Martin Rhonheimer, Professor für Ethik: Hört nicht auf die Klimapopulisten!

Ethikprofessor Martin Rhonheimer analysierte am 7. April 2019 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung den Schülerklimastreik sowie die fragwürdige Verbandelung mit aktivistischen Klimawissenschaftlern. Absolut lesenswert:

Hört nicht auf die Klimapopulisten!

In der Klimafrage werden ständig Wissenschaft und Politik vermischt. Das ist gefährlich. Der Nobelpreis für Greta Thunberg wäre lächerlich. So sagt es Hans-Joachim Schellnhuber, Gründer des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung: Mit den Schülerstreiks für das Klima sei eine neue Epoche angebrochen. Es gebe nun zur Verhinderung, dass unser Planet gegen die Wand gefahren werde, einen „Schulterschluss zwischen der Wissenschaft und den Kindern, den Jugendlichen“.

[…]

Klimaforscher Schellnhuber erweist sich damit als politischer Agitator und das Ganze als eine sich selbst verstärkende Blase. Wenn, wie in den letzten Wochen geschehen, mehr 20000 Wissenschaftler – so viele Klimaspezialisten kann es allerdings gar nicht geben – sich mit dem Aufruf der Schülerin Greta Thunberg und der von ihr initiierten Klimastreik-Bewegung „Fridays For Future“ solidarisieren: dann ist das nicht nur ein absurder Tanz in einer gigantischen Blase, die immer mehr die öffentliche Meinung ergreift und, durch die Medien rückgekoppelt, sich dauernd selbst verstärkt. Es ist auch eine besonders bedenkliche Form von Populismus.

[…]

Verwerflich ist dieser Klimapopulismus, weil er Kinder und Jugendliche instrumentalisiert, die wie die meisten Bürger gar nicht imstande sind, die Zusammenhänge und Wahrscheinlichkeiten auch nur annähernd zu beurteilen. Sie werden von Wissenschaftlern aber dazu benutzt, um die in der Öffentlichkeit immer noch umstrittene und von vielen angezweifelte Behauptung eines weitgehend menschengemachten Klimawandels und einer durch die Politik zu verhindernden Klimakatastrophe einer weiteren öffentlichen Diskussion zu entziehen. Das ist der Wissenschaft unwürdig.

Leseempfehlung! Ganzen Artikel in der FAS lesen.

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Ebenfalls sehr gelungen ist ein Artikel von Wolfang Meins auf Achgut vom 6. April 2019:

Mit dem Panikorchester Richtung Eisberg

Dem Autor dieser Zeilen geht es ähnlich wie Greta Thunberg: Der Klimawandel lässt ihn einfach nicht los. Aber weder wartet auf ihn die Goldene Kamera noch gar der Friedensnobelpreis, was auch an den Fragen liegen mag, um die es hier geht.

Wie werden künftige Historikergenerationen das Phänomen Greta einordnen? Wie werden sie überhaupt den ganzen alarmistischen Rummel um Klimawandel, Klimakatastrophe und Klimarettung bewerten? Werden sie eine überzeugende Antwort auf die sich möglicherweise stellende Frage finden, wie es dazu kam, dass Deutschland ohne jeden äußeren militärischen Zwang und nicht etwa bloß freiwillig, sondern geradezu mit Begeisterung seine Energieversorgung und industrielle Basis ruinierte und schließlich mangels finanzieller Masse – verschärft durch vorhersehbare demographische Veränderungen, unkontrollierte Migration und Probleme, deren Existenz wir gegenwärtig noch nicht einmal erahnen – auch den Rundum-sorglos-Sozialstaat weitgehend abschaffen musste. Man wird sich dann gegebenenfalls fragen, welches Ereignis der point of no return war oder wann genau man in Berlin den Zug in Richtung Caracas bestiegen hat. 

Man wird sich auch fragen, wieso denn die zahllosen wissenschaftlichen Befunde und Alltagsbeobachtungen ignoriert, ja geleugnet wurden, die doch deutlich darauf hinwiesen, dass der Klimawandel sehr wahrscheinlich bei weitem nicht das ursprünglich befürchtete Ausmaß haben würde und der menschengemachte Anteil daran zwar vorhanden ist, aber in letztlich nicht maßgeblicher Größenordnung. Also, Fragen über Fragen und damit Zeit für zumindest einige Antworten. 

Historiker könnten später als mildernden Umstand anführen, dass Planen oder Prognostizieren von komplexen Situationen des Menschen Stärke eben nicht ist. Auch wenn das zweifelsohne zutrifft, ist dieses Argument stark zu relativieren. Denn wenn ein systematischer Knick in der Optik vorliegt, man alles durch die ideologische Brille wahrnimmt, helfen auch keine ansonsten noch so ausgefeilten prognostischen Anstrengungen, wie man anhand eines aktuellen Beispiels hier eindrücklich nachlesen kann.

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