Lindner will Fracking

Nach der Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke kommt mit der heimischen Schiefergasförderung der nächste potentielle Zankapfel der Ampel-Koalition. FDP-Finanzminister Lindner will nach NDR-Angaben, dass solche Förderung in Deutschland stattfinden soll.

“”Wir haben in Deutschland erhebliche Gasvorkommen, die gewonnen werden können, ohne das Trinkwasser zu gefährden“, sagte Lindner der Funke-Mediengruppe am Sonntag. Die Förderung sei auch unter ökologischen Voraussetzungen verantwortbar. Er forderte, rasch an die Förderung heranzugehen. Er sei zuversichtlich, dass Deutschland dann in wenigen Jahren einen relativ großen Bedarf aus heimischen Gasquellen decken könnte. 

„Es ist ratsam, das zu tun, wenn man sich die Entwicklung auf der Welt anschaut.“ Es sei nicht verantwortbar, aus ideologischen Gründen auf Fracking zu verzichten, so der Vorsitzende der FDP. Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in tiefere Gesteinsschichten gepresst. Das dort lagernde Gas gelangt dann durch die sich bildenden Brüche im Gestein an die Oberfläche. Kritiker befürchten, dass die eingesetzten Chemikalien so ins Grundwasser gelangen können und dieses dauerhaft verseuchen. Ein Großteil der deutschen Erdgasreserven liegt in Niedersachsen, hier wird allerdings seit 2011 nicht mehr gefrackt.”

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Der Fall Döschner geht weiter. Wir berichteten kürzlich über den Fall Jürgen Döschner. Ob der WDR-Mitarbeiter Jürgen Döschner im Vorweg des Artikels über seine Klage der Journalistin Anika Joeres tatsächlich alles mitgeteilt hat, darf nach Aussagen des WDR bezweifelt werden. Der Sender veröffentlicht eine Stellungnahme und die offenbart einiges. Sicherlich hätte Döschner gern in der Redaktion von Monitor gearbeitet. Er hätte bestimmt sehr gut zum Team und der Ausrichtung der Sendung von Georg Restle gepasst. Aber, es war keine Stelle frei.

Noch interessanter ist die Tatsache, dass Döschner Anfang 2020 in die Redaktion von Cosmo delegiert wurde, dort aber an Konferenzen nicht bzw. nur unregelmäßig teilgenommen hat. Kein Wunder, dass er nur auf 5 Stunden Arbeit im Monat kam. Noch mal zum Mitschreiben, Döschner verklagt seinen Arbeitgeber, der ihm keine Aufgaben gibt. Gleichzeitig verweigert er die Arbeit, die ihm angeboten wird. Das dürfte arbeitsrechtlich sehr interessant werden.

“Als seine Redaktionseinheit 2019 im Zuge der Neuordnung der Programmdirektionen wie andere im neu gegründeten Newsroom aufging, hat er eine Beschäftigung dort abgelehnt. Im Hinblick auf seine Tätigkeiten hat er eine Sonderrolle gefordert. Wie für andere Mitarbeiter:innen im WDR gilt auch für den betreffenden Kollegen, dass er sich nicht allein nach persönlichen Vorlieben und unabhängig von der Verfügbarkeit von Stellen aussuchen kann, wo und mit welchen konkreten Aufgaben er innerhalb des WDR arbeiten möchte. Dies wurde Herrn Döschner in persönlichen Gesprächen wiederholt erläutert.

Ein Wechsel in die andere Programmdirektion zu „Monitor“ oder in das investigative Ressort des WDR hätte dort eine freie Stelle vorausgesetzt. Anfang 2020 stimmte er einer Umsetzung in die Redaktion von COSMO zu. Die in dieser Funktion üblichen Aufgaben wie bspw. Redaktionsdienste nimmt er im Gegensatz zu seinen Kolleg:innen nicht wahr, an Konferenzen nimmt er nicht regelmäßig teil. Dennoch wird ihm im Sinne eines konstruktiven Miteinanders bei COSMO ermöglicht, eine wöchentliche Kolumne mit allen damit verbundenen journalistischen Freiheiten zu publizieren. In „Tacheles“ widmet er sich Themen wie Nachhaltigkeit, Umwelt und Klima. Darüber hinaus gab es mehrere Gespräche und Mailwechsel mit der Redaktionsleitung von COSMO, die zum Ziel hatten, den Kollegen in die Redaktion einzubinden. Dies hat er wiederholt abgelehnt.”

Wie bereits im Artikel über den Fall Döschner beschrieben, spielt seine Äußerung im Jahr 2017 für den WDR eine große Rolle. Sie hat ihn den Job als ARD-Energieexperten gekostet. Dumm gelaufen, aber was reitet einen Menschen so etwas zu posten?

“Interne Konflikte zu inhaltlichen Äußerungen des Kollegen gab es vor allem zu seinem auch öffentlich vielfach kritisierten Tweet aus dem Jahr 2017, in dem er den Begriff „Vergasen“ in Zusammenhang mit dem Dieselskandal gesetzt hatte. Vor diesem Hintergrund hatte er damals auch seine Funktion als ARD-Energieexperte abgeben müssen. Der Tweet wurde von Herrn Döschner selbst schriftlich als Fehler eingeräumt und bedauert.”

Es melden sich nun auch Kollegen vom WDR, die der Verschwörungstheorie von Joeres vehement widersprechen. Sie bemängeln, dass Joeres niemanden beim WDR befragt hat. Vielleicht wären ihr dann schon einige Ungereimtheiten aufgefallen, aber dann wäre ja auch die schöne Story obsolet gewesen, um Döschner irgendwie zu helfen.

“Auch der Vorwurf, dass wir nicht kritisch über RWE berichten könnten, ist für uns nicht nachvollziehbar. Wir sind angesichts solcher Aussagen erschüttert und fassungslos. Von den Unterzeichnenden arbeiten viele bereits über Jahrzehnte in festangestellter oder freiberuflicher Form für den WDR. Niemand von uns kann diese Eindrücke auch nur ansatzweise nachvollziehen. Ihre Autorin hat außerdem uns dazu nicht befragt.

Wir stellen fest: Wir sind stolz auf unsere Diskussionskultur, die sicherlich nicht immer perfekt ist. Aber wir arbeiten jeden Tag daran, sie weiter zu verbessern. Wir haben unterschiedliche Perspektiven, Haltungen und Einstellungen bei jeder Geschichte, jedem Thema – und äußern sie auch. Und vor allem können Sie sicher sein: Würde jemand „von oben“ versuchen, uns in unserer Berichterstattung zu steuern, würde das „unten“ nicht akzeptiert.”

Eigentlich darf man sich über den Correctiv-Artikel nicht wundern. Joeres macht dort genau das, was sie bisher auch schon gern gemacht hat. Sie berichtet einseitig, obwohl es doch eigentlich zum journalistischen Rüstzeug gehört, stets verschiedene Standpunkte zu beachten. Ihr Döschner-Artikel sieht eher wie eine Gefälligkeit aus. Ob es Döschner allerdings irgendwelche Vorteile bringt, das darf allerdings bezweifelt werden.

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Die Welt wird ein Problem mit alten Photovoltaik-Anlagen bekommen. Das sagt der YouTuber Andreas Schmitz, der einen Kanal rund um das Thema betreibt. Bei E-fahrer heißt es dazu:

In seinem Video bezieht Schmitz sich auf verschiedene Studien. Eine Untersuchung von Rystad Energy, einem internationalen Beratungsunternehmen für die Energiebranche, geht davon aus, dass der Bedarf an Photovoltaik in den kommenden Jahren massiv steigen wird. Während der Wert von recycelbaren PV-Rohstoffen heutzutage bei etwa 170 Millionen US-Dollar im Jahr liegt, wird dieser Wert im Jahr2030 bereits bei 2,7 Milliarden Dollar liegen. Dieser Anstieg setzt sich nach Einschätzung der Experten fort, sodass 2050 Rohstoffe im Wert von 80 Milliarden Dollar im Jahr aus dem Recycling von Solarmodulen gewonnen werden können.

China, welches die Module hauptsächlich herstellt, hat kaum Kapazitäten für das Recycling.

“Diese könne pro Jahr Solarmodule mit einer Gesamtleistung von 10 Megawatt stofflich aufbereiten. Zum Vergleich: China produzierte 2021 Photovoltaik-Module mit insgesamt 53.000 Megawatt Leistung.”

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Etwas irreführend ist die Titelzeile eines Artikels im Focus.

“Das verblüffende Gas-Wunder der deutschen Industrie”

Was dort als “Gas-Wunder” beschrieben ist, entpuppt sich im Text als Produktionsminderung oder sogar Stopp. Und mit Tüftler sind solche Fachleute gemeint, die Prozesse von Gas auf Öl umstellen.