Jetzt bestimmen Richter die Klimapolitik

Die Seite Windy.com bringt es an den Tag. Wir haben in Europa aktuell sehr wenig gleichmäßigen Wind. Ein Blick zurück auf den 26.06.2020. Windkraftanlagen brauchen zum Erreichen ihrer Nennleistung mindestens eine Windgeschwindigkeit von 12 Meter pro Sekunde. Auf der Windy Map sieht man Gegenden mit einer solchen Geschwindigkeit an der der grünen Färbung. Grün aber ist auf der Karte allenfalls auf hoher See zu erkennen.

(Abbildung: Screenshot Windy)

Folglich fiel auch die Windstrom-Ausbeute am 26.06.2021 aus. Sie betrug magere 264 MW.

(Abbildung: Screenshot Electricitymap.org)

Die Situation wird sich auch in den nächsten Tagen gravierend ändern, von Gewitterböen abgesehen. Europa bleibt weitestgehend blau, auch am 03.07.2021. Die Hoffnung, dass irgendwo der Wind schon wehen wird, erfüllt sich nicht.

(Abbildung: Screenshot Windy.com)

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Sebastian Vettel, mehrfacher Weltmeister in der Formel 1, wird Grün wählen. Ob die Grünen mit so einem prominenten Fürsprecher werben werden? Immerhin dürfte die Formel 1, was Nachhaltigkeit angeht, ganz weit hinten laden im Vergleich. Die Kurse verbrauchen viel Platz, die Wagen sind wahre Treibstoffschlucker und der gesamte Tross wird um die Welt geflogen, von Rennen zu Rennen. Als Steuerzahler in der Schweiz muss er sich mit den möglichen Folgen von Grüner Politik nicht wirklich plagen. Aber vielleicht werden wir ja statt der Formel E demnächst die Formel Lastenfahrrad erleben?

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Auweiha Bayrischer Rundfunk. Immer wenn das Wort Faktencheck in der Headline auftaucht, sollte man sehr vorsichtig sein. So wie bei diesem Artikel. Wer sich Gedanken um die Stromversorgung macht, der ist nämlich nach Meinung des BR jemand aus der rechten Szene und ein Prepper (das sind Menschen, die sich auf Notsituationen wie Blackout oder Katastrophen vorbereiten – vom englischen Wort to be prepared).

Ausgerechnet Claudia Kemfert wird in den Zeugenstand berufen. Deren Argumentation ist immer gleich. Die Grundlast ist ein Mythos und wer auf die Volatilität von Wind und Strom aufmerksam macht, der ist ein Anhänger von veralteten Energiesystemen. Die Grundlast erkennt eigentlich jeder an Charts wie die von Agora-Energiewende. Man sieht für die 25. Kalenderwoche sehr schön, wann die Produktion in Deutschland nicht gereicht hat und wie sehr konventionelle Kraftwerke arbeiten mussten, um z. B. den immer mehr erlahmenden Windstrom zu kompensieren. Dummerweise werden diese Kapazitäten aber gerade zurückgebaut.

Keine Woche ist diese Meldung aus dem Handelsblatt alt, in der sich die Netzbetreiber Sorgen vor Energie-Engpässen haben. Vielleicht hätte der Faktenfuchs einfach einmal bei den Netzbetreibern nachfragen sollen, statt bei einer Aktivistin, die mit ihren Rechenkünsten schon einige Male danebengelegen hat. Oder sind die Netzbetreiber allesamt Verschwörungstheoretiker?

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Ob dem Hamburger Bürgermeister Tschentscher so langsam dämmert, dass das Abschalten des Kohlekraftwerks Moorburg doch keine so gute Idee war? Er ruft nach dem Bund, nur der kann auch keinen Strom zaubern. Die FAZ beleuchtet die Situation rund um den Aluminium Produzenten Trimet. Trimet sieht die Grundlast übrigens nicht als Mythos wie Kemfert an.

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Ob Annalena Baerbock weiß, wie Solarpanele in China hergestellt werden? Vermutlich nicht, denn ansonsten würde sich wohl kaum fordern, dass Produkte, die mittels Unterdrückung von Minderheiten wie den Uiguren in China hergestellt werden, boykottiert werden sollen. In der ARD äußerte sich Baerbock entsprechend. Michael Shellenberger beleuchtet bei Forbes die dunkle Seite von Solar. Dazu gehören Menschenrechtsverletzungen und katastrophale Auswirkung auf die Umwelt im Norden China, wo ein Großteil der Produktion von Solarpanelen stattfindet. Entweder weiß Baerbock das nicht oder will es besser nicht wissen.

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Leserpost:

Sebastian Vettel wählt wohl im September ‚Die Grünen‘. Und dabei träumt er von einer Zukunft, in der e-getriebenen Formel 1-Gefährte um die Plätze fahren, die er mit Verbrennern anscheinend nicht mehr erreichen kann. Um solche Rennen zu bestreiten, sind jedoch über die Distanz 1 – 2 Fahrzeugwechsel angezeigt. Das erinnert sofort an den wilden Westen, wo bei den Postkutschen nach einer gewissen Distanz die Pferde gewechselt würden. Tolle und spannende Zukunftsperspektiven. Zum Artikel in der Welt.

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Mikrofasern werden zu Öl, Gas und Kohle

Textile Überbleibsel aus den Sieben von Wäschetrocknern lassen sich in Rohstoffe umwandeln

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Forscher lösen Problem explodierender Akkus

KIST-Wissenschaftler verhindern Bildung gefährlicher Dendrite mittels neuer Passivierungsschicht

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Photovoltaik-Ausbau auf bisherigem Höchststand – dennoch deutlich zu gering für echte Stromwende

EAG muss umgehend beschlossen werden, um den Turbo für die Solarrevolution zu starten

Der heute publizierte Bericht Innovative Energietechnologien in Österreich, Marktentwicklung 2020 des Klimaschutzministeriums zeigt, dass die Stromgewinnung aus Sonnenkraft die Zielrichtung zur Stromwende vorgibt. Jetzt heißt es: Dranbleiben.

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Alex Reichmuth am 28.6.2021 im Nebelspalter:

Umweltpolitik: Jetzt bestimmen Richter die Klimapolitik

Klimaaktivisten und Umweltschützer verlagern ihren Kampf für schärfere Massnahme gegen die Erderwärmung in die Gerichtssäle. Das ist problematisch, denn dadurch geht die demokratische Kontrolle in der Klimapolitik verloren.

Das Nein des Schweizer Stimmvolks zum CO2-Gesetz hat weit über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen gemacht. Zum ersten Mal ist die Bevölkerung eines Staates zu Massnahmen befragt worden, um das Klimaabkommen von Paris umzusetzen. Die Absage der Schweizerinnen und Schweizer zu neuen Abgaben, zusätzlichen Vorschriften und milliardenschwerer Umverteilung ist ein Signal, dass die Bevölkerung einer forcierten Klimapolitik zumindest skeptisch gegenüber steht.

Möglicherweise müssen der Bundesrat und das Parlament aber doch bald mehr Klimaschutz durchsetzen, trotz des Verdikts des Volks. Denn vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg ist eine Klage der «Klimaseniorinnen» gegen die Schweiz hängig.

Es handelt sich um eine Gruppe von 1800 älteren Schweizer Frauen, die von ihrem Land eine strengere Klimapolitik verlangen. Sie argumentieren, dass mit dem Klimawandel höhere Temperaturen zu erwarten seien und sie als ältere Personen davon gesundheitlich besonders stark betroffen seien. Darum seien sie zu Klagen gegen eine angeblich zu lasche Klimapolitik der Schweiz berechtigt.

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