Kritische Doku zur Energiewende: „End of Landschaft“

Spiked am 28.7.2021:

Are we finally getting cold feet about Net Zero?

There are press reports of growing tension between the UK treasury and the government over its Net Zero agenda.

According to the Mail on Sunday, chancellor Rishi Sunak ‘baulked’ at the estimated cost of £1.4 trillion. The Sun then claimed the government was considering postponing a central plank of the Net Zero strategy: the ban on the sale of new gas-fired domestic boilers, which may be pushed back from 2035 to 2040.

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Max-Planck-Institut für Biogeochemie im Juni 2021:

Gängige Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft helfen Bodenleben wohl nicht

Aktuelle Naturschutzpraktiken im Agrarland mögen für oberirdisch lebende Arten wie Vögel und Bienen gut sein, aber das Leben unter der Erde profitiert wahrscheinlich nur wenig davon. Dies schreiben Forschende des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt im Fachmagazin „Nature Communications“, unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie. Sie berichten, dass die biologische Vielfalt im Boden landwirtschaftlich genutzter Wiesen und Weiden am höchsten ist, wenn diese von viel Wald mit altem Baumbestand umgeben sind. Hingegen haben extensive Landnutzung und eine vielfältige Nahumgebung – beides Hauptpfeiler der Maßnahmen zur Förderung der Agrobiodiversität – nur wenig Einfluss auf die Vielfalt unterirdisch lebender Organismen.

Die biologische Vielfalt auf Wiesen und Weiden ist in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen, wie zahlreiche Studien zeigen. Maßnahmen, die diesen Verlust aufhalten sollen, konzentrieren sich bislang meist auf die Arten, die oberirdisch leben, wie beispielsweise Vögel und Bienen. Doch auch im Boden von Wiesen und Weiden wimmelt es vor Leben. Diese Organismen sind mindestens so vielfältig wie die oberirdisch lebende Fauna und immens wichtig für die Bodenfruchtbarkeit, die Kohlenstoffspeicherung und eine Reihe anderer Ökosystemleistungen. Wissenschaftler*innen des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt und des Thünen-Instituts und ihre Partner, darunter Forschende des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena, zeigen in einer neuen Studie, dass unter- und oberirdische biologische Vielfalt unterschiedlichen Einflüssen unterliegen. Die gegenwärtigen Naturschutzmaßnahmen kommen daher dem Leben unter der Erde wahrscheinlich kaum zugute.

Die Wissenschaftler*innen ermittelten, wie artenreich 150 Parzellen auf Wiesen und Weiden sowohl ober- als auch unterirdisch sind und welche Rolle intensive Landnutzung dabei spielt. Die Untersuchungsflächen befinden sich in der Schorfheide-Chorin, auf der Schwäbischen Alb und im Nationalpark Hainich. Sie sind Teil der Biodiversitäts-Exploratorien, einem deutschlandweitem Verbundprojekt, in dem Forschende seit 2006 den Zusammenhang zwischen biologischer Vielfalt und Landnutzung untersuchen und daher in herausragenden Detailtiefe aufzeigen können, wie Ökosysteme auf intensivierte Landnutzung reagieren.

„Wir haben Daten zur Artenvielfalt entlang der gesamten Nahrungskette in Beziehung dazu gesetzt, wie intensiv die Parzellen landwirtschaftlich genutzt werden, wie viel also gedüngt oder wie oft gemäht wird. Darüber hinaus haben wir uns angeschaut, wie die Landschaft in einem zwei-Kilometer-Radius rund um die Parzellen aussieht. Zum Beispiel haben wir untersucht, wie lange Wälder und natürliche Graslandschaften in dieser Umgebung schon bestehen, da das Roden von Wäldern und Umbrechen von Grasland, um Platz für Ackerbau zu schaffen, eine intensivere Landnutzung darstellt“, skizziert Dr. Gaëtane Le Provost, Postdoktorandin am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, die Studie.

Den Ergebnissen zufolge hängt die Artenvielfalt der meisten Bodenorganismen, beispielsweise Bakterien und Pilze, auf den Wiesen- und Weideparzellen nicht davon ab, was auf der Fläche selbst passiert, sondern wie die weitere Umgebung beschaffen ist. „Die Artenvielfalt im Boden der Parzellen ist umso höher, je mehr Waldflächen es in bis zu zwei Kilometern Entfernung gibt. Außerdem ist die Artenvielfalt im Boden der Parzellen höher, je länger der Wald in der weiteren Umgebung schon besteht“, erklärt Dr. Peter Manning, leitender Wissenschaftler am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. „Die Wälder bieten einen stabilen Lebensraum für Bodenorganismen und scheinen deshalb ein Zufluchtsort zu sein. Von dort ausgehend können Tiere und Pilze den Boden von Wiesen und Weiden – beispielsweise nach deren Umpflügen – wieder besiedeln können.“

Wie intensiv die Parzellen gedüngt, beweidet oder gemäht werden, hat nur geringen Einfluss auf den Artenreichtum im Boden der Parzellen. Erstaunlicherweise profitieren einige Gruppen von Bodentieren, wie Pilze und Amöben, sogar von intensiver Landnutzung. „Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was wir bei Pflanzen, Vögeln, Insekten, Weichtieren, Käfern und anderen Organismen sehen, die in den Wiesen und Weiden leben. Je intensiver die Fläche genutzt wird, desto weniger dieser Arten fanden wir auf den Parzellen“, so Le Provost. Zusätzlich war die oberirdische Artenvielfalt geringer, wenn das nahe Umfeld, wie es oft in intensiv genutzten Agrarlandschaften der Fall ist, homogen anstelle von vielfältig war.

Die Wissenschaftler*innen schlussfolgern, dass aktuelle Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt im Agrarland wie ein geringerer Einsatz von Düngemitteln und das Anpflanzen von Blühstreifen vor allem der oberirdischen Artenvielfalt zugutekommen. „Wie unsere Studie zeigt, nützen diese Maßnahmen der biologischen Vielfalt im Boden von Wiesen und Weiden vermutlich wenig, da sie nicht primär von diesen Faktoren abhängt. Sie würde mehr davon profitieren, wenn es in der weiteren Umgebung langfristig Wälder und Grasflächen gäbe“, kommentiert Manning. Er fährt fort: „Wenn wir sicherstellen wollen, dass Agrarlandschaften auch in Zukunft so produktiv wie heute sind, müssen wir die ober- und die unterirdische Vielfalt fördern und schützen. Die gegenwärtigen biodiversitätsfördernden Bewirtschaftungsstrategien für Agrarlandschaften sollten daher überarbeitet werden.“

Original-Veröffentlichung:
Le Provost, G. et al. (2021)
Contrasting responses of above- and belowground diversity to multiple components of land-use intensity.
Nature Communications, doi: 10.1038/s41467-021-23931-1

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Youtube:

Wasserstoff-Autos? Wirklich die Zukunft? (ALLE Argumente!) | Dr. Pero Mićić

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PV Magazine 2020:

Portuguese government confirms world record solar price of $0.01316/kWh

The Portuguese government has revealed some of the preliminary results of the national solar auction which closed on Tuesday. Antonio Delgado Rigal, chief executive of energy forecasting service Aleasoft, said that the 15-year contracts awarded in the auction were the key to understanding the reason of such a low price. This, combined with the rights for land and grid connection guaranteed by the auction, makes attractive bidding at low prices.

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Karlsruher Institut für Technologie am 8.7.2021:

KIT: Erneuerbare Energien: Bergpanorama mit Windrad unerwünscht

Ob Alpenvorland, Mittelgebirge oder Meeresküste – in den schönsten Landschaften Deutschlands stößt der Windkraftausbau häufig auf Ablehnung. Was genau das für die Energiewende bedeutet, das haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gemeinsam mit Partnern aus Großbritannien und Dänemark untersucht. In der Fachzeitschrift Patterns rechnen sie vor, dass die Kosten für eine Kilowattstunde um bis zu sieben Cent sowie die CO2-Emissionen um bis zu 200 Gramm steigen könnten. (DOI: 10.1016/j.patter.2021.100301)

Diese Presseinformation finden Sie mit Foto zum Download unter: https://www.kit.edu/kit/pi_2021_065_erneuerbare-energien-bergpanorama-mit-windra…

Für die Energiewende in Deutschland hat die Windenergie eine herausragende Bedeutung – mit aktuell rund 24 Prozent ist ihr Anteil an der Gesamtbruttostromerzeugung gemäß dem Statistischen Bundesamt deutlich höher als der aller anderen erneuerbaren Energien. „Damit wir unsere Klimaziele erreichen, ist es wichtig, diese Kapazitäten noch weiter auszubauen und möglichst viel Kohlestrom zu ersetzen“, sagt Professor Wolf Fichtner vom Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT. „In den landschaftlich schönen Regionen wird das allerdings von vielen abgelehnt.“ Was das genau für die Kosten der Energiewende und für die CO2-Bilanz von Deutschlands Gemeinden bedeutet, das hat ein Team am KIT gemeinsam mit Forschenden der University of Aberdeen sowie der Technical University of Denmark berechnet.

Die Ablehnung der Windenergie beziffern

Grundlage für die Berechnungen ist eine Datenbank, in der Tausende von Probandinnen und Probanden die Schönheit deutscher Landschaften nach standardisierten Kriterien bewertet haben. „Für Großbritannien wurde bereits nachgewiesen, dass die Ablehnung des Windkraftausbaus in Gemeinden in schönen Landschaften signifikant höher ist als in Gemeinden mit weniger schönen Landschaften“, sagt Max Kleinebrahm vom IIP. „Folgt man dem für Deutschland und ersetzt den qualitativen Faktor einer ablehnenden Haltung durch ein windkraftloses Entwicklungsszenario, dann kann man die zu erwartenden Mehrkosten eines Verzichts auf Windturbinen genau projizieren.“ Als Maßstab habe ihnen dabei ein weiteres techno-ökonomisch optimiertes Szenario für den Energiesystemumbau gedient, der mit lokaler Windkraft erfolge.

Durchgeführt wurde dieser Vergleich für 11 131 Gemeinden in Deutschland perspektivisch bis zum Jahr 2050. Bei einem Verzicht auf den Ausbau der Windenergieerzeugung in den schönsten Landschaften könnte die Stromerzeugung innerhalb einzelner Gemeinden demnach zusätzliche Kosten von bis zu sieben Cent pro Kilowattstunde verursachen, während die CO2-Emissionen im Vergleich zum Windkraftszenario um bis zu 200 Gramm pro Kilowattstunde steigen könnten. „Statt Windenergie müssten dann eben andere Formen der erneuerbaren Energiegewinnung wie die Solarenergie oder Bioenergie stärker ausgebaut werden“, sagt Jann Michael Weinand (IIP), einer der Hauptautoren der Studie. „Bei der Solarenergie entstehen aber höhere Systemintegrationskosten, die für einen Großteil des Aufpreises verantwortlich sind.“ Ganz ersetzen ließe sich die Windenergie für eine lokale Stromerzeugung auch nur in ganz wenigen Fällen. Meist müsse stattdessen Strom importiert werden, was zu den vergleichsweise hohen CO2-Emissionen führe.

Partizipation als Lösungsangebot

Für den grundsätzlichen Zielkonflikt zwischen Landschaftsschutz und klimafreundlicher Stromerzeugung mit Windturbinen können die beteiligten Forschenden keine schnelle Lösung bieten. Ihre Studie verstehen sie aber durchaus als Beitrag zu einem möglichen Ausgleich. „Wir wollen die notwendigen Daten zur Verfügung stellen, damit die Verantwortlichen vor Ort wissensbasierte Entscheidungen treffen können“, sagt Fichtner. Um ein noch tieferes Verständnis der Wechselwirkungen zwischen lokalen Windkraftwiderständen, landschaftlicher Schönheit und den Gesamtsystemauswirkungen zu erreichen, seien außerdem weitere Analysen geplant. (mhe)

Originalpublikation
Jann Michael Weinand, Russell McKenna, Max Kleinebrahm, Fabian Scheller, and Wolf Fichtner: The Impact of Public Acceptance on Cost-Efficiency and Environmental Sustainability in Decentralized Energy Systems. Patterns, 2021. https://doi.org/10.1016/j.patter.2021.100301

Weitere Informationen: https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000134325

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EIKE auf Youtube:

Wie die Politik Ahrweiler instrumentalisiert

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Information von Jörg Rehmann:

Die erfolgreiche, journalistisch-kritische Kino-Dokumentation zur Energiewende zählt zu den besucherstärksten Themenfilmen der letzten Jahre. Wegen anhaltender Nachfrage und der politischen Fortentwicklung habe ich den Film einer inhaltlichen Aktualisierung unterzogen. Ab sofort kommt „End of Landschaft – Wie Deutschland das Gesicht verliert“ wieder in den Filmverleih. 

Außer der deutschen Fassung steht eine englische Fassung und bald eine französische (jeweils mit Untertiteln) für den Verleih zur Verfügung.

Den neuen Trailer finden Sie hier.

Den regulären Filmtrailer erreicht man hier: Außerdem aktuell:

–„End of Landschaft“ wird auf Einladung am internationalen Filmfestival www.berlinfilm.es in Madrid teilnehmen

–Außerdem wird er in im Rahmen des bundesweiten Dokumentarfilm-Tages in mehreren Kinos gezeigt werden. Näheres demnächst unter www.letsdok.de

–Wie immer kann der Film auch von Seiten des Publikums für Kinos vorgeschlagen werden. Darüber hinaus werden wieder Bluray-Filmdatenträger zur Vorführung in Veranstaltungsräumen außerhalb Kinos verfügbar sein. 

Aus organisatorischen Gründen werden Nachfragen nach Filmverleih per E-Mail erbeten unter Angabe der Adresse und Kontaktdaten des Absenders. Alle weiteren Informationen zum Film finden sich auf der Webseite, die demnächst noch aktualisiert wird unter www.end-of-landschaft.de