Kanzlerin Merkel fordert Gespräche zwischen Vertretern unterschiedlicher Meinungen in der Klimadebatte

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt beim 50. Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums am 23. Januar 2020 in Davos eine Rede, in der es auch einen Abschnitt zum Klimawandel gibt. Darin heißt es:

Wie versöhnt man diejenigen, die an den Klimawandel einfach nicht glauben wollen und die so tun, als wäre das eine Glaubensfrage? Für mich aber ist das eine klassische Frage einer angesichts wissenschaftlicher Daten völlig klaren Evidenz. Aber da wir in einer Zeit leben, in der Fakten mit Emotionen konkurrieren, kann man immer versuchen, durch Emotionen eine Antifaktizität zu schaffen, die dann genauso wichtig ist. Das heißt also, wir müssen die Emotionen mit den Fakten versöhnen. Das ist vielleicht die größte gesellschaftliche Aufgabe. Um diese anzugehen, setzt zumindest voraus, dass man miteinander spricht. Die Unversöhnlichkeit und die Sprachlosigkeit, die zum Teil zwischen denen herrschen, die den Klimawandel leugnen, und denen, die ihn sehen und dafür kämpfen, dass wir ihn bewältigen, müssen überwunden werden.

Hier sprechen viele Menschen miteinander, die sonst selten miteinander sprechen, aber es sprechen nicht ausreichend viele Menschen miteinander. Wenn wir in eine Welt hineingehen, in der die Sprachlosigkeit vielleicht manchmal noch größer als im Kalten Krieg ist, als es ziemlich geordnete Austauschmechanismen gab, dann haben wir ein Problem. Deshalb plädiere ich dafür, dass man, wenn es auch noch so schwerfällt, sich austauscht – auch zwischen Gruppen mit den kontroversesten Meinungen –, weil man ansonsten nur in seinen Vorurteilen und seinen Blasen lebt. Das macht sich im digitalen Zeitalter ja noch viel besser als in früheren Zeitaltern. Das könnte zum Verhängnis werden; und das muss überwunden werden.

Bundeskanzlerin Merkel ruft dazu auf, dass die verschiedenen Lager der Klimadebatte miteinander sprechen. Das ist sehr lobenswert und richtig. Nun ist es aber so, dass die Vertreter der Klimaalarm-Linie alles daran setzen gerade NICHT mit den Klimarealisten zu sprechen. Wenn Frau Merkel ihren eigenen Aufruf ernst nimmt, müsste sie doch eigentlich Foren schaffen, wo fachlich (ohne Emotionen) miteinander strukturiert gesprochen werden kann. Dies hat sie jedoch bislang versäumt. Ihre Berater kommen überwiegend vom Potsdamer PIK-Alarminstitut. Auch das ist nicht ausgewogen. Merkels Nähe zum PIK hat dann wohl auch dazu geführt, dass sie den Begriff „Klimawandel leugnen“ verwendet, was eher in den Sprachschatz von Greenpeace als einer Staats-Chefin gehört. Ein schlimmer Fauxpas. Sehen wir einmal großzügig darüber hinweg.

Man darf gespannt sein, ob Merkel ihren Worten nun Taten folgen lässt. Wo und wie können die beiden Klimalager miteinander sachlich debattieren. Wer moderiert solche Gespräche? Was passiert mit Kritik die in solchen Gesprächen geäußert wird? Könnte ein solcher runder Klimatisch nicht eine Reihe von Forschungsfragen definieren, um strittige Punkte gezielt und wissenschaftlich neutral überprüfen zu lassen?

Berichte zur Davos-Rede brachten u.a. DIE ZEIT und Reuters.

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Spiegel.de am 1. Februar 2020:

Die Welt ist besser, als wir denken

Junge Klimaaktivisten sehen schwarz, wenn es um ihre Zukunft geht. Oxford-Statistiker Max Roser setzt Daten und Fakten gegen Angst und Hysterie.

SPIEGEL: Herr Roser, in Ihrem Projekt „Our World in Data“ beschäftigen Sie sich statistisch mit den großen Entwicklungen der Weltgeschichte. Greta Thunberg fragt: „How dare you?“ Haben es die Älteren vermasselt?

Roser: In vielen Dingen hat Greta recht: Gegen viele Probleme der Welt könnten wir sehr viel mehr tun – bei der globalen Armut, bei vermeidbaren Krankheiten, an denen immer noch viel zu viele Kinder sterben, beim Klimawandel. Es hilft aber nicht, die ältere Generation für alle Probleme verantwortlich zu machen und zu übersehen, dass sie auch viel erreicht hat. Dass sich viel in die richtige Richtung entwickelt hat, zeigen die Daten deutlich.

SPIEGEL: Wie kamen Sie auf die Idee, Unmengen an Daten zu sammeln und zu bündeln, um eine möglichst lückenfreie Übersicht über den Zustand und die Entwicklung der Welt zu geben?

Roser: Ich sah all die Probleme – den Hunger, die Armut, die Zerstörung der Natur. Man resigniert als junger Mensch, wenn man darüber nachdenkt. Erst später im Studium ist mir klar geworden, welche Fortschritte in den letzten Jahrzehnten in fast allen Feldern gemacht wurden: in der Medizin, der Bildung, der Armutsbekämpfung.

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FAZ am 22.1.2020:

Innenministerium sieht im Klimawandel keinen Asylgrund

Ein Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen hat kürzlich festgestellt, dass Klimaflüchtlinge asylberechtigt sind. Dem widerspricht das deutsche Innenministerium – niemand wandere nur wegen der Umwelt aus.

Wer wegen der Folgen des Klimawandels seine Heimat verlässt, kann nach Auffassung der Bundesregierung in Deutschland weder Asyl noch Flüchtlingsschutz einfordern. Zwischen Klimawandel, Migration und Flucht bestehe zwar ein Zusammenhang, dieser sei aber bislang nur unzureichend untersucht, teilte ein Sprecher des Innenministeriums am Mittwoch mit. „Die meisten Studien deuten darauf hin, dass Umweltveränderungen Auslöser, aber nicht alleinige Ursache von Migrationsentscheidungen sind“, fügte er hinzu. 

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