Kurz und mündig

Sie wohnen in Bad Bramstedt, Elmshorn, Bremen oder Oldenburg in Oldenburg? Dann dürften Sie demnächst ein Grundstück mit Meerblick haben. Jedenfalls, wenn man der Studie glauben darf, die die SZ gerade vorstellt. Leider steht der Artikel hinter eine Bezahlschranke. Es geht um diese Studie, die in diesem Blog auch schon einmal sehr ausführlich besprochen wurde. Eine ähnliche Karte war auch Thema der Großeltern-Belehrungen vor der Bundestagswahl. Auch darüber hatten wir berichtet. Um auf das Szenario wie in der SZ zu kommen, muss man bei Climate Central übrigens den Schieberegler auf 3,80 Meter über dem jetzigen Meeresspiegel schieben.

(Abbildung: Screenshot Climate Central)

Was in Szenarien der Studien offenbar vergessen wird, das ist die Anpassung des Menschen an sich ändernde Umweltbedingungen. An Küsten passiert das u. a. durch den Bau von Deichen und zwar schon sehr lange und permanent. Fast zeitgleich zum SZ Artikel erschien bei T-Online ein Bericht über die Maßnahmen in Schleswig-Holstein.

“Als Reaktion auf die Herausforderungen des Klimawandels hat Schleswig-Holstein das Konzept des sogenannten Klimadeichs entwickelt. Dieses Konzept könne in mehreren Bauphasen einen Meeresspiegelanstieg von bis zu zwei Metern ausgleichen, in der ersten Bauphase bereits ein Anstieg von einem Meter, sagte der Sprecher. Die Kosten dafür seien um etwa 20 bis 40 Prozent höher als bei klassischen Deichverstärkungen. “

Wer das Kleingedruckte in der SZ Studie liest, wird dann feststellen, dass die Projektionen der Karte sich auf die nächsten Jahrhunderte! beziehen. Das ist im Prinzip auch in Ordnung, nur werden solche Meldungen nur zu gern benutzt, um der Bevölkerung klarzumachen, dass sie in Kürze absaufen werden. Das ist hier aber eindeutig nicht der Fall. Ob es in Jahrhunderten dann tatsächlich diese Meerespegel gibt, steht in den Sternen. Von den Studienbetreibern wird es niemand mehr überprüfen können.

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Die Infantilisierung der Politik schreitet voran. Mindestens 3 Rechtschreibfehler in 13 Worten ist eine Leistung, von Interpunktion mal ganz abgesehen. Höhepunkt dürfte das Worte Hetzte sein. Die Ersteller dieser Solidaritätsbekundung (die Grüne Jugend) haben ihr Werk auch dann nicht geändert und zurückgezogen als längst klar war, dass es derartig fehlerhaft ist. Oder huldigen sie dem Heiligen Pethruß, dem Schutzpatron der Legastheniker-Mönche von Sangt Kappellen? Merke: Auch der Deutschunterricht sollte besser nicht mehr auf einen Freitag gelegt werden.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

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(Abbildung: Screenshot Welt.de)

Kurz und mündig, so lautet die Videoreihe von Axel Bojanowski bei der Welt. Wer die kurzen Videos sehen will, braucht einen Welt Plus Account, es gibt ihn bereits für monatlich 7,99 Euro, wenn man ein ganzes Jahr bucht. Im neuen Video geht es um Klimamodelle und vor allem, welche Schwächen sie haben. Einer der größten Schwäche ist die Tatsache, dass Klima eben nicht nur Temperatur meint. Niederschläge oder Wolken zu simulieren ist fast nicht möglich. Das Video hat fast 800 Kommentare.

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Strengere Klimaziele? Experten raten ab – potenzielle Ampel-Partner streiten. So titelt das Handelsblatt. Der Artikel ist hier zu finden.

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Passt euch an oder sterbt. Klingt martialisch, aber so lautet der Titel eines BBC-Berichts in Sachen Klima. Anpassungen an ein sich änderndes Klima sind wichtig, aber dennoch nicht ganz unumstritten. Sie gelten bei Klimabewegten als Teufelszeug, denn wer mit den Extremen von Wetter fertig wird, der hat möglicherweise kein Interesse mehr am Klimaschutz, schlicht, weil er keine Angst mehr hat. So eine Einstellung ist höchst gefährlich, das haben die Hochwasser im Westen Deutschlands im Sommer 2021 gezeigt.

Zur Anpassung gehören bereits funktionierende Alarmketten, vorhandene Evakuierungspläne und ein Blick zurück. Dann hätte man nämlich gesehen, dass es rund alle 100 Jahre in den letzten 200 Jahren so ein Ereignis gab wie z. B. im Ahrtal. Die Klimaschau Ausgabe 70 beschäftigt sich ausführlich mit den besagten Fluten und dem Versagen bei der Anpassung bzw. Vorsorge.

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Nicht nur Indien hat einen Mangel an Kohle, auch anderen asiatischen Länder fehlt der Energieträger. Weiterlesen bei CNBC.

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Die Berliner Zeitung spekuliert über ein Comeback der Kernenergie (Bezahlschranke). Bloomberg beschreibt Frankreichs Weg. Dort verspricht man sich bei SMR (kleinere Kernreaktoren) einen Exportschub bis 2030. Möglicherweise meint das auch den Export von Strom, denn Frankreich verfügt auch bei Dunkelflaute über eine gesicherte Leistung und tauscht nicht CO2 arme Stromerzeugung gegen CO2 reiche aus, so wie Deutschland es vorhat.

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Detelf Fintz von der ARD (wir berichteten) ist nicht allein. Bruder im Geiste ist Marcel Fratscher vom DIW. Auch Fratscher freut sich über die steigenden Energiepreise. Drosselung von Produktion, Kurzarbeit – alles super, weil es dem Klima hilft. Nur wenn es teuer wird, dann ist es gut. Wird beim DIW geforscht oder Ideologie verbreitet? Der entsprechende Artikel steht im Handelsblatt hinter einer Schranke, man muss sich registrieren.

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Klimaforschung: Nationalakademie Leopoldina stellt Liste mit Expertinnen und Experten zur Verfügung
Es liest sich wie das Who Is Who der aktivistischen Forschung.

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Klaus Peter Krause berichtet über eine Anhörung im Hessischen Landtag zum Thema Wasserstoff. Der Experte kommt zu keinem guten Resümee:

“Es war eine lehrreiche Erfahrung, wie Politik in einem kleinen Ausschnitt funktioniert. Anhörungen sind meiner Meinung nach zum großen Teil Alibiveranstaltungen, um Transparenz und Teilhabe aller Betroffenen an den politischen Entscheidungen zu demonstrieren.

Wenn erst der Weg einmal vorgegeben ist – hier die Energiewende mit der Komponente Wasserstoffwirtschaft – wird nur noch nach den Interessen der Profiteure gefragt, die diese neue Entwicklung für sich nutzen können. Nach der Sinnhaftigkeit des Projekts fragt keiner mehr. Technische, physikalische und ökonomische Fakten stören hier. Wenn auf wundersame Weise alle Altparteien im Schulterschluss mit den öffentlich rechtlichen Medien einer Meinung sind, haben Kritik wie auch Alternativvorschläge keine Chance mehr. Am Ende werden die Ergebnisfakten das Scheitern gnadenlos dokumentieren. Dann will es keiner gewesen sein, und alle haben es schon immer gewusst. Der Misserfolg kennt keine Väter.”

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Die Deutsche Energie-Agentur dena hat kürzlich einen neuen Leitbericht “Aufbruch Klimaneutralität” herausgegeben. Wenn man das fast 300 Seiten lange Dokument bis zum Ende liest stößt man auf erstaunliche Dinge. Einer der Unterstützer war das Unternehmen Stiebel ELTRON.

“Stiebel ELTRON hat die Studie mitfinanziert und bis zum Ende begleitet, trägt jedoch den Endbericht aufgrund der Annahmen und Ergebnisse nicht mit.”

Erstaunlicherweise fehlt bei den Namen der Beteiligten Claudia Kemfert vom DIW. Vielleicht hat sich bei der dena herumgesprochen, dass sich die Expertin gern mal um einige Hundert Milliarden verrechnet, wie ihr von Kollegen attestiert wurde.