Ist die Energiewende noch zu retten?

So lautet der Titel einer nano Sendung bei 3Sat. Dabei werden verschiedene Perspektiven bei der Energiewende aufgezeigt. Der Meeresbiologe Kim Detloff erklärt die Auswirkungen von Windparks auf hoher See und verweist auf zahlreiche Punkte, die überhaupt noch nicht erforscht sind. Er scheint in einem gewissen Dilemma zu stecken, weil grundsätzlich schon mit den Erneuerbaren Energien sympathisiert. Seine Sorge ist die geplante Verneunfachung der Offshore-Kapazitäten in deutschen Gewässern. (Abbildung: Screenshot 3Sat-Mediathek)

Gekonnt lässig die Statements von Volker Quaschning zu dem Thema in der Sendung. Irgendeinen Tod müssen wir sterben, meint er. Wir unterhalten uns nur über die Nachteile, über einen toten Vogel vielleicht mal, aber wir sprechen nicht über die Vorteile, so sein Statement. Beim Thema gefährdete Vögel kam von Quaschning der “Vogelkiller” Haus ins Spiel. Warum eigentlich wird an dieser Stelle nicht konsequent hinterfragt, warum Greifvögel und Sing- und Gartenvögel in einen Topf geworfen werden?

Auch beim Thema der sogenannten Eurokite Studie über die Gefährdung von Vögeln durch Windkraft übernahm die Sendung kritiklos die ersten Einschätzungen zur Studie oder soll man besser sagen, das, was ZDF-Journalisten daraus gemacht haben? Kein Wort darüber, dass der Ersteller der Studie, die ohnehin nur ein Zwischenstand war, bereits einen Tag nach der Ausstrahlung einer ZDF-Sendung über das Thema, per Pressemitteilung zurückgerudert ist. Wir berichteten.

Auch der Staatssekretär Graichen darf sich äußern und lobt die Freiheitsenergien, die uns aus der Abhängigkeit von Staaten wie Russland befreien. Die neuen Abhängigkeiten von China haben sich bis zu ihm vielleicht noch nicht herumgesprochen, Nachfragen gab es im Interview diesbezüglich nicht. Immerhin, es kommen sehr unterschiedliche Protagonisten zu Wort, Kritiker und Befürworter von Windkraftanlagen, aber Neuerungen wie vertikal drehende Windräder, die weniger Platz benötigen und deutlich leiser sein sollen.

Am Ende wird Niko Paech interviewt. Er ist Professor für Postwachstums Ökonomie. Sein Urteil über die Energiewende ist drastisch: “Die Deutsche Energiewende ist gescheitert”. Sie hat seiner Meinung nach sogar für erhebliche zusätzliche Schäden gesorgt, wenn man in 10 Jahren auf sie zurückblickt. Eine Steigerung des Anteils von Erneuerbaren Energien würde nach ihm für eine noch größere Zahl von Schäden führen. Er meint damit in erster Linie die Natur. Die Sendung ist noch bis zum 10.11.2027 in der 3Sat-Mediathek zu sehen.

Dazu noch der Hinweis auf die Klimaschau-Spezialsendung zur Auswirkung der Windkraft auf Vögel und Fledermäuse:

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Das Drama um Uniper. Der Einstieg des Bundes ist vor allem eines, sehr teuer. Die Tagesschau berichtet von Verlusten von 200 Millionen Euro am Tag.

“Im sechsten Stock der Firmenzentrale liegt der sogenannte Trading Room. Hier kaufen die Händler weltweit Strom und Gas ein – und müssen nun versuchen, das fehlende russische Gas irgendwie woanders aufzutreiben. Die Preise für Strom und Gas an den Energiebörsen, den sogenannten Spot-Märkten, gehen seit dem Frühjahr steil nach oben. „Solche Preissprünge habe ich in den 28 Jahren meines Berufslebens noch nicht gesehen“, sagt Abteilungsleiter Gregor Pett mit Blick auf die ansteigenden Preiskurven auf den Monitoren seiner Händler. Weil Uniper mit seinen Kunden aber noch Verträge mit alten Konditionen – also niedrigeren Preisen – hat, verliert der Konzern nun zwischen 100 und 200 Millionen Euro – und zwar täglich. Pett verteidigt die enormen Ausgaben: „Wenn wir es nicht tun würden, dann müssten es Stadtwerke zu genau dem Preis kaufen, und die wären in kürzester Zeit in derselben Situation wie wir.“ Uniper sei wie ein Airbag für die deutsche Energieversorgung.”

Laut Euractiv plant Uniper nicht die Errichtung neuer Kernkraftwerke in Schweden. Es wäre auch sehr ungewöhnlich, wenn der neue Eigentümer das zulassen würde.

„Weder in Schweden noch anderswo hat Uniper Pläne, ein neues Atomkraftwerk zu bauen, das ist eine Tatsache“, sagte Unternehmenssprecher Georg Oppermann gegenüber dem Radio. Uniper ist Miteigentümer aller drei aktiven Kernkraftwerke in Schweden, Oskarshamn, Ringhals und Forsmark. Das Unternehmen ist auch Eigentümer des Kraftwerks Barsebäck, das derzeit abgebaut wird.

Kürzlich äußerte Åsa Carlson, Geschäftsführerin von Barsebäck Kraft, einer Tochtergesellschaft von Uniper, die Hoffnung auf einen neuen Energiepark in der Gegend von Barsebäck, der in der ersten Hälfte der 2030er Jahre auch Kernkraft enthalten könnte. Das deutsche Unternehmen lehnt jedoch den Bau von Kernkraftwerken auch durch seine Tochtergesellschaften ausdrücklich ab. Ab Anfang nächsten Jahres wird Uniper vom deutschen Staat übernommen. „Wenn die Bundesregierung etwas anderes will, kann sie das bei der Übernahme sagen, aber mir sind keine Änderungen bekannt“, so Oppermann.

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Der Kurzfristpreis für Strom soll nach Angaben vom Montelnews bis 2027 sinken. Als Grund wird der sinkende Gaspreis genannt. Spannend auch, dass die Studie, die das prognostiziert, von sinkenden Preisen in den 2030er Jahren ausgeht.

“Der deutsche Strommarkt dürfte sich in den späten 2020ern weitgehend von den Gaspreisen entkoppelt haben, die derzeit noch überwiegend die Preise im Strommarkt setzen. Diese Entwicklung dürfte zu stetig fallenden Strompreisen in den 2030ern führen. „Wir erwarten, dass Deutschland in den späten 2030ern weitgehend frei von fossilem Strom sein wird und der Strompreis von großen Offshore-Windparks und Solarinstallationen mit Batterien bestimmt wird“, so die Studie.”

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Wie sieht der Energiemix 2050 aus? Tech For Future wagt einen Ausblick und hat sich dazu drei Prognosen angesehen. In allen drei Szenarien werden auch im Jahr 2050 fossile Brennstoffe benötigt. Ihr Wachstum bis dahin wird aber kleiner sein als das von Wind und Solar. Interessant ist sicherlich auch, dass die Prognosen nicht für die Klimaszenarien RCP 4,5, 7.0 oder gar 8.5 langen. Eher klingen die Szenarien 3.4 und 2.6 als realistisch, was zu Erwärmungen von 2,0 bis 2,5 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts führen könnte.

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Ein kurzer Nachtrag zum Thema Krieg und Klima, über das wir kürzlich berichtet haben. Krieg ist nie gut und der Anreißer war keine Rechtfertigung für einen Krieg! Wenn es einen Krieg gibt, so wie jetzt in der Ukraine, dann belastet er in vielerlei Hinsicht die Beteiligten. Es ist immer eine Tragödie. Das Klima ist nur ein Aspekt eines Krieges. Die Publikationen, die in den Shownotes des NDR-Podcasts angegeben sind, kommen zu sehr unterschiedlichen Zahlen, weil die Betrachtungsweise unterschiedlich ist. So wird z. B. der enorme Diesel-Verbrauch eines Panzers berücksichtigt, während andere Studien auch das Heizen einer Kaserne in die Berechnung einfließen ließen. Von indirekten Folgen wie ausbleibenden Gaslieferungen und das Verfeuern von Kohle als Ersatz ganz zu schweigen.

Grundsätzlich macht sich der Blog nicht die Meinung von zitierten Personen zu eigen. Wie man die zitierten Aussagen einiger Beteiligten bewerten möchte, das obliegt jedem selbst. Wenn hier ein Zitat als “interessant” gekennzeichnet wird, dass bedeutet das nicht automatisch Zustimmung, sondern eher bemerkenswert im Sinne einer kritischen Auseinandersetzung.

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phys.org:

Carbon dioxide emissions rising globally, but drop in China

The world’s burning of coal, oil and natural gas this year is putting 1% more heat-trapping carbon dioxide in the air than last year, bad news for the fight against climate change but with an odd twist, according to scientists who track emissions.

China’s carbon pollution was down 0.9% this year compared to 2021, while emissions in the United States were 1.5% higher, said a study by scientists at Global Carbon Project released early Friday at international climate talks in Egypt. Both are opposite long-term trends. American emissions had been steadily dropping while Chinese emissions had been rising—until this year.

In both cases, it is a reaction to the pandemic and perhaps a bit of the energy crisis created by Russia’s invasion of Ukraine, study lead author Pierre Friedlingstein of the University of Exeter told The Associated Press. He said those two factors make this year’s data chaotic and hard to draw trends from. China’s lockdown in 2022 to try to control renewed COVID-19 is a major factor in that country’s drop, he said.

Much of the jump was in transportation—cars and air travel—with people’s limits on travel during the pandemic wearing off, Friedlingstein said.

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