Kommt eine dritte La Niña?

Kommt eine dritte La Niña? Es sollte eine bahnbrechende Prognose sein, die frühzeitige Vorhersage über die Wetterphänomene El Niño und La Niña. Beide beeinflussen das Wetter in sehr unterschiedlicher Art und Weise. Es wäre zu schön gewesen, wenn man bereits ein Jahr vorher wüsste, welche Bedingungen zu einem späteren Zeitpunkt herrschen. Am 04.11.2019 veröffentlichte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung eine bahnbrechende Neuigkeit. Dank neuer Algorithmen und viel Rechenleistung ist es nun möglich, einen El Niño oder eine La Niña lange vorher vorherzusagen. 80% sollte die Trefferquote lauten. Dummerweise trat dann ein Jahr später genau das Gegenteil von dem ein, was prognostiziert war. Die Klimaschau berichtete.

Science is settled? Nun, vielleicht doch nicht. Wie auch immer, es ist seitdem ruhig geworden um diese langfristigen Prognosen vom PIK. Die US-Behörde NOAA ist da deutlich vorsichtiger, sowohl, was die Langfristigkeit angeht als auch die Eintrittswahrscheinlichkeit. Vielleicht hat man dort aber auch nicht so gute Algorithmen und so viel Rechenleitung wie in Potsdam? Der US-Meteorologe Ryan Maue sieht bei Twitter jedenfalls gute Chancen, dass auf zwei aufeinanderfolgende La Niñas nun sogar noch eine Dritte kommt. Das passierte das letzte Mal vor 22 Jahren um die Jahrtausendwende.

(Abbildung: Screenshot Twitter)

Für das Frühjahr in den USA würde das bedeuten, dass es im Norden kühler wird, im Westen feuchter, im Süden wärmer und im Südwesten deutlich trockner.

(Abbildung: Screenshots Climate.gov)

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Tesla und das Rockefeller-Prinzip. Der Legende nach hat John D. Rockefeller einst Öllampen verschenkt, um dann am Absatz des Öls zu verdienen. Das Prinzip gibt es heute noch z. B. bei Druckern oder auch Mobiltelefonen. Tesla scheint es sich nun zu eigen zu machen. Mit dem Unterschied, dass die Tesla Autos nicht verschenkt werden, aber wer als Kunde sehr schnell an den sogenannten Superchargern laden will, der wird nun kräftig zur Kasse gebeten. Laut Golem werden die Preise von Tesla erneut erhöht. Nach Dezember 2021, März 2022 ist das nun die dritte Erhöhung in kurzer Zeit. Neu sind auch Belegungsgebühren, wenn ein Auto nach Abschluss des Ladens die Säule nicht freimacht.

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Es bleibt schwierig mit dem DIW. Vom DIW wurde gerade die frohe Botschaft verbreitet, wir bräuchten weder russisches Gas noch LNG-Terminals in Deutschland:

“Energieversorgung in Deutschland auch ohne Erdgas aus Russland gesichert”, so kann es auf der DIW-Webseite nachlesen.

Bereits im Eingangstext wird es etwas nebulös.

“Auf der Angebotsseite können Lieferungen anderer Erdgasexportländer einen Teil der russischen Exporte kompensieren.”

Es scheint also nur um einen Teil zu gehen.

(Abbildung: Screenshot DIW-Webseite)

Wenn man sich die vielen bunten Balken der Diagramme ansieht, die das DIW so verbreitet, dann kommt man schon ins Grübeln. Zum einen, weil Norwegen und auch die Niederlande bereits gesagt haben, dass sie am Limit mit der Förderung sind. Trotzdem wird vom DIW hier eine Ausweitung vorgesehen. Zum anderen wird vermutlich außer Acht gelassen, dass die Niederländer selber von der Abhängigkeit vom russischen Gas loskommen wollen. Ob der Eigenbedarf der Länder einkalkuliert wurde? Norwegen will zwar die Förderung erhöhen, die Größenordnungen werden aber nicht ausreichen, um hier nennenswerte Entlastung zu bringen.

Aber ganz besonders der orangene Balken des DIW-Diagramms lässt den Betrachter stutzen. Es handelt sich laut der Legende nämlich um russisches! Gas. Der einzige Unterschied ist, dass es sich um Gas aus Langfristverträgen handelt. War die Headline nicht: Wir brauchen kein russisches Gas? Dieser Fall erinnert an das Umdeklarieren von Kosten der Energiewende zu Investitionen durch das DIW bzw. Claudia Kemfert. Wir haben das hier schon öfter thematisiert.

Der Ökonom Weimann stellte es seinerzeit in einem Bild dar: Es ist in etwa so als wenn man an einem zugefrorenen See steht und behauptet, das wäre gar kein Eis, sondern gefrorenes Wasser. Auf das Beispiel Energiewende bezogen: Auch Investitionen kosten Geld. Es gibt sie nicht umsonst. Im Übrigen bleibt die Frage, wer hier investiert. Es sind die Betreiber von Solaranlagen und Windparks. Otto-Normal-Kunde investiert gar nichts, darf aber brav zahlen und den Investoren zu guten Renditen verhelfen.

Die Fortführung dieses DIW-Denkmusters lautet: Wir ersetzen russisches Gas durch russisches! Gas mit Langfristlieferverträgen. Das ist ja kein richtiges russisches Gas oder so ähnlich. Nachfragen gibt es doch ohnehin keine. Was soll schon schiefgehen? Das hat doch bei den Rechnungen zu den Kosten der Energiewende doch auch geklappt.

Man fragt sich ohnehin, wie der Wirtschaftsminister Habeck offenbar gegen die geballte Expertise des DIW einfach Projekte anschiebt, obwohl diese doch gar nicht nötig wären. Vertraut Habeck dem DIW vielleicht nicht? Oder hat er möglicherweise ganz andere Berechnungen zur Hand, die ihn zur Entscheidung gebracht haben, nun doch LNG-Terminals zu bauen? Spätestens, wenn er auf das Diagramm schaut, könnte er sich fragen, was die orangenen Balken bedeuten und sich mit der flachen Hand auf die Stirn hauen.

Vielleicht sind es gerade Studien wie die über das “neuartige” russische Gas, denen Habeck nicht traut. Auf den Seiten des DIW lässt sich kein Hinweis finden, ob die Studie in irgendeiner Art und Weise ein Peer-Review erfahren hat. Spätestens bei einer solchen Überprüfung hätte dieses doppelte russische Gas doch eigentlich auffallen müssen und dezent auf die irreführende Überschrift aufmerksam machen müssen. Eine Überschrift: Wir brauchen russisches Gas, aber möglicherweise nicht mehr ganz so viel, ist deutlich weniger aufmerksamkeitsstark. Es würde den Kern aber besser treffen.

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Die Zeit hat einen neuen Service. Er nennt sich Energiemonitor und gibt auf einen Blick sehr viele Informationen, die man sich ansonsten an verschiedenen Stellen zusammensuchen müsste.

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Weihnachten läuft in Deutschland immer ein Filmklassiker: 3 Haselnüsse für Aschenbrödel. Ostern 2022 kommt jetzt: 4 faule Eier in Habecks Osterpaket. Matthias Hochstätter vom Focus nimmt sich des Osterpakets an. Er benennt die 4 faulen Eier: Flächenproblem, Kapazitäts- und Marktproblem, Wärme- und Treibstoffproblem, Problem der „Windfall-Profits“. Sein Fazit fällt so aus:

“In der Politik dauert wie immer alles viel zu lange. Bis Habeck seinen Beamtenapparat in die Spur gebracht hat und die ersten Gesetze im Sommer beschlossen sind, ist die Ampel dann schon acht Monate im Amt. Und das anvisierte Sommerpaket wird wohl erst bis Weihnachten vom Bundestag und Bundesrat verabschiedet – frühestens. Scheinbar steht der Umbau der Energieversorgung in der Prioritätenliste der Ampel noch immer nicht ganz oben – trotz Ukraine-Krieg, Energiepreis-Krise und drohender Abkopplung von Putins Energie-Reserven.

Es kann auch anders gehen, wenn man will: Zwischen der Reaktorkatastrophe von Fukushima (11.3.2011) und dem Bundestagsbeschluss zum beschleunigten Atomausstieg (30.6.2011) vergingen nur dreieinhalb Monate. Das erste Corona-Krisenpaket benötigte von seiner Ankündigung am 13.3.2020 bis zu seiner Verabschiedung am 27.3.2020 sogar nur zwei Wochen. Und nur drei Tage benötigte im Oktober 2008 während der Finanzkrise das Gesetz zur Stabilisierung des Finanzmarktes. Man muss nur wollen.”

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Oxford University Press am 13.4.2022 mit einer unbequemen Botschaft:

Researchers find limited economic cost to robust carbon emission goals

A new paper in Oxford Open Climate Change indicates that, while various models to measure the economic impact of reducing carbon emissions show low current economic benefits, after 2050, most scenarios show higher benefits than costs. These benefits are the largest in developing countries. […] While researchers find that immediate economic benefits of carbon emissions reductions are limited, most scenarios have net economic benefits after 2050, and the vast majority (more than 75%) by 2080. 

Ganzen Beitrag bei phys.org lesen.

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The Conversation am 29.3.2022:

Another mass bleaching event is devastating the Great Barrier Reef. What will it take for coral to survive?

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SciVIBE:

Marine Energy: Exploring Environmental Effects, Powering Ocean Observations with Andrea Copping

Marine renewable energy stands to do a great deal of good. The ocean’s wave, current, and tidal energy holds the promise of electricity that can help power the grid, strengthen scientific observations, and bring renewable power to coastal communities. But how do marine animals like sharks and whales coexist with marine energy devices? What are the potential impacts? PNNL oceanographer and senior research scientist Andrea Copping leads research that explores these important questions. Join us today as we dive deep into her findings and discuss not only what the science says, but how the investigations unfold.

Hier anhören.

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Günther Aigner:

Können wir (und müssen wir) in den Alpen Wasser sparen?