Ist Grönland wirklich verloren?

Der Spiegel elektrisierte seine Leser am 14. August 2020 mit einem wahrlichen Klimaschocker:

Folge des Klimawandels: Grönlands Eisschild ist verloren

Gletscher verlieren ständig gewaltige Mengen Eis. Normalerweise wird der Verlust durch Schneefall wieder ausgeglichen. Doch auf Grönland ist das System dramatisch aus dem Gleichgewicht geraten.

Die Schmelze der Gletscher auf Grönland hat offenbar den Punkt überschritten, an dem sie noch rückgängig gemacht werden kann. Selbst wenn der globale Temperaturanstieg sofort gestoppt würde, zöge sich der Eisschild weiter zurück, berichten Forscher um Michalea King von der Ohio State University im Fachmagazin „Communications Earth and Environment“

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In der Pressemitteilung ihrer Universität strahlt Michaela King in die Kamera, weiß sie doch, dass dieser Klimaalarm ihr nun beste Karrierechancen eröffnet. Da ist er, der Punkt ohne Wiederkehr! Das Eis Grönlands ist dem Tode geweiht, es rutscht unaufhaltsam ins Meer. Der Tipping Point ist da! Wir können einstimmen: It’s the end of the world as we know it! 

Aber ist es wirklich so? Wir machen uns auf Spurensuche und finden mit 2 Klicks eine neuere Rekonstruktion der Grönlandtemperaturen der Vergangenheit (Lecavalier et al. 2017, pdf hier). In Bild 4a sehen wir die Temperaturen, ganz rechts ist die Temperatur von 1950, das ist in der Paläo-Klimawissenschaft stets mit „present“ gemeint.

Vor 11.000 Jahren war es über lange Zeiträume von Jahrtausenden demnach bis zu 4°C wärmer als 1950, heute beträgt die Erwärmung seitdem ca. 1°C. Da wir heute sehr wohl einen Eisschild von 2.850.000 km³ (das sind überschläglich Gt) sehen, kann der „Point of no return“ also vor 10.000 Jahren nicht überschritten gewesen sein. Wie kommt dann die Überschrift zustande? Wir schauen uns die zugehörige Arbeit von King et al. 2020 an:

Dynamic ice loss from the Greenland Ice Sheet driven by sustained glacier retreat

The Greenland Ice Sheet is losing mass at accelerated rates in the 21st century, making it the largest single contributor to rising sea levels. Faster flow of outlet glaciers has substantially contributed to this loss, with the cause of speedup, and potential for future change, uncertain. Here we combine more than three decades of remotely sensed observational products of outlet glacier velocity, elevation, and front position changes over the full ice sheet. We compare decadal variability in discharge and calving front position and find that increased glacier discharge was due almost entirely to the retreat of glacier fronts, rather than inland ice sheet processes, with a remarkably consistent speedup of 4–5% per km of retreat across the ice sheet. We show that widespread retreat between 2000 and 2005 resulted in a step-increase in discharge and a switch to a new dynamic state of sustained mass loss that would persist even under a decline in surface melt.

Ist da von dem unwiederbringlichen Ende des grönländischen Eisschildes die Rede? Aus dem Abstract:

„We show that widespread retreat between 2000 and 2005 resulted in a step-increase in discharge and a switch to a new dynamic state of sustained mass loss that would persist even under a decline in surface melt.“

Die Autoren sehen eine Beschleunigung im Abschmelzen in Richtung Ozean im Zeitraum 2000-2005. Es schneit nicht genug, um die Verluste auszugleichen. Sie finden einen Verlust von ca. 500 Gt/Jahr. Leider gehen sie in der Arbeit nicht auf die hochgenauen Gravitationsmessungen mit Satelliten ein, diese Daten zeigen zwischen 2003 und 2019 (mit einer Lücke in 2017 und 2018 durch einen Satellitenwechsel) einen linearen Massenverlust von nur 275 Gt/Jahr, sodass in 17 Jahren ca. 4200 Gt verloren gingen, das sind 0,15% des gesamten Schildes. Was genau sagen sie über die Zukunft?

„Ultimately, predictions of future change will require improved understanding of the ice/ocean boundary and controls on glacier calving.“

Das ist deutlich vorsichtiger als das, was uns da mit der üblichen „overconfidence“ als „verloren“ aufgetischt wird. Ein Blick in die Vergangenheit genügt, um das Mediengeschrei als das zu entlarven was es ist: faktenarme Propaganda.

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Kanzlerin Merkel trifft Greta Thunberg und Luisa Neubauer. Laut einen Bericht der ZEIT sollen auch zwei belgische Aktivisten von Fridays For Future (FFF) an dem Treffen teilnehmen. Offenbar will Merkel die EU-Ratspräsidentschaft nutzen und noch höhere Klimaziele in der EU durchsetzen. Ob die Kanzlerin die Aktivisten auf das neue „System“ anspricht, das ihnen vorschwebt? Demokratie und Marktwirtschaft haben nach FFF Meinung versagt.

Etwas skurril, dass sich die FFF Vertreter ausgerechnet mit denjenigen Vertretern eines Systems treffen (müssen), welches sie eigentlich ablehnen. Die ZEIT berichtet auch von dem offenen Brief der beiden, den 120.000 Menschen unterzeichnet haben. Darunter auch Prominente wie Leonardo DiCaprio. Dem gelingt das Kunststück für verbindliche CO2-Budgets zu sein und dabei gleichzeitig einen Privatjet zu besitzen.

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Jedes Jahr werden die fragwürdigen Darwin Awards verliehen. „Geehrt“ werden Menschen, die sich aus dem Genpool der Menschheit freiwillig verabschiedet haben und fast immer auf spektakuläre Art und Weise so wie ausschließlich selbstverschuldet ums Leben gekommen sind. Man kann sich aber auch anders aus dem Genpool selber entfernen. Die NZZ berichtet von einem jungen Mann, der der Grünen Jugend anhängt und sich im Alter von 23 Jahren sterilisieren möchte. Ein Hauptgrund ist die Sorge um das Klima. Er will der Erde nicht noch mehr Menschen zumuten.

Man hält kurz inne und überlegt, wie die Bevölkerungsentwicklung in Europa verglichen mit anderen Regionen der Erde ist und kommt aus dem Grübeln nicht heraus. Im nächsten Schritt kommt einem der Gedanke, dass man auch ohne Einnahme von Hormonen als Frau eine Schwangerschaft verhindern kann, und das als Mann. Kautschuk wird in Teilen der Welt sogar nachhaltig angebaut. Vielleicht hat sich das aber noch nicht überall herumgesprochen.