Klimaschutz wird mit Naturzerstörung bezahlt

In der Wirtschaftswoche kommentiert Ferdinand Knauß den Preis für die Rettung des Weltklimas.

“Schon jetzt gibt es in Deutschlands Natur- und Kulturlandschaften nur noch wenige Flecken, von denen aus kein Windrad den Blick verstellt. Und das nächste Solar-Anlagen-Feld ist meist auch nicht weit. Jede vierte der insgesamt rund 30.000 deutschen Windkraftanlagen an Land steht sogar in einem Schutzgebiet. Und das ist bekanntlich erst der Anfang. Von derzeit 35 Prozent soll der Anteil der euphemistisch „Öko“ genannten Stromversorgung bis 2030 auf 65 und im Jahr 2050 auf 80 Prozent steigen.

Wir werden unseren Kindern und Enkeln also ein atom- und kohlekraftfreies Land überlassen, in dem ihre Augen aber keinen Blick mehr ohne drehende Räder kennen werden. Die deutschen Landschaften werden damit grundlegender verändert als jemals zuvor durch rauchende Schlote und dampfende Kühltürme.”

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In Nordrhein-Westfalen muss eine Windkraftanlage gesprengt werden, die nie in Betrieb war. Das berichtet der Focus. Der Grund sind gravierende Schäden.

“Die Anlage gehörte zum Windpark Jüchen A44n. Auch die anderen fünf Anlagen des Parks werden aus Sicherheitsgründen demontiert. Nach dem Abbau der Hauptkomponenten und des aus Stahl bestehenden oberen Turmteils soll auch bei ihnen der untere Betonteil gesprengt werden.

Die Windräder des Windparks stehen seit Monaten aus Sicherheitsgründen still, nachdem im Herbst vergangenen Jahres ein baugleiches Windrad in Haltern im Ruhrgebiet eingestürzt war. Das Windrad wurden dabei komplett zerstört. Auch in Jüchen wurde bei einer der sechs Anlagen ein Schaden am Turm festgestellt. Die Anlagen in Jüchen waren zum Zeitpunkt der Stilllegung noch nicht an die drei Betreiber übergeben worden. Dies war eigentlich für Ende 2021 geplant gewesen.

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Die Bundesnetzagentur widerspricht dem Chef des deutschen Katastrophenschutzes. Wir lesen beim MDR:

“Die Bundesnetzagentur widerspricht der Warnung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) vor Stromausfällen im Winter. „Deutschland verfügt über eines der weltweit zuverlässigsten Stromversorgungssysteme“, sagte ein Netzagentur-Sprecher am Wochenende den Funke-Zeitungen. „Es gibt zahlreiche Mechanismen und Reserven zur Stabilisierung des Stromnetzes in angespannten Situationen.“

BBK-Chef Ralph Tiesler hatte zuvor der „Welt am Sonntag“ gesagt, es werde wegen der angespannten Lage bei der Energieversorgung in den kommenden Monaten zu Stromausfällen in Deutschland kommen, die über das bisherige Maß hinausgehen. „Wir müssen davon ausgehen, dass es im Winter Blackouts geben wird“, so Tiesler.”

“Auf Twitter korrigierte sich das BBK am Sonntagvormittag. In einer Klarstellung heißt es: „Ein großflächiger Stromausfall in Deutschland ist äußerst unwahrscheinlich. Das elektrische Energieversorgungssystem ist mehrfach redundant ausgelegt und verfügt über zahlreiche Sicherungsmechanismen, um das Stromnetz bei Störungen zu stabilisieren.“ Die Wahrscheinlichkeit sei auch sehr gering, vorsorglich das Stromnetz zeitweise und regional abzuschalten um das Stromnetz abzuschalten. Das BBK bedauere die missverständliche Formulierung.”

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Schon im Juli 2022 hat sich Axel Bojanowski in seinem Blog mit der Frage beschäftigt, wie sichtbar bestimmte Klimaforscher in den Medien sind.

“Hier die Rangliste der meistzitierten Klimaforscher in Deutschland aus jenen ausgewerteten Nachrichtenquellen von 2016 bis 2019:

Mojib Latif (Uni Kiel) mit 70 Nennungen in der Stichprobe

Hans Joachim Schellnhuber (PIK) mit 55 Nennungen

Stefan Rahmstorf (PIK) mit 45 Nennungen

Petteri Taalas (Chef der UN-Wetterbehörde WMO) mit 44 Nennungen

Anders Levermann (PIK) mit 42 Nennungen

Ottmar Edenhofer (PIK) mit 39 Nennungen

Es fällt auf, dass niemand vom größten und renommiertesten deutschen Klimaforschungsinstitut dabei ist, dem Max-Planck-Institut für Meteorologie. Dafür ist das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) viermal vertreten, das für rührige Pressearbeit bekannt ist.

Alle Klimaforscher in der Rangliste sind für besonders nachdrückliche Warnungen vor dem Klimawandel bekannt und zudem dafür, Ihre Mahnungen mit politischen Botschaften zu verknüpfen (was ihr gutes Recht ist, aber einer genaueren Betrachtung lohnt).”

Die Frage lautet: Ist das der Verdienst einer guten Öffentlichkeitsarbeite oder einfach die Bequemlichkeit der Medien? Dazu passt thematisch die Kritik von Luisa Neubauer an den Medien in Sachen Klima. RND berichtet. Diese Kritik wird ausgerechnet von einer in den Medien extrem präsenten Gallionsfigur der Klimabewegung geäußert.

“Neubauer beklagte, dass Journalisten in Interviews mit Klimaschützern häufig versuchen würden, die Gegenposition einzunehmen. „Die Wirklichkeit da draußen immer wieder zur Verhandlung zu stellen, ist so ähnlich, als würde man sich als Medienvertreter nicht darauf einigen können, dass wir demokratische Werte verteidigen oder Menschenrechte anerkennen“, sagte sie. „Das Wirkliche und Wahre wird Aktivistinnen und Aktivisten als radikale Einzelmeinung ausgelegt“, so Neubauer weiter. „Das geht nicht auf.””

Sie bezog sich auf eine Sendung von Markus Lanz, über die wir in diesem Blog auch schon berichtet hatten. Über die Falschaussagen der beiden Protagonisten der Sendung Rochel und Trittin haben wir ebenfalls berichtet.

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Der deutsche Klimaforscher Mojib Latif kritisiert im Deutschlandfunk die Ergebnisse der Klimakonferenz COP27. Bemerkenswert ist seine Beurteilung von China bei dieser Konferenz. China wird ja immer sehr ambivalent gesehen. Wer auf die gesamten Emissionen des Landes verwies, der wurde oft genug mit dem Pro-Kopf-Ausstoß abgebügelt. Seit China aber Länder der EU auch dort pro Kopf überflügelt hat, zieht dieses Argument nicht mehr wirklich. Ohne China wird es nicht gehen, die angesprochene Koalition wird China und seinen Anstieg nicht ausgleichen können. Latif erkennt das richtigerweise.

Etwas bizarr ist allerdings, dass zu den “schmutzigen” Produkten, die wir laut Latif nicht mehr von China kaufen sollen, auch Solarmodule zählen, die dort unter schlechten Bedingungen produziert werden. Klingt nach Catch 22. Die Koalition der Willigen hat der ehemalige Wirtschaftsweise Werner Sinn schon 2019 in seinem Vortrag, über den wir seinerzeit berichtet haben, ins Spiel gebracht. Er ließ sich vom Ökonomen William Nordhaus inspirieren.

“Es müssten sich Länder zusammenschließen, um echte Fortschritte beim Klimaschutz auf den Weg zu bringen. Dazu zählte er neben der EU auch Kanada und die USA.

Im Bezug auf China erklärte Latif, auf der COP27 sei deutlich geworden, dass das Land keinerlei Interesse am Klimaschutz habe und auch nicht bereit sei, aus der Kohle auszusteigen. Deswegen müsse die „Koalition der Willigen“ China isolieren und keine Produkte mehr dort kaufen, die „schmutzig“ produziert wurden.

Die Industrieländer und Deutschland rief Latif auf, die Kohleverstromung während der Energiekrise nur vorübergehend hochzufahren. Es sei absolut notwendig, dass die Industriestaaten beim Klimaschutz vorangingen. Ansonsten hätten andere Länder gar kein Interesse daran, Emissionen zu reduzieren.

Die Klimaprognose von Latif fiel deutlich schlechter aus als das offizielle 1,5-Grad-Ziel der Konferenz von Paris im Jahr 2015. Latif erklärte, selbst mit massiven Anstrengungen sei nur noch ein 2-Grad-Ziel möglich. Er halte allerdings eine Erderwärmung von 2,5 bis 3 Grad für realistischer.”

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Leserpost von Thomas Mock zum Spiegel-Online-Artikel vom 18 11.22 „Wohlstand am Ende? Deutschlands irre Lust am eigenen Untergang“.

Der Spiegel-Autor macht es sich etwas sehr leicht, z.B. mit folgendem Satz: „Wenn energieintensive Industrien in einem Land schwinden, dessen erklärtes Ziel es ist, nicht mehr energieintensiv zu sein, um das Klima zu retten, dann ist es ziemlich widersinnig, darüber zu klagen, dass die energieintensiven Industrien schwinden.“ 

Denn es wird maskiert, dass die Klimagase dann für uns in anderen Ländern emittiert werden, wir unsere Klimaziele angeblich einhalten, faktisch aber in Drittländer kolonialisiert haben. Das Ziel keine energieintensive Industrie mehr haben zu wollen ist mir neu. Offensichtlich hat der Autor bzw der Spiegel eine andere Agenda. Denn das wäre ja die bestrittene De-Industrialisierung.

Es ist kristallklares „Greenwashing“, die Grundlagenindustrie auszublenden um Klimaziele zu erreichen, aber auf China zu schimpfen, dass diese Klimagase übernommen hat, wenn auch für Geld. Der Spiegel-Autor zeigt nämlich, dass er sich einen schlanken Fuß macht, wenn das 1,5C-Ziel und sein Klima-Budget absolut gesetzt werden und es als Folge zu solchen Schein-Lösungen kommt. Unsere Industrie kommt im Rahmen der Wertschöpfung ohne energieintensive Prozesse nicht aus. Es gilt das anzuerkennen. Alternativ müssten wir auf die Herstellung von Produkten verzichten die auf energieintensiven Vorprodukten beruhen. 

Da bleibt nichts übrig!