Im Fall einer niedrigeren CO2-Erwärmungswirkung können die Pariser Klimaziele erreicht werden

Noch eine Geschichte aus der Rubrik: Es darf nicht sein, was nicht sein soll

Nach einem nassen Jahresstart 2020 in den Monaten Januar und Februar wird es nun trockener. Gleichzeitig aber auch kälter, weil sich die Wetterlage auf eine Nordost-Strömung umstellt. Das bedeutet, es fließt kalte trockene Luft aus Nordost ein, die Temperaturen werden zurückgehen. Wie schon mehrfach in diesem Blog beschrieben, ist Trockenheit das Kriterium für die Gefahr eines Waldbrandes, nicht die Temperatur und es gilt „Ohne Funke keine Zündung.“

Entzaubert wurde in diesem Blog auch schon das schöne Märchen von den immer schlimmer werdenden Waldbränden in Deutschland, die sich in erster Linie in 2019 auf zwei ehemalige Truppenübungsplätze beschränkten. Der Rest der deutschen Wälder, teilweise in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Bränden weigerte sich bei ähnlichen Ausgangssituationen einfach zu brennen oder konnte, da keine Munition mehr im Waldboden, gelöscht werden.

Selbst ohne den Wetterbericht der nächsten Tage genau zu kennen, lässt sich nun auf Basis des Waldbrand Index des deutschen Wetterdienstes fast eine kleine Vorhersage für das Wetter machen. Regengebiete wird es am 21.03.2020 südlich eine Linie Köln – Cottbus geben. Am 22.03.2020 nur noch in Teilen von Baden-Württemberg und Bayern. Ab dem 24.03.2020 dann gar keine Niederschläge in Deutschland. Und jetzt kommt das Wunder von Potsdam: Obwohl nur noch Temperaturen von wenig über Null angesagt sind und nachts sogar Forst herrschen sollen, steigt die Gefahr eines Waldbrands. In Teilen von Deutschlands sogar auf die Stufe 4 von 5. Wie passt das zum Narrativ, dass es lediglich warm sein muss für Waldbrände?

Richtig, es passt gar nicht. Glück für den Wald ist momentan, dass auch tiefe Temperaturen die Dichte an Idioten kleinhält, die einen Wald gern mal anzünden, ob absichtlich oder fahrlässig. Waldbrände bei niedrigen Temperaturen soll man sich nicht wünschen, sie wären aber ein Signal, dass so mancher Experte einfach schief liegt.

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Professor Quaschning kann es nicht lassen. Kein Tag in der Corona-Krise ohne ein Posting von ihm, das versucht irgendeine Verbindung zum Thema Erneuerbare Energien und aktuellen Corona Pandemie zu schaffen. Jetzt geht es also um Arbeitsplätze.

Vielleicht einmal zur Einordnung: In der Bundesrepublik gibt es momentan 45 Millionen Beschäftigte. In der Solarbranche etwa 24.000. Das entspricht einem Anteil ca. 0,05%.
Wertschöpfende Tätigkeit in diesem Bereich im Sinne von Produktion findet in Deutschland nicht mehr statt aus verschiedenen Gründen. Es werden Anlagen montiert, die woanders auf der Welt hergestellt worden sind. Nach der Montage hier wurde bisher auf das Eintreffen der subventionierten Stromvergütungen gewartet, egal, ob der Strom benötigt wurde oder nicht und auch nur nach Lust der Natur.

Diesem Umstand hat Deutschland die höchsten Strompreise der Welt zu verdanken, nach den Bermudas. Genau das hat die deutsche Regierung bewogen, eine Deckelung einzufügen, denn die Strompreise zahlen die Verbraucher, egal, ob privat oder gewerblich. Hohe Strompreise aber machen das Leben teurer und die deutsche Wirtschaft weniger wettbewerbsfähig. Eigentlich das Letzte, was man braucht, wenn man aus einer Krise kommen will. Selbst wenn man die Zahl der Arbeitsplätze massiv steigern würde, dann sehen Experten einen Anstieg auf 50.000 Beschäftigte. Das wäre ein Anteil von 0,1% an der gesamten Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland – also verschwindend gering.

Irgendwie scheint es dem selbsternannten Experten Quaschning an einer realistischen Sichtweise zu fehlen, wenn er offenbar nicht die anderen 99,95% der Arbeitsplätze sieht, um deren Rettung sich die Regierungen des Bundes und der Länder gerade verzweifelt bemühen. Er scheint zudem ernsthaft besorgt, dass sein Lobbying durch die viel unmittelbarere Krise in Sachen Korona aus dem Fokus verschwindet. Nur so lassen sich die täglichen Tweets erklären.

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Übrigens: Wussten Sie, dass die ausgestoßene Luft beim Husten bis zu 480 km/h schnell ist? Das entspricht etwa der vierfachen Windgeschwindigkeit in einem Orkan (aus: Focus, Januar 2013).

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Auf eine solche Arbeit haben wir lange gewartet. Was ist eigentlich, wenn die CO2-Klimasensitivität am unteren Rand der IPCC-Spanne von 1,5-4,5°C Erwärmung pro CO2-Verdopplung liegt? Eine Forschergruppe um Ronan Connolly hat es jetzt ausgerechnet (Connolly et al. 2020). Bei einer Klimasensitivität von unter 2,0°C/2xCO2 (ECS) würden die Pariser Klimaziele im 21. Jahrhundert problemlos erreicht. Hier der Abstract:

How Much Human-Caused Global Warming Should We Expect with Business-As-Usual (BAU) Climate Policies? A Semi-Empirical Assessment

In order to assess the merits of national climate change mitigation policies, it is important to have a reasonable benchmark for how much human-caused global warming would occur over the coming century with “Business-As-Usual” (BAU) conditions. However, currently, policymakers are limited to making assessments by comparing the Global Climate Model (GCM) projections of future climate change under various different “scenarios”, none of which are explicitly defined as BAU. Moreover, all of these estimates are ab initio computer model projections, and policymakers do not currently have equivalent empirically derived estimates for comparison. Therefore, estimates of the total future human-caused global warming from the three main greenhouse gases of concern (CO2, CH4, and N2O) up to 2100 are here derived for BAU conditions. A semi-empirical approach is used that allows direct comparisons between GCM-based estimates and empirically derived estimates. If the climate sensitivity to greenhouse gases implies a Transient Climate Response (TCR) of ≥ 2.5 °C or an Equilibrium Climate Sensitivity (ECS) of ≥ 5.0 °C then the 2015 Paris Agreement’s target of keeping human-caused global warming below 2.0 °C will have been broken by the middle of the century under BAU. However, for a TCR < 1.5 °C or ECS < 2.0 °C, the target would not be broken under BAU until the 22nd century or later. Therefore, the current Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) “likely” range estimates for TCR of 1.0 to 2.5 °C and ECS of 1.5 to 4.5 °C have not yet established if human-caused global warming is a 21st century problem.