Pack das Frittenfett in den Tank

Transformation der Antriebe: Ein ca. 30 Minuten langes und sehr sehenswertes Video auf YouTube zeigt einen Vortrag von Professor Maximilian Fichtner zum Thema der Antriebe von Fahrzeugen in der Zukunft. Fichtner ist am Helmholtz-Institut in Ulm beschäftigt. Dort wird die Entwicklung von Batterie- und Zellkonzepten erforscht.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Klimaaktivisten blockieren Zufahrt zum Hamburger Hafen. Der Tagesspiegel berichtet über eine weitere Aktion von “Essenretten”. “The last Generation” vergoss zudem 30 Liter Rapsöl, was an sich schon wieder eine Verschwendung eines Lebensmittels ist. Häfen sind nach Ansicht der Aktivisten ein Symbol eines “todbringendes Weiter-So“. Der Zusammenhang vom Stopp von Lebensmittelverschwendung zu Häfen erschließt sich nicht ganz, auch wenn in Hamburg mit Sicherheit auch Lebensmittel angelandet werden. Ob die jungen Demonstranten einmal darüber nachgedacht haben, dass über den Hamburger Hafen u .a. auch ihre wetterfesten Jacken, Schuhe und ihre Smartphones importiert wurden?

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Kohlenstoffabscheidung aus der Luft. Die NZZ widmet dem Thema einen Artikel. Aktuell sind die Kosten dieser Abscheidung sehr hoch. Sollten die Modelle skalieren und die Preise sinken, könnten diese Methode eine Möglichkeit zur Senkung von CO2 in der Luft sein.

“Doch in der Branche herrscht Aufbruchstimmung. Das war zum Beispiel am Direct Air Capture Summit zu spüren, den die Schweizer Firma Climeworks im September 2021 bereits zum zweiten Mal ausrichtete. Fast ein Dutzend Firmen stellten dort ihre Konzepte vor und diskutierten über die alles entscheidende Frage: Wie schafft man es, die Technologie so zu skalieren, dass sie bezahlbar und klimarelevant wird?

Hier gibt es unterschiedliche Strategien. So setzt Climeworks auf ein gestuftes Vorgehen. Vor wenigen Monaten wurde auf Island die Orca-Anlage eingeweiht, die jährlich 4000 Tonnen CO2 aus der Luft filtert. Damit ist Orca weltweit die grösste DAC-Anlage. 2024 soll eine Anlage mit einer Kapazität von 40 000 Tonnen folgen. Noch mal drei Jahre später sollen es dann 400 000 Tonnen jährlich sein.”

Die günstigste Möglichkeit der Senkung von Kohlenstoff ist übrigens immer noch das Aufforsten. Nicht umsonst empfiehlt das IPCC Aufforsten, neben Kernenergie, Erneuerbaren Energien und technischer Kohlenstoffabscheidung als Maßnahme zur Reduzierung des CO2 in der Atmosphäre. Deutschland meint, dass eine der vier Maßnahmen reicht.

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Früher warb das Erdöl-Unternehmen Esso mit dem Slogan: “Pack den Tiger in den Tank.” Nach dieser Meldung aus der Tagessschau könnte er lauten: “Pack das Frittenfett in den Tank”. Im Emsland will BP aus Speisefett Kerosin gewinnen.

“Die verwendeten Fette und Öle sind meist pflanzlichen, teilweise auch tierischen Ursprungs. Sie werden in einem geschlossenen Verfahren bis zum zulässigen Anteil von fünf Prozent mit den Rohöl-Kohlenwasserstoffen für das normale Kerosin kombiniert. Bei der späteren Verbrennung ist der CO2-Ausstoß des Biokerosins zwar ähnlich wie im Fall rein fossilen Flugbenzins – weil die Fettkomponenten schon zuvor im Stoffkreislauf waren, soll die Gesamt-Klimabilanz aber besser sein.

Biomassebasierten Flugkraftstoffen komme bei der Dekarbonisierung des Luftverkehrs eine wichtige Rolle zu, sagte Arno Appel, Vorstandsmitglied der BP Europa SE und Leiter der Raffinerie in Lingen. „Denn im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin bewirkt SAF eine signifikante CO2-Reduktion über den gesamten Lebenszyklus des Kraftstoffes.”

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Eine Chronik des Versagens. So liest sich ein Artikel aus dem Focus über die Vorgänge im Zuge der Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021.

“Dabei gingen auch aus der Vulkaneifel und Bitburg-Prüm nur spärliche Nachrichten ein. Kurz nach 18 Uhr am 14. Juli meldete sich Innen-Staatssekretär Randolf Stich (SPD) bei seinem Chef. Demnach drohte der Campingplatz Stahlhütte in Dorsel zu überfluten. Wohnwagen seien abgetrieben worden. Camper hätten sich auf die Dächer ihrer Mobilheime gerettet. Die Info stammte vom Chef der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD). Thomas Linnertz war bereits am späten Nachmittag in die Eifel-Krisenregionen gefahren. Laut Gesetz kann die zentrale Verwaltungsbehörde von Rheinland-Pfalz den landesweiten Katastrophenschutz übernehmen, wenn mehrere Landkreise betroffen sind. Obwohl dies hier genau Fall war, geschah nichts.

Die ersten beunruhigenden Nachrichten ließen Minister Lewentz keine Ruhe. Umgehend machte er sich mit seinen Personenschützern auf zur Technischen Einsatzleitung (TEL) in der Kreisverwaltung Ahrweiler, der größten Stadt in der Region. Gemeinsam mit CDU-Landrat Pföhler ließ sich der Minister unterrichten und eilte anschließend beruhigt nach Hause. Auch der Landrat entschwand und überließ das Krisenmanagement seinem Katastrophenschutzinspekteur.”

Ebenfalls interessant ist, dass der Landrat an keinen Fortbildungen zu dem Thema teilgenommen hat. Diese sind zwar freiwillig, er hätte allerdings den kürzesten Anfahrtsweg aller Landräte gehabt, wie der General Anzeiger berichtet. Die Bundesakademie hat ihren Sitz in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
6 Jahre lang hat kein Mitarbeiter der Leitstelle an den Fortbildungen teilgenommen.

“Die Fortbildungen seien aber nicht verpflichtend und in den Bundesländern unterschiedlich stark gefragt. Sie richteten sich vor allem an die Kreisebenen. Dabei würden ganz unterschiedliche Krisenszenarien je nach Risikopotenzial einer Region geübt. Ein Szenario für ein Ahr-Hochwasser sei nicht angefragt gewesen, sagte Mitschke.

Der frühere Landrat Pföhler (CDU) soll bei der Sturzflut mit 134 Todesopfern am 14. und 15. Juli 2021 im Ahrtal womöglich zu spät vor der Gefahr gewarnt haben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt gegen den 63-jährigen Juristen, der auf eigenen Antrag wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt worden ist.”

Adaption ist nicht beliebt in Zeiten von ständigen Warnungen vor der Klimaerhitzung. Jeder, der Vorbereitung und Maßnahmen fordert, macht sich verdächtigt, den Klimawandel nicht ernst zu nehmen. Es gehe doch um das große Ziel und nicht um die Anpassung an den Wandel. Diese Denkweise hat vielen Menschen das Leben im Sommer 2021 gekostet.

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Eigentlich klang es fast zu schön, um wahr zu sein. Ein Solarpark in Spanien, wo die Sonne sehr gute Konditionen bietet. Dummerweise hat die spanische Regierung kurzfristig die garantierten Abnahmepreise gekündigt. Die Investoren fühlen sich betrogen und stehen teilweise vor dem Bankrott. Ein Video bei YouTube von France24 (englischer Kommentar) beschreibt das Dilemma.


(Abbildung: Screenshot YouTube)

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Kommt der milde Winter Deutschland zur Hilfe in Sachen Gas? n-tv mit einer Analyse über das mögliche Drohpotential von Russland.

“Angeheizt worden waren diese Befürchtungen dadurch, dass der russische Staatsmonopolist Gasprom seit dem vergangenen Sommer auffällig wenig Gas etwa an Deutschland lieferte und vor allem seine europäischen Speicher vor der Heizsaison überhaupt nicht auffüllte. Das vergrößerte die Gefahr von Versorgungsengpässen. Viele Beobachter im Westen interpretierten dieses ökonomisch nicht erklärbare Verhalten als Aufbau eines strategischen Drohpotenzials im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt.

Doch obwohl Russland bis zuletzt nahezu nur die im Vergleich zu den Liefermengen der Vorjahre geringen vertraglichen Mindestmengen Gas nach Europa exportierte, ist dieses Drohpotenzial nun weitgehend verpufft. Laut den Breugel-Experten trugen dazu vor allem der bislang milde Winter und daher niedrige Gasverbrauch sowie ein starker Anstieg des Flüssiggas-Imports vor allem aus den USA bei. Per Schiff gelangten in den ersten sechs Wochen dieses Jahres so mehr als 20 Milliarden Kubikmeter Gas nach Europa, doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Russland lieferte unterdessen seit Jahresbeginn mit rund 11,5 Milliarden Kubikmetern etwa 40 Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Europas Gasspeicher sind damit immer noch zu knapp einem Drittel gefüllt, was gut 360 Terrawattstunden (TWh) Energie entspricht.”

Derweil lässt Bundeskanzler Scholz laut Tagesschau die Zertifizierung der Gas-Pipeline Nordstream 2 aussetzen. Es gilt als Reaktion auf das aggressive Verhalten Russlands gegenüber der Ukraine. Was immer gern vergessen wird, die Pipeline dürfte selbst bei einem normalen Gang der Dinge erst im 3. Quartal 2022 Erdgas liefern. Ein Stopp jetzt bedeutet nicht, dass kein Gas mehr nach Deutschland kommt.

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Dipl. Ing. Bruno Lindorfer hat eine Abhandlung zur Energiewende erstellt. Das pdf können Sie auf seiner Webseite herunterladen.

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Spiegel Interview am 16.2.2022 mit Corinna Schrum, Leiterin des Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung am Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht:

Corinna Schrum, 59, leitet das Institut für Küstensysteme – Analyse und Modellierung am Helmholtz-Zentrum Hereon in Geesthacht. Außerdem hält sie eine Professur am Institut für Meereskunde der Universität Hamburg.

SPIEGEL: Kann sich eine Katastrophe wie die Sturmflut von 1962 in Hamburg wiederholen?

Schrum: Ausschließen kann man das nicht, zumal die Sturmfluten inzwischen höher auflaufen als damals. Die Stadt ist aber inzwischen ganz anders gerüstet als 1962. Damals reichte zum einen die Höhe der Deiche nicht aus, zum anderen hatten die Schutzbauwerke oft zu steile Böschungen – und hielten deswegen dem Druck nicht stand. Inzwischen hat Hamburg erheblich in den Hochwasserschutz investiert, die Deiche wurden erhöht und verbreitert.

SPIEGEL: Mit dem menschengemachten Klimawandel nehmen Wetterextreme vielerorts zu. Wäre eine solche Katastrophe heute wahrscheinlicher als damals?

»Auch die wiederholten Elbvertiefungen spielen eine wichtige Rolle.«

Schrum: Das Sturmflutrisiko für Hamburg ist in der Tat seit 1962 noch einmal merklich gestiegen. Das liegt aber größtenteils nicht an Wetterextremen.

SPIEGEL: Sondern?

Schrum: Verantwortlich dafür sind wasserbauliche Maßnahmen im Mündungsraum der Elbe. Da sind Deiche begradigt worden und Überflutungsflächen verloren gegangen. Auch die wiederholten Elbvertiefungen spielen eine wichtige Rolle. All das sorgt in der Summe dafür, dass das einströmende Wasser immer weniger an Energie verliert – dadurch laufen die Flutwellen in Hamburg stärker auf.

Ganzes Interview im Spiegel lesen.

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Revierkohle berichtete über den Schattenwurf von Windkraftanlagen:

Schattenwurf von Windkraftanlagen

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft in Baden-Württemberg räumt ein, dass der Schattenwurf von Windkraftanlagen durch die sich drehenden Rotorblätter als besonders belastend empfunden wird. Von einer erheblichen Belästigung geht das Ministerium aus, wenn die täglichen Immissionsrichtwerte von 30 Minuten pro Tag überschritten werden. Bei Überschreitung dieser Zeit muß die Windkraftanlage abgeschaltet werden. Und zwar solange, wie der Schatten auf den Immissions-punkt fällt. 

Doch was ist der Schattenwurf eigentlich und wie entsteht er?

Beim Schattenwurf handelt es sich um den von Rotor und Turm erzeugten Schattenwurf, der während direkter Sonneneinstrahlung auf die Anlage auftritt. Unangenehm kann es werden, wenn periodische Helligkeits-schwankungen auftreten. Das wird im Video links recht deutlich. Das Auftreten des Schattenwurfs hängt von der Lage und der Höhe der Anlage sowie vom Tageszeitpunkt ab. 

Kurz nach Sonnenaufgang trifft der Schatten der Windkraftanlage in sehr weiter Entfernung in westlicher Richtung auf den Boden auf. Bei höher steigender Sonne rückt der Schatten näher an die Windkraftanlage heran und entfernt sich nachmittags wieder in östlicher Richtung. Die Beeinträchtigungen sind daher um die Mittagszeit am höchsten. Viele Menschen reagier-en empfindlich auf die nervigen ständigen Hell-Dunkel-Lichteffekte.

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Leseempfehlung:

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RTL News am 15.1.2022:

Erfinderisch muss man sein

Wenn Einsparungen und erneuerbare Energien nicht reichen – CO2 im Boden speichern

CO2 einsparen ist gut, wird aber nicht reichen, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen. Es sind andere Lösungen gefragt. Christian Häckl stellt das Projekt von Northern Lights in Norwegen vor. Es setzt auf das Verfahren CCS, eine unterirdische Speicherung von CO2. Northern Lights ist ein Joint Venture der Energieunternehmen Equinor, Shell und Total und wurde im März 2021 gegründet.

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Heute, am 23.2.2022, kommt eine weitere Folge der Klimaschau, Ausgabe 98. Unter anderem geht es um ein Klimaprogramm, bei dem sich jetzt überraschenderweise herausstellte, dass es gänzlich klimaunwirksam ist.