical Research Letters berichteten. Demnach hat sich der Anteil der von Dürren heimgesuchten US-Landesfläche in den letzten 100 Jahren verringert. Zudem fand ein amerikanisches Forscherteam um John Kleppe von der University of Nevada kürzlich heraus, dass die Dürren in den westlichen USA während der letzten 200 Jahre weniger stark ausgeprägt waren als zu Zeiten des Mittelalters, als mehrere „Megadürren“ das Land heimsuchten.

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Ach du liebe ZEIT: Klaus Töpfer und Günther Bachmann über „Die kalte Sonne“

Zwei Wochen nachdem wir endlich auch einmal unsere Argumentation in der ZEIT darstellen konnten („Hier irren die Klimapäpste“ vom 1.3.2012), hat nun wieder die IPCC-Seite die Bühne zurückerobert. Damit stand die Aufführung der Weltklimarats-Arie bereits zum fünften Mal auf dem Programm. Unsere Kommentierung früherer ZEIT-Artikel können interessierte Leser hier finden. In einer effektiven wissenschaftlichen Debatte hätte man nun glauben können, die IPCC-Seite würde sich zu den in unserem Artikel vorgebrachten Argumenten äußern. Wie wir kürzlich zeigen konnten, gibt es gute Gründe dafür, eine stärkere Beteiligung natürlicher Klimafaktoren am aktuellen Klimageschehen zu fordern und im Gegenzug die Klimawirkung des CO2 auf ein realistischeres Niveau zu reduzieren. Selbst unsere Kritiker haben uns mehrfach zugebilligt, dass sich unsere Argumentation logisch anhört. In Emails hatten wir zudem einem der ZEIT-Autoren angeboten, dass wir sofort auf die IPCC-Seite hinüberwechseln, wenn er uns eine Antwort auf das in unserem Zeitartikel beschriebene Phänomen der sonnensynchronen Temperaturzyklen gibt. Aber auch Wochen später waren wir noch auf Antwort.

Statt Stefan Rahmstorf endlich die Chance zu geben, das Millenniumszyklen-Rätsel gründlich aufzulösen, bekamen diese Woche also Günther Bachmann, Generalsekretär des Nachhaltigkeitsrates, und Klaus Töpfer zu Wort. Wie sich einige erinnern mögen, war der ehemalige Bundesumweltminister 1998 bis 2006 Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). Als solcher hat er auch in unserem Buch auf Seite 200 seinen Auftritt. In einer Pressemitteilung des UNEP von 2005 wurden umgesiedelte Dorfbewohner einer teilüberfluteten Südseeinsel von Vanuatu als die ersten Flüchtlinge des Klimawandels beschrieben, die sich vor den Gefahren des Klimawandels in Sicherheit bringen mussten. Töpfer warnte in der Meldung damals, dass Vanuatu lediglich den Anfang einer verhängnisvollen Entwicklung markiere, bei der steigende Temperaturen, schmelzendes Eis und steigende Meeresspiegel weltweit zu großen Schäden führen würden. Was Töpfer damals wohl nicht wusste, war dass das Vordringen des Meeres in Vanuatu weniger mit dem Klimawandel, sondern vor allem Folge des tektonischen Absinkens der Inseln war. Vanuatu liegt nämlich auf der Grenze zwischen zwei Erdplatten. In der erdbebenreichen Region kommt es ständig zu abrupten, aber auch längerfristigen Senkungen und Hebungen, die die Meeresspiegeldynamik um ein Vielfaches übersteigen. So wurde auf den betroffenen Vanuatu-Inseln zwischen 1997 und 2009 eine der höchsten Absenkungsraten der Welt gemessen, wie eine aktuelle Studie der französischen Forscherin Valérie Balluund ihren Kollegen eindrucksvoll gezeigt hat. Leider nutzt Töpfer im ZEIT-Artikel nicht die Gelegenheit, dieses Missverständnis aufzuklären. Erwähnenswert vielleicht auch, dass der Nachhaltigkeitsrat noch 2003 folgende Empfehlung abgab: „In Deutschland soll die Entwicklung effizienter Kohlekraftwerkstechnologie weiter vorangetrieben werden, weil Kohle in der globalen Energieversorgung zumindest mittelfristig große Bedeutung behalten wird.“ Der Generalsektretär bereits damals:  Günther Bachmann. 

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Eingeschränktes Spektrum in Spektrum der Wissenschaft

In der April 2012-Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft (SdW) veröffentlichte jetzt der Wissenschaftsjournalist Sven Titz eine Rezension unseres Buches „Die kalte Sonne“. Titz berichtet schon seit längerem über den Klimawandel, zeigte dabei aber nicht immer ein glückliches Händchen. So führte er 2010 für das gleiche Magazin ein legendäres Interview, in dem er den Klimaforscher Gerald Haug von der ETH Zürich, ohne kritisch nachzuhaken, seltsame Dinge sagen ließ. Haug verstieg sich damals u.a. zu der fragwürdigen Behauptung, das Klima hätte sich in der Erdgeschichte noch niemals so schnell geändert wie heute. Auch suggerierte er den Lesern, die Erwärmung seit dem Ende der Kleinen Eiszeit sei fast vollständig auf anthropogene Treibhausgase zurückzuführen, wobei er natürliche Klimafaktoren unterschlug. Kalte-Sonne Co-Autor Lüning machte Spektrum der Wissenschaft damals auf die Diskrepanzen aufmerksam, woraufhin das Magazin fairerweise eine ganze Seite für die Diskussion in einem Nachfolgeheft zur Verfügung stellte.  Hätte Titz im Interview sorgfältiger nachgefragt, wäre den SdW-Lesern so manche Überraschung erspart geblieben.

Offensichtlich hatte sich Titz den Vorfall zu Herzen genommen, da er in der Folgezeit wieder deutlich kritischer über die Klimawissenschaften berichtete. So griff er im März 2010 für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) die Entdeckung peinlicher Fehler im Weltklimarats-Bericht auf und schrieb knapp ein Jahr später in der gleichen Zeitung ein kritisches Stück zur diskreditierten Hockeyschlägerkurve von Michael Mann.

Da wundert es dann schon, wie Titz in der zweiten Hälfte seiner aktuellen Rezension unseres Buches in alte zweifelhafte Muster zurückfällt. Er beginnt seinen Text vielversprechend und schließt eine größere Bedeutung natürlicher Klimafaktoren nicht aus. Dabei diskutiert er wichtige Klimamechanismen wie die Sonne und Ozeanzyklen in einer relativ ausgewogenen Weise. Insbesondere dem CERN-Experiment zum Svensmark-Solarverstärker widmet er Platz, was nicht verwundert, weil Titz über die vielversprechenden Zwischenresultate positiv in der NZZ berichtet hatte.  

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