Neue Mittelfristprognose: Steht ein neuer Hiatus vor der Tür?

Seit drei Jahren versuchen sich Forscher an Mittelfrist-Klimaprognosen, die 1-10 Jahre in die Zukunft schauen. Nun ist es an der Zeit zu schauen, wie treffsicher die Prognosen waren bzw. wie sie sich verändert haben. Die aktuelle Prognose ab 2019 finden Sie auf der MiKlip-Seite:

Abbildung: Mittelfrist-Vorhersage der globale Temperatur ab 2019 durch MiKlip.

Die fetten schwarzen Punkte sind die Messdaten, gemittelt über 4 Jahre, wobei der Punkt im ersten Jahre gesetzt wird. Die Kreuze sind Jahreswerte. Die farbigen Punkte sind die Prognosen. Man sieht in der Graphik schön den Hiatus bzw. Erwärmungsslowdown von 2000-2011. Der Hiatus reicht eigentlich bis 2014, jedoch werden ab 2012 Daten vom El Nino 2015 dazugemittelt (4-Jahresmittel). Der El Nino wird auch noch beim schwarzen Messdatenpunkt von 2016-2019 eine Rolle spielen.

Bei der Prognose fallen zwei Dinge auf. Zum einen wird ein neuer Hiatus prognostiziert. MiKlip erwartet für die kommenden 7 Jahre keine globale Erwärmung! Weiterhin fällt auf, dass dieses Temperaturplateau in etwa auf dem Niveau des El Nino 2015/16 liegen soll. Zur Orientierung: Der erwartete Anomaliewert liegt um +0,60°C (relativ zum Mittel 1981-2010). Das wird sehr spannend, ob sich das bewahrheitet. An den Werten der Einzeljahre (letztes Kreuz 2018) sieht man, dass die Temperaturen wieder auf das Niveau vor dem El Nino gefallen sind.

Nun ist dies bereits die dritte derartige Prognose. Im Vorhersagearchiv werden Links zu den zwei Vorgängerprognosen angeboten. Hier ist die Prognose für die Zeit ab 2018:

Abbildung: Mittelfrist-Vorhersage der globale Temperatur ab 2018 durch MiKlip.

Die Prognose „ab 2018“ sagte noch einen leichten Anstieg der Temperaturen vorher. Dieser Anstieg von einem halben Zehntel Grad wurde mittlerweile „einkassiert“. Ursprünglich hatte man für 2024 (-2027) eine Anomalie von +0,66°C prognostiziert, nun ist es nur noch 0,61°C.

Nun gibt es noch eine Vorhersage „ab 2017“. Wenn man im Vorhersagearchiv auf den 2017er-Link klickt, kommt aber nur eine Fehlermeldung. Ein Versehen, oder will man sie lieber nicht mehr zeigen? Zum Glück gibt es die Wayback Machine. Und dort werden wir fündig.

Abbildung: Mittelfrist-Vorhersage der globale Temperatur ab 2017 durch MiKlip (via Wayback Machine).

Das ist hochinteressant. In der ersten Mittelfristprognose ging MiKlip noch von einer schnellen Erwärmung aus. Für 2023 (-2026) sagten die Prognostiker noch einen Wert von +0,72°C voraus. Die aktuellste Prognose geht nur noch von +0,59°C aus. Das ist ein Unterschied von 0,13° Celsius, der schon eine Bedeutung besitzt.

Wäre es nicht im Sinne der Transparenz wichtig gewesen, wenn MiKlip im Rahmen einer Pressemitteilung diesen Wandel in der Prognose bekanntgegeben hätte? Statt einer ehemals prognostizierten Erwärmung von 0,22°C pro Jahrzehnt soll nun wieder eine Erwärmungspause kommen. Vielleicht hätten sich einige der demonstrierenden Schüler von Fridays-for-Future für diese Information interessiert. Jede Wette, dass sie das MiKli-Projekt überhaupt nicht kennen, und daran ist ein bisschen auch das MiKlip-Team selber Schuld. Das wir uns hier nicht falsch verstehen: Die MiKlip-Leute machen eine gute Arbeit. Es ist in Ordnung, Prognosen zu ändern, wenn es hierfür gute wissenschaftliche Gründe gibt. Allerdings sollte man dies nicht im Heimlichen im „Elfenbeinturm“ tun, wenn draußen auf der Straße Zehntausende von wissensdurstigen Schülern wegen einer rapiden Klimaerwärmung demonstrieren.