Luisa Neubauer gibt Deutschland die Hauptschuld an der Klimakrise

Die Feuer in Südeuropa sind nach wie vor ein Thema in den Medien und der Wissenschaft. Spektrum der Wissenschaft hat einen sehr interessanten Artikel dazu, der sowohl von der Opferseite handelt (Menschen, Pflanzen und Tiere) als auch über die Ursachen informiert. Ausschließlich auf den Klimawandel zu zeigen, greift zu kurz. Die Ausdehnung von Büschen oder auch Bäumen wie Kiefern auf nicht bewirtschaftetem Grund, begünstigt Feuer in Südeuropa. Allerdings stellt der Autor des Spektrum Artikels fest, dass Feuer auch ein Segen sein kann.

“Was von uns Menschen meist als Unglück angesehen wird, ist für die Vegetation jedoch meist ein Segen. Feuer war in allen mediterranen Regionen der Erde ein wichtiger Einflussfaktor der Evolution, an den sich viele Pflanzenarten effektiv angepasst haben – bisweilen sind sie sogar lebensnotwendig darauf angewiesen. Sternkiefern oder Korkeichen besitzen eine sehr dicke Rinde, um sich immun gegen die Hitze der Flammen am Boden zu machen. Zistrosen wiederum benötigen Feuer, damit ihre Samen auskeimen können. Die Baumheide wäre ohne die hitzige Störung im Konkurrenzkampf mit überschattenden Bäumen hoffnungslos unterlegen und treibt nach einem Brand rasch aus ihren Wurzelstöcken neu aus.”

Am Ende ist es aber auch fast immer ein Mensch, der für ein Feuer sorgt. Sei es aus Fahrlässigkeit oder mit Absicht. Und Absichten können sehr unterschiedlich sein, sei es Land für Bebauung zu beschaffen oder den eigenen Job zu retten. So berichtet die FAZ über die immense Anzahl an Waldarbeitern auf der eher waldarmen Insel Sizilien.

“Auf dieser Insel mit 5 Millionen Einwohnern und hoher Arbeitslosigkeit gibt es wenig Wald, aber 19 000 Waldarbeiter im Dienst der Region. Von diesen sind viele befristet angestellt. Um längere Beschäftigungszeiten und möglichst Rentenbeiträge für das gesamte Jahr zu erhalten, haben offenbar manche Motive, Feuer zu legen. Seit Beginn des Jahres sind in Sizilien 80 Quadratkilometer Fläche verbrannt.”

Wer also nur ruft, das ist der menschgemachte Klimawandel, der liegt hier etwas falsch. Es ist das menschgemachte Feuer, welches die Probleme bereitet, zusammen mit den menschgemachten Veränderungen der Vegetation.

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Man hört dieser Tage so viel zum Pariser Klimaabkommen und zu seinen Zielen. Die WELT analysiert, dass sich in Sachen Förderung fossiler Brennstoffe wenig ändert momentan. Selbst Länder, die nach außen auf Nachhaltigkeit setzen wie Norwegen, fördern Rekordmengen an Öl und Gas. Dieses Phänomen hatte Professor Werner Sinn schon einmal in seinem Vortrag: “Wie retten wir das Klima und wie nicht?” angesprochen. Den Vortag hatten wir im Dezember 2019 als Zusammenfassung in diesem Blog. An der Richtigkeit der Aussagen von Professor Sinn hat sich auch nach 18 Monaten nichts geändert. Der Welt-Artikel mit der Analyse steht hinter einer Bezahlschranke.

In jedem Fall folgert die Welt, dass es trügerisch ist, darauf zu hoffen, dass nun sich nach dem neuen IPCC Zustandsbericht etwas an dieser Situation ändert. Wir haben es ohnehin mit einer bizarren Situation zu tun. Das Pariser Abkommen gestattet explizit Ländern wie z. B. China oder Indien ihre Ziele deutlich später zu erreichen. Bis dahin dürfen diese Länder weiter machen, was sie möchten. Und sie tun das auch. Natürlich kann man so etwas vereinbaren, aber es bewirkt dann genau das, was aktuell durch die Medien geht und überall für Schrecken sorgt bzw. sorgen soll:

Der CO2 Anteil steigt und die Atmosphäre wird sich weiter erwärmen. Kein Wunder möchte man sagen. Wenn man aber diesen Ländern so einen Freibrief ausstellt, dann darf man sich nicht wundern, dass die Emissionen weltweit zunehmen. Eingeprügelt wird aber lediglich auf die Länder des Westens. Jeder, der es auch nur wagt, dieses Dilemma anzusprechen wird gern abgewatscht. China hat pro Kopf bereits das Niveau von Europa erreicht, hat aber 3-mal so viele Einwohner. Es wird auch Deutschland einholen. Der Atmosphäre dürfte es aber herzlich egal sein, wer emittiert.

(Abbildung: Screenshot Tagesschau)

Derweil gibt Luisa Neubauer Deutschland die Hauptschuld an der Klimakrise. Im Gespräch bei der Welt geht sie zwar nicht darauf ein, welche Daten sie für diese Aussage benutzt, aber es zeigt in gewisser Art und Weise, wie man bei den Aktivisten von Fridays For Future FFF denkt: In Schuldkategorien. Die Schuld der Deutschen liegt (mal wieder) in ihrer Vergangenheit. Wie, das sagte Luisa Neubauer leidet nicht.

Deutschland sei Lichtjahre davon entfernt dem Pariser Abkommen gerecht zu werden, meint die Aktivistin. Was kommt nach Lichtjahren? Denn das wäre die Maßeinheit für die neuen o. g. Großemittenten. Man sieht aber sehr schön, welchen Weg FFF hier argumentativ geht. Eigentlich müssten die Aktivisten ganz andere Fragen stellen. Wie kann es ein Land schaffen, in 20 Jahren über 500 Mrd. Euro in seine Stromproduktion zu stecken und dennoch nicht nennenswert seine Emissionen zu senken?

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Viel Aufregung um das ZDF Berlin Direkt Sommerinterview mit Robert Habeck. Das Interview führte Shakuntala Banerjee und die erntete auf Twitter Kritik dafür, dass sie das machte, was Journalisten machen sollen, nachfragen und das vor allem bei ausweichenden Antworten. Auf Twitter erklärte die ZDF-Journalistin, weshalb sie es tat. Sie sprach Habeck auf die Panne bei der Landesliste im Saarland an, aber auch auf die Causa Baerbock. Das Interview ist noch bis zum 08.08.2022 verfügbar.

(Abbildung: Screenshot ZDF-Mediathek)

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Roger Pielke Jr. äußert sich auf Twitter zum neuen IPCC Sachstandsbericht. Einer seiner Kritikpunkte ist der Einsatz der unplausibelsten Szenarien. In mehr als der Hälfte (53%) der Erwähnungen in dem Bericht werden die Szenarien SSP3-7.0 und SSP55 & RCP8.5 genannt. Die wahrscheinlichsten Szenarien kommen hingegen nur auf 18,4%. Zu seinen Tweets geht es hier lang.

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Bjorn Lomborg am 9.8.2021 in der New York Post:

Don’t buy the latest climate-change alarmism

The Intergovernmental Panel on Climate Change just released its latest climate report, and reactions from politicians and media pundits could not have been more predictable. Fitting the apocalyptic narrative many have spun lately, the always-breathless Guardian literally summarized this scientific report as finding mankind “guilty as hell” of “climate crimes of humanity.” (Needless to say, the report never says any such things.)

[…]

Likewise, we have heard a lot about flooding in Germany and elsewhere being caused by climate change. But the new UN report tells us it has “low confidence in the human influence on the changes in high river flows on the global scale” — and low confidence in attributing “changes in the probability or magnitude of flood events.” The report tells us that the evidence isn’t there to say floods are caused or driven by climate change.

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Climate Depot 2019:

By Geologist Dr. Robert Giegengack – Former chair of Department of Earth and Environmental Science at the University of Pennsylvania. Giegengack has done field research on six continents, conducted peer-review studies on the geological archives of climate and spent much of his academic career doing field work on the history of climate. Authored 200 peer-reviewed papers. 

Key Points: 

Global Warming/Climate Change began as a scientific discussion.  It has evolved into a polarizing political argument (whenever a scientific understanding depends on a “consensus”, we know it has become political), and from there to a semi-religious campaign advanced by well-intended people who feel, deep in their hearts, that they are “saving the planet”.  Many of those people have chosen to allow their good intentions to override their scientific objectivity. As soon as people who disagree about scientific conclusions start calling each other pejorative names, we know that the discussion has become primarily political, not scientific.

I know the work of [MIT’s Dr. Richard] Lindzen, [Climatologist Dr. Roy] Spencer, [Georgia Tech Climatologist Dr. Judith] Curry, [Climatologist Dr. John] Christy, [Princeton Physicist Dr. Will] Happer, etc.I share the skepticism that these people have expressed that anthropogenic CO2 emissions represent the primary driver of the climate change now under way.

We know that the climate “warmed”, with a few unexplained reversals, from ~18,000 years ago until ~1830 AD, as a consequence of factors that have controlled climate for all of Phanerozoic time.  It defies the imagination to suggest that those factors abruptly ceased to operate ~300 years ago just to accommodate our need to attribute contemporary climate change to human activity.

It beggars the imagination to assert that the natural factors that drove the warming trend from 18,000 years ago to ~300 years ago (with some unexplained temperature reversals) abruptly stopped operating at the end of the Little Ice Age to accommodate our political need to attribute climate variability to human industrial activity.

Climate models are instructive, but they lead to scenarios, not predictions. They can be manipulated to yield desired outputs.

Removing the groundwater contribution, not directly the consequence of climate change, yields a rate of global sea-level rise that is the slowest in the last 18,000 years.  In prior “interglacial” times, most recently to ~125,000 years ago, global sea level rose to levels higher than the present sea level, and no humans were burning fossil fuels.

We run an insidious risk:  When/if a) we learn that anthropogenic CO2 is not the primary driver of contemporary climate change; b) we drastically reduce anthropogenic output of CO2 and the climate does not respond as we have predicted; or c) we enter a period of unexplained cooling, as the mid-20th-century cooling episode, or the Little Ice Age, the credibility of climate scientists will be dashed, and with it the credibility of any scientist who tries to inform environmental policy via rigorous science.

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Carbon Brief am 2.8.2021:

China, India miss UN’s extended deadline for climate pledges

Some of the world’s largest emitters have missed a UN deadline to submit updated climate pledges, Climate Home News reports, including China, India, Saudi Arabia and South Africa. Some 110 countries met a 30 July deadline, it adds, noting that UN Climate Change called the total “far from satisfactory”. The publication quotes one climate policy expert saying there remains a “gigantic gap” between existing climate pledges and what would be needed to meet the temperature goals of the Paris Agreement. 

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Leserpost:

Haushalte zahlen fast ein Fünftel mehr für Energie

Bei einem Musterhaushalt mit einem Wärmebedarf von 20.000 Kilowattstunden, einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden und einer Fahrleistung von 13.300 Kilometern im Jahr macht das zusätzliche Kosten von 618 Euro aus. Im Juli 2020 habe diese Energiemenge 3.422 Euro pro Jahr gekostet, in diesem Juli seien es 4.040 Euro. = Tendenz bis 2025 mehr als eine Verdoppelung. In dem Artikel geht es nur um die Energiekosten eines Musterhaushaltes. Hinzu berechnen sich die nicht wirklich nachzuhaltenden CO2-Abgaben, welche auf alle Produktionen erhoben werden, vom Brötchen über sämtliche Artikel des täglichen Bedarfs bis zur nächsten Urlaubsreise. Wie rücksichtsvoll, dass die Grünen*innen ihre geplanten Missetaten mit 75 € Energiegeld übertünchen wollen. Carpe diem, genieße den Tag.

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Hsu et al. 2021 zeigen, dass die gegenwärtige Abkühlung in der Ost-Antarktis maßgeblich durch Einflüsse der (tropischen) MJO (Madden Julian Oscillation) erzeugt wurde. Das können Modelle nicht reproduzieren:

„The conclusions of this study also infer that, for a coupled GCM or an Earth system model, a realistic representation of tropical variability such as the MJO and its teleconnection is important for simulating and predicting the Antarctic climate change. Using the historical simulation data from 30 CMIP6 models, our preliminary assessments show that most of the models reproduce neither the summer cooling trend over East Antarctica nor the decadal changes in MJO heating feature over the Indian Ocean and western Pacific observed in the recent decades.“

Es ist auch völlig unklar, ob die Variation über die Jahre 1979-2014 der MJO interne Variabilität oder geforced ist. Das Klima ist nach wie vor ein Buch mit 7 Siegeln, bei deren Lösung Modelle meist versagen.  

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Von Erwin-Klaus Haberkant

Auf meinem Streifzug durch Neckargemünd habe ich einige Schautafeln zu den Hochwasserereignissen ab 1784 fotografiert.

Interessant auch das Goethe-Zitat, das ich in einem Schaufenster eines Geschäftes fand:

„Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum obenauf, und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“

Johann Wolfgang von Goethe