Klimadiskurs – Sapere aude!

Hans-Jürgen Bandelt im Februar 2020 auf Condorcet:

Klimadiskurs – Sapere aude!

„Wie wäre es, gebildet zu sein?“, fragte einst Peter Bieri. Da gab es auch schon Klima. Doch der heutige Klimadiskurs kommt ohne Bildung aus. Glauben ist alles, und die Ungläubigen werden verdammt. Argumente, auch normal-wissenschaftliche, gelten nicht mehr. Denn die sogenannte Klimawissenschaft hat es sich ganz postmodern im „Postnormalen“ eingerichtet. Der Senior der deutschen Klimamodellbauer, Hans von Storch, hatte vor einer solchen Entwicklung schon 2013 gewarnt in seinem Buch „Die Klimafalle – Die gefährliche Nähe von Politik und Klimaforschung“ (zusammen mit Werner Krauß).

Die große Politik hatte bereits 1988 das Gremium IPCC errichtet, als längst absehbar war, daß es mit der Temperatur wieder aufwärts ging, nachdem der mediale Schrecken vor der nächsten Eiszeit nicht mehr verfangen konnte. [1] Unter der Führung des IPCC sollten ausgesuchte Wissenschaftler ihre Expertisen in Arbeitsgruppen entwickeln.

Das IPCC setzte die These vom anthropogenen Klimawandel a priori und be- und verhinderte damit eine sachliche und ergebnisoffene Diskussion in der Klimawissenschaft. Das IPCC bzw. seine Arbeit stand von Anfang an unter dem Einfluss politischer und kommerzieller Interessen. Die Klimaforschung wurde gewissermaßen von einer Wissenschaft zu einer Ideologie, die bestimmten wirtschaftlichen, politischen und staatlichen Interessen dient.“ (Hanns Graaf ) [2]

Das ist die Achillesferse jenes Denkstils des Kollektivs der willigen Klimaalarmisten. Jeder Gebildete könnte, wenn er denn wollte, erkennen, daß hier teilweise antiwissenschaftliche Postulate und politische Forderungen an den Anfang mutmaßlicher Forschung gesetzt wurden, so daß als Ganzes keine normale Wissenschaft mehr herauskommen kann.

“Viele Naturwissenschafter sind heute Zudiener von Politikern, aber nicht mehr Naturwissenschafter, denen es um neues Wissen und Daten geht.” (Christian Schlüchter, 2014) [3]

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Schlechte Nachrichten für die Deutsche Umwelthilfe DUH. Zum Geschäftsmodell des Vereins gehören Abmahnungen. Auch Kommunen werden gern vor das Gericht gezerrt – im Namen der Umwelt. Nun stellt sich heraus, dass sich die Stickoxidwerte in vielen deutschen Städten verbessert, sprich abgenommen haben. Jetzt könnte man meinen, das läge an den Bemühungen der DUH. Doch, so einfach ist es nicht. Es gibt laut WELT eine Reihe von Gründen:

„Allerdings können Fahrverbote nicht die einzige Ursache für die sinkenden Werte sein, denn auch in einigen Kommunen ohne Einfahrtsverbote für ältere Dieselautos gibt es teils deutliche Rückgänge. So sank der Jahresmittelwert in Freiburg beispielsweise ohne Fahrverbot von 50 Mikrogramm auf nun nur noch 36 Mikrogramm und liegt damit unter dem geltenden Grenzwert.“

Die „gute Nachricht“ für die DUH lautet allerdings, dass es immer noch 19 Städte gibt, die über den Stickoxid-Grenzwerten liegen. Man kann also noch viel klagen. Der rührige Verein hat ohnehin so etwas wie das Perpetuum mobile in Sachen Feinstaub erfunden. Während man nämlich dem Diesel über Fahrverbote wegen der Feinstaubwerte an den Kragen will, versucht man sich das Geschäft dennoch zu erhalten. Also propagiert die DUH Pelletheizungen „Clean Heat“ und sorgt so selber für Feinstaubnachschub.

Selbst eine Ölheizung schneidet in Sachen Feinstaub fast 14 mal besser ab als eine Pelletofen-Heizung. Und auch, wenn ein Feinstaubfilter eingesetzt wird und dieser Filter den theoretischen optimalen Filterwert erreicht, schneidet die Pelletheizung immer noch deutlich schlechter ab als z. B. Gas. Dieses aber ist ein fossiler Brennstoff und daher garstig.

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Eine spannende Personalie. Axel Bojaowski wechselt zur WELT. Er wird dort Chefreporter Wissen für die WELT, WELT am Sonntag und WELT digital.

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Hat die Gesellschaft den Höhepunkt an CO2 Emissionen bei der Stromerzeugung erreicht? Roger Pielke sagt das jedenfalls in Forbes und beruft sich dabei auf die Zahlen der Internationalen Energie Behörde IEA. Das ist insbesondere vor dem Hintergrund wichtig, weil die Weltwirtschaft wächst und auch CO2-Prognosen eine solche Entkoppelung nicht vorsehen. Über das Szenario „business as usual“ in den Prognosen des IPCC haben wir bereits berichtet, diese sehen eine Verfünffachen der Nutzung von Kohle voraus, die sich mit den IEA Zahlen aber nicht deckt. Das Fatale ist, dass dieses Szenario, welches extrem unrealistisch ist, anstandslos in Tausenden von Studien übernommen und nicht hinterfragt wurde.

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Das Sturmtief Sabine beschäftigt die Medien und die Lobbyisten. Da ist zum einen der ZDF Meteorologe Özden Terli. In der TAZ, die aus dem Sturmtief einen Orkan macht, was Sabine aber gar nicht war, erklärt er, dass dieser Sturm nicht normal war.

Terli wagt hier einen eigenartigen Widerspruch, denn bislang hieß es, dass sich verringernde Temperaturgegensätze (Erwärmung der Pole) für weniger Wind und Sturm sorgen. Sabine ist aber das Gegenteil dieser Theorie. Auf diesen Widerspruch weist auch der Wetterfachmann Jörg Kachelmann unter dem TAZ Tweet hin.

Die Windkraft Lobbyistin Simone Peter nimmt das Sturmtief ebenfalls zum Anlass, ihrer Branche auf Twitter zu helfen. Glücklicherweise gibt es offenbar noch Menschen, die die Ereignisse etwas sachlicher einordnen, denn Simone Peter mischt in ihren Tweet die Aussage eines Bürgermeisters („Super GAU“) (den die Sorge um seinen Strand umtreibt, da die Fluten diesen abtragen) mit dem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Damit stellt sie einen direkten Bezug her und erweckt den Anschein, als wenn gerade etliche Inseln und Küstenstädte untergehen. Dabei sollte auch Frau Peter klar sein, dass ohne Backup-Kraftwerke die Erneuerbaren Energien niemals funktionieren werden. Und diese Back-Ups können nur fossil sein, weil wir in Deutschland bis 2022 aus der nicht-fossilen Atomkraft aussteigen.

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Die Methode Lesch

Andreas Müller geht auf seinem Blog „Hintermbusch“der Frage nach, wie seriös der Klima-Konsens ist.  Am Beispiel eines Charts über den Anstieg des Meeresspiegels, das Harald Lesch in einer TerraX Sendung benutzt, hat er weiter recherchiert.

Das Ergebnis ist ausgesprochen interessant, weil zwei Messstellen den Daten von Lesch überhaupt nicht entsprechen. Müller hat dafür die Pegelstände von Cuxhaven ab 1840 und Brest (Bretagne) ab 1820 untersucht. Nun gut, Lesch hat offenbar eine globale Darstellung gewählt, aber man muss schon die Frage stellen, wie das ermittelt und gemittelt wurde. Um den Anstieg von 25 Zentimeter seit 1880 (= 1,8 mm im Jahr) möglichst steil aussehen zu lassen wurde die X Achse „ausgenutzt“.

Müller vermutet, dass die Daten vor 1880 anders gewonnen wurden, weil sie einen starken Bruch haben. Plausibel im Vergleich zu den gemessenen Pegelständen Cuxhaven und Brest sind sie nicht.
Beide Messpunkte weisen diesen Bruch nämlich nicht auf. Leider klärt die Quelle der Daten, die Lesch präsentiert, nur darüber auf, dass die Daten von 7 (sieben!) Proxy Datenreihen stammten.  Die Herkunft der Daten lautet Credits: Spratt, R.M. and L.E. Lisiecki. 2016. A late Pleistocene sea level stack. Climate of the Past, Vol. 12, pp. 1079-1092. doi:10.5194/cp-12-1079-2016. Sie müssen aber ausgereicht haben, um daraus einen Weltpegelstand zu mitteln. Müller gelangt zu einem Fazit

„Fazit meines kleinen Exkurses in die Meeresspiegel-Messungen mit Harald Lesch:
Die Klimawissenschaft scheint über wesentlich weniger solide Daten zu verfügen, als sie behauptet. Selbst ein Fürsprecher des Klimawandels muss mit Daten auskommen, an denen schon einfache Plausibilisierungen mit Daten unterschiedlicher Quellen erhebliche Zweifel nähren. Gleichzeitig weicht er mit diesen Daten stark von dem ab, was die Klimawissenschaft in der Zwischenzeit an Daten aufgetan hat, um die Prognose einer bedrohlichen Entwicklung überhaupt noch aufrechterhalten zu können. Das Abwiegeln des IPCC wiederum führt zur Veröffentlichung von Szenarien, die seine Prognosen weit überschreiten.

Das ist nicht so vertrauenerweckend, wie man von einer Wissenschaft erwarten würde, an der nicht gezweifelt werden darf! Abweichungen vom Konsens, die nach oben zeigen, sind offensichtlich eher akzeptabel als Abweichungen nach unten. Das klingt viel mehr nach Politik als nach reiner Wissenschaft.“

Als Dreingabe gibt es noch „Steckbriefe“ von 7 „Klimaleugnern“, obwohl diese Wortwahl bizarr ist. Wer wollte das Wetter und seine statistische Mittelung leugnen? Auch dieser ist sehr lesenswert, vor allen Dingen die großen Unterschiede in Wikipedia-Einträgen der Protagonisten auf Deutsch und Englisch. Es ist nicht schwer zu erkennen, wie in Deutschland mittels Wikipedia Einfluss auf die öffentliche Meinung ausgeübt wird.