IASS Potsdam: „Klimamodelle sind nicht neutral“

Ruhrkultur am 24.11.2020:

Von der „Großen Transformation“ zum „Great Reset“

Das Thema des nächsten Weltwirtschaftsforums (WEF) lautet „Great Reset“ oder „Großer Neuanfang“. Es stand schon 2019, vor Beginn der Coronamaßnahmen, fest. Das jährliche Treffen der Milliardäre, Politiker und Journalisten sollte ursprünglich vom 26. bis zum 28. Januar in Davos stattfinden, wurde aber auf den 18. bis 21. Mai in die Luxushotel-Anlage auf dem Bürgenstock bei Luzern verschoben.

Für die meisten Beobachter steckt im «Great Reset» nicht unbedingt mehr Brisanz als in früheren WEF-Kalendersprüchen wie «Shaping the Post-Crisis World» (WEF 2009) oder «The Great Transformation» (2011), sagt die schweizer Handelszeitung. Aber die Lage sei heute heikler. Der große Anspruch des globalen Reset treffe auf das weitherum verbreitete Gefühl, dass Covid-19 von einer Elite missbraucht werde, um den Völkern demokratische Rechte zu entziehen.

„Die Große Transformation“

Die Absicht der Elite, die Welt neu zu ordnen und die Kontrolle über die Neugestaltung zu übernehmen, ist nicht wegzudiskutieren, denn sie ist oft genug dokumentiert. So verlangte der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) im Hauptgutachten 2011, sämtliche Verwaltungen auf Bundes-, Landes- sowie kommunaler Ebene dem Staatsziel Klimaschutz unterzuordnen.

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Stromberg Limited:

Why you should hire a Geologist

If you are a fan of the ‘science-situation-comedy’ The Big Bang Theory, you will recognise the meme: „Geology is a not a real science“. One of the main protagonists of the Big Bang Theory, Sheldon Cooper, is a gifted physicist who claims that geology is not a science:

However, as a connoisseur of the history of science, I would argue that the two greatest contributions to science are not from a physicist but from a biologist and a geologist. These contributions are Darwin’s Theory of Evolution and James Hutton’s Unconformity. Darwin was a biologist and Hutton was a Scottish Geologist. Both not only revolutionised science but also created a fundamental philosophical revolution that shook society to its core. Both ideas are intrinsically linked. Before Darwin and Hutton, people believed that everything we saw in the world was fixed and that the planet Earth had always looked the same, constant without change. People believed the same animals, plants, rivers, valleys and mountains had always been there. People believed continents were static, with the same shapes and fixed in the same position. Before Darwin and Hutton, most people believed that God created the world in seven days.

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IASS Potsdam am 7.9.2020:

Climate Engineering: Prognosen von Klimamodellen oft zu einseitig

Der Klimawandel gewinnt für Politik und Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung. Viele ambitionierte Klimapläne verlassen sich jedoch auf gezielte Eingriffe ins Klimageschehen, deren Risiken nur unzureichend verstanden werden. In einer neuen Publikation beschreiben IASS-Forscher, wie Klimamodelle zu „Best-Case-Szenarien“ tendieren. Sie warnen, dass eine verzerrte Wahrnehmung der Chancen von Climate-Engineering-Technologien die Trägheit von Politik und Industrie beim Klimaschutz verstärken könnte. Um diesem Trend entgegenzuwirken, empfehlen sie eine stärkere Einbindung von Interessengruppen und eine klarere Kommunikation der Voraussetzungen und Grenzen von Klimamodellen.

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Klimamodelle sind nicht neutral

Die Forscher zeigen Wege auf, diesem Trend entgegenzuwirken. So schlagen sie Mechanismen vor, um die Beteiligung von Interessengruppen bei der Klima-Modellierung zu erhöhen und politischen Realismus zu stärken. „Ein Verständnis von Modellierungen als explorative und technisch fokussierte Berechnungen zur Unterstützung von Entscheidungsfindungen ist vereinfachend. Modellierer müssen Parameter und Entwurfsszenarien auswählen. Ihre Entscheidungen können nicht ‚neutral‘ sein – Szenarien spiegeln versteckte Urteile wider und schaffen Maßstäbe für weitere Gespräche, sei es bei der Bewertung oder bei der Technologie- und Politikentwicklung“, sagt Co-Autor Sean Low. Aus diesem Grund sei mehr Transparenz nötig, wie Modelle konstruiert, wahrgenommen und angewendet werden. Bemühungen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, Modellierungsansätze mit Technologieexperten, Innovationswissenschaftlern und anderen Sozialwissenschaftlern abzustimmen, seien ein pragmatischer erster Schritt in diese Richtung.

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Wird jetzt endlich auch die Industrie an der Diskussion der Klimamodelle beteiligt? Wird nun endlich auch verlangt, dass die Modelle zunächst die belegte vorindustrielle Temperaturentwicklung der letzten 10.000 Jahre reproduzieren können, bevor sie für Prognosen bis 2100 eingesetzt werden dürfen?

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Pressemitteilung des Forschungszentrums Jülich vom 27.10.2020:

Der Boden soll das Klima retten

Der Erdboden hat die Fähigkeit, langfristig große Mengen Kohlenstoff zu binden. Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung des Forschungszentrums Jülich plädiert nun dafür, dieses Potenzial effektiv zu nutzen. So ließe sich die Zunahme des Treibhausgases CO2 in der Atmosphäre um ein Drittel senken, schätzen die Experten. Gleichzeitig würden sich auch die Agrarerträge in vielen Regionen deutlich steigern. In einer aktuellen Veröffentlichung stellen sie eine Strategie vor, mit der sich diese Ziele erreichen lassen. Sie erscheint in der Zeitschrift Nature Communications.

Der Klimagipfel in Paris im Jahr 2015 war auch die Geburtsstunde der sogenannten „4 pro 1.000“-Initiative. Ihr Name steht für einen Zusammenhang, der in Klimaforschung und Politik lange nicht genug Beachtung gefunden hat: Jahr für Jahr erhöht sich die Kohlenstoff-Menge in der Atmosphäre durch das von Menschen produzierte Klimagas CO2 um mehr als vier Milliarden Tonnen. Würde man diese vier Milliarden Tonnen stattdessen in den Böden dieser Erde binden (und damit den Treibhauseffekt komplett aufhalten), würde die im Boden enthaltene Kohlenstoffmenge jährlich um lediglich 0,4 Prozent wachsen (also 4 von 1.000). Anders ausgedrückt: Böden sind ohnehin schon ein gigantischer Kohlenstoff-Speicher. Warum also nicht einfach noch das überschüssige CO2 als zusätzliche Winzigkeit darin versenken?

Tatsächlich sind Experten heute davon überzeugt, dass sich mit dieser Strategie der Klimawandel deutlich verlangsamen ließe. „0,4 Prozent zusätzlicher Kohlenstoff-Eintrag sind zwar etwas zu optimistisch“, erklärt Prof. Wulf Amelung, Leiter des Jülicher Instituts für Agrosphärenforschung und der Abteilung Bodenwissenschaften an der Universität Bonn. „Ein Drittel davon ist aber vermutlich erreichbar.“ Dennoch hat sich seit 2015 kaum etwas bewegt. Amelung möchte daher zusammen mit Kollegen aus Europa, den USA, Australien und China das Thema wieder auf die Agenda bringen. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Communications“ umreißen sie eine Strategie, mit der sich das Potenzial der Böden im Kampf gegen den Klimawandel effektiv nutzen ließe. Amelung ist zusammen mit seinem französischen Kollegen Prof. Dr. Abad Chabbi federführend für die Initiative; in Deutschland war zudem noch die TU München beteiligt.

Es gibt eine Reihe einfacher Maßnahmen, die Kohlenstoff-Menge im Boden zu erhöhen, etwa das Mulchen (also das Bedecken des Bodens mit Ernteresten) oder auch die Zugabe von Pflanzenkohle. Die wichtigste Methode ist es aber, den Pflanzenbewuchs (und damit die Ernteerträge) zu steigern: durch Kalkung saurer Böden, durch eine bedarfsgerechte Düngung, durch geschickte Bewässerung. „Je mehr auf den Böden wächst, desto besser ist ihre Durchwurzelung“, erklärt Amelung. „Und Wurzeln mit ihren weit verzweigten Geflechten aus organischem Material speichern jede Menge Kohlenstoff.“ Umgekehrt enthält die organische Substanz essenzielle Nährstoffe für das Pflanzenwachstum und fördert damit den Ernteertrag. „Letztlich adressiert unsere Strategie daher zwei wichtige Ziele: den Klimaschutz und die Sicherung der Ernährung.“

Die globale Umsetzung des ehrgeizigen Plans ist aber nicht ganz so simpel: zu unterschiedlich sind Qualität und Eigenschaften der Böden an verschiedenen Standorten, zu unähnlich die verfügbaren Bewirtschaftungstechnologien. „Um den Kohlenstoff-Eintrag zu erhöhen, sind daher lokal angepasste Maßnahmen erforderlich – wir benötigen in den Reisanbaugebieten Asiens komplett andere Strategien als etwa auf einem Getreidefeld in Mecklenburg-Vorpommern“, betont Amelung. Zudem wirken viele Maßnahmen zur Kohlenstoffspeicherung besonders dann gut, wenn Böden durch langjährige Übernutzung teilweise degradiert sind und viel Kohlenstoff verloren haben. „Aus Kosten-Nutzen-Perspektive ist es sicher am sinnvollsten, auf solchen Flächen anzufangen – auch weil die Ernte-Zuwächse dort am größten sein dürften“, erklärt der Bodenkundler.

Leider ist das Wissen um den Zustand der Böden jedoch sehr lückenhaft. Die Wissenschaftler empfehlen daher den Aufbau von Datenbanken, die den Zustand der Flächen rund um den Globus sehr kleinteilig erfassen, sowie eine ebenso kleinteilige Modellierung möglicher Erntegewinne und des dazu nötigen Düngemittel-Einsatzes. Außerdem müsse sichergestellt sein, dass es nicht lediglich zu einer Umverteilung des Kohlenstoff-Eintrags komme: etwa, indem organisches Material aufwändig von einer Farm zu einer anderen Fläche gebracht würde und nun am Ursprungsort fehle.

Originalpublikation:
W. Amelung, D. Bossio, W. de Vries, I. Kögel-Knabner, J. Lehmann, R. Amundson, R. Bol, C. Collins, R. Lal, J. Leifeld, B. Minasny, G. Pan, K. Paustian, C. Rumpel, J. Sanderman, J.W. van Groenigen, S. Mooney, B. van Wesemael, M. Wander und A. Chabbi: Towards a global-scale soil climate mitigation strategy; Nature Communications, DOI: 10.1038/s41467-020-18887-7