Nachhaltiges Frieren

“In Parteiprogrammen und Sonntagsreden steigen wir aus allem aus, was qualmt und stinkt. In der unfairen Wirklichkeit stützen wir uns auf Brückentechnologien wie Braunkohle.”

Das sagt der Satiriker Dietmar Wischmeyer in einem YouTube-Video.

(Abbildung: Screenshot YouTube)

Er empfiehlt Notstromaggregate von Aldi und Amazon. Die wären auch nicht lauter als Wärmepumpen und im Schlafzimmer aufgestellt, kann die Abwärme für wohlige Temperaturen sorgen. Aber Achtung, Auspuff nach draußen legen. Interessant auch die Wärmestube-App, die Stuben soll man dann ab 2027 mit dem 1-Euro-Ticket erreichen können.

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Ein spannendes Interview mit zwei Fachleuten in der Welt zum Thema Energiewende. Michael Beckmann ist Professor für Energieverfahrenstechnik an der Technischen Universität Dresden und Harald Schwarz ist Professor für Energieverteilung und Hochspannungstechnik an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus.

Die beiden kritisieren die deutsche Energiewende ganz aus ihrer speziellen Sicht. Sehr viele Themen werden angesprochen. Das deutsche CCS-Verbot (technische Kohlenstoff-Abscheidung und Speicherung), das systematische Verwechseln von Strom und Energie, Planlosigkeit beim Ausbau von Netzen, unrealistische weil unerreichbare Ziele beim Einbau von Wärmepumpen usw… Das Interview steht hinter einer Bezahlschranke.

WELT: Aber die Bundesregierung hat doch eigens wissenschaftliche Institute beauftragt mit dem Management der Energiewende, beispielsweise Agora-Energiewende oder Agora-Verkehrswende. Da sitzen doch auch Experten, oder?

Schwarz: Da gibt es sicherlich auch gute Leute, aber was häufig fehlt, ist ingenieurtechnische Fachkompetenz in der Regierung. Dort gibt es einfach kein Gefühl für Größenordnungen. Das ist in China zum Beispiel ganz anders, da wird die Energie-Transformation wesentlich von Ingenieuren geplant und Technologien systematisch getestet auf stetig wachsender Größe.

WELT: Ein Beispiel?

Schwarz: China hat klar erkannt, dass allein mit Wind und Sonne keine sichere Stromversorgung möglich ist und dass Speicher das Problem nur sehr bedingt lösen können. Deshalb hat China eine Mischung im Bereich der Erneuerbaren, die zu 75 Prozent aus Wasserkraft und zu 25 Prozent aus Wind und Sonne besteht. Ferner gibt es einen großen Anteil an Kernkraftwerken, und man hat nicht wie in Deutschland das Thema der CO2-Abtrennung bei der Kohleverstromung aufgegeben. Für den Teil Wind und Sonne hat China schon vor langer Zeit in Zhangbei eine große Versuchsanlage mit Batterien aufgebaut und erforscht, welchen Beitrag diese fluktuierenden Quellen zu einer sicheren Stromversorgung leisten können.

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Ottmar Edenhofer vom PIK versucht derweil die Quadratur des Kreises. Ein Land, dessen Energiewende gerade die zusätzliche Verbrennung von Kohle promotet, möchte Ländern in Asien die Energiewende erklären und schmackhaft machen, damit diese weg von der Kohle kommen. Ob das gelingen kann? Zu hören ist das im Deutschlandfunk.

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(Die deutsche Energiewende, Symbolbild)

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hält laut einer dpa Meldung, die geplante Energiewende für gescheitert.

““Energie ist die Achillesferse einer jeden Volkswirtschaft. Deshalb ist der Bund in der Pflicht, die Versorgung mit Erdgas, Erdöl und Elektroenergie zu sichern», betonte Kretschmer. Die vorhandenen Kraftwerke jetzt abzuschalten, wäre das falsche Signal. Es sei klar, dass es perspektivisch keine Renaissance für die Braunkohle geben werde. “Aber wenn man nicht weiß, wie in zwei Monaten die Energieversorgung aussieht und dennoch am vorzeitigen Ausstieg aus der Kohle festhalten will, dann passt das alles nicht zusammen.””

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Energiekrise: Japan will bis zu neun Kernreaktoren ans Netz bringen. Laut Heise will Japan hier einen anderen Weg gehen als Deutschland.

“Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie unternehme seiner Aussage nach alles dafür, um bis zum Winter neun weitere Kernreaktoren in Betrieb zu nehmen. Man rechne damit, dass diese rund 10 Prozent des japanischen Energiebedarfs decken können. Das würde mit den Wünschen der Energieversorger übereinstimmen. Sie streben die Inbetriebnahme der zusätzlichen Reaktoren in Vorbereitung auf den Winter an.”

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Mit einer riesigen Wärmepumpe will BASF seine Abhängigkeit vom Gas verringern und gleichzeitig für weniger Emissionen sorgen. Das berichtet Trends der Zukunft.

“Genutzt werden soll dafür die Abwärme aus dem bereits vorhandenen Kühlwassersystem. Diese wird dann wie bei einer Wärmepumpe üblich stark verdichtet und so weiter erhitzt. Auf diese Weise lässt sich dann irgendwann Wasserdampf gewinnen. Ganz ohne externe Energiezufuhr funktioniert die Sache natürlich nicht. Der Vorteil besteht aber darin, dass hier Ökostrom genutzt werden kann. Im Idealfall ist die Dampferzeugung so also klimaneutral. Die in Ludwigshafen geplante Anlage soll später einmal in der Lage sein, pro Stunde rund 150 Tonnen an Wasserdampf zu erzeugen.

Dies entspräche immerhin circa sieben Prozent des Gesamtverbrauchs der Chemiefabrik. Schon heute wird zudem rund die Hälfte des Bedarfs über die Wärmerückgewinnung bei anderen industriellen Prozessen gedeckt.  Erste Annahmen der BASF-Ingenieure gehen davon aus, dass die Klimaemissionen durch die neue Wärmepumpe im Jahr um 390.000 Tonnen reduziert werden können. Das wären etwas mehr als fünf Prozent der gesamten Emissionen des Standorts.”

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China hat mit dem Bau seines ersten Small Modular Reactors begonnen. Ein Bericht bei Reuters beschreibt das Projekt, das vier Jahre später als geplant angegangen wird.

“The „Linglong One“, also known as the ACP100, was the first SMR to be approved by the International Atomic Energy Agency in 2016. Each unit has power generating capacity of 125 megawatts (MW). It was designed to complement the state-run CNNC’s larger third-generation 1,170-MW „Hualong One“ reactors, which China is planning to roll out rapidly at home and promote overseas. SMRs are cheaper and quicker to build than traditional reactors, and can also be deployed in remote regions and on ships and aircraft. Their „modular“ format means they can be shipped by container from the factory and installed relatively quickly on any proposed site.”

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Könnten Hightec Laser den Durchbruch bei der Kernfusion schaffen? Die Welt berichtet über zwei neue Unternehmen (Bezahlartikel).

“Die beiden Start-ups Marvel Fusion sowie Focused Energy setzen auf diese Laser-Variante, jedoch auf unterschiedliche Treibstoffe. Marvel Fusion auf Wasserstoff-Protonen mit Bor-Isotopen. Focused Energy auf die beiden Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium und das Unternehmen behauptet, „aus einem Gramm Brennstoff gewinnen wir so viel Energie wie mit elf Tonnen Kohle“.”