Nach dem Hochwasser: Schwere Vorwürfe gegen den Wupperverband

Zunächst eine Nachlese zur westdeutschen Flutkatastrophe. Bitte auf den Link klicken, um jeweils den kompletten Artikel zu lesen.

Der Deutsche Wetterdienst gab am 21. Juli 2021 eine Information zum Hochwasser heraus:

Hydro-klimatologische Einordnung der Stark- und Dauerniederschläge in Teilen Deutschlands im Zusammenhang mit dem Tiefdruckgebiet „Bernd“ vom 12. bis 19. Juli 2021

Zusammenfassung
Im Zusammenhang mit dem Tief „Bernd“ traten in Deutschland und den Nachbarländern insbesondere im Zeitraum 12. bis 15.07.21 regional sehr ausgeprägte Starkregenereignisse auf. Diese führten insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu ausgeprägten Überschwemmungen, die Ursache für eine hohe Zahl von Todesfällen und erhebliche Schäden an der Infrastruktur waren. Dieser Text liefert eine Beschreibung der Wetter- und Ausgangslage, eine Zusammenstellung der beobachteten Niederschlagswerte und eine klimatologische Einordnung, sowie eine Übersicht über die Situation in den Nachbarländern.

[…]

Analysen der letzten 70 Jahre auf Basis von Tagesdaten zeigen, dass die Intensität und die Häufigkeit von Starkniederschlagstagen (in [4] definiert als >20 l/m² pro Tag) in Deutschland geringfügig zugenommen haben. Die stärksten Änderungssignale zeigen sich für den Winter. Im Sommer gibt es noch kein klares Bild. Dies liegt vermutlich daran, dass hier zwei Effekte gegenläufig sind. Die Anzahl der Tage mit Niederschlag nimmt eher ab, während sich der Niederschlag selbst an den verbliebenen Tagen intensiviert [4].

[…]

Allgemein sind extreme Einzelereignisse zunächst kein direkter Beleg für den Klimawandel. Nur langjährige Beobachtungen können zeigen, ob die Häufigkeit bestimmter Ereignisse zugenommen hat oder nicht. Gerade bei extremen Ereignissen, die also nur selten vorkommen, ist es besonders wichtig, einen sehr langen Zeitraum zur betrachten. Ob der Klimawandel nun ein bestimmtes Unwetterereignis verstärkt hat, kann nicht ohne weiteres oder gar pauschal beantwortet werden. Zwar konnte bereits mittels Attributionsforschung für ausgewählte Extremereignisse (z. B. Hitzewellen) gezeigt werden, dass durch den Klimawandel die Eintrittswahrscheinlichkeit erhöht wurde; dies bedarf aber im Einzelfall umfangreicher Untersuchungen [5]. Für den Parameter Niederschlag zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie zu täglichen Maxima des Niederschlags auf globaler Ebene, dass die Intensivierung von Starkniederschlägen, zum Beispiel in Mitteleuropa, zumindest teilweise durch den anthropogenen Klimawandel verstärkt wurde [3]. Eine Attributionsstudie zum aktuellen Ereignis wird derzeit durch das World Weather Attribution Project vorbereitet [18].

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Badische Zeitung am 24.7.2021:

Was in der journalistischen Berichterstattung über Naturkatastrophen und den Klimawandel wichtig ist

Eine große Herausforderung besteht darin, sorgsam mit dem Thema umzugehen: Wer über die Folgen des Klimawandels berichtet, muss beweisen, dass er die Materie in ihrer Komplexität versteht.

Eingestürzte Häuser, unterspülte Kanalrohre, schwimmende Autos. Ein beim Lachen gefilmter Kanzlerkandidat, zwei Politikerinnen Hand in Hand. Die schockstarre Frau auf dem Sofa in ihrem verwüsteten Wohnzimmer. Welches Pressefoto wird vom Hochwasser in Erinnerung bleiben? Und was unterscheidet den Film dieser Tragödie von den anderen, die wir bei vergangenen Flutkatastrophen in unseren Köpfen gesammelt haben?
Kommunikation ist nie nur eine Frage der Bilder, sondern immer auch eine des Zusammenhangs, in den wir sie stellen. Diesmal dürften wir das Hochwasser im kollektiven Gedächtnis als Hinweis darauf abspeichern, dass der Klimawandel in Deutschland angekommen ist.

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Der Tagesspiegel am 21.7.2021:

Schwere Vorwürfe: Deutschland wurde präzise gewarnt – die Bürger aber nicht

Eine britische Forscherin erhebt schwere Vorwürfe: Die Flut sei präzise vorhergesagt worden – doch die Reaktion blieb aus. Wer ist politisch verantwortlich?

Die ersten Zeichen der Hochwasserkatastrophe in Deutschland wurden bereits neun Tage zuvor von Satelliten erfasst. Vier Tage vor den Fluten warnte das Europäische Hochwasser-Warnsystem (Efas) die Regierungen der Bundesrepublik und Belgiens vor Hochwasser an Rhein und Meuse. 24 Stunden vorher wurde den deutschen Stellen nahezu präzise vorhergesagt, welche Distrikte von Hochwasser betroffen sein würden, darunter Gebiete an der Ahr, wo später mehr als 93 Menschen starben.

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CLINTEL:

Green politicians, stop blaming climate change for your failures

The huge floods in Europe show that the EU water drainage has fallen short in protecting citizens. Even in the South of my country (The Netherlands), with an excellent record of water management, there is a huge amount of damage. How could this happen?

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ScienceFiles am 18.7.2021:

Monumentales Staatsversagen: Die Flutkatastrophe hätte verhindert werden können

War es nicht erstaunlich, wie schnell die Klima-Krieger versucht haben, das Hochwasser, das entlang von Ahr und Erft gewütet hat, für ihren Klimawandel-Kampf zu instrumentalisieren und noch bevor die derzeit mehr als 150 Opfer beerdigt sind, politisches Kapital daraus zu schlagen?

Wer bislang nur geahnt hat, dass Klimawandel-Hysteriker eine Art von Mensch sind, die im moralischen Vakuum lebt, die keinerlei Beziehung zu anderen Menschen herzustellen in der Lage ist, der Empathie nicht einmal als Wort verständlich ist, der weiß es spätestens, seit Klima-Aktivisten gegen die Flutkatastrophe streiken, während Freiwillige vor Ort im Schlamm wühlen. Die völlige Lebensunfähigkeit und völlige Unfähigkeit, soziale Beziehungen überhaupt aufzunehmen, geschweige denn zu leben, sie war nie so deutlich wie derzeit.

Und nun wirft ein Beitrag, der heute in der Sunday Times erschienen ist, ein ganz neues Licht auf die Katastrophe, die u.a. die Eifel heimgesucht hat. Die Katastrophe war vermeidbar. Die Regierungen von Bund und Ländern und die Verantwortlichen vor Ort, sie haben Warnungen ignoriert, die schon NEUN Tage vor der Katastrophe ausgesprochen wurden.

Wir haben den Beitrag in der Sunday Times, der hinter einer Bezahlschranke steht, für unsere Leser in den Teilen, die für die Einschätzung der Inkompetenz, in der Bundesregierung und die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vereint sind, relevant sind, ins Deutsche übertragen:

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Vera Lengsfeld am 24.7.2021:

Katastrophenhilfe nur nach Gesinnungs-Tüv?

An dieser Stelle habe ich schon einmal beschrieben, dass die Situation in Deutschland einem Albtraum gleicht, aus dem man vergeblich zu erwachen versucht. Es wird mit jedem Tag schlimmer.

Da stellt sich bei der Flutkatastrophe heraus, dass Deutschlands Katastrophenhilfe auf dem Stand eines Entwicklungslandes ist, dass Politik, Medien und Behörden versagt und die Menschen nicht rechtzeitig gewarnt und evakuiert haben. Das Ausmaß der Katastrophe wäre vermeidbar gewesen, aber die Regierungen von Bund und Ländern und die Verantwortlichen vor Ort, haben Warnungen ignoriert, die schon NEUN Tage vor der Katastrophe ausgesprochen wurden.

Es bedurfte eines Artikels der Sunday Times, damit das in Deutschland bekannt wurde. Unsere Presse fokussierte sich lieber auf die Behauptung, es wäre alles dem Klimawandel geschuldet, um vom Staats- und Behördenversagen abzulenken. Europäische Wissenschaftler sagen, dass ein „monumentales Systemversagen“ direkt verantwortlich für Tod und Zerstörung gewesen sei. Science Files hat den Artikel übersetzt und er kann auf diesem Blog nachgelesen werden.

Nach tagelangem Dauerregen waren die Talsperren bis an den Rand gefüllt, wurden aber nicht vorsorglich abgelassen.

Der Rheinisch-Bergische Kreis warnte seine Bürger absichtlich nicht mit Sirenen, weil die Berichterstattung über die Flut „noch nicht breit lief“. Die Leute hätten dann massenhaft 120 angerufen, das wollte man verhindern. Man fasst es nicht. Ohne Berichterstattung „sorge ein Alarm für Panik“, sagte eine Sprecherin  des Kreises t-online. Können die Verantwortlichen dieses Desasters noch in den Spiegel sehen? Man muss befürchten, dass sie reinsten Gewissens sind, denn in Merkeldeutschland herrscht die organisierte Verantwortungslosigkeit.

Politik und Medien leben in einer Blase, in der die Realität anscheinend nur noch als beliebig manipulierbar wahrgenommen wird.

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Gateway Pundit:

WATCH: Reporter Suspended After Being Caught on Camera Smearing Mud on Herself Before Reporting on Flood

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Katholisch.de beweist einmal mehr, dass der Klimawandel zur Religion und Glaubenssache geworden ist:

Münsteraner Weihbischof fordert sowohl Hochwasser- als auch Umweltschutz

Umweltbischof Lohmann: Regenfluten sind Zeichen für Klimawandel

Für Umweltbischof Rolf Lohmann ist klar, dass künftige Flutkatastrophen nur durch umfangreiche Maßnahmen zum Umweltschutz verhindert werden können. Im Interview verweist der Oberhirte auch auf die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus.

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REKLIM am 22.7.2021:

Schwere Juli Regenfälle und Überschwemmungen im Westen Deutschlands: Entwicklung einer Tragödie!

Ein Beitrag von Monica Ionita, Patrick Scholz und Klaus Grosfeld (AWI)
 
Überschwemmungen stellen die am weitesten verbreitete Naturgefahr auf der Erde dar, mit Verlusten von zahlreichen Menschenleben und materiellen Schäden in großem Umfang. Nach Angaben des UN-Büros für Kathastrophenvorsorge und -risikominimierung (United Nations Office for Disaster Risk Reduction, UNDRR) machen Überschwemmungen bis zu 43% der gesamten Naturgefahren aus. Im Zeitraum vom 12.07. – 14.07.2021 kam es im westlichen Teil Deutschlands, Belgiens und der Niederlande zu historischen Regenfällen (Abbildung 1) und Überschwemmungen, bei denen allein in Deutschland mehr als 160 Menschen ums Leben kamen (Stand 18.07.2021) und mehr als 1.000 Menschen vermisst wurden. Die rekordverdächtigen Niederschlagsmengen, die in weniger als 72 Stunden fielen (Tabelle 1), veranlassten die wissenschaftliche Gemeinschaft und die Öffentlichkeit zu der Frage: Wurden die Starkregenereignisse und die anschließenden Überschwemmungen durch Klimaänderungen verstärkt? Wird die Häufigkeit solcher Ereignisse in Zukunft zunehmen? War das katastrophale Ausmaß vorhersehbar? Insgesamt sind sich die Klimawissenschaftler in einem Punkt einig: Durch den Klimawandel wird die Häufigkeit von Extremereignissen (u.a. Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen, Kälteeinbrüche etc.) in Zukunft zunehmen, so dass wir neben generell verstärkten Bemühungen für den Klimaschutz unsere Management- und Anpassungsmaßnahmen an Extremereignisse entsprechend ändern müssen. Klimaprojektionen haben bereits vor einer möglichen Zunahme extremer Niederschlagsereignisse gewarnt, die zu häufigeren und extremeren Hochwasserereignissen führen werden (IPCC, 2018). Unter Klimaszenarien ohne signifikante Klimaschutzmaßnahmen (z. B. ein Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 3 – 5° C bis zum Ende des 21. Jahrhunderts gemäß RCP8.5) könnten sich die direkten Schäden durch Hochwasser im 21. Jahrhundert verdreifachen (Alifieri et al., 2017), wenn keine Anpassungsmaßnahmen ergriffen werden.

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WDR am 23.7.2021:

Nach dem Hochwasser: Schwere Vorwürfe gegen den Wupperverband

Die Flut entlang der Wupper hätte weniger dramatisch sein können, wenn die Talsperre besser reguliert gewesen wäre. Das sagen Anwohner, die nun gegen den Wupperverband klagen.

Zu dem Horror völlig überfluteter Orte kam vergangene Woche zeitweise noch ein weiteres Schreckgespenst: Einige große Talsperren, die voll gelaufen waren, drohten zu brechen. Ein schnelles Ablassen des Wassers aber schien ebenso gefährlich, da es zu weiteren Überflutungen hätte führen können.

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Westdeutsche Allgemeine Zeitung auf Presseportal.de:

WAZ: Experten haben Bedenken gegen den Wiederaufbau in Hochwasser-Gebieten

Angesichts der Gefahr, dass viele der von der Flut schwer getroffenen Orte künftig erneut in Hochwassergefahr geraten könnten, entwickelt sich eine Diskussion über den Sinn des Wiederaufbaus. „Es kann durchaus möglich sein, dass in Zukunft in bestimmten Lagen keine Baugebiete mehr neu ausgewiesen werden können, weil eine aktuelle Gefährdungseinschätzung besondere Gefahren feststellt“, sagte Thomas Kufen (CDU), stellvertretender Vorsitzender des Städtetages NRW und Oberbürgermeister von Essen, der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (Donnerstagsausgaben). „Es könnten beispielsweise auch mehr Überflutungsflächen gebraucht werden, die nicht bebaut werden dürfen. Die jetzt betroffenen Ortschaften werden dann anders aussehen als vor der Überflutung“, so Kufen.

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Karlsruher Institut für Technologie am 22.7.2021:

Hochwasserrisiken wurden deutlich unterschätzt

Um Hochwassergefahren besser einschätzen zu können, sollen Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen. Dafür plädieren Forschende am CEDIM – Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das CEDIM hat einen ersten Bericht zur Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Was die Rolle des Klimawandels betrifft, birgt die Kombination aus mehr verfügbarem Wasser in der Atmosphäre und einer zunehmenden Beständigkeit von Großwetterlagen ein steigendes Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse.

Die Hochwasserkatastrophe in der vergangenen Woche hat in Deutschland mehr als 170 Todesopfer gefordert (Stand: 21. Juli 2021). Immer noch werden Menschen vermisst. Die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur lassen sich erst grob bestimmen und gehen in die zweistelligen Milliarden – davon allein mindesten zwei Milliarden Euro für Verkehrsinfrastrukturen. Inzwischen hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) den versicherten Schaden auf vier bis fünf Milliarden Euro nur in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geschätzt. Wie kam es zu den Überflutungen, die vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betrafen? Wie lassen sich Hochwassergefahren – besonders seltene, extreme Ereignisse – vorab besser abschätzen? Mit diesen Fragen hat sich die Forensic Disaster Analysis (FDA) Group des CEDIM befasst und einen ersten Bericht vorgelegt.

Wie die Forschenden erläutern, führten enorme Niederschlagsmengen dazu, dass beispielsweise der Pegel an der Ahr (Altenahr) seinen bisherigen Rekord von 2016 (3,71 Meter, Abfluss: 236 m³/s) deutlich überstieg. Überflutungsbedingt fiel die Messstation bei einem Wert von 5,05 Metern (Abfluss: 332 m³/s) allerdings aus. Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz kalkulierte aus Modellrechnungen für die Katastrophennacht einen Pegel von bis zu sieben Metern, basierend darauf schätzten die Expertinnen und Experten einen Abfluss zwischen 400 bis 700 m³/s ab.

Mehrere Faktoren führten zu den extrem hohen Niederschlagssummen

Aus meteorologischer Perspektive führten verschiedene Faktoren zu den extrem hohen Niederschlagssummen. „Innerhalb von 48 Stunden fiel in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mehr Regen, als dort üblicherweise im gesamten Monat Juli niedergeht; der Hauptanteil ging sogar innerhalb von nur rund zehn Stunden nieder“, berichtet CEDIM-Sprecher Professor Michael Kunz. Außerdem verstärkte das stark gegliederte Gelände der betroffenen Regionen, besonders im Landkreis Ahrweiler, mit teils tief eingeschnittenen Flusstälern den Oberflächenabfluss. Der bereits annähernd gesättigte Boden durch teils kräftige Niederschläge in den vorangegangenen Tagen verschärfte die Situation zusätzlich.

Um die Überflutungsflächen in den am schwersten betroffenen Gebieten Kreis Ahrweiler und Rhein-Erft-Kreis abzuschätzen, kombinierte das Forschungsteam Satellitendaten mit Luftaufnahmen von (Amateur-)Drohnen und Helikoptern sowie Fotos aus sozialen Medien. Nach diesen geschätzten Überflutungsflächen befinden sich in den betroffenen Gebieten knapp über 19 000 Gebäude mit einem Wert von rund neun Milliarden Euro. In Verbindung mit empirischen Daten vergangener Hochwasserkatastrophen (Infrastrukturschäden, Elementarschäden und andere Schäden) schätzten die Forschenden einen Gesamtschaden zwischen elf und 24 Milliarden Euro (erste CEDIM-Schätzung: 21. Juli 2021). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Überflutungsflächen nur einen Teil der gesamten betroffenen Fläche ausmachen.

Mehr verfügbares Wasser in der Atmosphäre und zunehmende Beständigkeit von Großwetterlagen steigern Gefahr

Ob ein einzelnes Extremereignis oder die Abfolge mehrerer Extreme bereits auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich nach Aussage der Karlsruher Katastrophenforschenden weder exakt belegen noch komplett verneinen, besonders wenn es um Ereignisse auf kurzen Zeit- und Raumskalen geht, die stark von lokalen Faktoren beeinflusst sind. Für die großräumigen Prozesse in der Atmosphäre, die zur Entstehung von Extremereignissen führen, gilt jedoch: Die Kombination aus mehr verfügbarem Wasser in der Atmosphäre infolge der Temperaturzunahme und einer zunehmenden Beständigkeit von Großwetterlagen mit einem sich tendenziell nach Norden verlagerndem Jetstream, dem Starkwindband in der oberen Troposphäre, birgt ein hohes Gefahrenpotenzial. „Da für diese drei Faktoren ein positiver Trend zu erwarten ist, wird auch das Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse in Zukunft zunehmen“, erklärt Kunz.

Bereits 1804 und 1910 bedeutende Hochwasserereignisse im Ahrtal

„Im Ahrtal gab es bereits in der Vergangenheit zwei besonders bedeutende Hochwasserereignisse, nämlich 1804 und 1910. Ein Vergleich mit historischen Aufzeichnungen lässt annehmen, dass die diesjährigen Werte allerdings niedriger einzuordnen sind als die von 1804“, sagt der stellvertretende CEDIM-Sprecher Dr. James Daniell. Für das Hochwasserereignis von 1804 wurde der Abfluss von der Universität Bonn bereits auf ca. 1 100 m³/s geschätzt. Das diesjährige Ereignis könnte hydrologisch betrachtet ein ähnliches Ausmaß wie das von 1910 mit einem Abfluss von 500 m³/s gehabt haben. „Die aktuellen Hochwasserkarten für das Ahrtal basieren derzeit auf einer Abflussstatistik mit Daten seit 1947, da seit diesem Zeitpunkt homogene Messreihen zur Verfügung stehen. Dadurch werden die beiden historischen Ereignisse bei der Gefährdungsabschätzung bisher jedoch nicht berücksichtigt“, sagt Dr. Andreas Schäfer, Erstautor des Berichts. So liegt die aktuelle Schätzung eines hundertjährlichen Hochwassers als Bemessungsgrundlage für den Hochwasserschutz für die Ahr bei 241 m³/s.

Die FDA Group des CEDIM plädiert dringend dafür, in Hochwasser-Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen, auch aus der Zeit vor der kontinuierlichen Messaufzeichnung, um Hochwassergefahren besser abschätzen zu können. „Zwar müssen wir bei den Analysen und Interpretationen der Daten grundsätzlich beachten, dass sich sowohl Infrastrukturen als auch Hochwasserschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren verändert haben. Daher lassen sich die Messwerte direkt schwerer vergleichen, und wir sollten uns weniger auf die Pegelstände fokussieren“, erklärt Daniell. „Wir können die Pegelstände von 1804 und 1910 als indirekte Anzeiger heranziehen, um Hochwasserjahre zu identifizieren. Messwerte zum Abfluss, über die zeitliche Entwicklung und über die Niederschlagsummen sind für die Interpretation jedoch wichtiger. Letztendlich sollten aber beide historische Größen – Pegel und Abfluss – beim Erstellen von Gefahrenkarten einbezogen werden.“

Originalpublikation:

Andreas Schäfer, Bernhard Mühr, James Daniell, Uwe Ehret, Florian Ehmele, Katharina Küpfer, Johannes Brand, Christina Wisotzky, Jens Skapski, Lukas Renz, Susanna Mohr, Michael Kunz: Hochwasser Mitteleuropa, Juli 2021 (Deutschland). Bericht Nr. 1 „Nordrhein-Westfalen & Rheinland-Pfalz“. CEDIM Forensic Disaster Analysis (FDA) Group. KIT, 2021. DOI: 10.5445/IR/1000135730

https://www.cedim.kit.edu/download/FDA_HochwasserJuli2021_Bericht1.pdf

https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000135730

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Youtube-Video mit fast 900.000 Views:

Wuppertalsperre läuft über ➔ Maximale Stauhöhe um Mitternacht überschritten | 14. Juli 2021 23:00

Durch anhaltenden Starkregen erreichte der Stauinhalt der Wuppertalsperre am 14. Juli 2021 um 23:00 das Vollstauziel. Zwischen 23:00 und 6 : 00 strömten jedoch noch über eine Million Kubikmeter Wasser in das Staubecken. Weshalb der Hochwasserschutzraum binnen kurzer Zeit aufgebraucht war und das Wasser ungehindert über den Überlauf ins Tal stürzte, wo die ersten Wupperorte rasch vom Wasser erreicht wurden.

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Interview im Cicero mit Hans von Storch am 21.7.2021:

Klimawandel und Flutkatastrophe: „Die Wirkungskette ist komplexer als oft dargestellt“

Fassungslos verfolgt Deutschland die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Rufe nach einer strengeren Klimapolitik werden lauter. Ein Gespräch mit dem Klimaforscher Hans von Storch über die Frage, inwieweit der Klimawandel für die Überschwemmungen ursächlich ist.

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Akademie Raddy auf Youtube:

Flutkatastrophe 2021 ► Die wahren Gründe für die Flut

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Universität Leipzig am 20.7.2021:

Flutkatastrophe: „Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte über die nachhaltige Nutzung von Auen“

Bei der Ursachenforschung zu der aktuellen Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sowie in den angrenzenden Ländern wird vor allem darüber diskutiert, inwieweit menschgemachter Klimawandel und Flächenversiegelung in den Einzugsgebieten die natürlichen Flutprozesse verstärkt. Prof. Dr. Christoph Zielhofer, Physischer Geograph an der Universität Leipzig, sieht allerdings noch eine andere Gefahr: Bei extremen Hochfluten spielen seiner Ansicht nach die baulichen Veränderungen in den Flussauen eine große Rolle. Dieser Aspekt komme in der Diskussion um die Ursachen der Flutkatastrophen bisher zu kurz.

„Bei extremen Niederschlagsereignissen nimmt die Bedeutung der Flächenversiegelung eher ab, da selbst offenporige Böden ab einem bestimmten Punkt kein Wasser mehr aufnehmen können“, betont er. Auen sind besonders dynamische Landschaften und Kernzonen des Kultur- und Naturerbes Europas. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sind Auen aber auch Brennpunkte früher menschlicher Eingriffe in den Naturraum. Der Mensch will Land gewinnen, Ressourcen nutzen und das Risiko etwa für Anwohner minimieren. Deshalb hat er die mitteleuropäischen Auen wegen ihrer außergewöhnlich großen Nutzungsmöglichkeiten radikal und grundlegend verändert. „Diese menschliche Überprägung kann so stark sein, dass Auen nicht mehr als solche erkennbar sind“, warnt Zielhofer. Einer seiner Forschungsschwerpunkte ist das Wirkungsgefüge von Mensch und natürlichen Prozessen in Auenlandschaften.

Stark betroffen von dieser Entwicklung sind Auenlandschaften in der Nähe von Ballungsräumen und Industrieregionen und in Regionen mit Tagebau. So werden die Überflutungsräume durch Deiche eingegrenzt, die Flussläufe begradigt oder verlagert, und die Sande und Kiese der Auen abgebaut. Auch der Braunkohle-Tagebau spielt bei der Verlagerung der Flussläufe eine große Rolle. „Kommen mehrere dieser menschengemachten Faktoren in den Auen zusammen, sind die natürlichen Abflussverhältnisse oft nicht mehr gegeben. Extreme Hochfluten können dann selbst in den Auen von kleineren Flüssen wie aktuell an der Erft zu großen Schäden führen“, so Christoph Zielhofer.

Am Fluss Erft kam es zu rückschreitender Erosion infolge der Flutung einer Kiesgrube. „Je größerer die Höhenunterschiede in der Aue sind und je mehr Wasser fließt, desto stärker wird die rückschreitende Erosion. In natürlichen Auen kommen diese großen Höhenunterschiede so nicht vor“, erläutert Prof. Zielhofer. Besonders skeptisch sieht er auch die fortschreitende Bebauung der Auenlandschaften. Dadurch würden diese bei extremen Hochwässern immer schadensanfälliger. „Flüsse haben ein langes Gedächtnis. Bei extremen Hochflutereignissen finden sie häufig wieder zurück in ihren früheren Flusslauf und durchbrechen menschengemachte Barrieren. Ich glaube allerdings nicht, dass wir etwas erreichen, jetzt nach Verantwortlichen vor Ort zu suchen. Vielmehr brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte über die nachhaltige Nutzung von Auen“, fordert der Physische Geograph und Geomorphologe. Dabei müsse es darum gehen, wie wir den Flüssen ihre natürlichen Überflutungsräume zurückgeben und den menschlichen Nutzungsdruck auf die Auenlandschaften reduzieren können.

Prof. Christoph Zielhofers Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Gebiet der fluvialen Geomorphologie und dem Wirkungsgefüge von Mensch und natürlichen Prozessen in Auenlandschaften. Aktuell leitet er mit gemeinsam mit Forschenden der Universität Tübingen und der TU Darmstadt das Schwerpunktprogramm 2361 „Auf dem Weg zur Fluvialen Anthroposphäre“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

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Im Jahr 1784 erschien das Buch von C. G. Pötzschens „Chronologische Geschichte der großen Wasserfluthen des Elbstroms seit tausend und mehr Jahren“. Das pdf des Werkes können Sie hier herunterladen.

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Gute Zusammenfassung der Meteorologie zur Flut von Kachelmannwetter. Was versagte, war das Warnwesen. Auch der DWD warnte und der WDR brachte in der Nacht Tanzmusik… die Verantwortlichen pennten, um dann das Jetstream-Murmeltier von der Kette zu lassen

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JoNova:

A world protected by windmills? In 1717 Christmas Floods in Germany killed 14,000

With great sympathy for all our European friends. It’s like European history doesn’t exist. In 1717 on Christmas Eve a flood started that killed 14,000 people and spread across the Netherlands, Denmark and Germany. It was followed by savage frosts, and more floods in February of 1718. So much for the theory that solar panels, windmills, or global cooling will save us from floods. In the Little Ice Age, the floods were vast, common, and very, very cold.