Optimismus ist oft nur ein Mangel an Informationen

Optimismus ist oft nur ein Mangel an Informationen. So ähnlich soll Harald Schmidt es einst formuliert haben. Welche Informationen mögen wohl Professor Niklas Höhne vorliegen? Der Mann schreibt immerhin an IPCC Reports und verkündet im ZDF, Deutschland braucht keine LNG-Terminals und wenn dann nur kurze Zeit. Es reiche aus, etwas Energie zu sparen und die Erneuerbaren Energien auszubauen. Erstaunlicherweise benützte er den Konjunktiv in Form des Worts bräuchte. Wie mögen wohl solche Ratschläge bei Unternehmen wie BASF ankommen? Gleichzeitig sollte man die nachgelagerten Industrien ebenfalls befragen. Ob Niklas Höhne weiß, wie z. B. Kunstdünger oder Glas und Keramik hergestellt werden?

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Wir empfehlen Professor Höhne sich einmal diesen Artikel bei Focus (mit einem Video) anzusehen. Vielleicht reicht es für einen Erkenntnisgewinn?

“Fast drei Viertel der Industrie-Energie wird für industrielle Prozesse wie Gießen, Härten, Schmelzen, Verformen oder Trocknen benötigt. Betroffen sind viele Branchen, besonders aber die Chemiebranche, Metallverarbeitung sowie die Glas- und Keramikherstellung, denn hier gibt es kaum Einspar- und Substitutions-Potenzial. Folgend einige Beispiele:

BASF – der weltweit größte Chemiekonzern – stellt unter anderem medizinische Produkte her. Bei einer Reduzierung der Erdgasversorgung auf unter die Hälfte des aktuellen Bedarfs müsste der Betrieb eingestellt werden, sagt das Unternehmen selbst.

Die Chemieindustrie produziert auch Düngemittel für die Landwirtschaft. Für die Herstellung braucht es Ammoniak, das wiederum aus Gas besteht. Bei einer Knappheit von Dünger kommt es zu Ernteausfällen, Lebensmittelknappheit und steigenden Preisen

Weiterlesen beim Focus

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Wie war der April? Das Copernicus-Programm gibt monatliche Updates, so auch für den April 2022. In Teilen von Europa und Nordamerika war es kälter als im Durchschnitt 1990-2020. Im Nordosten von Afrika und Zentralasien wärmer.

“An extensive region of much-above-average temperatures stretched from north-eastern Africa across the Middle East to central and southern Asia. Pre-monsoon temperatures were exceptionally high over Pakistan and northern India, following record highs in March; the heatwave led to critical water and power shortages as well as damage to crops. Heatwave conditions were also experienced in Egypt and Sudan. High spring temperatures were reported in the Central Asian Republics. Temperatures were also much higher than average over Greenland, easternmost Russia, and the Ross and Weddell sectors of Antarctica. Other regions of above-average temperature include the southern and south-western USA, Mexico, parts of the Far East, and northern Australia.tarctica. Other regions of above-average temperature include the southern and south-western USA, Mexico, parts of the Far East, and northern Australia.

April 2022 was much colder than average over central and western Canada and much of the ice-covered Arctic Ocean. Temperatures were also below the 1991-2020 average over several other land regions, including north-western Africa, South East Asia, southernmost  Africa, south-western Australia and East Antarctica.

Air temperatures were substantially above average over parts of all the major ocean basins. Below-average marine air temperatures were located in the tropical and southern sub-tropical eastern Pacific, indicative of continuing La Niña conditions.”


“Globally, April 2022 was:

0.28°C warmer than the 1991-2020 average for April

the sixth warmest April on record, though only marginally colder than April 2018

more than 0.2°C cooler than the warmest Aprils, which were in 2016 and 2020

marginally warmer than April 2010, the warmest April prior to April 2016.

European-average temperature anomalies are generally larger and more variable than global anomalies. The European-average temperature for April 2022 was 0.42°C lower than the 1991-2020 average. The month was 2.4°C colder than the warmest April, which occurred in 2018, but 0.4°C warmer than April 2021.”

Interessant ist sicherlich auch die Betrachtung der letzten 12 Monate. Hier herrschen dezente Rottöne vor, was nach der Legende einer leichten Erwärmung entspricht.


“Temperatures averaged over the last twelve-month period were:

above average over most land areas and the majority of the ocean surface

markedly above the 1991-2020 average in a region stretching from northern Arabia to western Siberia, and over northern Siberia, central North America, north-western and central Africa,  East Antarctica and the Weddell Sea

close to average over much of Europe, but above average in the east of the continent, and to a lesser extent over a band eastward from Ireland to southern Scandinavia

below average over some land areas, including parts of northern Canada and Alaska, north-eastern South America, southern Africa, India, Australia and Antarctica

below average over the eastern equatorial Pacific, where the La Niña event that peaked in late 2020 reintensified later in 2021 and continued into 2022

also below average over the Chukchi Sea, parts of the eastern North Pacific and several oceanic areas in the southern hemisphere.”

Ganz am Ende des Berichts für April 2022 gibt es dann aber noch sehr spannende Informationen zu dem Temperaturset (ERA5), das verwendet wurde. Der Einfachheit wegen hier als deutsche Übersetzung.

“Es besteht allgemeine Übereinstimmung unter den Datensätzen darüber, dass der Zeitraum von 2015 bis 2020 weltweit viel wärmer ist als jeder frühere Zeitraum. Es besteht auch Einigkeit darüber, dass die globale Temperatur seit den späten 1970er Jahren mit einer durchschnittlichen Rate von fast 0,2°C pro Jahrzehnt gestiegen ist. Es gibt jedoch immer noch eine gewisse Streuung zwischen den Datensätzen für die letzten Jahre, wie für 2020, und die jährlichen Durchschnittstemperaturanomalien für diese Jahre von ERA5 sind im Allgemeinen höher als die aus den fünf anderen betrachteten Datensätzen. Die Unterschiede reichen von 0,02 bis 0,08°C für 2016-2020. Der Bereich liegt zwischen 0,00 und 0,07 °C, wenn die Lufttemperatur über dem Meer durch die Meeresoberflächentemperatur für ERA5 und den anderen Datensatz ersetzt wird, für den die Meeresoberflächentemperatur nicht vom Entwurf verwendet wurde. Die verbleibenden Unterschiede hängen zum Teil davon ab, inwieweit Datensätze die relativ warmen Bedingungen darstellen, die in diesen Jahren in der Arktis und Antarktis vorherrschten. Unterschiede in den Schätzungen der Meeresoberflächentemperatur und der Oberflächenlufttemperatur über Land waren weitere Faktoren.”

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Eine Studie berechnet den Wasserstoffbedarf des Landes Baden-Württemberg im Jahre 2035. Chemietechnik.de stellt sie vor. Klar ist, dass der Bedarf das Angebot übersteigen wird.

“Die Studienergebnisse zeigen: Im Jahr 2035 werden 16,6 TWh im Land benötigt, das entspricht rund 550.000 t Wasserstoff. Denn aus heutiger Sicht hat Wasserstoff neben Strom das Potenzial zur Dekarbonisierung des Energiesystems beizutragen. Dies gilt insbesondere für energieintensive Branchen wie die chemische Industrie, den Wärmesektor oder den Schwerlastverkehr. Die neue Studie „Analyse der aktuellen Situation des H2-Bedarfs und Erzeugungspotenzials in Baden-Württemberg“ zeigt jedoch auch, dass der Bedarf im Land künftig die Verfügbarkeit übersteigen wird. Mehr zum Potenzial und Einsatz von Wasserstoff lesen Sie in unserem Spezial-Artikel dazu.”

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Was ist nur mit dem Wind los? Momentan ist keine gute Zeit für Jubelmeldungen über den Windstromertrag. Agora Energiewende zeigt in den letzten 7 Tagen kaum nennenswerte Leistungen in dem Bereich. Der 30. April 2022 ragt noch heraus, da wurden 7 GW erzeugt, was etwa 15% der Last war. Leider war das in der Nacht, wo die Sonne nachweislich nicht aushelfen kann. Das kann sie nur tagsüber.

(Abbildung: Screenshot Agora Energiewende)

Sollte sich die Hochdruckwetterlage fortsetzen dann ist auch bis zum 14.05.2022 nicht mit deutlich mehr Wind zu rechnen.

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Leserpost von Dipl. Ing. Martin Krohn

Betreff: LNG-Terminal und DUH, Windkraftanlagen

Sehr geehrte Damen und Herren,

einige Anmerkungen zum Blog vom 06.05.2022. Darin wurde berichtet, dass der Bau für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven begonnen hat. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) stellt sich dagegen. Gestern wurden im Radio Meldungen zu diesem Thema gebracht. Robert Habeck bat die DUH darum, nicht gerichtlich gegen den Bau vorzugehen, das könnte den Bau Monate oder Jahre verzögern. Die DUH gab an, die Unterlagen zu prüfen. Sie wollen lieber nicht vor Gericht ziehen und hoffen auf eine andere Lösung. Doch wie soll diese Lösung aussehen. Wird die DUH umdenken und dem Bau zustimmen?

Ich hatte gestern bei den Nachrichtenmeldungen auch schon gedacht, dass die DUH sich gegen das LNG-Terminal wehrt, doch den massenhaften Bau von Windkraftanlagen in der Nord- und Ostsee geschehen lässt. Der Bau des LNG-Terminals findet an dem einen Ort statt (es werden wohl noch einige Terminals dazukommen, doch die Anzahl hält sich in Grenzen). Doch es werden ein Vielfaches Mehr an Windkraftanlagen gebaut. Diese stellen eine deutlich größere Umweltbelastung dar. Schwimmen im Meer wieder gute und schlechte Schweinswale? Wenn die Tiere so empfindlich sind (was ich mir durchaus vorstellen kann), dürften diese auch durch den Betrieb der Windkraftanlagen gestört werden. Vibrationen, Schall und auch Infraschall dürften sicherlich auch eine Beeinträchtigung für die Schweinswale und andere Meeresbewohner darstellen.

Apropos Windkraftanlagen. In einem weiteren Artikel im Blog wird über getötete und verletzte Störche berichtet. Der Artikel bezieht sich auf Vorkommnisse in der Wesermarsch. Ich kenne die Wesermarsch, eigentlich eine wunderschöne Gegend, doch leider ist diese durch Windkraftanlagen verschandelt. Ich finde die Erläuterungen im Bericht richtig grausam, dass Störche gefunden wurden mit abgetrennten Beinen oder zerschmetterten Schnäbeln. Es ist schon traurig, dass Gruppierungen, welche sich angeblich dem Naturschutz zugeschrieben haben, klaglos diese Windkraftanlagen dulden und sogar noch verteidigen. Störungen oder Naturschäden werden verschwiegen oder geleugnet.

Viele Grüße
Dipl. Ing. Martin Krohn