Özden Terli: Geil, krass, heftig

Ein kleines Dorf als Vorbild für Deutschland? Der Ort Feldheim in Brandenburg wird gern vorgezeigt, wenn es um die Energiewende geht. Dort wird mit Wind, Sonne und Biogas deutlich mehr Energie erzeugt, als der Ort verbraucht, wie n-tv berichtet.

“Was die Menschen in Feldheim von vielen anderen unterscheidet: Sie können gelassen auf die Energiekrise blicken. Während die explodierenden Kosten im Rest des Landes Existenzen bedrohen und die Gasspeicher-Füllstände von den Launen des russischen Präsidenten Wladimir Putin abhängen, versorgt sich das 130-Seelen-Dorf bereits seit über einem Jahrzehnt selbst mit Strom und Wärme. Ein kluges Zusammenspiel aus erneuerbaren Energien und einem eigenen Strom- und Wärmenetz machen Feldheim zum ersten und einzigen vollständig energieautarken Ort Deutschlands.

Das zahlt sich aus: „Während die Preise überall steigen, ist unser Strom mit dem Wegfall der EEG-Umlage im Juli sogar so günstig wie nie“, sagt Doreen Raschemann vom Neue Energien Forum Feldheim nicht ohne Stolz. In dem modernen Besuchs- und Ausstellungszentrum empfängt sie Gäste aus aller Welt, die lernen wollen, wie sich die Energiewende fair und funktional umsetzen lässt.”

Es klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein und daher wird Feldheim auch gern als Beispiel genommen, dass man nur wollen müsse, dann klappt auch die Energiewende. Dummerweise besteht Deutschland aber nicht nur aus ländlich geprägtem Raum und Orten mit 215 Einwohnern (14 pro km2 – zum Vergleich Deutschland 233 Einwohner pro km2), sondern auch aus Großstädten mit weniger Platz als in Brandenburg. Von Gewerbe und Industrie wollen wir lieber gar nicht erst sprechen. Das Skalieren wird also nicht so ohne Weiteres funktionierten.

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“Lithium könnte das neue Erdgas werden: Das Leichtmetall wird für das batterieelektrische Autofahren in grossen Mengen benötigt. Das gilt auch für andere Mineralien. Obwohl geologisch kein Mangel herrscht, zeichnen sich bereits heute operative Versorgungsknappheiten ab.”

Das berichtet die NZZ in einem Bezahlartikel.

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Ein erstaunlich kritischer Artikel zur Energiewende kommt von T-Online. Das Portal gehört ebenso wie die Seite Watson.de zum Werbekonzern Stroer, der sich sonst eher dem Klima-Alarm verschrieben hat. So arbeitet der Artikel die Themen Windkraft, Solar, Wasserstoff und Wärme ab und kommt zu ernüchternden Ergebnissen.

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Der ZDF-Meteorologe Özden Terli scheint französische Kernkraft sehr erregend zu finden. Anders ist der Tweet von ihm kaum zu verstehen. Für eine Person des öffentlichen Lebens ist das schon eine sehr eigenartige Ausdrucksweise.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

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Japan ist in Sachen Wasserstoff offenbar schon etwas weiter. Das Handelsblatt berichtet über Pläne in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus Erdgas Wasserstoff zu gewinnen und diesen dann zu Ammoniak zu verarbeiten, um das letztlich nach Japan zu transportieren. Die Technik dafür soll aus Japan kommen. Interessant ist dabei, dass anfallendes CO2 in Erdölquellen verpresst werden soll. Der Artikel steht hinter einer Bezahlschranke.

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Björn Lomborg in einem Meinungsartikel bei der Financial Post: Die Botschaft der reichen Welt an die Armen: Fossile Brennstoffe für uns, aber nicht für euch.

“Yet the rich are choking off funding for any new fossil fuels in the developing world. Most of the world’s poorest four billion people have no meaningful energy access so the rich blithely tell them to “leapfrog” from no energy to a green nirvana of solar panels and wind turbines. This promised nirvana is a sham consisting of wishful thinking and green marketing. The world’s rich would never accept off-grid, renewable energy themselves — and neither should the world’s poor.”

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Sinkende Kaufprämien werden nach Meinung von Roman Tyborski im Handelsblatt die Elektroautos nicht aufhalten.

“Die sinkenden Kaufprämien werden kaum Einfluss auf die Nachfrage haben. Und auch die deutsche Autoindustrie wird ihre langfristigen Pläne nicht über den Haufen werfen. Die Entscheidungen bei Volkswagen, Mercedes und BMW zur Antriebsart sind gefallen. Insgesamt werden die drei Autohersteller die Verbrenner-Produktion bis ins kommende Jahrzehnt kontinuierlich herunterfahren. Gleichzeitig stellen sie ihre Fabriken um oder bauen neue auf, um die hohe Nachfrage nach Elektroautos in Europa bedienen zu können. Dafür geben sie Milliarden aus.

Die Kaufprämien spielen bei solch langfristigen Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle. Die Unternehmen reagieren auf die Marktnachfrage. Und hier ist die Lage eindeutig, wie Zahlen des Kraftfahrtbundesamts zeigen. Die Neuzulassungen von Benzin- und Dieselfahrzeugen gehen seit Monaten zurück. Allein im Juni sanken die Zulassungen um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Gleichzeitig steigen die Zulassungen von batterieelektrischen Fahrzeugen.”

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Wie China die Photovoltaik beherrscht. Ein Artikel von Paul Homewood vergleicht die Zahlen von 2010 und 2021. Der Anteil, Chinas hat sich in allen Bereichen der Zulieferung massiv vergrößert.

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Statt 4.400 Windkraftanlagen und 70 Millionen Solarpanels werden die Niederlande auf 3 Kernkraftwerke setzen. Euronuclear zur Strategie unseres Nachbarlands.

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Fast 100.000 Einwohner des Vereinigten Königreichs haben bei der Aktion Don’t Pay mitgemacht. Es geht um die steigenden Energiepreise, die man nicht mehr bezahlen will. Über die Aktion berichtet auch die Berliner Zeitung.

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Wir bleiben im Vereinigten Königreich. Dort werden die Töne im Klimakampf schriller. Klima-Aktivisten haben die Landwirtschaft als neuen Todfeind ausgemacht.

“British environmental activist George Monbiot: “It’s by far and away the greatest cause of habitat destruction, the greatest cause of wildlife loss, the greatest cause of extinction, greatest cause of soil loss, greatest source of fresh water use. It’s one of the greatest causes of climate breakdown, bigger than transport.”  …

“We need to act as drastically within that sector as any other sector to prevent the collapse of our life support systems and what that means, above all else, is getting out of livestock farming is really shutting down animal farming altogether, because that has massively disproportionate impacts on the living planet, and we need to switch towards other sources of food plant-based diets which are far more efficient, far lower environmental impacts.”

“It’s a bit like leaving fossil fuels in the ground unless we do that. We’ve really got very little chance indeed of preventing this domino effect of system collapse right across systems which basically makes the planet uninhabitable. So eating meat and milk and eggs is an indulgence we cannot afford.””

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Rechtstaatlichkeit sowie Natur- und Artenschutz sind entbehrlich. Das jedenfalls meint Kevin Knitterscheidt im Handelsblatt in seinem Kommentar, der hinter einer Bezahlschranke steht.

“Rücksicht gegenüber klagenden Anwohnern und artenschützenden Umweltverbänden können wir uns mit Blick auf die knappe Zeit nicht länger leisten. Denn erst, wenn die Politik beim Ausbau von Wind- und Solarkraft vorgelegt hat, kann die Industrie nachziehen. Das muss nun so schnell wie möglich passieren.”

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Klimamanifest von Heiligenroth: Medienkritik #018: Der «30, 40 Jahre»-Schwindel des Sven Plöger – TEIL2:

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Alex Reichmuth im Nebelspalter:

Wissenschaft: Ein Team von Klimaforschern macht auf Weltuntergang

Hungersnot und Massenexodus. Zusammenbruch der Zivilisation und unzählige Tote. Solche Endzeit-Szenarien kündigt die Publikation einer Gruppe von Klimawissenschaftlern um den Briten Luke Kemp von der Cambridge-Universität an. Der Artikel mit dem Titel «Klima-Endspiel» ist im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» erschienen (siehe hier). Er bemängelt, es werde nicht genügend Forschung zu möglichen katastrophalen Folgen des Klimawandels betrieben: «Sich einer Zukunft mit beschleunigtem Klimawandel zu stellen, ohne die schlimmsten Szenarien zu bedenken, ist bestenfalls naives Risikomanagement und schlimmstenfalls fatal töricht.» Denn es gebe «genügend Gründe zu vermuten, dass der Klimawandel zu einer globalen Katastrophe führen könnte».

Weiterlesen im Nebelspalter

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Leserpost von: Stephan Hegel:

Betreff: Kalte Sonne Blog v. 9.8.2022, „Speicher“

Sehr geehrte Damen und Herren,

in. o.g. Ausgabe zitieren Sie: „Die Bundesnetzagentur … In weniger als einer halben Stunde wären sämtliche deutschen Pump- und Batteriespeicher leer …“.

Eine Anmerkung dazu: das Zitat verdeutlicht zwar die prekäre Situation, ist aber für die Praxis irrelevant … Übersehen wird bei der Durchschmittsrechnung, daß die deutschen PSW zwar eine Kapazität von ca. 40 GWh haben, aber nur deutlich weniger als 10 GW Leistung bereitstellen können (die Batteriespeicher liefern bekanntermaßen noch viel weniger). Das ist noch weit entfernt von einer durchschnittlichen Last von ca. 65 GW, die die Speicher abdecken müßten. Im schlechtesten anzunehmenden Fall wird es dann wohl für einige Wenige länger reichen, der Großteil der Verbraucher wird aber gleich abgeworfen.

Mit freundlichen Grüßen
Stephan Hegel